Sebastian Czaja

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Sebastian Czaja, 2018

Sebastian Czaja (* 28. Juni 1983 in Berlin) ist ein deutscher Politiker (FDP). Er ist im Berliner Abgeordnetenhaus Vorsitzender der FDP-Fraktion. Von September 2015 bis zu seinem Rücktritt im Februar 2020 war er Generalsekretär der Berliner FDP. Seit November 2020 ist er einer der drei stellvertretenden Landesvorsitzenden.

Familie, Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sebastian Czaja wuchs in Berlin-Mahlsdorf auf. Sein älterer Bruder Mario Czaja ist CDU-Politiker und ehemaliger Sozialsenator von Berlin. Sebastian Czaja besuchte 1996 bis 2000 die Klingenberg-Oberschule in Berlin-Biesdorf und erwarb die mittlere Reife, nach dem Besuch des Oberstufenzentrums Energietechnik II in Berlin (2000 bis 2004) die fachgebundene Hochschulreife. Im Januar 2004 schloss Czaja eine Ausbildung im Bereich der Elektrotechnik durch Bestehen der Gesellenprüfung ab. Nach dem Besuch des Victor-Klemperer-Kollegs in Berlin-Marzahn (2004 bis 2008) erwarb er 2008 die allgemeine Hochschulreife.[1] Danach war er bei der Baufirma Strempel & Große aus Marzahn-Hellersdorf tätig, die auch Czajas Bezirksbüro in Marzahn-Hellersdorf mitfinanzierten.[2]

Nach seinem Ausscheiden aus dem Berliner Abgeordnetenhaus 2011 war Czaja von 2012 bis Herbst 2013 beratender Repräsentant für die „Jahn Baumanagement“-Gesellschaft, danach bei der Gesellschaft „beton & rohrbau C.F. Thymian“ für die Projektentwicklung verantwortlich[1] und ist seit 2016 bei der beton & rohrbau 2.0 GmbH in der Projektentwicklung tätig.[3]

Czaja ist verheiratet und hat eine Tochter.[4][5]

Parteilaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CDU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Czaja war von 1999 bis 2005 Mitglied der CDU und 2001/02 Kreisvorsitzender der Jungen Union Marzahn-Hellersdorf. Zeitgleich war er stellvertretender Landesvorsitzender der Schüler-Union Berlin.

FDP[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Eintritt in die FDP 2005 wurde er bis 2006 Vorsitzender der FDP-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf. Von 2009 bis 2012 war Czaja Bezirksvorsitzender der FDP Marzahn-Hellersdorf.[6] Seit Februar 2019 ist er Vorsitzender des FDP-Bezirksverbandes Steglitz-Zehlendorf[7], in dem er seit Juli 2017 den FDP-Ortsverband Zehlendorf-Wildwest führt.[8]

2009 gründete Czaja die Fach- und Arbeitsgruppe Sportpolitik der FDP-Fraktionsvorsitzendenkonferenz (FVK) und war deren Vorsitzender und Sprecher.

Seit September 2015 bis zu seinem Rücktritt im Februar 2020 war Czaja Generalsekretär der FDP Berlin[9], die ihn auf ihrem Landesparteitag am 9. März 2018 mit 80,9 Prozent in seinem Amt bestätigte.[10] Auf dem FDP-Parteitag am 12. März 2016 war Czaja mit 72,4 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl am 18. September 2016 gewählt worden.[11]

Die FDP erhielt am 18. September 2016 6,7 % der Wählerstimmen (2011: 1,8 %).

Nach dem Wiedereinzug ins Berliner Abgeordnetenhaus, seiner Wahl zum FDP-Fraktionsvorsitzenden und der Bestätigung im Amt im Oktober 2017 wurde Czaja am 29. Januar 2018 zum stellvertretenden Vorsitzenden der FDP-Fraktionsvorsitzendenkonferenz gewählt.[12]

Auf dem Landesparteitag der Berliner FDP am 15. November 2020 wurde er zu einem der drei stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt.[13]

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezirksverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Mandat als Bezirksverordneter in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Marzahn-Hellersdorf übte Czaja 2001 bis zum Ende der Legislaturperiode 2006 aus. Durch seinen Wechsel von der CDU zur FDP 2005, bei dem er sein Mandat behielt, wuchs die FDP in der BVV zur Fraktionsstärke, was Czaja schnell großen Einfluss, aber auch Kritik von anderen FDP-Politikern brachte.[14]

Berliner Abgeordnetenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sebastian Czaja (2016)

Czaja wurde 2006 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses[15] und Sprecher der dortigen FDP-Fraktion für Sport, berufliche Bildung, Wissenschaft und Forschung. Er war im Abgeordnetenhaus Mitglied der Ausschüsse für Sport, berufliche Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie Mitglied des Hauptausschusses und stellvertretender Vorsitzender des Unterausschusses Bezirke. Des Weiteren war er Mitglied des Landesfachausschusses für Bildung und Sport sowie des Bundesfachausschusses Hochschule. Zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Berliner FDP wurde Czaja am 26. April 2009 gewählt.[14] Seine Sprecherfunktion für Wissenschaft und Forschung gab er zu diesem Zeitpunkt ab. Nachdem Czaja den damaligen FDP-Parteivorsitzenden und Spitzenkandidaten Christoph Meyer unmittelbar nach Schließung der Wahllokale bei der Abgeordnetenhauswahl am 18. September 2011 scharf kritisiert und dessen Rücktritt gefordert hatte, wurde er am 30. September 2011 als stellvertretender Fraktionsvorsitzender abgewählt.[16] Bei dieser Wahl hatte Czaja als Spitzenkandidat der Bezirksliste und Wahlkreiskandidat für Marzahn kandidiert. Da die FDP nach der Wahl mit einem Ergebnis von 1,8 Prozentpunkten nicht mehr im Parlament vertreten war, endete auch das Mandat von Czaja.

Bei der Abgeordnetenhauswahl am 18. September 2016 führte Sebastian Czaja als Spitzenkandidat die Freien Demokraten wieder zurück in das Abgeordnetenhaus und wurde nach der Konstituierung am 19. September 2016 zum Vorsitzenden der dortigen FDP-Fraktion gewählt. Am 17. Oktober 2017 bestätigten die 12 FDP-Abgeordneten Czaja in diesem Amt.[17] Im November 2017 wurde bekannt, dass Czaja und sein Kollege Thomas Seerig seit Beginn der Legislatur eine Kostenpauschale aus Steuermitteln von je monatlich 850 Euro für ein Büro bezogen hatten, das noch gar nicht bestand.[18] Nach öffentlichen Vorwürfen erklärte Czaja, er habe bei seiner ursprünglichen Behauptung, noch kein Geld bezogen zu haben, "unsauber formuliert".[19] Im April 2019 nannte Czaja den BER-Chef und Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup einen "notorischen Lügner", von dem "die Steuerzahler keine Wahrheit erwarten dürften". Der von Lütke Daldrup angestrengte Rechtsstreit über die womöglich ehrverletzende Behauptung Czajas endete mit einem Vergleich, wonach dieser vor Gericht rechtsverbindlich erklärte, den Flughafenchef künftig so nicht mehr zu bezeichnen.[20] In einer einstweiligen Verfügung untersagte das Landgericht Hamburg dem FDP-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus im März 2020 eine Äußerung, wonach ein Gericht den Rechtsextremisten Björn Höcke als Faschisten eingestuft habe. Czaja hatte in einem Namensbeitrag geschrieben, dass die AfD "im thüringischen Freistaat mit ihrem Landesvorsitzenden Höcke sogar einen Typus Politiker an ihrer Spitze weiß, den ein Gericht aufgrund überprüfbarer Tatsachengrundlagen als Faschisten einstuft".[21]

Sonstiges Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 gründete Czaja zusammen mit dem ehemaligen wohnungspolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Sebastian Körber, sowie mit dem Vizepräsidenten des Immobilienverbandes Deutschland IVD, Jürgen Michael Schick, den FDP-nahen Verein „Liberale Immobilienrunde“, in dem er stellvertretender Vorsitzender ist.[22] Seit 2014 gehört Czaja auch der „Arbeitsgemeinschaft City“ an. Er engagiert sich in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft und war Mitglied der Nachwuchsförderung des „German Council Ne(X)t Gen“.[23] Daneben ist er Botschafter des Vereins „Sport gegen Gewalt“, der es sich zum Ziel gemacht hat, Jugendlichen in schwierigen urbanen Umfeldern Alternativen und Perspektiven zu vermitteln.[24] Darüber hinaus ist er u. a. stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Victor-Klemperer-Kolleg und Beisitzer der berliner wirtschaftsgespräche sowie Mitglied im Verein der Freunde und Förderer – Kiddies Family und im Kuratorium für den Wiederaufbau der Synagoge Fraenkelufer.[25]

Czaja war Initiator des Volksbegehrens „Berlin braucht Tegel“, das Tegel als Verkehrsflughafen auch nach einer Eröffnung des BER dauerhaft erhalten wollte.[26] Beim Volksentscheid über den Weiterbetrieb des Flughafens Berlin-Tegel am 24. September 2017 sprach sich eine Mehrheit von 56,4 % für den Weiterbetrieb von Tegel aus.[27] Der Senat wurde damit aufgefordert, den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel als Verkehrsflughafen unbefristet sicherzustellen.[28] Da der Volksentscheid keinen konkreten Gesetzentwurf umfasste, war das Abstimmungsergebnis rechtlich nicht bindend,[29] im Juni 2018 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus daher, dass das Volksbegehren vom Senat nicht umsetzbar sei.[30]

Czaja ist ein Gegner des Berliner Mietendeckels.[31]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 wurde Czaja von den Lesern der Berliner Morgenpost nach Hartmut Mehdorn zum zweitunbeliebesten Berliner gewählt, weil er die öffentlichen Mittel für das Kinderhilfsprojekt Arche in Berlin-Hellersdorf streichen wollte.[32]

Für den von Czaja verantworteten Berliner FDP-Abgeordnetenhaus-Wahlkampf erhielt seine Partei gemeinsam mit der ausführenden Agentur HEIMAT den Politikaward 2016 der Fachzeitschrift „politik & kommunikation“ in den Kategorien „Politische Kampagne“ und „Digital Public Affairs“ sowie „Virale Kommunikation“ – letzteren speziell für die Guerilla-Maßnahme und Startup-Kampagne, mit der seine Partei in London mit dem Slogan "Dear start-ups, keep calm and move to Berlin." um Unternehmensgründer geworben hatte.[33][34]

Das Wirtschaftsmagazin „Capital“ nahm Czaja 2017 und 2018 in die „Junge Elite - die Top 40 unter 40“ in der Kategorie „Politik und Staat“ auf, in der die herausragenden Talente des Landes unter 40 Jahren, die in Parteien und Behörden Karriere machen, gekürt werden.[35][36] Bereits ein Jahr zuvor zählte der FDP-Politiker zu den Rising Stars 2016 von „politik & kommunikation“, die „deutschlandweit in Jugendorganisationen von Parteien, in Landesparlamenten, Ministerien und im Deutschen Bundestag schon viel bewirken und noch Großes vor sich haben.“[37]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sebastian Czaja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Persönliches. (Memento vom 23. März 2014 im Internet Archive) In: Sebastian-Czaja.de, abgerufen am 26. Juli 2019
  2. Seite 2 von 2: Berliner FDP im freien Fall - „Gestorben wird zum Schluss“ | Cicero Online. 4. März 2016, abgerufen am 7. Juni 2020.
  3. Profil in abgeordnetenwatch
  4. Kann dieser Mann Berlin die „Frischzellenkur“ geben? In: Welt.de, 13. September 2016.
  5. Berliner Politiker erinnern sich an den 19. Dezember 2016 In: tagesspiegel.de, 19. Dezember 2017.
  6. Mitteilung der FDP Marzahn-Hellersdorf bei Facebook, 15. April 2012.
  7. Mitteilung der FDP Steglitz-Zehlendorf, 28. Februar 2019
  8. Mitteilung der FDP Zehlendorf-Wildwest, 17. Juli 2017
  9. Thorkrit Treichel: Liberale in Berlin: Sebastian Czaja ist neuer Generalsekretär der FDP. In: Berliner Zeitung, 29. September 2015.
  10. Mitteilung der FDP Berlin, 9. März 2018
  11. Mitteilung der FDP Berlin (Memento vom 29. April 2016 im Internet Archive), 12. März 2016
  12. FDP-Fraktionsvorsitzendenkonferenz unter neuer Führung In: portal liberal, 30. Januar 2018
  13. Wahlergebnisse des 86. ordentlichen Parteitages Auf der Webseite der FDP Berlin vom 16. November 2020
  14. a b Stefan Alberti: Endlich auf Augenhöhe. In: die tageszeitung, 2. Mai 2009.
  15. FDP und SPD entscheiden über Fraktionsvorsitz. In: Der Tagesspiegel, 31. März 2009.
  16. Constantin Magnis: Berliner FDP im freien Fall: „Gestorben wird zum Schluss“. (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) In: Cicero, 8. November 2011.
  17. Czaja als Berliner FDP-Fraktionschef bestätigt. Süddeutsche Zeitung, 17. Oktober 2017, abgerufen am 3. August 2020.
  18. "Das war unsauber formuliert". Abgerufen am 6. Juni 2020.
  19. "Das war unsauber formuliert". Abgerufen am 6. Juni 2020.
  20. FPD-Politiker Czaja darf BER-Chef nicht mehr Lügner nennen. Abgerufen am 6. Juni 2020.
  21. DER SPIEGEL: AfD: Björn Höcke erringt Erfolg vor Gericht - DER SPIEGEL - Politik. Abgerufen am 6. Juni 2020.
  22. Webseite des Vereins, abgerufen am 1. April 2019.
  23. Webseite des Vereins, abgerufen am 1. April 2019.
  24. Webseite des Vereins, abgerufen am 1. April 2019.
  25. Biografie auf der Webseite des Berliner Abgeordnetenhauses, abgerufen am 1. April 2019.
  26. Volksbegehren zum Flughafen BER und Tegel sind ein Muß für Berlin auf: Tagesspiegel online vom 9. Dezember 2015.
  27. Endgültiges Ergebnis des Volksentscheids über den Weiterbetrieb des Flughafens Berlin-Tegel „Otto-Lilienthal“ (TXL) veröffentlicht von der Landesabstimmungsleiterin Berlin am 5. Oktober 2017.
  28. Amtliche Information zum Volksentscheid herausgegeben von der Landesabstimmungsleiterin Berlin.
  29. Volksentscheid in Berlin – Deutliche Mehrheit will Weiterbetrieb von Tegel. RBB online, 25. September 2017, abgerufen am 25. September 2017.
  30. https://www.tagesspiegel.de/berlin/txl-debatte-im-abgeordnetenhaus-der-flughafen-tegel-wird-parlamentarisch-beerdigt/22688460.html
  31. Sebastian Czaja: Plenarprotokoll, 50. Sitzung, S. 5912. (PDF; 1,9 MB) In: parlament-berlin.de. 28. November 2019, abgerufen am 4. Dezember 2019.
  32. Tegel-Fan tritt aus dem Schatten des Bruders. Abgerufen am 7. Juni 2020.
  33. Coworking für die Demokratie - neue Ansätze in der politischen Kommunikation In: Hamburger Wahlbeobachter, 30. März 2017
  34. Gewinnerliste 2016 | Politikaward
  35. Sebastian Czaja: German politician, abgerufen am 14. Juli 2020
  36. Junge Elite 2018 - Politik und Staat, abgerufen am 14. Juli 2020
  37. Die Rising Stars 2016 In: politik-kommunikation.de, 2016