Sebastian Turner

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Sebastian Turner (2007)

Sebastian Turner (* 4. Juli 1966 in Clausthal-Zellerfeld, Niedersachsen) ist ein deutscher Medienunternehmer und Publizist. Turner ist Aufsichtsrat der Mediengruppe Dieter von Holtzbrinck DvH Medien GmbH (Zeit, Handelsblatt, Tagesspiegel).[1] Als parteiloser Kandidat trat er 2012 erfolglos für die CDU, die FDP und die Freien Wähler für das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart an.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turner, zweiter Sohn des Hochschulpolitikers George Turner, gründete 1981 in Stuttgart eine Schülerzeitung und zwei Jahre später eine Stadtschülerzeitung. Während seiner Schulzeit verteilte er Publikationen der Jungen Union.[2]

Nach dem Abitur studierte er Politikwissenschaften, Betriebswirtschaftslehre, Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Journalismus an der Universität Bonn, der Duke University, Durham/USA, und der University of North Carolina UNC, Chapel Hill/USA. 1990 schloss er das Studium mit dem Master of Arts an der Graduate School der Duke University ab.

Wissenschaftliche Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bonn war Turner wissenschaftliche Hilfskraft am Seminar für Politikwissenschaft. Als Lehrbeauftragter wirkte er Anfang der 90er Jahre an der Technischen Universität Dresden und anschließend an der Hochschule der Künste Berlin. An der heutigen Universität der Künste wurde er zunächst als Gastprofessor und schließlich zum Honorarprofessor berufen.[3] 2008 erwarb Turner zusätzlich den Studienabschluss als Master of Business Administration.

Unternehmerische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1985 gründete Turner die Zeitschrift „Medium, Magazin für Journalisten“, die er bis 1995 herausgab. Als freischaffender Journalist war Turner u. a. für die „Zeit“, „Geo“ und die „Frankfurter Allgemeine“ tätig. Zum 1. Januar 2014 erwarb er 20 Prozent am Berliner Tagesspiegel und wird dessen Herausgeber (neben Giovanni di Lorenzo).[4]

1990 gründete Turner mit Thomas Heilmann, den er in den USA kennengelernt hatte, und einem weiteren Partner in Dresden eine Werbeagentur, die bald Teil des Netzwerks von Scholz & Friends, eine der größten Werbeagenturen in Europa, wurde. Bis 2001 war er Geschäftsführender Gesellschafter der Scholz & Friends Büros in Dresden bzw. Berlin. Von 2001 bis 2008 wirkte er als einer von zwei Vorstandsvorsitzenden der internationalen Scholz & Friends Gruppe. 2003 erwarben Turner und Heilmann zusammen mit 18 weiteren Managern im Wege eines Management-Buy-out Scholz & Friends.[5] Bis 2011 war Turner Partner der Scholz & Friends Gruppe und Mitglied im Aufsichtsrat der Scholz & Friends Holding Commarco. Mit Heilmann gründete Turner 1999 die Internet-Holding Econa AG als Risikokapitalgeber.

Turner war eine der treibenden Kräfte hinter der Entwicklung und Umsetzung der Kampagne „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, einer umstrittenen Lobbyinitiative von Wirtschaftsverbänden.[6] Weitere bekannte Kampagnen an denen er mitarbeitete, sind die Wiederbelebung des FAZ-Claims „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“ (von einer Jury des Spiegels zur „Kampagne des Jahrhunderts“ gewählt) und die Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“.[7] Er gilt auch als Urheber des Slogans „Wir können alles – außer Hochdeutsch“.[8]

Außerdem erdachte er eine Rettungskampagne für „die tageszeitung taz“, entwickelte das Konzept für die Spendenaktion zum Wiederaufbau der Frauenkirche Dresden und gab den Anstoß für die Aktion „kinderfreundliches Stuttgart“. Turner war der erste deutsche Juryvorsitzende des internationalen Kreativwettbewerbs Clio.

Kritisiert wurden Turner und Heilmann, dass sie 2006 und 2011 gegen vergaberechtlichen Vorschriften verstoßen haben bei Großausschreibungen des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung.[9][10]

Ehrenamt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1998 bis 2010 gehörte Turner dem Vorstand des Art Directors Club (ADC) an. Von 2000 bis 2004 war er ADC-Vorstandssprecher. In dieser Zeit gehörte er auch dem Vorstand des Art Directors Club of Europe an. Turner zählt zu den Initiatoren der vom Art Directors Club mitgetragenen Berlin School of Creative Leadership, einer Einrichtung der Steinbeis-Hochschule Berlin. Sie hat das Ziel Personen „aus Werbung, Marketing, Medien, Entertainment und Journalismus, die in gehobenen Positionen stehen, zu kreativen Führungskräften auszubilden“.[11]

Von 2003 bis 2009 gehörte Turner dem Präsidium des Evangelischen Kirchentages an. Er ist Mitglied des Deutschen Komitees für Unicef.[12] Nach dem Ausscheiden aus dem Vorstand der Scholz & Friends Gruppe berief der rot-rote Berliner Senat Turner 2009 in den Vorstand der Einstein-Stiftung Berlin zur Förderung der Wissenschaften.[13] Mit der Unterstützung führender Wissenschaftseinrichtungen initiierte er die Falling Walls Conference[14], die am Jahrestag des Mauerfalls internationale Spitzenforscher nach Berlin einlädt, um unter dem Motto "Welche Mauern fallen als nächste?" bevorstehende wissenschaftliche Durchbrüche zu diskutieren.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2011 ist Turner im wissenschaftlichen Beirat der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie in der Arbeitsgruppe „Nachhaltiges Wachstum“ der CDU.

Auf Vorschlag des Stuttgarter CDU-Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann bewarb sich der parteilose[15] Turner im Januar 2012 um die Nominierung der CDU zum Kandidaten für die am 7. Oktober 2012 stattfindende Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart.[16] Am 17. März 2012 entschied die Stuttgarter CDU erstmals in einem mitgliederoffenen Parteitag zwischen Turner und dem CDU-Politiker Andreas Renner, wer als möglicher Nachfolger von Oberbürgermeister Wolfgang Schuster antritt. Turner wurde mit 66,7 % zum Kandidaten gewählt.[17] Neben der CDU unterstützen die FDP und Freien Wähler Turners Kandidatur.[18] Im August 2012 spendete die Firma Ilg Außenwerbung dem Kandidaten eine große Werbefläche in der Stuttgarter Innenstadt.[19] In den Medien wurde diese Spende aufgrund der engen Geschäftsbeziehungen dieses und anderer Unternehmen zur Stadt kritisiert.[20] Turner wies den Vorwurf eines Interessenkonfliktes zurück, präsentierte jedoch unterschiedliche Versionen des Sponsorings, was ihm die Kritik eintrug, er sei unglaubwürdig.[21] Turner wollte nicht nur als OB-Kandidat der Freien Wähler, der CDU und der FDP nominiert werden, sondern auch durch die Piratenpartei, unterlag aber seinem Mitbewerber Harald Hermann deutlich.[22] Im ersten Wahlgang erreichte Turner mit 34,5 % den zweiten Platz hinter dem für die Grünen angetretenen Fritz Kuhn,[23] dem er im zweiten Wahlgang schließlich mit 45,3 % zu 52,9 % unterlag.[24] Turners Ergebnisse gehören zu den schlechtesten, die ein von der CDU unterstützter Kandidat bei Stuttgarter Oberbürgermeisterwahlen erreichen konnte. [25] In einem Interview wertete Turner sein Abschneiden dennoch als Erfolg, weil "in den zehn größten deutschen Städten" bei den letzten OB-Wahlen "nur ein bürgerlicher Kandidat ein besseres Ergebnis" erzielt habe. [26]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turner hat vier Kinder, einen Sohn aus erster Ehe (* 1994), und mit seiner zweiten Frau Heidi Wittlinger eine Tochter sowie Zwillinge, die am 11. September 2012 geboren wurden.[27]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turner ist Mitautor mehrerer Publikationen:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DvH Medien: Sebastian Turner wird Mitglied des Aufsichtsrats - Meldung vom 17. Juli 2013
  2. Der Meister des großen Geldes, Abgerufen am 17. Oktober 2012
  3. Sebastian Turner, Honorar-Professor im Studiengang Visuelle Kommunikation Medienhaus der Universität der Künste Berlin, abgerufen am 19. April 2012
  4. http://www.tagesspiegel.de/impressum/
  5. Cordiant verkauft Anteile, manager magazin online vom 10. Juni 2003, abgerufen am 5. Oktober 2012.
  6. Sebastian Turner: ein OB-Kandidat mit Transparenz-Problemen“, Lobbycontrol vom 20. April 2012, abgerufen am 5. Oktober 2012.
  7. Ralf Nöcker: "Thomas Heilmann - Werber für Deutschland" FAZ vom 20. Januar 2005
  8. Ralf Grauel: Marketing-Kolumne: Wir können alles. Außer Werbung in: brand eins 10/2003
  9. Hans-Martin Tillack: Merkel-Freund profitiert von Merkel-PR, Stern vom 10. Juli 2012.
  10. Christoph Schwennicke: Merkel & Friends, Süddeutsche Zeitung vom 16. September 2006, Onlineversion vom 19. Mai 2010 abgerufen am 5. Oktober 2012.
  11. Selbstbeschreibung beim ADC
  12. http://www.unicef.de/ueberunicef/unicef-deutschland/deutsches-komitee/
  13. Amory Burchard: Exzellente Forschung in Berlin: Grünes Licht für die Einstein-Stiftung. In: Tagesspiegel. 17. Dezember 2008.
  14. en:Falling Walls (Conference)
  15. Tina Hildebrandt und Heinrich Wefing: Image? Nicht so wichtig - Interview in DIE ZEIT, 28. August 2008 Nr. 36
  16. OB-Kandidatur – CDU-Chef: Keine Vorfestlegung auf Sebastian Turner
  17. Parteitag in Degerloch: Turner tritt für die CDU zur OB-Wahl an, abgerufen am 17. März 2012
  18. Ein Mann, eine Marke, Spiegel Online, 27. Mai 2012
  19. Schnäppchen im schwarzen Filz, Kontext:Wochenzeitung, 16. August 2012
  20. Nicht verstanden, Stuttgarter Zeitung, 6. August 2012
  21. Kommentar zu Sebastian Turner: Nicht verstanden Stuttgarter Zeitung, 6. August 2012
  22. Pressemitteilung Piratenpartei 23. April 2012, abgerufen am 10. August 2012
  23. Focus: Fritz Kuhn bei Stuttgarter OB-Wahl vornGrüner Oberbürgermeister-Kandidat hofft auf die SPD-Wähler, abgerufen am 8. Oktober 2012
  24. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/stuttgart-gruener-fritz-kuhn-wird-oberbuergermeister-a-862575.html
  25. http://www.stuttgart.de/item/show/442460 Vergangene Oberbürgermeisterwahlen - Stadt Stuttgart, abgerufen am 14. Dezember 2013
  26. https://www.welt.de/politik/deutschland/article110133160/Arbeiter-waehlen-CDU-Bildungsbuerger-eher-Gruen.html
  27. Stuttgarter Zeitung: Turner ist Vater von Zwillingen geworden, abgerufen am 12. September 2012
  28. Sebastian Turner wird ADC-Sprecher - new business vom 9. April 2000, abgerufen am 5. Oktober 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]