Sebastian Bieniek

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Sebastian Bieniek (geb. 24. April 1975 in Czarnowanz, Oberschlesien, Polen) ist ein deutscher Konzeptkünstler, Fotograf, Maler, Performance-Künstler, Autor und Regisseur.

Leben und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sebastian Bieniek, 2007, während der Pressekonferenz auf dem 10. Internationalen Film Festival in Shanghai.

Bieniek wuchs bis zum 14. Lebensjahr in Kupp, einem Dorf in Oberschlesien, auf.[1] 1989 kam er als Spätaussiedler in die Bundesrepublik, wo er die folgenden Jahre in Unterlüß, einem Dorf in Niedersachsen verbrachte.

1996 zog er nach Braunschweig, wo er an der dortigen HbK bei der serbischen Performance-Künstlerin Marina Abramović und dem Schweizer Konzeptkünstler John M. Armleder Freie Kunst studierte. Nachdem er 1998 das Vordiplom erhalten hatte, wechselte er an die UdK Berlin, wo er in der Klasse der deutschen Fotokünstlerin Katharina Sieverding sein Kunststudium fortsetzte.

2001 erhielt Bieniek ein Aufenthaltsstipendium[2] des DFJW in Rennes (Bretagnie/Frankreich), wo er ein halbes Jahr lebte, und sich mit einer Installation vor dem Gefängnis in Rennes und dem Gefängnis in Celle an der von Bettina Klein kuratierten Aux voyageurs-Ausstellung beteiligte. Im selben Jahr war Bieniek Absolvent der UdK Berlin und ein Jahr später Meisterschüler derselben. Sein bei der Meisterschüler-Ausstellung gezeigter erster Kurzfilm Zero wurde 2002 auch auf dem Filmfest München in der Kategorie Surreale Kurzfilme gezeigt.[3]

2002, im selben Jahr, in dem Bieniek die UdK verließ, begann er Filmregie an der DFFB zu studieren,[4] wo er im Folgenden Regie bei mehreren Filmen führte.[5] Sein 2007 dort entstandene Spielfilm Die Spieler war Teil des Internationalen Wettbewerbs des 10. Internationalen Filmfestivals Shanghai.[6] Sein das Jahr darauf entstandener Kurzfilm Silvester Home Run war Teil des Internationalen Kurzfilm-Wettbewerbs des Festival Internacional de Cine de Mar del Plata[7] und ist mit dem Prädikat „Wertvoll“ der Filmbewertungsstelle Wiesbaden ausgezeichnet worden.[8]

2011 schrieb Sebastian Bieniek das Buch Realfake.[9]

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sebastian Bieniek, 1999 während der Performance „Born To Be Boulette“ im Kunsthaus Tacheles, in der er drei Tage lang unbekleidet in 500 kg Hackfleisch lag.

Bienieks frühe Arbeiten waren u. a. radikale Performances und Aktionen. So überfiel er z. B. 1998 im Zuge einer Kunstaktion (Banküberfall) die Deutsche Bank, ließ sich 1999 (Hand Without a Body) während einer Ausstellung sechzehn Tage lang täglich eine „V-förmige“ Wunde am Arm zufügen, lag (Born to be Boulette) unbekleidet drei Tage lang in einer halben Tonne rohem Hackfleisch und ließ sich während einer Aktion (In Front of the Distance) regelrecht ausbluten. Dies waren seine erste Arbeiten, die in den Medien auch international Erwähnung[10] fanden.

Gleichzeitig arbeitete Bieniek auch von Anfang an sehr minimalistisch konzeptuell. So blies er z. B. 1998 fünftausend weiße Luftballons auf und stellte diese im Museum der Charte unter dem Titel Hier ruht mein Atem als „sein Atem“ aus. Ähnlich wie bei seinen späteren (Text-)Arbeiten, spielte hier der Texttitel der Arbeit eine wichtige Rolle. Dieser wurde explizit in die Mitte der Ballon-Installation auf einem schwarzen Brett mit weißen Buchstaben reingesetzt. Ähnlich verhielt es sich mit der 1998 entstandenen Installation Ich bin kein Nazi, der 2000 entstandenen Arbeit Die Welt ist schlecht, den ebenfalls im Jahr 2000 entstandenen Die Gestohlenen 100 DM und bei den 2001 entstandenen Drei Textarbeiten.

Als Bieniek 2009 nach einer durch das Regiestudium verursachten Pause die Tätigkeit als Bildender Künstler wieder aufnahm, begann er diese mit einer Reihe von „Bären-Gemälden“, die allesamt einen sehr narrativen, zum Teil ambivalent poetisch-ironischen Titel trugen, wie z. B. Der Mann, der nicht über seine Ohren sprechen möchte (Bär Nr. 1). Diesen folgten kontinuierlich bis 2016 weitere Gemälde-Serien (z. B. 2010: Dogmas, 2011: It’s Toasted, 2012: Homeland Security, 2012–2013: Perfect Circles I., 2014–2015: Perfect Circles II., 2015–2016: Multiplications[11], die sich allesamt durch eine ambivalent poetisch-ironische Kombination aus Text(titel)- und Bildinformation auszeichneten.

Doublefaced No. 23 von Sebastian Bieniek, 2013. Aus der Doublefaced-Serie.

Simultan zu den Textarbeiten arbeitete Bieniek weiter als Performance-Künstler. So trat er z. B. 2008 in einer Burka verkleidet in der Kunstmesse Art Forum auf, 2011 auf einem Viehmarkt in Georgien, 2011 als Postbote verkleidet auf dem „Go West“-Festival für Performancekunst in Frankfurt, ebenfalls 2011 in der ARD Fernsehsendung Es geht um mein Leben mit Pierre Krause, 2012 auf der Art Market Budapest Kunstmesse, 2013 vor der Deutschen Bank KunstHalle und 2016 in der Universitätskirche Marburg[12] als Performance-Künstler auf. Insbesondere die Performance vor der Deutschen Bank KunstHalle verschaffte ihm im April 2013 wieder mediale Aufmerksamkeit[13][14][15].

2011 schrieb er ein Buch unter dem Titel Realfake[9] und 2013 begann er erfolgreich künstlerische Fotografie zu betreiben. Die im August 2013 begonnene Fotoserie Doublefaced wurde schlagartig im Internet bekannt[16] und zu einem der dort bekanntesten Memes. Später baute Bieniek ein ganzes Œuvre um das Thema des Multiplen in der Portraitdarstellung. Es entstanden dabei neue Foto- und Gemäldeserien wie z. B. Secondfaced (2014)[17], Bi-Faced (2014)[18], Facination (2014)[19], Me & My Friends (2015)[20], Doublefaced 2015 (2015)[21], Polarized (2015), Duplicato (2015)[22], die wie die Namen schon sagen, das Multiple der dargestellten Person zum Thema haben.

Kollaborationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 machte Sebastian Bieniek eine Fotostrecke[23] für das deutsche Intro Musik-Magazin. 2015 folgte eine Fotostrecke[24] für das Süddeutsche Zeitung Magazin. Ebenfalls 2015 kollaborierte Bieniek mit dem französischen Mode Designer Simon Porte Jacquemus während der Paris Fashion Week 2015[25][26] und der chinesischen Sängerin/Schauspielerin Joey Yung, mit der er in Hong Kong ein Fotoshooting machte.

2016 arbeitete Bieniek zusammen mit dem Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart an der Philips Universität in Marburg, indem er eine Kunst-Performance[27] in der Reihe Liturgy-Specific-Art in der dortigen Universitätskirche machte. Auch 2016 arbeitete der Künstler zusammen mit Olivier Varenne, dem Hauptkurator und Direktor des MONA Museums in Australien für eine Ausstellungsprojekt[28] auf der collectionair.com plattform.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 machte Sebastian Bieniek seine erste Einzelausstellung im Museum der Charite (Berlin), 1999 folgte die Natural born Sugareaters Einzelausstellung[29] im Kunsthaus Tacheles (Berlin). Im Jahr 2000 beteiligte er sich an der Festival of Visions-Ausstellung[29] im Hong Kong Arts Center (Hong Kong), 2001 an der Ausstellung Aux voyageurs in Rennes (Frankreich), 2002 an der HICETNUNC-Ausstellung[29] in der Villa Manin (Italien). 2014 hatte der Künstler eine Einzelausstellung[30] in der Nicola von Senger Galerie in Zürich, 2015 in der Ho Galerie[29] in Wien, 2016 in der Potemka Contemporary Art[31] in Leipzig und der Fotogalerie Friendrichshain[32] in Berlin. Ebenfalls 2016 nahm Bieniek an der Views-Ausstellung[33] der Bahrain Arts Society in Manama (Bahrain) teil.

Einfluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 wurde eine Arbeit von Sebastian Bieniek „Top 10 Body Art Stories of 2013“[34] des designboom Magazines. Im selben Jahr wählte das designcollector.net magazine Bieniek zu einem der „The Best Photographers of 2013“.[35]

2014 berichteten mehrere internationale Magazine[36][37][38] über eine Szene im Marylin-Monroe-Video von Pharrell Williams in der eine Arbeit von Bieniek plagiiert wurde.

2015 wählte das Magazin theculturetrip.com Sebastian Bieniek zu einem der „Top 5 Influential Contemporary Berlin-Based Artists“[39]. Während der Paris Fashion Week 2015 lobte das Fashion magazine Bienieks Arbeit als „Best Face Art“ auf der Paris Fashion Week.[40]

2015 bzw. 2016 berichtete die Vogue über die internationalen Mode-Designer Simon Porte Jaquemus[41] und Inês Marques[42], die aussagten dass ihre Kollectionen von Bienieks Arbeit inspiriert seien. Gleichfalls 2016 sagte[43] die karibische Mode-Schöpferin Cecilia Devana, dass auch ihre aktuelle Kollection von Bienieks Arbeit beeinflusst sei.

2011 hatte Bieniek eine Performance in der ARD-Fernsehsendung Es geht um mein Leben mit Pierre M. Krause. 2015 dokumentierte[44] das japanische und chinesische Fernsehen seine Arbeit und 2016 das Arte Journal.[45]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sebastian Bieniek – Ausführliche Vita. Abgerufen am 5. März 2017.
  2. 2001: Mandat von Babette Nieder und Michel Cullin (01.01.1999 – 31.12.2003). In: www.dfjw.org. Abgerufen am 28. Juli 2016.
  3. Filmdetails – Filmfest München. In: www.filmfest-muenchen.de. Abgerufen am 28. Juli 2016.
  4. Lars Hoffmann: DFFB, Liste der Absolventen. Siehe Studienbeginn Jahr 2002. In: dffb-alumni.de. Abgerufen am 28. Juli 2016.
  5. Crew United – Liste der Filme unter Regie von Sebastian Bieniek. In: www.crew-united.com. Abgerufen am 28. Juli 2016.
  6. Liste der am Wettbewerb des 10ten Internationalen Filmfestivals Shanghai beteiligten Filme. In: blog.sina.com.cn. Abgerufen am 28. Juli 2016.
  7. German Films in competition of the Mar del Plata Film Festival 2008. In: www.german-films.de. Abgerufen am 28. Juli 2016.
  8. Silvester Home Run. In: Deutsche Filmbewertung und Medienbewertung FBW. Abgerufen am 28. Juli 2016.
  9. a b Sebastian Bieniek: Realfake. Tenletters-Verlag, Berlin 2011, 1. Auflage, 1. Taschenbuchausgabe. In: Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 28. Juli 2016.
  10. Corinna Daniels: Wenn Künstlerblut auf Vatis Videokamera tropft. In: Welt Online. 31. Dezember 1999 (welt.de [abgerufen am 28. Juli 2016]).
  11. Sebastian Bieniek – 2015 Multiplications. Abgerufen am 16. März 2017.
  12. Sebastian Bieniek. Liturgy-Specific-Art. Universitätskirche | Universitätskirche Marburg. In: universitaetskirche.de. Abgerufen am 29. Juli 2016.
  13. Sebastain Bieniek: Looking for the perfect recipe to perform his art. Abgerufen am 29. Juli 2016 (amerikanisches englisch).
  14. Macht Kunst, warum nicht ...? Abgerufen am 29. Juli 2016.
  15. Bieniek, il genio del doppio. Intervista all'artista berlinese – il Mitte. In: il Mitte. 16. September 2013, abgerufen am 29. Juli 2016 (amerikanisches englisch).
  16. A two-faced life. In: theartfoundation.metamatic.gr. Abgerufen am 30. Juli 2016.
  17. "Secondfaced" von Sebastian Bieniek 2013-2014. Abgerufen am 13. April 2017.
  18. „Bi-Faced“ von Sebastian Bieniek, 2014. Abgerufen am 13. April 2017.
  19. Sebastian Bieniek – 2014 Facination 1-27. Abgerufen am 13. April 2017.
  20. „Me & My Friends“ von Sebastian Bieniek, 2015. Abgerufen am 13. April 2017.
  21. „Doublefaced 2015“ von Sebastian Bieniek. Abgerufen am 13. April 2017.
  22. Sebastian Bieniek – 2015 Duplicato. Abgerufen am 16. März 2017.
  23. Modestrecke: Ich bin die eine von uns beiden. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  24. Der Künstler Sebastian Bieniek schafft mit Haaren und Make-up ganz neue Persönlichkeiten. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  25. Into The Fashion: Inspiration Sebastian Bieniek… Jacquemus FW 2015||16. In: www.intothefashion.com. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  26. Art in Fashion: Jacquemus A/I 15-16 + Sebastian Bieniek. 19. März 2015, abgerufen am 31. Juli 2016.
  27. Sebastian Bieniek. Liturgy-Specific-Art. Universitätskirche | Universitätskirche Marburg. In: universitaetskirche.de. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  28. Collectionair. In: collectionair.com. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  29. a b c d ArtFacts.net: Sebastian Bieniek. In: ArtFacts.net. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  30. Sebastian Bieniek – Ausstellungsansichten. In: www.nicolavonsenger.com. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  31. Sebastian Bieniek – the Imitation of the Imitation. In: www.potemka.de. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  32. Sebastian Bieniek in der Fotogalerie Friedrichshain › kwerfeldein – Magazin für Fotografie. In: kwerfeldein.de. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  33. Sebastian Bieniek – Views Bahrain. In: www.viewsbahrain.com. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  34. TOP 10 body art of 2013. 31. Dezember 2013, abgerufen am 31. Juli 2016 (amerikanisches englisch).
  35. The Best Photographers and Fashion Photographers of 2013. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  36. Sebastian Bieniek Archive | Private View. In: Private View. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  37. Sebastian Bieniek «Doublefaced», Plagie par Pharrell Williams. In: Inferno. 29. April 2014, abgerufen am 31. Juli 2016.
  38. Pharrell Williams. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  39. http://theculturetrip.com/europe/germany/articles/berlin-five-influential-contemporary-berlin-based-artists/. In: theculturetrip.com. Abgerufen am 28. Juli 2016.
  40. Paris Fashion Week saw face art in many forms, from wearable updates to out-of-this-world designs | Backstage Beauty | Fashion Magazine |. In: Fashion Magazine. 6. März 2015, abgerufen am 31. Juli 2016.
  41. Dan Thawley: Jacquemus Fall 2015 RTW. Abgerufen am 31. Juli 2016 (amerikanisches englisch).
  42. Bloom: Inês Marques. Abgerufen am 31. Juli 2016 (europäisches portugiesisch).
  43. Fashion Block 2016 – The Buzz, The Lights, The Fashion. In: Susumba. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  44. TV – Colt-Face – serial of photographs by Sebastian Bieniek (Coltface/Colt Face). In: www.coltface.com. Abgerufen am 31. Juli 2016.
  45. Die zwei Gesichter des Sebastian Bieniek. In: Arte Info. Abgerufen am 31. Juli 2016.