Sebastian Schertlin von Burtenbach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sebastian Schertlin von Burtenbach.
Wappen des Sebastian Schertlin von Burtenbach

Sebastian Schertlin von Burtenbach (* 12. Februar 1496 in Schorndorf; † 18. November 1577 in Burtenbach) war ein bedeutender Landsknechtführer im 16. Jahrhundert. 1532 zum Oberkommandanten (Locotenent) über das gesamte Fußvolk des Reichsheeres ernannt, wurde er später Großmarschall, Generalkapitän, Gerichtsherr und Brandschatzmeister (siehe auch Brandschatzung).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Schorndorfer Forstmeisters, Richters und Bürgermeisters studierte nach dem Besuch der örtlichen Lateinschule in Tübingen und war mit 20 Jahren Magister. Anschließend folgte eine Tätigkeit als bischöflicher Schreiber in Konstanz. Zwei Jahre später schloss er sich dem Zeugmeister Michael Ott an, der in den Diensten des Kaisers Maximilian I. stand und im Auftrag des Feldhauptmanns Söldner suchte. 1519 eroberte Schertlin gemeinsam mit seinem Lehrmeister Georg von Frundsberg und dessen Landsknechten seine Heimatstadt Schorndorf im Kampf des Schwäbischen Bundes gegen Herzog Ulrich von Württemberg.

Da Sebastian Schertlin am Kriegshandwerk Gefallen fand, war er fortan an nahezu allen Heerzügen in Mittel- und Südeuropa in jener Zeit beteiligt. Bezeugt ist seine Teilnahme

Kaiser Karl V. erhob den Landsknechtführer 1534 wegen seiner Verdienste in den reichsunmittelbaren Adelsstand.

Bereits 1530 nahm Sebastian Schertlin in Augsburg das Amt des Stadthauptmanns an und zog mit seiner Familie im folgenden Jahr von Schorndorf in die freie Reichsstadt um. Als Stadthauptmann war er für die Verteidigung von Augsburg zuständig. Bald darauf erwarb er die in der westlichen Umgebung gelegene Herrschaft Burtenbach und nannte sich von nun an Schertlin von Burtenbach. Im Strudel von Reformation und Gegenreformation schloss er sich 1546 den Protestanten an, auf deren Seite sich auch der Rat der Stadt Augsburg mehrheitlich geschlagen hatte.

Im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 wurde Schertlin Kommandeur der gesamten Infanterie der oberdeutschen Städte. Nach anfänglichen Erfolgen seiner mit großer Umsicht geführten Truppen (er eroberte unter anderem Füssen und brandschatzte Buchloe), konnte er aber den Sieg der Kaiserlichen nicht verhindern. Die Reichsstadt Augsburg verweigerte nach ihrer Niederlage die Auslieferung ihres Stadthauptmannes. Schertlin floh nach Konstanz und weiter nach Basel. Anschließend trat er 1548 in Söldnerdienste des französischen Königs Heinrich II. Daraufhin verhängte Kaiser Karl V. die Reichsacht über ihn und zog seine Güter ein. Ab 1551 vermittelte Schertlin einen Vertrag zwischen französischem König und protestantischen Reichsfürsten auf der einen und Kaiser Karl V. auf der anderen Seite. 1553 wurde er nach Austritt aus französischen Diensten vom Kaiser begnadigt, in sein Amt als Hauptmann der Stadt Augsburg wieder eingesetzt und 1559 unter Kaiser Ferdinand sogar kaiserlicher Rat. Seinen Lebensabend verbrachte er auf den zurück erhaltenen Besitzungen in Burtenbach, er starb 1577 in seinem Haus in Augsburg.

Wesen und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sebastian Schertlin von Burtenbach.

Schertlin war nicht nur ein Kriegsmann sondern auch ein kühler Stratege, der in verschiedenen Feldzügen zu Reichtum gelangte. Er führte seine Soldaten häufig selbst in die Schlacht und wird in der Literatur auch als „Haudegen“[1] bezeichnet. Er musste als Landsknechtführer damals seine Truppen selbst ausrüsten und aus eigener Tasche bezahlen. Seinen Lohn erhielt er in der Regel vom jeweiligen Kriegsherrn; zusätzlich durfte er sich am Vermögen der Besiegten schadlos halten. Es winkte damit ein immenser Verdienst – allerdings verbunden mit dem hohen Risiko, an Leib und Leben Schaden zu nehmen. Selbst eine einfache Verwundung konnte zum Tod führen. Schertlin äußerte sich in seiner Lebensbeschreibung offen darüber, wie er seinen Reichtum erworben hatte.

In Rom war er mit der Bewachung des während des Sacco di Roma gefangen genommenen Papstes Clemens VII. betraut.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sebastian Schertlin von Burtenbach und seine an die Stadt Augsburg geschriebenen Briefe. Mitgeteilt von Theodor Herberger, Augsburg 1852 (Digitalisat)
  • Leben und Thaten des weiland wohledlen und gestrengen Herrn Sebastian Schertlin von Burtenbach durch ihn selbst beschrieben. Nach der eigenen Handschrift des Ritters urkundlichtreu herausgegeben von Ottmar F. H. Schönhuth, Münster 1858 (Digitalisat)
  • Leben und Taten des weiland wohledelen Ritters Sebastian Schertlin von Burtenbach. Durch ihn selbst deutsch beschrieben. Herausgegeben von Engelbert Hegaur, München 1909
  • Lebensbeschreibung des Schärtlin von Burtenbach und Burkhard Stickels Tagebuch. (= Schwäbische Lebensläufe; 11). Herausgegeben von Helmut Breimesser, Heidenheim 1972

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christof Paulus: Sebastian Schertlin von Burtenbach im Schmalkaldischen Krieg. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, 67, 200, 1, ISSN 0044-2364, S. 47–84.
  • Josef Reiter: Zum vierten Centenarium des Geburtsjahres von Sebastian Schärtlin (Schertlin, Schertel) von Burtenbach, in: Diöcesan-Archiv von Schwaben, 14. Jg. 1896, Heft 12, S. 190–192 (Digitalisat)
  • Franz von Rexroth: Der Landsknechtführer Sebastian Schertlin. Ein Bild seines Lebens und der beginnenden Neuzeit. Röhrscheid, Bonn 1940.
  • Alfred SternSchertlin von Burtenbach, Sebastian. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 31, Duncker & Humblot, Leipzig 1890, S. 132–137.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. unter anderem in: Dietrich Rauchenberger von Harrassowitz: Johannes Leo der Afrikaner, Seite 95. ISBN 3-447-04172-2 oder Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg: Lebensbilder aus Baden-Württemberg, Band 13, Seite 70, abgefragt am 7. März 2011