Sechsstrahliges Flugzeug

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Bei sechsstrahligen Flugzeugen werden sechs Strahltriebwerke eingesetzt, um einen ausreichend hohen Schub zu erreichen. Diese Konfiguration wurde nur für militärische Zwecke als strategischer Bomber B-47 der USAF in der Zeit des Kalten Krieges, für das längste Transportflugzeug (An-225) der früheren UdSSR oder bei Prototypen genutzt. Neuentwicklungen sechsstrahliger Flugzeugtypen wurden ab 1988 dreißig Jahre lang nicht unternommen. Einsatzfähig sind nur noch das einzige Exemplar der An-225 als bis 2019 größtes, im Wesentlichen zivil eingesetztes Transportflugzeug sowie die 2019 erstmals geflogene Scaled Composites Stratolaunch.

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erstes Muster eines sechsstrahligen Flugzeugs gilt die von den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken im Jahre 1944 entwickelte Ju 287, bei der sechs Strahlturbinen zur Schubverstärkung kombiniert wurden, sowie deren Nachfolgerin EF 131.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entwickelten die USA einen strategischen Bomber, die Boeing B-47 Stratojet, und produzierten über 2.000 Exemplare. Die Aufklärerversion RB-47 war bis 1977 im Einsatz.

Ende der 1960er Jahre versuchte man in den USA, senkrechtstartende Flugzeuge (VTOLs) zu entwickeln in Form zweier Lockheed VZ-10 mit 4 vertikalen und 2 horizontalen Düsen. Die Flugversuche brachten nicht den erwünschten Erfolg; einer der beiden Prototypen stürzte schließlich 1969 bei einem Erprobungsflug ab.[1]

Ein anderer deutscher Versuch des Entwicklungsrings Süd (EWR) in den Jahren 1959–1968, ein VTOL-Flugzeug mit sechs Triebwerken zu bauen, die EWR VJ 101, war nicht erfolgreich. Vier der Düsentriebwerke waren kippbar außen an den Tragflächen angebracht, um nach einem senkrechten Start durch das Schwenken der Düsen aus der Senkrechten in die Horizontale einen normalen Flug zu ermöglichen. Die beiden anderen Triebwerke waren fest senkrecht im Rumpf eingebaut, um während des Starts und der Landung den Auftrieb zu erhöhen. Dieses Projekt wurde 1968 abgebrochen.

Mitte der 1980er-Jahre entwickelte und baute der ukrainische (damals noch sowjetische) Hersteller Antonow die An-225 mit 1.220 m³ Transportvolumen, das heute noch längste und bis zum Jahr 2019 auch Flugzeug mit der größten Flügelspannweite. Es wurde nur ein einziges Exemplar fertiggestellt, ein weiteres wurde bis zum Zerfall der Sowjetunion nur noch teilweise zusammengebaut. Die An-225 wird heute weltweit als Transportmittel für besondere Aufgaben von der ukrainischen Antonov Airlines im Charterverkehr betrieben. Aktuell wird von einem ukrainisch-russischen Herstellerkonsortium der Bau weiterer An-225 erwogen.

Klassifizierung sechsstrahliger Flugzeuge nach Einsatz, Abmessung und Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweis zur Tabelle: Zum schnellen Überblick sind die im Jahr 2019 eingesetzten Flugzeugtypen hellblau hinterlegt. Die Spalten lassen sich durch Anklicken der kleinen Pfeile in der Überschriftenleiste sortieren.

Flugzeugtyp[A 1] Bild Produktion (Zeitraum) Stück
Produktion
(2019)
[2][3]
Stück einsatz-
fähig (2019)
[2][3]
Land[A 2] Länge
in m
[A 3]
Spann-
weite
in m
[A 3]
Reichweite
in km
[A 4]
Start-
masse
in t[A 5]
Bemerkung
Antonow An-225 Mrija / Cossack An-225 1988 000000000000001.00000000001

[A 6]

1 UkraineUkraine Ukraine (frühere SowjetunionSowjetunion Sowjetunion) 000000000000084.000000000084 m 000000000000088.000000000088 m 000000000002500.00000000002.500 km 000000000000600.0000000000600 t längstes Flugzeug,
ca. 350 t Zuladung (intern 250 t, extern 90 t), leer bis
15.400 km Reichweite,
ursprünglich Nutzung zum Transport des Raumgleiters Buran
Boeing B-47 Stratojet B-47 1945–1956 000000000002032.00000000002.032 -- Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 000000000000032.000000000032 m 000000000000035.000000000035 m 000000000006500.00000000006.500 km 000000000000094.000000000094 t strategischer Bomber, 1977 außer Dienst gestellt
EWR VJ 101 EWR VJ 101 1963–1964 000000000000002.00000000002 -- DeutschlandDeutschland Deutschland 000000000000015.000000000015 m 000000000000006.00000000006 m 000000000000006.00000000006 t experimentelle Prototypen eines VTOL-Jagdflugzeugs
Junkers Ju 287/
OKB-1 EF 131
Ju 287 V1 1944 000000000000002.00000000002 -- Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich 000000000000018.000000000018 m 000000000000020.000000000020 m 000000000002100.00000000002.100 km 000000000000020.000000000020 t experimentelle Prototypen eines Bombers mit 4 und 6 Strahltriebwerken
Lockheed XV-4B (62-4504) XV-4[4] 1962–1963 (ca.) 000000000000001.00000000001 -- Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 000000000000010.000000000010 m 000000000000007.00000000007 m 000000000000003.00000000003 t experimentelle Prototypen
Martin XB-48 XB-48 1944–1947 (ca.) 000000000000002.00000000002 -- Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 000000000000026.000000000026 m 000000000000033.000000000033 m 000000000002900.00000000002.900 km 000000000000046.000000000046 t experimentelle Prototypen
North American XB-70 Valkyrie XB-70 1964–1965 000000000000002.00000000002 -- Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 000000000000059.000000000059 m 000000000000032.000000000032 m 000000000012000.000000000012.000 km 000000000000249.0000000000249 t experimentelle Prototypen, dreifache Schallgeschwindigkeit
Scaled Composites Stratolaunch Stratolaunch 2019 000000000000001.00000000001 000000000000001.00000000001 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 000000000000065.500000000065,5 m 000000000000117.0000000000117 m 000000000015000.000000000015.000 km 000000000000545.0000000000545 t Spezialflugzeug für den Start von Raketen[5][6][7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eingeordnet wird das jeweilige Modell unter dem Namen, unter dem es bekannt wurde oder bei aktuellen Modellen, unter dem es angeboten bzw. von den Herstellern gelistet wird. Ggf. werden mehrere Bezeichnungen aufgeführt, bei Modellen der früheren Sowjetunion, Russlands, Chinas usw. auch die Nato-Bezeichnungen.
  2. Land bzw. Länder mit dem Sitz des Herstellers. Bei Kooperationen, z. B. EADS/Airbus werden alle direkt beteiligten Länder aufgeführt. Bei den Ländern des früheren Ostblocks wird bei Produktion vor 1990 ggf. die frühere UdSSR zusätzlich aufgeführt.
  3. a b Die Längen- und Spannweitenangaben sind gerundet auf Meter, um die Tabelle übersichtlich zu halten. Unterschiedliche Größen bei Varianten eines Modells: x-y m, bei Schwenkflügelflugzeugen: maximale/minimale Größe.
  4. als normal angegebene maximale Reichweite des Herstellers in Kilometer bei üblicher Zuladung, leistungsfähigstes Modell des Typs ohne Berücksichtigung von Zusatztanks, außer ggf. bei speziell aufgeführten ER-Modellen (extended range = vergrößerte Reichweite) in Kilometern, ggf. gerundet
  5. Bruttogewicht, nach Herstellerangaben in metrischen Tonnen, leistungsfähigstes Modell des Typs, ggf. gerundet
  6. ein weiteres Exemplar wurde wegen der politischen Änderungen nach 1989 nicht mehr vollständig zusammengebaut und befindet sich in Einzelteilen noch im Kiewer Produktionswerk

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genaue Beschreibung mit Fotos bei xplanes (franz.)
  2. a b Übersicht in: Flight International: World Airliners, 21-27. Okt. 2008, S. 31–43 und 28. Okt. - 3. Nov. 2008, S. 51–63. (Alle bis Mitte 2008 produzierten Flugzeuge und alle noch im Einsatz befindlichen Flugzeuge einschließlich vorübergehend stillgelegter Exemplare.)
  3. a b Übersicht in: Flight International: World Air Forces, 11.-17. Nov. 2008, S. 48–76 (Einleitungund Liste als PDF mit einer englischsprachigen Übersicht aller in den Air Forces eingesetzten Flugzeugtypen)
  4. weiteres Foto bei xplanes (franz.)
  5. Flug Revue, Motor Presse Stuttgart, August 2017, S. 74–78
  6. www.wired.de
  7. http://spacenews.com