Sebastian Dadler

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Sebastian Dadler (* 6. März 1586 in Straßburg; † 6. Juli 1657 in Hamburg) war ein deutscher Goldschmied und Medailleur.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sebastian Dadler war der Sohn des Schiffszimmermanns Jacob Dettler und dessen Ehefrau Apollonia. Seine handwerkliche Ausbildung ist nicht dokumentiert. Er selbst sagte, wahrscheinlich um 1612 in Wien als privilegierter Hofgoldschmied gearbeitet zu haben, wofür keine Belege vorhanden sind. Er heiratete im August 1611 in Augsburg Rosina Esther, deren Vater dort als Harnischmacher Geld verdiente. 1619 versuchte er, in Augsburg als Goldschmied zu arbeiten, wogegen die ortsansässigen Goldschmiede der Zunft intervenierten. Sie baten den Rat der Stadt, Dadler das Augsburger Bürgerrecht nur unter der Auflage zu erteilen, dort nicht als Goldschmied tätig zu werden. 1621 erbte Dadler, der bis dahin nur ein unzureichendes Einkommen hatte. Kurze Zeit später verließ er die Stadt aufgrund fehlender beruflicher Perspektiven gen Dresden.

Kurfürst Johann Georg I. stellte Dadler als Hofkünstler und Hofgoldschmied ein. Hier arbeitete er für zehn Jahre für jährlich 300 Gulden. In dieser Zeit schuf er, zumeist im Auftrag des Fürsten, repräsentative Medaillen. Diese zeigten Szenen aktueller Schlachten aus Sicht der Protestanten. Da Dresden während des Dreißigjährigen Kriegs bedroht wurde, musste Dadler wie alle Einwohner an den Befestigungsanlagen der Stadt mitarbeiten. Im November 1632 hielt ein Stadtschreiber fest, dass der Goldschmied noch 18 Tage Arbeit an den Schanzen leisten müsse, jedoch nach Hamburg verreist sei. Warum Dadler dorthin ging, ist unbekannt.

Nach 1632 arbeitete Dadler als freier Künstler auf eigene Rechnung. Wo er während dieser Zeit lebte, ist nicht belegt. 1647 heiratete er in Danzig in zweiter Ehe Margaretha/e Neumann. In der Zwischenzeit hatte er zahlreiche Medaillen geschaffen, die Porträts, religiöse und familiäre Feiern und Städte zeigten. Außerdem hielt er Szenen aktueller Kriegsereignisse fest, die ihm besondere Anerkennung einbrachten. Da er als ideenreich und technisch begabter Fachmann galt, erhielt er Aufträge insbesondere von Fürsten aus Ost- und Nordeuropa, darunter aus Warschau, Riga, Wilna und Stockholm. Später arbeitete er auch für Auftraggeber aus den Vereinigten Niederlanden, das seinerzeit als Hochburg der Medaillenfertigung in Westeuropa galt.

1636 bestätigte der Kaiser Hamburg das von ihm verliehene Elbprivileg. Aus diesem Grund gab die Stadt Hamburg bei Dadler eine große Silbermedaille in Auftrag. Die Vorderseite dieses Kunstwerks zeigt einen Merkur, der breitbeinig über der Elbe steht und das Selbstbewusstsein der Hansestädter symbolisieren sollte. Diese Medaille ist heute im Münzkabinett des Museums für Hamburgische Geschichte zu sehen. 1648 zog Dadler von Danzig nach Hamburg, möglicherweise, da er hier als freischaffender Künstler bessere Handels- und Kommunikationsmöglichkeiten als im randständig gelegenen Danzig finden konnte. Als Zugezogener erhielt er nicht das Hamburger Bürgerrecht, sondern galt als Schutzverwandter. Die Wedde wies ihn an, jährlich neun Mark Steuern zu entrichten.

Christina, Königin von Schweden 1632, Medaille von Dadler.
Medaille o.J. (1648) auf den Westfälischen Frieden. Christina von Schweden, Porträt r. Vorderseite.
Die Rückseite dieser Medaille: Christina of Sweden als Minerva mit einem Olivenzweig im linken Arm, mit der Rechten berührt sie den Lebensbaum.

Die Zeit in Hamburg, wo er bis Lebensende wohnte, gestaltete sich für Dadler sehr erfolgreich: Kurz nach der Ankunft bestellten die Unterzeichner des Westfälischen Friedens bei ihm eine Medaille für die Abschlussfeier der Vertragsverhandlungen. 1648 arbeitete er für das Ende des Achtzigjährigen Krieges und die Krönungsfeier Friedrich III., ein Jahr später für die Krönung Christine von Schwedens, die Ratifikation des Westfälischen Friedens und die Hochzeit Johann II. Kasimir, der polnischer König war. Weitere Anlässe stellten 1650 das Dank- und Friedensfest in Kursachsen, ein Jahr später die Versammlung der Generalstände der Niederlande und erneut Johann II. Kasimir dar, der Kiew übernahm.

1653 gab die Hamburger Bank, vermutlich aufgrund des fünften Jahrestages des Westfälischen Friedens, den „Bankportugaleser“ mit einem Nennwert von zehn Dukaten in Auftrag. Dadler fertigte eine goldene Medaille, die auf Vorder- und Rückseite Hamburg und die prosperierende Schifffahrt auf der Elbe zeigt und den Frieden rühmt. Nach diesem Vorbild entstanden bis 1841 zahlreiche Portugaleser, die zu verschiedensten Anlässen angefertigt wurden.

Dadler nahm die Tradition der in Lübeck seit den 1580er Jahren nachweisbaren Hochzeitsmedaillen auf[1] und führte diese auch in Hamburg ein.

Sebastian Dadler starb im Juli 1657. Er wurde auf dem Friedhof in Hamburg-Neustadt beigesetzt. Seine Arbeiten sind in vielen wichtigen Münzkabinetten und Museen vertreten. Zahlreiche Schüler, darunter der 1685 gestorbene Johann Reteke und sein gleichnamiger Sohn († 1720),[2] arbeiteten seiner Tradition folgend.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sebastian Dadler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abbildung einer Lübecker Hochzeitsmedaille Dadlers von 1657
  2. Bruno Dorfmann: Die Medailleure Johann Rethe (Reteke) Vater und Sohn, in Riga - Stockholm - Hamburg um 1615/20 bis 1720 in: Zeitschrift des Vereins für hamburgische Geschichte Band 46 (1960), S. 105–129 (Digitalisat); Elisabeth Sudeck in Thieme-Becker, Band 28, S. 187, vermischt 1934 noch Vater und Sohn Retecke.