Sebastião Salgado

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Sebastião Salgado (2016)

Sebastião Ribeiro Salgado Júnior (* 8. Februar 1944 in Aimorés, Bundesstaat Minas Gerais) ist ein brasilianischer Fotograf, Fotoreporter und Umweltaktivist. Salgado gehört zu den sozial engagierten Fotografen in der Tradition der sozialdokumentarischen Fotografie. Er wird 2019 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet und ist damit erst der zweite Bildkünstler, der diese renommierte Auszeichnung erhält.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salgado wuchs auf der Fazenda seiner Eltern auf.[2] 1963 ging Sebastião Salgado zur Universität von São Paulo und studierte Wirtschaftswissenschaft bis 1967 (M.A.). Im selben Jahr heiratete er die Pianistin Lélia Deluiz Wanick. Sie engagierten sich in der linken Bewegung gegen die Militärdiktatur und waren mit Bekannten des Studentenführers und Revolutionärs Carlos Marighella befreundet.[3][4][5] Nach ihrer Emigration 1969 nach Paris schrieb er eine wirtschaftswissenschaftliche Dissertation, während seine Frau an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris ein Architekturstudium aufnahm.

Zunächst arbeitete Salgado als Verwaltungsangestellter für die Internationale Kaffeeorganisation (ICO) in London. Auf seinen Arbeitsreisen nach Afrika, häufig gemeinsam im Auftrag der Weltbank, machte er seine ersten Foto-Aufnahmen mit der Leica seiner Frau. Das Fotografieren begeisterte ihn so sehr, dass er sich 1973 als Fotojournalist selbständig machte und wieder zurück nach Paris zog.

Ab 1974 arbeitete er für die Foto-Agentur Sygma. Einige Monate lang bereiste er Portugal, Angola und Mosambik. Dann wechselte er 1975 zur Foto-Agentur Gamma und arbeitete an vielen Fotoreportagen meist über Afrika, Europa und Lateinamerika.

Salgado wurde 1979 in die angesehene Agentur Magnum Photos aufgenommen. Zufällig war er anwesend, als John Hinckley, Jr. am 30. März 1981 ein Attentat auf den US-Präsidenten Ronald Reagan verübte. Salgados Fotos von dem Anschlag brachten ihm Geld für seine Projekte.

Salgado dokumentiert in selbst ausgewählten weltweiten Langzeitprojekten über Jahre hinweg mittels Schwarzweißfotografien das Leben der Menschen vor allem am unteren Ende der Gesellschaft, insbesondere auch solchen aus der sogenannten Dritten Welt. Nach Jahren entstehen so umfangreiche Bildbände und beeindruckende Wanderausstellungen. Beispielsweise erarbeitete Salgado in den 1980er Jahren für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zwei Fotobände und porträtierte dabei die hungernde Bevölkerung in der Sahel-Zone.[6][7]

Sebastião Salgado (links) überreicht dem brasilianischen Präsidenten Lula da Silva einen Bildband (2006).

Berühmt geworden ist seine Fotoreportage von 1986 über freiwillig hart arbeitende Goldschürfer in der brasilianischen Goldmine Serra Pelada, deren Arbeitsbedingungen mittelalterlich anmuten. Für das New York Times Magazine fotografierte er im April 1991 die in Kuwait im zweiten Golfkrieg von Saddam Husseins Truppen in Brand gesetzten Ölquellen und die darauffolgenden Löscharbeiten.[8][9] Für diese Arbeiten erhielt Salgado später den Oskar Barnack Award der World Press Photo Foundation.[10] 1992 wurde Salgado in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 1994 verließ er Magnum Photos und vermarktet mittlerweile seine Fotos durch seine Agentur Amazonas Images.[11] Er fotografierte bislang meist mit Leica-Kameras, ist aber mittlerweile auf Canon-Kameras umgestiegen.[12]

Seit 2004 arbeitete Salgado am Projekt Genesis[13], bei dem er noch unberührte Landschaften und ihre Flora und Fauna dokumentierte.[14] Nach neunjähriger Arbeit an diesem Projekt zeigte das Natural History Museum in London 2013 eine Auswahl von 250 Aufnahmen und veröffentlichte einen großformatigen, von seiner Frau konzipierten Bildband.[15][16]

Am 13. April 2016 wurde Salgado als Nachfolger von Lucien Clergue in die Académie des Beaux-Arts gewählt.[17] 2019 wurde er als auswärtiges Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters gewählt.[18] Mit Salgado erhält 2019 erstmals ein Fotograf den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.[19]

Mit seiner Frau Lélia Deluiz Wanick hat er zwei Kinder, Juliano (* 1974) und Rodrigo (* 1981), der mit dem Down-Syndrom geboren wurde. Seine Frau gibt fast alle seine Bücher heraus und konzipiert einen Großteil der Ausstellungen. Sie leben in Paris.

Soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salgado setzt sich gegen Abholzung ein. Er ließ in Brasilien auf der Bulcão Farm seiner Familie zweieinhalb Millionen Regenwaldbäume pflanzen, wodurch sich lokales Klima und Wasserhaushalt von der vorhergegangenen Versteppung wieder erholten. Das Gelände schenkte er dem brasilianischen Staat als Nationalpark. Salgado und seine Frau haben das Instituto Terra[20] gegründet, das sich der Wiederaufforstung von gerodeten Wäldern sowie dem Naturschutz verpflichtet hat.[21]

Salgado unterstützt auch die Kampagne der Menschenrechtsorganisation Survival International zum Schutz der Awá-Indianer in Brasilien, die durch illegale Abholzung auf ihrem Gebiet bedroht sind.[22]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015: Sebastião Salgado – Genesis, C/O Berlin, Berlin. Fotoband.[23]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preise (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche Filmregisseur und Fotograf Wim Wenders drehte 2014 über Salgado zusammen mit dessen Sohn Juliano Ribeiro Salgado den Dokumentarfilm Das Salz der Erde. Dieser wurde bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2014 in der Sektion Un Certain Regard mit dem Spezialpreis ausgezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sebastião Salgado – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Evelyn Runge: Glamour des Elends. Ethik, Ästhetik und Sozialkritik bei Sebastião Salgado und Jeff Wall. Böhlau 2012, ISBN 978-3-412-20726-7

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sebastião Salgados Goldmine-Fotos - "Das Grauen ästhetisiert" SPIEGEL Online, 15. Juli 2019, abgerufen am 16. Juli 2019
  2. Wir sind auch nur Tiere. zeit.de, 11. April 2013, abgerufen am 22. Oktober 2014
  3. Sebastião Salgado Biografia. Interview. In: Der Tagesspiegel. 21. September 2008, abgerufen am 22. September 2008.
  4. Um olhar sobre Sebastião Salgado – Parte I
  5. Título de Cidadão Emérito de Porto Alegre para Sebastião Salgado
  6. Sebastião Salgado: Sahel : the end of the road. Berkeley, CA 2004, ISBN 978-0-520-24170-1.
  7. Parvati Nair: A Different Light : the Photography of Sebastiao Salgado. Durham N.C. 2012, ISBN 978-0-8223-5031-6.
  8. Sebastião Salgado: When the Oil Fields Burned, in der New York Times vom 8. April 2016, abgerufen am 25. November 2016
  9. Videointerview: Photographer Sebastião Salgado presents his epic new monograph Kuwait: A Desert on Fire, abgerufen am 25. November 2016
  10. Oskar Barnack Award, prize stories, abgerufen am 25. November 2016
  11. Amazonas Images
  12. Dr. Christof Haverkamp: Sebastiao Salgado – ein sehenswertes Porträt in Neue Osnabrücker Zeitung vom 1. November 2014, abgerufen am 25. November 2016
  13. Genesis-Projekt
  14. Genesis, BBC, Fotoserie
  15. Natural History Museum, Salgado, Genesis
  16. Sebastião Salgado. GENESIS, TASCHEN, vom 16. April 2013, abgerufen am 6. April 2016
  17. Sebastião Salgado, Bruno Barbey et Jean Gaumy élus à l’Académie des beaux-arts
  18. Neu gewählte Mitglieder 2019. American Academy of Arts and Letters, abgerufen am 30. Mai 2019 (englisch).
  19. Friedenspreis für Fotograf Salgado, deutschlandfunkkultur.de, erschienen und abgerufen am 18. Juni 2019.
  20. institutoterra.org (englisch)
  21. Wir sind auch nur Tiere. Süddeutsche Zeitung, abgerufen am 3. Juli 2013.
  22. Prominente unterstützen das bedrohteste Volk der Welt. Survival International, abgerufen am 3. Juli 2013.
  23. Ein Schimmern wie von poliertem Blei in FAZ vom 27. April 2015, Seite 13
  24. Der Preisträger 2019, boersenverein.de, abgerufen am 18. Juni 2019