Search and Rescue

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Such- und Rettungsdienst im Bereich See- und Luftfahrt.
Einheiten der beiden Such- und Rettungsdienste
Luftnotfall auf See

Mit Search and Rescue (SAR, deutsch Suche und Rettung) werden international in staatlichem Auftrag tätige Such- und Rettungsdienste für Notfälle in der Luft- und Seefahrt bezeichnet. Alle Staaten, die dem Chicagoer Abkommen von 1944 beigetreten sind, sind verpflichtet, einen entsprechenden Dienst für Luftnotfälle bereitzuhalten. Die entsprechende Praxis bezüglich Seenotfällen wurde erst 1979 im Übereinkommen über den Such- und Rettungsdienst auf See international geregelt. Grundlage für die Durchführung ist das von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO und der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO gemeinsam herausgegebene IAMSAR-Handbuch (International Aeronautical and Maritime Search and Rescue Manual). Meist sind die SAR-Dienste in die Streitkräfte, vorhandene Rettungsdienste, Polizei oder andere Sicherheitsbehörden eingegliedert.

In Deutschland ist für die SAR-Dienste das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur verantwortlich, das die Durchführung dieser Aufgaben jedoch an das Bundesverteidigungsministerium (Luftnotfälle) bzw. an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (Seenotfälle) übertragen hat. Weitere Mittel werden bei Bedarf durch andere Behörden und Organisationen bereitgestellt, z. B. durch Polizei von Bund und Ländern, Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, Zoll, Technisches Hilfswerk und Bergwacht. Zu unterscheiden von den SAR-Diensten ist in Deutschland die Luftrettung, die das schnelle Transportmittel Hubschrauber für den allgemeinen Rettungsdienst nutzt.

Luftbetankbarer US-Air-Force-Hubschrauber mit hoher Reichweite im Seenoteinsatz im Nordatlantik

SAR-Dienst für Luftfahrzeuge in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgestürztes Sportflugzeug
Siehe auch: Luftnotlage

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftsichtung einer bewaldeten Absturzstelle

In dem Bereich der Luftfahrt wird der SAR-Dienst von der Bundeswehr (Heer und Marine) im Auftrag des Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur wahrgenommen. Die Aufgabe wurde im Rahmen der Bundeswehrreform 2013 von der Luftwaffe an das Heer übertragen (Fähigkeitstransfer).

Aufgaben des SAR-Dienstes der Bundeswehr sind:

Daneben werden auch Aufgaben außerhalb des SAR wahrgenommen, sofern militärische und SAR-Aufgaben dem nicht entgegenstehen und genügend Kapazitäten vorhanden sind:

Bei Luftnotfällen über See wird der SAR-Dienst für Luftfahrzeuge durch den maritimen SAR-Dienst unterstützt.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo des militärischen Such- und Rettungsdienstes

Für Deutschland bestehen zwei SAR-Bereiche mit eigenen Leitstellen in Münster und Glücksburg, die vom Heer (vorher Luftwaffe) bzw. der Marine betrieben werden. Den Leitstellen obliegt die Einsatzleitung der Such- und Rettungsmaßnahmen für ihren Bereich. Der SAR-Bereich Glücksburg umfasst die Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg, die deutschen Hoheitsgewässer und Inseln sowie das Gebiet des deutschen Festlandsockels, der SAR-Bereich Münster das deutsche Festlandsgebiet ohne Schleswig-Holstein und Hamburg.

Im SAR-Bereich Münster bestehen drei mit SAR-Hubschraubern des Heeres vom Transporthubschrauberregiment 30 (Niederstetten) besetzte SAR-Kommandos in Holzdorf, Penzing bei Landsberg und Nörvenich. In den fünf Kommandos Laage, Diepholz, Erfurt, Malmsheim und Ingolstadt ist der Betrieb 2009/2010 eingestellt worden.[1] Im SAR-Bereich Glücksburg bestehen SAR-Kommandos auf Helgoland und in Warnemünde, die in Abhängigkeit von Maschinenverfügbarkeit von Montag bis Freitag besetzt sind. Ansonsten wird ein SAR-Hubschrauber vom Standort des Marinefliegergeschwaders 5 (Nordholz) aus eingesetzt. Ab Windstärke acht wird jedoch nach Möglichkeit ein Hubschrauber nach Helgoland verlegt. Der SAR-Leitstelle Münster steht außerdem ein flächendeckendes Netz von 33 Flugfunkstationen zur Verfügung, die SAR-Leitstelle Glücksburg verfügt über 13 über den SAR-Bereich verteilte Flugfunkstationen. Die SAR-Leitstellen und die SAR-Hubschrauber bilden die Einrichtungen und Mittel ersten Grades, die in ständiger Bereitschaft sind.

Weitere bei Bedarf mobilisierte Mittel sind Mittel zweiten Grades. Die Bundesländer haben, in der Regel bei den Innenministerien oder den oberen Polizeibehörden, SAR-Bereichssuchstellen eingerichtet, die auf Anforderung der SAR-Leitstellen Such- und Rettungsmaßnahmen am Boden durchführen. Die Stadtstaaten Bremen und Hamburg betreiben jeweils eine gemeinsame Bereichssuchstelle mit Niedersachsen bzw. Schleswig-Holstein. Daneben fungiert die Seenotleitung Bremen des maritimen SAR-Dienstes als Bereichssuchstelle für die Seegebiete von Nord- und Ostsee. Von den Landeskommandos können ebenfalls Truppen angefordert werden. Außerdem können weitere Einsatzmittel der Bundeswehr und verbündeter Streitkräfte, insbesondere Luft- und Seefahrzeuge, herangezogen werden. Ist dringende Nothilfe erforderlich, alarmieren die SAR-Leitstellen die zuständigen Rettungsleitstellen.

Mit benachbarten SAR-Diensten anderer Staaten findet eine enge Kooperation und gegenseitige Hilfeleistung statt.

SAR-Hubschrauber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SAR-Hubschrauber vom Typ Bell UH-1D im Flug
Bell UH-1D für den SAR-Dienst im Gebirge

SAR-Bereich Münster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die medizinische Ausrüstung der SAR-Hubschrauber des Heeres ist gleichzusetzen mit der eines zivilen Rettungshubschraubers. Je nach Einsatz kann zusätzliche Ausstattung erforderlich sein. In Landsberg wird ein zweiter Hubschrauber einsatzbereit speziell für den Einsatz in den Bergen vorgehalten. Er ist nicht mit dem vollständigen SAR-Satz ausgestattet.

Bergrettungsausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres Einsatzgebiet von SAR-Hubschraubern ist die Rettung aus dem Gebirge oder schwer zugänglichem Gelände. Hierzu hält das Transporthubschrauberregiment 30 (Niederstetten) auf dem Fliegerhorst Landsberg/Lech einen besonders konfigurierten SAR-Hubschrauber „SAR 58“ vor. Er ist aus Gewichtsgründen nicht mit dem vollständigen SAR-Satz ausgestattet. Such- und Rettungsaktionen der SAR-Einheiten können, im Gegensatz zu vielen nur tagsüber vorgehaltenen zivilen Rettungshubschraubern, rund um die Uhr erfolgen. Bei Bedarf erfolgt die personelle Unterstützung der Besatzung durch die örtlich zuständige Bergwacht.

Die SAR-Hubschrauberbesatzungen arbeiten vor Ort sehr eng mit der Bergwacht zusammen. Trainiert werden neben gemeinsamen Suchaktionen auch Flüge mit Rettungs- und Suchhunden, um z. B. Lawinenopfer orten und retten zu können.

SAR-Bereich Glücksburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hubschrauber vom Typ Sea King mit Froschmann

Die Hubschrauber der Marine haben eine andere Ausstattung. Bei der Rettung auf See mittels SAR-Hubschraubern spielt die Aufnahme von Verletzten oder erkrankten Personen durch die Rettungswinde eine maßgebliche Rolle. Ebenfalls eine Besonderheit ist, dass die Rettungseinsätze über See (engl. offshore) mangels alternativer Rettungsmöglichkeiten oftmals auch unter sehr schwierigen Wetterbedingungen erfolgen. Insofern unterscheiden sich die SAR-Einsätze auf See deutlich von der Luftrettung und von SAR-Einsätzen über Land.

Besatzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besatzung prüft in dicht bestandenem Gelände die Sicherheitsabstände

Die Besetzung von SAR-Hubschraubern mit Funktionsträgern richtet sich in Deutschland nach dem jeweils zugedachten Auftrag des Kommandos.

Im Bereich der Marineflieger bilden stets mindestens vier Personen die Crew, darunter

  • zwei Hubschrauberführer,
  • ein Luftfahrzeugoperationsoffizier (LOPO) und
  • ein Bordmechaniker mit medizinischem Ausbildungsstand (Rettungssanitäter).

Zum Einsatz kommen dabei Westland Sea King MK 41-Hubschrauber.

Rettungswinde im Deutschen Museum

Im Bereich des Heeres hingegen werden die SAR-Hubschrauber regulär mit drei Crew-Mitgliedern besetzt:

  • einem Hubschrauberführer,
  • einem Bordtechniker (BT, Bordmechanikermeister) und
  • einem Luftrettungsmeister.

Diese personelle Besetzung ist den früheren Verfahrensweisen der Luftwaffe geschuldet, die die Bell UH-1D mit Pilot und BT einsetzte, während die Heeresflieger grundsätzlich mit zwei Piloten fliegen. Es kann bei Einsätzen im Rahmen der dringenden Nothilfe zusätzlich noch ein Notarzt, z. B. von einem nahe gelegenen Krankenhaus aufgenommen werden. Zum Einsatz kommen bis Ende 2016 Hubschrauber vom Typ Bell UH-1D. Als Nachfolgemodell waren bis Mai 2015 Hubschraubers des Typs H135 geplant.[2] Mit Stand Oktober 2015 ist diese Entscheidung revidiert. Eine Ersatzbeschaffung wird auf den Fähigkeitsforderungen für den militärischen SAR-Dienst basieren und seit diesem Zeitpunkt wird der Entscheidungsgang musteroffen geführt. Ein Vertragsabschluss wäre voraussichtlich erst im ersten Halbjahr 2017 möglich und führe zu einem "gestreckten Zeitablauf" von mindestens 11 bis 19 Monaten in der Beschaffung.[3]

Einsatzbereitschaft und eingeschränkte De-facto-Einsatzbereitschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hubschrauber an SAR-Kommandos sollten generell 24 Stunden am Tag ganzjährig einsatzbereit sein. Tagsüber gilt eine Vorlaufzeit von maximal 15 Minuten. Zwischen Sonnenuntergang plus 30 Minuten (spätestens 20:30 Uhr) und 7:30 Uhr morgens erhöht sie sich auf maximal eine Stunde.

De facto war eine Einsatzbereitschaft im Jahr 2015 von lediglich einem Sea King für die deutsche Ost- und Nordsee gegeben.[4] Viele der Helikopter der Marineflieger bleiben wegen technischer Probleme am Boden. Die Seenotrettung zu gewährleisten hat sich Deutschland in internationalen Abkommen verpflichtet; die Federführung liegt beim Bundesverkehrsministerium. Politische Konsequenz war, dass der Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestages die Notfallrettung grundsätzlich neu regeln möchte und es zu einer klaren Aufgabenverteilung zwischen dem Havarie-Kommando und den zivilen SAR-Aufgaben mit je einem Hubschrauber für die Nord- und die Ostsee (DGzRS) kommen soll. Die Bundespolizei hatte 2014 angeboten, mit ihren Helikoptern im Notfall auszuhelfen. Doch dieses Angebot hatte Innenminister Thomas de Maizière wieder zurückgezogen, nachdem zwei Maschinen bei einem Unfall zerstört und kein Ersatz beschafft wurde.

SAR-Mittel zweiten Grades[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seefernaufklärer P-3C Orion

Neben den SAR-Hubschraubern, die zu den SAR-Mitteln 1. Grades zählen, gibt es noch Mittel 2. Grades. Bei Bedarf (z. B. ausgedehnte Suchgebiete) können weitere geeignete Luftfahrzeuge und Einsatzmittel der Bundeswehr, anderer Streitkräfte, der Polizeien der Länder und der Bundespolizei, ziviler Hilfs- und Rettungsorganisationen, der Handelsschifffahrt und der zivilen Luftfahrt von der zuständigen SAR-Leitstelle angefordert werden. Hierzu zählen auch See-Fernaufklärer vom Typ Lockheed P-3 Orion, die beispielsweise mehrere Stunden über dem Meer operieren können um Wrackteile versunkener Schiffe zu orten, oder Transportmaschinen wie die C-160D Transall die ähnliche Aufgaben wahrnehmen können. Zu den SAR-Mitteln zweiten Grades zählen auch Hubschrauber wie die CH-53, die wie die Transall auch als fliegender Großraum-Sanitätswagen verwendet werden können. Ein Hubschrauber wird in Laupheim, ausgestattet als Großraumrettungshubschrauber, für Großschadenslagen mit Vorlaufzeit in Bereitschaft gehalten. Das medizinische Personal wird vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm gestellt.

Alarmierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugalarmdienst wird von den Flugsicherungsorganisationen in Deutschland betrieben. Er ist gewährleistet für kontrollierte Flüge, für Flüge, für die ein Flugplan aufgegeben wurde und für Flüge, die den Flugverkehrsdiensten anderweitig bekannt sind. Er wird im kontrollierten und im unkontrollierten Luftraum durchgeführt. Notfunkbakenalarme werden von den Mission Control Centers von COSPAS-SARSAT, Alarme über Seefunk von der Seenotleitung Bremen empfangen. Diese geben den Alarm an die zuständige Leitstelle weiter. Bei Beobachtungen durch die Bevölkerung oder bei überfälligen Fahrzeugen kann auch über eine örtliche Rettungsleitstelle, die Polizei oder die Feuerwehr über den Notruf 112 alarmiert werden, die den Alarm über die SAR-Bereichssuchstellen weitergeben. Der Einsatz der SAR-Hubschrauber an den SAR-Kommandos erfolgt über die SAR-Leitstelle (RCC, Rescue Coordination Centre) Land Münster (Westfalen) für den Festlandbereich bzw. über die SAR-Leitstelle Glücksburg für den maritimen Bereich. Die Führung der Einsätze erfolgt ebenfalls durch die SAR-Leitstellen.

Sofern andere Leitstellen oder Behörden zur Erfüllung eigener Aufgaben Hilfe von SAR-Einheiten benötigen, setzen sie sich mit der zuständigen SAR-Leitstelle in Verbindung.

Seenotrettung (maritimer SAR-Dienst) in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der DGzRS
Neuharlingersiel
Hauptartikel: Seenotrettung

Aufgrund des im Rahmen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (International Maritime Organisation, IMO) 1979 geschlossenen Übereinkommens über den Such- und Rettungsdienst auf See wurde die Unterhaltung eines maritimen SAR-Dienstes auch in Deutschland zur staatlichen Aufgabe. Das Bundesministerium für Verkehr (heute: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) hat diese Aufgabe durch eine entsprechende Vereinbarung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger übertragen, die bereits zuvor den Seenotrettungsdienst durchführte. Die DGzRS unterhält hierzu unter anderem eine Flotte von Seenotkreuzern und mit der Seenotleitung Bremen eine Rettungsleitstelle.

Der maritime SAR-Dienst wird durch den SAR-Dienst für Luftfahrzeuge unterstützt. Dies betrifft insbesondere den von der Marine am Standort Nordholz bereitgehaltenen SAR-Hubschrauber (Sea King) des Marinefliegergeschwaders 5.

Bei komplexen Schadenslagen auf See übernimmt das Havariekommando die Einsatzleitung und die Seenotleitung wird zur Einsatzabschnittsleitung SAR. Sie entsendet außerdem einen Fachberater in den Havariestab.

Ablauf eines Rettungseinsatzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweis: Die folgenden Abschnitte verwenden die Begriffe der Seefahrt, die Rettungsaktion bei der Suche nach einem abgestürzten Flugzeug – insbesondere auf Wasser – verläuft aber äquivalent, die Handbücher dafür werden von der International Civil Aviation Organization (ICAO) und der International Maritime Organization (IMO) gemeinsam herausgegeben.[5]

Alarmierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Befindet sich ein Schiff oder ein Flugzeug in Not, verwendet es eines der vorgegebenen Notsignale, um auf seine Situation aufmerksam zu machen. Die häufigste Methode ist heute durch den Einsatz von Funkgeräten. Diese Methode ist innerhalb der Reichweite der Geräte sehr zuverlässig und hat den entscheidenden Vorteil, dass Informationen über die Art des Notfalls mit übertragen werden können und auch Rückfragen möglich sind. DSC-fähige Funkgeräte sind heute Standard, sie übertragen die Position des Havaristen in digitaler Form beim Betätigen einer speziellen Notfall-Taste automatisch. Abgesehen vom Auslösen des Alarms durch ein Schiff selber kann bei den Rettungsmannschaften auch ein Notruf eintreffen, weil ein Schiff überfällig ist und vermisst wird.

Durch DSC ausgelöste Alarme werden automatisch auf allen Schiffen in Reichweite angezeigt und ein akustisches Signal informiert den Wachführer; seit der Einführung des DSC ist damit das permanente Mithören des Funkverkehrs nicht mehr vorgeschrieben. Falls ein Maritime Rescue Coordination Center (MRCC) in Reichweite ist, wird es als erstes auf den Notruf reagieren und versuchen, mit dem Havaristen weitere Details zum Unfall und zu den Umständen in Erfahrung zu bringen. Der Alarm wird an möglichst viele Schiffe in der Nähe weitergereicht. Die stationären Funkanlagen, die dem MRCC zur Verfügung stehen, haben eine wesentlich größere Reichweite, als ein einziges Schiff allein erreichen kann.

Suche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nun beginnt die Rettungsaktion. Gemäß internationalem Seerecht sind alle Schiffe verpflichtet, in Not geratenen Personen zu Hilfe zu kommen, ausgenommen sie bringen sich oder ihre eigene Besatzung dadurch selbst in erhebliche Gefahr. Die Schiffe, die den Alarm empfangen haben und in vernünftiger Zeit beim Havaristen eintreffen können, werden sich also dorthin auf den Weg machen. Außerdem wird, wo möglich und sinnvoll, das MRCC das Auslaufen von einem oder mehreren Einheiten der Seenotrettung veranlassen.

Das erste Schiff am Schadensplatz (oder im Einsatzgebiet, falls dieser nicht so genau bestimmt werden kann) übernimmt die Rolle des On-Scene-Coordinator (OSC) für den Einsatz. Dieses Schiff hat die Aufgabe, die Rettungsmassnahmen vor Ort zu koordinieren. Die Rolle des On-Scene-Coordinators kann nach Absprache mit dem MRCC oder unter beteiligten Schiffen später auch neu zugeordnet werden, falls ein besser geeignetes Schiff vor Ort eintritt – also beispielsweise eines mit besserer Kommunikationsausrüstung oder eines der Seenotrettung mit dafür speziell ausgebildetem Personal.

Die erste Aufgabe der Retter ist es, das havarierte Schiff zu finden. Dies ist insbesondere dann schwierig, wenn der Notfall dadurch ausgelöst wurde, dass ein Schiff überfällig geworden ist und vermisst wird. Auch über Bord gegangene Personen wiederzufinden ist eine äußerst schwierige Aufgabe, besonders wenn noch schlechtes Wetter oder Dunkelheit die Suche behindern. Der OSC plant und koordiniert, in Zusammenarbeit mit dem zuständigen MRCC, die Suchmuster, die von den Beteiligten abgefahren oder abgeflogen werden sollen.

Ist die Position des Havaristen bekannt oder wurde er gefunden, wird er angelaufen – jedoch immer mit der nötigen Vorsicht und unter Berücksichtung der Gründe der Havarie. Es wäre fatal, wenn der Retter an derselben Untiefe festkommt oder auf dasselbe Riff läuft. Zudem könnten Trümmer im Wasser das eigene Schiff gefährden. Kommen große Schiffe kleineren in Ufernähe zu Hilfe, müssen diese daher oft fast tatenlos zusehen, bis andere Rettungskräfte vor Ort sind, weil sie nicht in die Nähe des Havaristen kommen.

Bergung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Retter im Festrumpfschlauchboot nähern sich einem Rettungsboot des Frachters Brilliante Virtuoso, in das die Besatzung umgestiegen ist

Die primäre Verpflichtung zur Hilfeleistung gilt nur gegenüber Personen, nicht gegenüber Sachwerten oder den Schiffen selbst. Es bleibt also dem Retter (dem Schiffsführer des Hilfestellers) überlassen, ob er eine Abbergung (Übernahme der Personen) oder ein Abschleppmanöver versuchen will. Er wird sich meistens für die Variante entscheiden, die für die Beteiligten das geringste Risiko beinhaltet und außerdem seinen eigenen Fahrplan am wenigsten beeinflusst – ein Frachtschiff kann kaum ein Segelschiff über den halben Ozean schleppen, das würde viel zu lange dauern.

Müssen Personen aus dem Wasser geborgen werden, nähert man sich ihnen vorsichtig wie beim Mann-über-Bord-Manöver, um sie nicht noch zu überfahren oder mit der Schraube zu verletzen. Große Schiffe werden dafür ein Rettungsboot oder Bereitschaftsboot aussetzen. Unterkühlte Personen müssen besonders schonend und möglichst horizontal aus dem Wasser geborgen werden, um einen Bergungstod zu vermeiden. Für die Suche und Rettung spezialisierte Schiffe haben dafür meist Öffnungen auf Wasserhöhe, so dass der Verunglückte nur hineingerollt werden muss. Spezialisierte Rettungsgeräte wie das Jason’s Cradle wurden speziell dafür entwickelt, erschöpfte, unterkühlte und eventuell sogar bewusstlose Personen schonend zu bergen. Alternativ kann man das niedrige Freibord einer Rettungsinsel zur Rettung verwenden. Große Schiffe haben eventuell einen Rettungskorb, der an einem Kran ins Wasser gelassen werden kann.

Rettungsinseln können eventuell direkt an einem Kran geborgen werden, andernfalls müssen die Personen ebenfalls in ein Rettungsboot übernommen werden, um an Bord eines größeren Schiffes zu kommen. Müssen die Personen von einer sinkenden Freizeityacht von einem großen Schiff übernommen werden, wird, sofern möglich ebenfalls ein Beiboot eingesetzt. Ist dies wegen des Seegangs nicht möglich, kann das kleine Schiff versuchen, mittels einer Leinenverbindung am großen längsseits zu gehen. Der Große wird dann eine Lotsenleiter oder ein Fallreep (bzw. ein Enternetz) an der Bordwand herunterlassen, um den Personen den Aufstieg zu ermöglichen. Auch dies ist jedoch keine ungefährliche Angelegenheit – es kam schon vor, dass Personen beim Aufentern zwischen die beiden Schiffe geraten sind und dabei zerquetscht wurden. Zudem sind die Personen auf dem Havaristen oft erschöpft.[6]

Abschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wurden alle vermissten Personen gefunden und gerettet, wird der OSC in Verbindung mit dem MRCC die Suche als beendet erklären und die an der Rettungsaktion beteiligten Schiffe entlassen. Eventuell muss der Weitertransport verletzter oder kranker Personen organisiert werden, etwa durch die Übernahme durch einen Rettungshelikopter. Havarierte Schiffe, die verlassen werden mussten aber noch nicht selber gesunken sind, werden oft bewusst versenkt, damit sie keine weitere Gefahr für andere mehr darstellen. Falls diese jedoch an ungünstigen Orten festsitzen – etwa in engen Kanälen oder bei viel befahrenen Routen – werden danach spezialisierte Unternehmen aufgeboten, um das Wrack zu bergen. Dies ist eventuell auch nötig, wenn Gefahren für die Umwelt, etwa durch ausgelaufenen Treibstoff, zu beseitigen sind.

War die Suche nicht erfolgreich, entscheidet der OSC zusammen mit dem MRCC über den Abbruch der Suche.

Fragen nach Schuld und möglichen Schadenersatzforderungen kommen erst im Nachspiel zum Tragen. Neben den Gerichten werden eventuell auch die Seeunterfalluntersuchungsbehörden der Flaggenstaaten der am Unglück beteiligten Schiffe (in Deutschland die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung) ein Interesse an der Aufarbeitung des Unglücks haben. Ihr Fokus liegt aber nicht im Zuweisen von Schuld, sondern in der Aufklärung der Ursache, um diese in Zukunft zu vermeiden - etwa durch die Formulierung von Sicherheitsempfehlungen.

SAR-Dienste im Ausland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SAR-Hubschrauber der U.S. Navy: Rettungseinsatz in Amtshilfe für den US-Katastrophenschutz, New Orleans 2005
Italienische SAR-Crew eines Agusta A109 beim Abseilen zu einem Notfall über dem Strand von Jesolo, Juli 2012
SAR-Einsatz der britischen Royal Air Force
Bergrettung mit Hubschrauber

Im Folgenden ist exemplarisch ein Einblick in die Zuständigkeiten für den SAR-Dienst in einigen anderen Staaten der Erde gegeben.

  • In den USA erfolgt die Koordination der SAR-Dienste durch die Federal Emergency Management Agency (Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten). SAR-Dienste gibt es bei den Streitkräften, aber auch auf Ebene der Bundesstaaten und der einzelnen Counties. Maritime SAR-Einsätze erfolgen häufig durch die US Coast Guard.
  • In Belgien werden Westland Sea Kings des 40. Squadron der Luftstreitkräfte für den Such- und Rettungsdienst eingesetzt.
  • In den Niederlanden werden Hubschrauber des Typs Bell 412 der Luftstreitkräfte für den Such- und Rettungsdienst eingesetzt. Besonders häufig werden die westfriesischen Inseln angeflogen. Seit 2015 wird der SAR-Dienst zivil betrieben.
  • In Großbritannien gewährleistete die Royal Air Force und Royal Navy mit Westland Sea-King-Hubschraubern den SAR-Dienst für die HMCG. Seit März 2015 wird diese Aufgabe für 10 Jahre von Bristow Helicopters, einem zivilen Dienstleister übernommen. Bereits zuvor wurde ein Teil der SAR-Fähigkeit Englands über zivile Anbieter abgedeckt.[7] Als Grund für den Wechsel werden die überalterten Sea King Maschinen und die fehlenden Kapazitäten des Militärs angegeben.
  • In Finnland wird der SAR-Dienst zu 70 % vom finnischen Grenzschutz sichergestellt. Die restlichen 30 % werden über zivile Anbieter abgedeckt.[8]
  • In Griechenland hält die dortige Luftwaffe Helikopter vom Typ AS 332 Super Puma für den SAR-Dienst vor (Foto).
  • In Kroatien unterliegt der SAR-Dienst der Kroatischen Marine, sowie der Küstenwache. Der Hauptsitz liegt dabei in Rijeka.[9]
  • In Italien unterhält die Luftwaffe einen flächendeckenden luftgestützten SAR-Dienst. Wichtigster Stützpunkt ist Pratica di Mare bei Rom. Den maritimen SAR-Dienst übernimmt vor allem die Küstenwache.
  • In Neuseeland übernimmt die Polizei in Küstennähe und die Küstenwache (Maritime Safety Authority) bei ausgedehnten Suchgebieten die Durchführung von Such- und Rettungsaktionen.
  • In Kanada ist die Küstenwache maßgeblicher Anbieter des maritimen SAR-Dienstes.
  • Auf den Bahamas gibt es keine Institution, die SAR-Dienste mit festangestellten Mitarbeitern betreibt. Diese Aufgabe (Gewährleistung der Seenotrettung) übernehmen ehrenamtliche Mitglieder der Organisation BASRA. Sie werden vom Militär und der US-Küstenwache bei Bedarf unterstützt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größter SAR-Einsatz in der Geschichte der BRD war 1978 die Suche nach dem im Atlantik in Seenot geratenen und gesunkenen Schiff München, bei dem mehrere See-Fernaufklärer und Transall mehrere Tage im Einsatz waren. Auch SAR-Dienste aus dem Ausland halfen damals bei der weitgehend ergebnislosen Suche.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. SAR-Hubschrauber bleiben wegen hohen Reparaturaufwandes am Bodenddp-Meldung auf www.pr-inside.com, Abgerufen am 27. April 2010
  2. Search and Rescue: SAR-Dienst in Deutschland seit 1956. In: deutschesheer.de. Abgerufen am 29. Mai 2015.
  3. Fehlplanung der Bundeswehr: Deutschland drohen Lücken bei der Luftrettung. In: Spiegel.de. Abgerufen am 30. Dezember 2015.
  4. http://www.tagesschau.de/inland/bundeswehr-seenotrettung-109.html (Memento vom 18. Februar 2015 im Internet Archive)
  5. International Civil Aviation Organization and International Maritime Organization: IAMSAR Manual, Volume III : Mobile Facilities, 2007 Consolidated Edition. PDF
  6. Seemannschaft. Handbuch für den Yachtsport. 30. Auflage, Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-7688-3248-9. Seiten 443ff
  7. Written statement to Parliament Search and rescue helicopters. Abgerufen am 16. Mai 2015.
  8. Maritime search and rescue (SAR). In: Rajavartiolaitos The Finnish Border Guard. Abgerufen am 29. Mai 2015.
  9. http://www.ocean7.at/news,id1902,sar_mehr_einsaetze_kroatien.html

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Holger Scholl: Luftrettung. Stumpf und Kossendey, Edewecht/Wien 2002. S. 195 ff. ISBN 3-932-750-77-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Search and rescue – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Deutsche SAR-Dienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]