Sebastian Gemkow

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Sebastian Gemkow (2016)

Sebastian Gemkow (* 27. Juli 1978 in Leipzig) ist ein deutscher Jurist und Politiker (CDU). Er ist seit 2009 Mitglied des Sächsischen Landtags und seit 20. Dezember 2019 Sächsischer Staatsminister für Wissenschaft im Kabinett Kretschmer II. Zuvor war er von 2014 bis Ende 2019 Sächsischer Justizminister. Die Leipziger CDU nominierte Gemkow am 19. November 2019 im Kunstkraftwerk als Kandidat für die Wahl zum Oberbürgermeister von Leipzig am 2. Februar 2020.

Studium und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1997 legte Gemkow das Abitur an der Leipziger Neuen Nikolaischule ab[1] und absolvierte von 1998 bis 2004 an den Universitäten Leipzig, Hamburg und der Humboldt-Universität Berlin ein Studium der Rechtswissenschaften. Nach seinem ersten juristischen Staatsexamen 2004 arbeitete er als Referendar in Leipzig und konnte daraufhin 2006 sein zweites Staatsexamen ablegen. In der Folge ließ er sich als Rechtsanwalt in Leipzig nieder und betrieb bis zu seinem Amtsantritt als Justizminister eine gemeinsame Rechtsanwaltskanzlei mit Denis van Ngoc.[2][3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sebastian Gemkow im Bundesrat, 2019

Seit 1998 ist Gemkow Mitglied der CDU. Bei der Landtagswahl 2009 gelang ihm als Direktkandidat im Wahlkreis Leipzig 2 mit einem Stimmenanteil von 28,5 % (dem niedrigsten Erststimmenanteil aller gewählten Wahlkreiskandidaten) der Einzug in den Sächsischen Landtag. Im 5. Sächsischen Landtag gehörte er dem Ausschuss für Wissenschaft und Hochschule, Kultur und Medien, dem Wahlprüfungsausschuss, dem Parlamentarischen Kontrollgremium sowie dem 1. Untersuchungsausschusses des 5. Sächsischen Landtags „Abfall-Missstands-Enquete“ an. Bei der Landtagswahl in Sachsen 2014 gewann Gemkow den Wahlkreis Leipzig 4 mit einem Stimmenanteil von 24,9 %.[4]

Am 13. November 2014 wurde Gemkow von Ministerpräsident Stanislaw Tillich zum Sächsischen Staatsminister der Justiz in der sächsischen Landesregierung ernannt.[5]

In der Nacht zum 24. November 2015 wurde auf seine Wohnung in Leipzig ein Buttersäureangriff verübt, bei dem auch mehrere Pflastersteine in das Wohnzimmer geschleudert wurden.[6] Nachdem zunächst ein linksextremer Hintergrund für die Tat angenommen wurde, wurde bald bekannt, dass es sich bei dem Täter um einen vorbestraften, gewalttätigen Neonazi handelt, der über die Free-Fight-Szene mit Gemkows Kanzleipartner Denis van Ngoc befreundet ist.[7][8]

Nach dem Suizid des Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr im Oktober 2016 in der Justizvollzugsanstalt Leipzig, der bundesweite Reaktionen nach sich zog, übernahm Gemkow die politische Verantwortung für die sächsische Landesregierung. Einen Rücktritt diesbezüglich schloss er aus.[9][10][11]

Bei der Landtagswahl in Sachsen 2019 wurde er im Wahlkreis Nordsachsen 2 mit 34,3 % Prozent der Direktstimmen zum Wahlkreisabgeordneten gewählt.[12]

Am 18. November 2019 nominierte ihn die Leipziger CDU im Kunstkraftwerk zum Kandidaten für die OBM-Wahl am 2. Februar 2020 mit 99,25 % ihrer Stimmen.[13] Seit 20. Dezember 2019 gehört Gemkow dem Kabinett Kretschmer II als Sächsischer Staatsminister für Wissenschaft im Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus an.[14]

Weitere Engagements[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemkow ist seit 2010 Präsident des Parlamentarischen Forums Mittel- und Osteuropa e. V.,[15] einer überparteilichen Vereinigung sächsischer Parlamentarier und Verantwortungsträger aus Wirtschaft und Gesellschaft, die eine Zusammenarbeit zwischen sächsischen sowie mittel- und osteuropäischen Akteuren aus Politik und Verwaltung fördert, mit dem Ziel, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und gesellschaftliche Entwicklungen zu unterstützen. Die Bundesregierung hat Gemkow am 21. März 2014 das Exequatur als Honorarkonsul der Republik Estland erteilt.[16] Die Honorarkonsularische Vertretung wurde in Anwesenheit von Taavi Rõivas, des Ministerpräsidenten der Republik Estland, in Leipzig eröffnet.[17] Der Konsularbezirk umfasst die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.[18] Sebastian Gemkow übte das Amt bis zu seiner Ernennung zum Staatsminister aus.

Er wurde im März 2016 in den Vorstand des Deutsch-Russischen Forums e.V.[19] gewählt und ist Mitglied des Kuratoriums des forum thomanum Leipzig e.V.[20]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemkow lebt in Leipzig, ist verheiratet und Vater von drei[21] Kindern. Hans-Eberhard Gemkow (CDU), sein früh verstorbener Vater, war bis 1994 Ordnungsbürgermeister der Stadt Leipzig.[22] Verwandt ist er mit Rudolf Krause (Großonkel) und General und Widerstandskämpfer Hans Oster (Urgroßonkel).[23]

Gemkow ist evangelisch-lutherischer Konfession.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sebastian Gemkow – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sebastian Gemkow - Leipzig. In: www.stayfriends.de. Abgerufen am 27. Oktober 2016.
  2. Rechtsanwaltskanzlei Denis van Ngoc in Leipzig. In: www.kanzlei-vanngoc.de. Abgerufen am 15. November 2016.
  3. Mutmaßlicher Gemkow-Angreifer ist vorbestrafter Neonazi. Abgerufen am 1. Januar 2020.
  4. Wahl zum 6. Sächsischen Landtag am 31. August 2014. Webpräsenz der Stadt Leipzig, abgerufen am 1. Januar 2015
  5. Pressemitteilung der Sächsischen Staatskanzlei vom 13. November 2014: Tillichs neue Regierung steht, abgerufen am 13. November 2014.
  6. F.A.S. Nr. 34, 27. August 2017, S. 4.
  7. Michael Freitag: Gemkow-Prozess: Zweite Runde vor dem Landgericht – L-IZ.de. In: new.l-iz.de. 18. September 2017, abgerufen am 17. Januar 2020.
  8. Rechte Spur — kreuzer online. In: kreuzer-leipzig.de. 29. November 2018, abgerufen am 17. Januar 2020.
  9. Christian Fuchs, Anne Hähnig, Stefan Schirmer: Unter Stümpern. In: zeit.de. 15. November 2016, abgerufen am 23. November 2016.
  10. Sachsens Justizminister weist Vorwürfe zurück. In: lto.de. 13. Oktober 2016, abgerufen am 23. November 2016.
  11. Sebastian Gemkow - eine ungewöhnliche Erscheinung. In: Süddeutsche Zeitung. 14. Oktober 2016, abgerufen am 21. Oktober 2016.
  12. Landtagswahl Sachsen 2019 Ergebnisse Wahlkreis Nordsachsen 2, abgerufen 3. September 2019
  13. Mit 99,3 Prozent nominiert: Leipziger CDU schickt Sebastian Gemkow ins Rennen. Abgerufen am 19. November 2019.
  14. Referat Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Regierungsmitglieder - sachsen.de. Abgerufen am 20. Dezember 2019.
  15. Schaar, Sebastian.: Sächsische Parlamentarier unterstützen europäischen Einigungsprozess. Parlamentarisches Forum Mittel- und Osteuropa gegründet, in: Landtagskurier. FreistaatSachsen. Hrsg. v. Sächsischen Landtag 7 (2010), S. 16; Ders.: "Weichenstellung nach Europa". Parlamentarisches Forum veranstaltet Parlamentarieraustausch zwischen Sachsen und Bosnien und Herzegowina im Sächsischen Landtag, in: Landtagskurier. Freistaat Sachsen. Hrsg. v. Sächsischen Landtag 3 (2012), S. 16.
  16. Archivlink (Memento des Originals vom 1. Januar 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundesanzeiger.de
  17. Eröffnung estnisches Honorarkonsulat in Leipzig. (Nicht mehr online verfügbar.) Freistaat Sachsen, 19. Juni 2014, archiviert vom Original am 14. Oktober 2016; abgerufen am 15. Oktober 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ministerpraesident.sachsen.de
  18. Estland eröffnet in Leipzig erstes Honorarkonsulat in Ostdeutschland. In: LVZ.de. 19. Juni 2014, abgerufen am 15. Oktober 2016.
  19. http://www.Deutsch-Russisches-Forum.de, abgerufen am 3. März 2017.
  20. Kuratorium, www.forum-thomanum.de, abgerufen am 14. November 2016.
  21. Sebastian Gemkow. In: bundesrat.de. Abgerufen am 26. April 2018.
  22. Christine Keilholz: Ich muss keinen Knalleffekt haben. In: Lausitzer Rundschau. 6. Dezember 2014, abgerufen am 15. Oktober 2016.
  23. Cornelius Pollmer: Sebastian Gemkow - eine ungewöhnliche Erscheinung. In: SZ.de. 14. Oktober 2016, abgerufen am 15. Oktober 2016.