Sebastian Frankenberger

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Sebastian Frankenberger (2010)

Sebastian Korbinian Frankenberger (* 17. September 1981 in Passau) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (ÖDP). Von 2010 bis 2014 war er Bundesvorsitzender dieser Partei. Überregionale Bekanntheit erlangte er 2009 als Initiator des erfolgreichen Volksbegehrens „Für echten Nichtraucherschutz!“ in Bayern. Am 19. Februar 2015 erklärte er seinen Austritt aus der ÖDP und den Rückzug aus der deutschen Politik.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sebastian Frankenberger besuchte von 1992 bis 2001 das Adalbert-Stifter-Gymnasium in Passau. Nach dem Abitur begann er ein Lehramtsstudium in Mathematik und Physik an der Universität Regensburg. 2003 wechselte er an die Universität Passau zu Theologie mit dem Berufsziel Pastoralreferent, das er später wegen innerkirchlicher Veränderungen aufgab. Zusätzlich machte er mehrere Ausbildungen, unter anderem zum Notfallseelsorger und zum staatlich geprüften Fremdenführer für Österreich. Seit 2003 arbeitet er als Kostümtheater-Führer bei den Passauer Stadtfuchs-Touren. 2007 gründete er in Linz mit zwei Kolleginnen den StadtLux, interaktive Kostümtheater-Führungen mit gruppenpädagogischen Spielelementen. Er inszeniert Vernissagen und Liveübertragungen.[3] Darüber hinaus ist er als Notfallseelsorger tätig und arbeitete im Frühjahr 2008 als Aushilfsreligionslehrer an einer Realschule.[4]

Im Juni 2011 brach Frankenberger den Weltrekord im 44-Stunden-Dauerdebattieren an der Universität Tübingen und erhielt so einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde.[5] Im August 2011 erschien sein Buch „Volk, entscheide! − Visionen eines christlichen Polit-Rebells“.[6]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während seiner Schulzeit wurde Frankenberger zum Bezirksschülersprecher Niederbayerns gewählt und engagierte sich später als studentischer Senator der Universität Passau. Zunächst war er Mitglied der Schüler Union, deren Vorsitz er in Passau übernahm, sowie der CSU.[7] 2004 trat er aus der CSU aus und wechselte zur ÖDP. Den Kommunalwahlkampf 2008 gestaltete er für die ÖDP maßgeblich mit, wurde in den Stadtrat Passau gewählt und gehörte diesem von 2008 bis 2011 an. 2008 wurde er zudem stellvertretender Geschäftsführer der bayerischen ÖDP; dieses Amt bekleidete er bis Ende 2010. Im Herbst 2010 wurde er in den Vorstand des bayerischen Landesverbandes von Mehr Demokratie e.V. gewählt, in dem er sich für bundesweite Volksentscheide einsetzt; hierfür hält er auch Vorträge mit szenischen Spielen an Schulen.

Auf dem 41. Bundesparteitag der ÖDP am 13. November 2010 in Regensburg setzte er sich gegen zwei Mitbewerber durch und wurde zum Parteivorsitzenden gewählt.[8] Er trat damit die Nachfolge des Physikers Klaus Buchner an, der aus Altersgründen nicht mehr kandidiert hatte. Sein Passauer Stadtratsmandat legte Frankenberger Ende Januar 2011 wegen der neuen Parteifunktion nieder.

Bei der Landtagswahl in Bayern 2013 trat Frankenberger als Direktkandidat im Stimmkreis München-Schwabing an[9]. Er ist außerdem auf Platz 1 der ÖDP-Liste im Wahlkreis Oberbayern.[10] Vor der Wahl radelte Frankenberger in 90 Tagen durch die 90 bayerischen Landtagswahlkreise. Auch bei der Europawahl 2014 war Frankenberger Kandidat der ÖDP. [11]

Im Juni 2014 kündigte Frankenberger seinen Ausstieg aus der Politik an.[12] Im November 2014 verlor Frankenberger in einer Kampfabstimmung den Bundesvorsitz an Gabriela Schimmer-Göresz. Er trat im Februar 2015 aus der ÖDP aus.

Seit 2015 ist Frankenberger Branchensprecher der austriaguides in Oberösterreich und ist gewähltes Mitglied der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Seit Herbst 2015 leitet er außerdem den oberösterreichischen Fremdenführerkurs am WIFI Linz und ist zum österreichweiten Ausbildungskoordinator für Fremdenführer bestimmt worden.[13]

Rolle beim Nichtraucherschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frankenberger (2010)

Von 1996 bis 1998 hatte die ÖDP mit „Schlanker Staat ohne Senat“ bereits ein erfolgreiches Volksbegehren betrieben. Seit 2007 setzte Frankenberger sich dafür ein, durch die ÖDP ein Volksbegehren zum Nichtraucherschutz zu initiieren.[14] Als die seit 2008 amtierende bayerische Staatsregierung aus CSU und FDP eine Lockerung der Rauchverbote in Gaststätten einführte, lancierte die ÖDP das Volksbegehren „Für echten Nichtraucherschutz!“. Nachdem sich Ende 2009 in der 14-tägigen Eintragungszeit 13,9 Prozent der Stimmberechtigten in Bayern in die Unterstützerlisten eingetragen hatten (für ein Volksbegehren wären lediglich 10 % notwendig gewesen) und der Landtag die Gesetzesänderung aufgrund des Volksbegehrens ablehnte, kam es am 4. Juli 2010 bayernweit zu einem Volksentscheid, bei dem 61 % der abgegebenen Stimmen für die Verschärfung des Nichtraucherschutzes zählten.

Das Gesetz zum Schutz der Gesundheit (Gesundheitsschutzgesetz – GSG) vom 23. Juli 2010 trat zum 1. August 2010 in Kraft.

In der Folgezeit wurde Frankenberger Ziel zahlreicher Anfeindungen.[15] So erhielt er Morddrohungen, ebenso wurde er in E-Mails als „Nazi“ beschimpft. Zudem wurde er beim Besuch in Restaurants und Kneipen sowohl von Wirten als auch von Gästen beleidigt[16] oder erhielt Hausverbot.[17] 2010 wurde er aufgrund seiner Aktivitäten im Vorfeld des 200. Münchener Oktoberfestes beim Schichtl öffentlich „geköpft“.[18]

Frankenberger tritt häufig in Talkshows mit der Forderung nach mehr direkter Demokratie auf, u. a. bei hart aber fair,[19] Maybrit Illner,[20] Michel Friedman[21] und Peter Hahne.[22] Aufgrund seines Einsatzes für den Nichtraucherschutz wurde er für den bayerischen Verdienstorden vorgeschlagen[23] und für den Politikaward 2010 nominiert.[24]

2011 wurde Frankenberger bei einer Veranstaltung der ÖDP im Rahmen des Politischen Aschermittwochs in einer Gaststätte von deren Besitzer des Lokals verwiesen. Die Veranstaltung, bei der Frankenberger als Redner auftreten sollte, musste deshalb kurzfristig örtlich verlegt werden.[25]

In einer Phoenix-Polittalk-Sendung nannte ihn der ZDF-Journalist Wolfgang Herles einen „wildgewordenen Jungfaschisten“.[26] Gegen die Bezeichnung hat Frankenberger daraufhin eine strafbewehrte Unterlassungserklärung erwirkt.[27]

Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volk, entscheide! – Visionen eines christlichen Politrebells. Autobiographie. Kösel-Verlag, München 2011, ISBN 978-3-466-37025-2;[28]
  • "Digital Public Affairs: Social Media für Unternehmen, Verbände und Politik". Essay zusammen mit Sofie Langmeier "Die integrierte Kampagne: Wie digitale Medien zum Erfolg eines Volksbegehrens führen". Helios Media, Köln 2011, ISBN 978-3-942263-09-2;[29]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sebastian Frankenberger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Sebastian Frankenberger – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://sebastian-frankenberger.de/austritt-aus-der-oedp/
  2. http://www.hogn.de/2015/02/20/1-da-hogn-geht-um/nachrichten-niederbayern/sebastian-frankenberger-oedp-austritt-parteiaustritt-interview-passau-linz/63789
  3. Eine Lichtkugel, die Energie verströmt BR, on3 südwild, 22. September 2009
  4. Nichtraucheraktivist und Notfallseelsorger (Memento vom 25. Oktober 2010 im Internet Archive) Bayern 2 Radio, Eins zu Eins. Der Talk mit Ursula Heller, 14. Oktober 2010
  5. 44 Stunden Weltrekord-Debatte – Muss sich Deutschland neu erfinden? streitkultur.net, 24. Juni 2011
  6. Frankenberger-Buch auf dem Markt Passauer Neue Presse (pnp.de), 25. August 2011
  7. Beckstein und Frankenberger im Interview „Idealist? Absolut!“ sueddeutsche.de, 15. Oktober 2010
  8. Held der Nichtraucher, Zeit, 12. November 2010
  9. http://www.wahlen.bayern.de/lw2013/stkrbew_ob.htm
  10. http://www.wahlen.bayern.de/lw2013/wkrbew_ob.htm#7.
  11. Der Strampler: Sebastian Frankenberger will in den bayerischen Landtag – Chancen hat er kaum Badische Zeitung, Reportage, 12. September 2013
  12. „Ich gönne mir jetzt eine Auszeit“ sueddeutsche.de, 3. Juni 2014. Abgerufen am 5. März 2015.
  13. so die Angaben auf der Homepage von Frankenberger unter http://sebastian-frankenberger.de/, abgerufen 21. Februar 2016
  14. Ein Mann, viele Pläne FAZ, 21. August 2010
  15. Schöne Bescherung (III) – Frankenbergs Geschenke, SZ-Magazin, Heft 45/2010 vom 12. November 2010. Abgerufen am 5. März 2015.
  16. Hexenjagd auf Nichtraucher-Politiker – „Du Schwein, dich bringen wir um!“ spiegel.de, 21. August 2010
  17. Weltverbesserer und Hassfigur, Frankfurter Rundschau vom 14. November 2010
  18. Oktoberfest 2010, Da raucht der Kopf! (Memento vom 20. September 2010 im Internet Archive) BR Online, 18. September 2010
  19. Deutschland 21 – Land der Schlichter und Stänkerer ARD, hart aber fair, 1. Dezember 2010
  20. Atom stoppen, Steuern senken ZDF, Maybrit Illner, 30. Juni 2010
  21. "Die große Schlacht ums Rauchverbot" N24, Studio Friedmann, 9. Juli 2010
  22. Deutschland ohne Qualm! Die Diktatur der Nichtraucher? ZDF, Peter Hahne, 11. Juli 2010
  23. Verdienstorden für Frankenberger? Münchner Merkur, 15. November 2010
  24. Politikaward 2010 – Frankenberger unter den Top-Politikern 2010 Medien Denk, 24. November 2010
  25. ÖDP-Chef unerwünscht. Wirt wirft Frankenberger raus. sueddeutsche.de, 10. März 2011. Abgerufen am 5. März 2015.
  26. ÖDP-Chef gegen ZDF-Journalist. Frankenberger droht Herles mit Klage – SZ, 2. April 2012. Abgerufen am 5. März 2015.
  27. Dietrich Mittler: ÖDP-Chef gegen ZDF-Journalist Herles: Herles tritt nach, Frankenberger will klagen. In: sueddeutsche.de. 1. April 2012, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 5. Dezember 2016]).
  28. Buch: "Volk, entscheide! – Visionen eines christlichen Politrebells" Autobiographie. Kösel-Verlag, München 2011, ISBN 978-3-466-37025-2.
  29. " Essay "Die integrierte Kampagne: Wie digitale Medien zum Erfolg eines Volksbegehrens führen" im Buch "Digital Public Affairs: Social Media für Unternehmen, Verbände und Politik"" Helios Media, Köln 2011, ISBN 978-3-942263-09-2.