Sebastianskirche (Kochendorf)

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Sebastianskirche in Kochendorf

Die Sebastianskirche ist eine evangelische Pfarrkirche in Bad Friedrichshall im Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg. Der Bau stammt in seiner heutigen Form aus dem späten 16. Jahrhundert, brannte jedoch gegen Ende des Zweiten Weltkriegs vollständig aus, so dass keine historische Ausstattung mehr vorhanden ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche gilt als das älteste Gebäude in Bad Friedrichshall-Kochendorf und ist gemäß architektonischer Befunde vermutlich vor 1100 entstanden. Die ursprünglich ummauerte Wehrkirche wurde 1294 beim Verkauf des Patronatsrechts an das Stift Wimpfen erstmals erwähnt. Die Kirche unterhalb des Greckenschlosses war Grablege des Kochendorfer Ortsadels.

Kochendorf wurde 1549 durch Wolf Conrad I. Greck reformiert. Der Ortsherr war vermutlich durch seine Ehe mit Sibylla von Gemmingen reformatorisch beeinflusst. Das Patronatsrecht verblieb auch nach der Reformation beim katholischen Stift Wimpfen, das 1595 einen Kirchenneubau durchführte. Um die Kirche befand sich vor dem Neubau auch der Friedhof, mit dem Neubau hat man einen neuen Friedhof südwestlich des Ortes angelegt. Der 1655 nach Blitzschlag beschädigte Kirchturm wurde 1661 instand gesetzt.

Als im napoleonischen Zeitalter Klöster und reichsritterschaftliche sowie reichsfreie Gebiete aufgehoben wurden, kam Kochendorf zu Württemberg, Wimpfen dagegen zu Hessen. Dadurch gelangte das Patronatsrecht nach 1802 an die Landgrafen von Hessen-Darmstadt. Erst im Jahr 1906 kam die Gemeinde in Kochendorf schließlich zur evangelischen Landeskirche von Württemberg.

1871/72 wurde die Kirche umfangreich renoviert. Einige historische Grabmale wurden an die Außenwand versetzt, und anstelle älterer Außentreppen zu den Emporen wurden zwei Treppentürme angebaut.

Zur Ausstattung der Kirche zählten der Taufstein und der Altar, beide 1859 von Zartmann in Neckarsulm geschaffen, eine kleine alte Orgel mit Evangelistendarstellungen, die 1861 restauriert worden war, eine zweistöckige Empore im Westen mit Aposteldarstellungen sowie die Orgelempore im Osten mit einer 1878 bei Schäfer in Heilbronn gebauten neuen Orgel mit 18 Registern. Die drei Glocken waren 1765 bei Mezger in Heilbronn gegossen worden. Im Chor befanden sich mehrere Grabdenkmale, darunter das doppelte Steindenkmal für Wolff Greck von Kochendorf († 1533) und seine Frau Kunigund von Liebenstein († 1534) mit bemalten lebensgroßen Relieffiguren sowie das rund fünf Meter hohe Grabdenkmal für Wolf Konrad Greck († 1598) und seine beiden Frauen Sibylle von Gemmingen († 1567) und Amalie Altdorf gen. Wolfschlag († 1588). Zu den weiteren Grabmalen zählten das des Joachim Heinrich von Ellrichshausen († 1674) sowie die hölzernen Epitaphe für Wolf Konrad Greck mit Familie sowie den Arzt Georg Andreas Schiebel († 1799).

Im April 1945 wurde die Kirche bei Kampfhandlungen von den heranrückenden amerikanischen Truppen in Brand geschossen. Trotz erster Löschmaßnahmen blieben vor allem in der Torfisolierung des Daches Glutnester zurück, die wegen der fortdauernden Kämpfe nicht mehr gelöscht werden konnten, so dass die Kirche schließlich bis auf die Grundmauern niederbrannte. Alle Ausstattungsgegenstände, darunter auch die historischen Grabmale, wurden zerstört. Lediglich im Chorbereich blieben einige wenige historische Relikte erhalten, darunter ein gotisches Sakramentshaus sowie Reste von Wandmalereien.

Die Sebastianskirche wurde bis 1948 restauriert und erhielt 1952 neue Glocken aus der Glockengießerei Bachert.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portal der Sebastianskirche

Über dem Portal des Seiteneinganges steht auf einer Sandsteinplatte das Psalmwort Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt (Psalm 26,8). Über dem Eingang befinden sich die Stammwappen derer Greck von Kochendorf und von Gemmingen.

Glasfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fenster im Chor und im Kirchenschiff nehmen die Themen der Gleichnisse Jesu auf. Die Kirchenfenster wurden in den Jahren 1967 bis 1971 durch Einzelspenden der Gemeindemitglieder sowie durch Konfirmandenspenden finanziert. Das Auferstehungsfenster wurde bereits 1956 eingesetzt.

Auferstehungsfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Auferstehungsfenster zeigt in zwei abgetrennte Szenen die Osterbotschaft. Auf der unteren Hälfte sieht man die erschrockenen Frauen, die zum Grab gekommen sind und vor dem himmlischen Boten Gottes in der Grabhöhle stehen, der mit dem ausgestreckten Arm auf den auferstandenen Jesus Christus in der oberen Fensterhälfte zeigt.

Das Auferstehungsfenster befindet sich im Chorraum der Kirche und durch dieses treten aufgrund der Ostung der Kirche die morgendlichen Lichtstrahlen des Sonnenaufgangs ein.

Lutherrose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Glasfenster Lutherrose befindet sich auf der Südseite der Kanzel.

Kirchenfenster der Fürsorge Gottes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fenster zeigt in drei Quadraten die Zeichen der Fürsorge Gottes. Im unteren Quadrat ist ein Lebensbaum sowie ein Eichhörnchen, ein Vogel und ein Hase zu sehen, welche alle ihren Platz auf dem Baum haben. Der Lebensbaum symbolisiert den Schutz und die Geborgenheit für Mensch und Tier. Im zweiten Quadrat sind zwei Fischer mit übervollem Netz zu sehen. Dieses Bild soll daran erinnern, dass Jesus seine Jünger nach einer erfolglosen Nacht erneut hinausgeschickt hat, die Netze auszuwerfen, welche mit übervollen Netzen zurückgekehrt sind. Im oberen Quadrat wirft ein Sämann den Samen aus und zeigt aufgegangenen Weizen sowie Dornen. Das Schlussbild im Fensterbogen zeigt die Sonne sowie drei Tauben, die den Ölzweig als Zeichen des Friedens in die Welt tragen.

Der verlorene Sohn, oder: Der Barmherzige Vater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn wird in drei Quadraten mit einem Schlussbild im Fensterbogen bildlich wiedergegeben. Die beiden unteren Quadrate zeigen den Sohn, wie er nach neuen Zielen sucht und schließlich scheitert. Das dritte Quadrat zeigt den Sohn, wie er nach seiner Rückkehr wieder in den Armen seines Vaters liegt. Das Schlussbild im Fensterbogen zeigt das Anwesen des Vaters mit weit offenstehenden Türen.

Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchenfenster zeigt bildlich das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner. Es befindet sich auf der Südseite der Kirche, wo es von der Empore aus zu betrachten ist.

Kirchenfenster „David“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchenfenster „David“ befindet sich über der Orgel, nach Westen hin ausgerichtet. In der Form eines Kleeblattes, nimmt es die Person und das Lebens des Königs David auf. Dargestellt wird dieser mit einer Harfe auf den Knien als Musikant, als Urvater der heiligen Musik.

Evangelienfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der Empore befinden sich auf beiden Seiten die Symbole der vier Evangelien: auf der Südseite die Evangelisten Matthäus und Markus, auf der Nordseite die Evangelisten Lukas und Johannes. Matthäus ist hierbei als Engel, Markus als Löwe, Lukas als Stier und Johannes als Adler dargestellt.

Die Speisung der 5000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchenfenster Die Speisung der 5000 erinnert bildlich an das Speisungswunder am See Genezareth und zeigt Jesus und seine Jünger, welche das Brot des Lebens verteilen.

Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Glasfenster befindet sich auf der Nordseite der Kirche und stelt das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen bildlich dar.

Der Weinstock – der gute Hirte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf diesem Glasfenster werden das Gleichnis vom guten Hirten und das Gleichnis vom Weinstock aufgenommen und dargestellt. Im unteren Fensterteil ist der Wurzelstock einer Weinrebe zu sehen. Die drei oberen Bildflächen des Fensters sind dem Gleichnis vom guten Hirten gewidmet und stellen dieses dar.

Relief „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt...“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heilbronner Gipserinnung übernahm den Auftrag an der Wand an der linken Turmseite der Sebastianskirche ein Relief zu gestalten. Das Relief zeigt ein Schiff mit ausgeworfenem Netz. Das Motiv nimmt das Verständnis auf, dass die Gemeinde Jesu einer Arche gleicht.

Dr. Martin Luther-Geburtstags-Gedenktafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tafel im Chorraum der Sebastianskirche wurde aus Anlass eines großen Festes der Evangelischen Kirchengemeinde Kochendorf zum 400. Geburtstages des Reformators Dr. Martin Luther am 10. November 1883 gefertigt. Die Tafel trägt die Inschrift

„Ein
Feste Burg
Ist unser Gott
Zum Andenken an die
hier begangene
400jährige FEIER
der Geburt des Reformators
Dr. Martin Luther.
1483 10Nov. 1883
Gottes Wort und Luthers Lehr
vergehen nun und nimmermehr.“

Kruzifix[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das aus Holz geschnitzte Kruzifix wurde 1954 vom Kochendorfer Künstler Albert Dobler gestaltet und zeigt ausdrucksvoll den gekreuzigten Christus. Dieser ist nur mit einem Lendentuch bekleidet und trägt die Dornenkrone als Zeichen des Spotts und der Erniedrigung. Das Kruzifix befindet sich auf dem Altar vor dem Auferstehungsfenster.

Sebastiansskulptur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dem Märtyrer Sebastian geweihte Pfarrkirche enthält in ihrem Chor eine Skulptur des Heiligen Sebastian. Diese zeigt ihn mit den Pfeilen der Bogenschützen sowie einem Palmwedel als Zeichen des Martyriums (Märtyrerpalme). Die Figur war eine Schenkung des Creativ-Teams der Evangelischen Kirchengemeinde.

Taufstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Taufstein der Sebastianskirche wurde aus Sandstein 1948 vom Neckarsulmer Steinmetz Zartmann gefertigt. Die Taufschale aus Bronze befindet sich auf diesem Sandsteinsockel. Auf ihr ist ein Kreuz und zwei Fische zu sehen: dieselben Symbole, die sich auch auf der Taufglocke befinden. Der Taufstein befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Altar und zur Kanzel.

Der ursprüngliche Taufstein aus dem Jahre 1859 wurde von den Flammen des Zweiten Weltkrieges zertsört.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel der Sebastianskirche wurde 1958 von der Firma Weigle aus Echterdingen gebaut. Sie befindet sich auf der Empore im Westen der Kirche, gegenüber dem Chorraum im Osten, hat 33 Metallpfeifen, 21 Register und wird über zwei Manuale und ein Pedal gespielt.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1765 bei Metzger in Heilbronn gegossenen Glocken der Sebastianskirche wurden während des Zweiten Weltkrieges im März 1942 zu Waffen umgegossen. Nach dem Krieg wurden von der ortsansässigen Glockengießerei Bachert fünf neue Glocken gefertigt, welche 1952 in den Kirchturm kamen.

Nr.
 
Name
 
Gießer,
Gussjahr
Gewicht
(kg)
Inschrift
 
Zier
 
1 Taufglocke Glockengießerei Bachert, 1952 259 Christus spricht: „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ Kreuz, Fische, Lutherrose
2 Friedensglocke Glockengießerei Bachert, 1952 459 Es möge Frieden sein in deinen Mauern! Taube
3 Gedächtnisglocke Glockengießerei Bachert, 1952 667 Christus spricht: „Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ Kruzifix
4 Lutherglocke Glockengießerei Bachert, 1952 944 Eine feste Burg ist unser Gott Martin Luther
5 Christusglocke Glockengießerei Bachert, 1952 1672 Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid ich will euch erquicken Weltenrichter

Die Glockenstube wurde 2000 erweitert und mit einem Eichenholz-Glockenstuhl versehen.

Epitaphe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An den Außen- und Innenwänden der Sebastianskirche befanden sich zahlreiche Epitaphe. Einige davon wurden bei Kampfhandlungen im April 1945 zerstört, andere sind heute noch erhalten. Darunter sind Grabmale derer Greck von Kochendorf, von Gemmingen, Kolb von Wartenberg und von Berlichingen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beschreibung des Oberamts Neckarsulm, Stuttgart 1881, S. 455–459 (Digitalisat bei http://digi.ub.uni-heidelberg.de)
  • Sebastianskirche Kochendorf, Bad Friedrichshall 2006, herausgegeben von der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Friedrichshall-Kochendorf
  • Bad Friedrichshaller Kleindenkmale, Bad Friedrichshaller Geschichtshefte I, Stadt Bad Friedrichshall und Simon M. Haag, Bad Friedrichshall 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sebastianskirche Kochendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 13′ 26,9″ N, 9° 13′ 3,2″ O