Sechster Sachstandsbericht des IPCC

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Der Sechste Sachstandsbericht (englisch Sixth Assessment Report, AR6; auch Sechster Weltklimabericht) des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), ist eine systematische Übersichtsarbeit zum Forschungsstand der Klimaforschung. Die regelmäßig erscheinenden Sachstandsberichte des IPCC fassen auf mehreren Tausend Seiten den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zur globalen Erwärmung, ihren Folgen, Klimaschutz und mögliche Anpassungsstrategien an die globale Erwärmung zusammen. Sie werden innerhalb der Wissenschaft als glaubwürdigste und fundierteste Darstellung bezüglich des naturwissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Forschungsstandes über das Klima und seine Veränderungen sowie über Möglichkeiten des Umgangs damit betrachtet.[1]

Als erster Teil wurde am 9. August 2021[2] der Bericht der Arbeitsgruppe I vorgestellt, der den aktuellen naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand darstellt. 2022 sollen zwei weitere Teile sowie der als Zusammenfassung dienende Synthesebericht erscheinen.

Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der IPCC hat am 9. April 2018 die Autorenlisten des Kernteams (WGI, WG II, WG III) des Sechsten IPCC-Sachstandsberichts veröffentlicht. Im Kernteam der 721 Fachleute aus 90 Ländern werden 39 in Deutschland verortete Hauptautoren und Begutachtungseditoren mitarbeiten. Damit wurden etwa ein Drittel der von Deutschland Nominierten ausgewählt. Weltweit wurden knapp 3000 Personen von den Regierungen und Beobachterorganisationen nominiert.[3]

Bei der Auswahl der Experten haben die Vorstände der drei Arbeitsgruppen (IPCC Bureau) neben der fachlichen Expertise auch die ausgewogene Zusammensetzung des Autorenteams in Bezug auf regionale Herkunft, die Beteiligung beider Geschlechter und die Mitarbeit sowohl IPCC-erfahrener als auch neuer Fachleute berücksichtigt.[3]

Teilberichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitsgruppe I: Die physikalische Basis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bericht der Arbeitsgruppe I hat einen Umfang von 3949 Seiten und erschien am 9. August 2021.[4] Die 42-seitige Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (Summary for Policy Makers) wurde im Rahmen der 54. IPCC-Session zwischen dem 26. Juli und 6. August 2021 finalisiert[5][6] und ebenfalls am 9. August 2021 vorgestellt.[7]

Kernaussagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kernaussagen des Berichts sind folgende[8]:

A. Gegenwärtiger Zustand des Klimas

  • A.1 "Es ist unbestritten, dass der Mensch die Atmosphäre, die Ozeane und das Land erwärmt hat. Weitreichende und schnelle Veränderungen in der Atmosphäre, den Ozeanen, der Kryosphäre und der Biosphäre sind eingetreten."
  • A.2 "Das Ausmaß der jüngsten Veränderungen im Klimasystem als Ganzes und der gegenwärtige Zustand vieler Aspekte des Klimasystems sind beispiellos über viele Jahrhunderte bis Tausende von Jahren."
  • A.3 "Der vom Menschen verursachte Klimawandel wirkt sich bereits auf viele Wetter- und Klimaextreme in allen Regionen der Erde aus. Belege für beobachtete Veränderungen bei Extremen wie Hitzewellen, Starkniederschlägen, Dürren und tropischen Wirbelstürmen und insbesondere deren seit dem Fünften Bewertungsbericht (AR5) haben sich die Hinweise auf den menschlichen Einfluss verstärkt."
  • A.4 "Verbesserte Kenntnisse über Klimaprozesse, paläoklimatische Belege und die Reaktion des Klimasystems auf einen zunehmenden Strahlungsantrieb führen zu einer besten Schätzung der Gleichgewichts-Klimasensitivität von 3°C, wobei die Spanne im Vergleich zum AR5 kleiner ist."

B. Mögliche Klimazukünfte

  • B.1 "Die globale Oberflächentemperatur wird bei allen betrachteten Emissionsszenarien mindestens bis zur Mitte des Jahrhunderts weiter ansteigen. Die globale Erwärmung von 1,5°C und 2°C wird im Laufe des 21. Jahrhunderts überschritten werden, wenn nicht in den kommenden Jahrzehnten die Emissionen von Kohlenstoffdioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen stark reduziert werden."
  • B.2 "Viele Veränderungen im Klimasystem werden in direktem Zusammenhang mit der zunehmenden globalen Erwärmung größer. Dazu gehören die Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Hitzeextremen, marinen Hitzewellen und Starkniederschlägen, landwirtschaftlichen und ökologischen Dürren in einigen Regionen, und der Anteil intensiver tropischer Wirbelstürme sowie der Rückgang des arktischen Meereises, der Schneedecke und Permafrost."
  • B.3 "Die fortgesetzte globale Erwärmung wird voraussichtlich den globalen Wasserkreislauf weiter verstärken, einschließlich seiner Variabilität, der globalen Monsun-Niederschläge und der Schwere von Regen- und Trockenperioden."
  • B.4 "In Szenarien mit steigenden CO2-Emissionen werden die Kohlenstoffsenken im Meer und an Land weniger wirksam sein, um die Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre zu verlangsamen."
  • B.5 "Viele Veränderungen, die auf vergangene und künftige Treibhausgasemissionen zurückzuführen sind, sind für Jahrhunderte bis Jahrtausende unumkehrbar. Jahrhunderte bis Jahrtausende unumkehrbar, insbesondere Veränderungen der Ozeane, der Eisschilde und des globalen Meeresspiegels."

C. Klimainformationen für Risikobewertung und regionale Anpassung

  • C.1 "Natürliche Triebkräfte und interne Variabilität werden die vom Menschen verursachten Veränderungen modulieren, insbesondere auf regionaler Ebene und in naher Zukunft, mit geringen Auswirkungen auf die hundertjährige globale Erwärmung. Diese Modulationen sind bei der Planung für das gesamte Spektrum möglicher Veränderungen zu berücksichtigen."
  • C.2 "Bei einer weiteren globalen Erwärmung wird jede Region den Projektionen zufolge zunehmend mit gleichzeitigen und mehrfachen Veränderungen der klimatischen Einflussfaktoren konfrontiert sein. Veränderungen bei mehreren klimatischen Einflussfaktoren wären bei 2°C im Vergleich zu 1,5°C globaler Erwärmung weiter verbreitet und bei höheren Erwärmungsgraden noch weiter verbreitet und/oder ausgeprägter."
  • C.3 "Wenig wahrscheinliche Folgen wie der Zusammenbruch von Eisschilden, abrupte Änderungen der Ozeanzirkulation, einige zusammengesetzte Extremereignisse und eine Erwärmung, die deutlich größer ist als die sehr wahrscheinliche Bandbreite der künftigen Erwärmung, können nicht ausgeschlossen werden und sind Teil der Risikobewertung."

D. Begrenzung des künftigen Klimawandels

  • D.1 "Aus physikalisch-wissenschaftlicher Sicht erfordert die Begrenzung der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung auf ein bestimmtes Niveau eine Begrenzung der kumulativen CO2-Emissionen, wobei mindestens Netto-Null-CO2-Emissionen erreicht werden müssen, zusammen mit einer starken Verringerung anderer Treibhausgasemissionen. Eine starke, rasche und anhaltende Verringerung der Methan-Emissionen würde auch den Erwärmungseffekt, der sich aufgrund der abnehmenden Aerosolverschmutzung ergibt, begrenzen und die Luftqualität verbessern."
  • D.2 "Szenarien mit niedrigen oder sehr niedrigen Treibhausgasemissionen (SSP1-1.9 und SSP1-2.6) führen im Vergleich zu Szenarien mit hohen und sehr hohen Treibhausgasemissionen (SSP3-7.0 oder SSP5-8.5) innerhalb weniger Jahre zu erkennbaren Auswirkungen auf die Treibhausgas- und Aerosolkonzentrationen und die Luftqualität. Bei diesen gegensätzlichen Szenarien würden sich innerhalb von etwa 20 Jahren erkennbare Unterschiede in den Trends der globalen Oberflächentemperatur von der natürlichen Variabilität abzeichnen, bei vielen anderen klimatischen Einflussfaktoren sogar über längere Zeiträume (hohes Vertrauen)."

Weitere Aussagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere im Report enthaltene Aussagen sind unter anderem:[7][9]

  • Der Report bezeichnet es als „eindeutig“, dass menschliche Aktivitäten Ozeane, Atmosphäre und Landflächen erwärmt haben. Es traten großflächige und rapide Veränderungen in der Atmosphäre, den Ozeanen, der Kryosphäre und der Biosphäre auf. (A.1)
  • Zwischen den Zeiträumen von 1850 bis 1900 und 2011 bis 2020 hat die global gemittelte Oberflächentemperatur um 1,09 °C (Unsicherheitsspanne: 0,95 bis 1,20 °C) zugenommen. Jedes der letzten vier Jahrzehnte war wärmer als das vorangegangene. (A.1.2)
  • Mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 66 % liegt der menschliche Beitrag zu dieser Erwärmung der globalen Oberflächentemperatur zwischen 0,8 und 1,3 °C, wobei der beste Schätzwert 1,07 °C beträgt. Ebenfalls mit > 66 % Wahrscheinlichkeit trugen gut durchmischte Treibhausgase zwischen 1,0 und 2,0 °C zu der Erwärmung zwischen den Zeiträumen von 1850 bis 1900 und 2010 bis 2019 bei, während andere menschliche Faktoren wie z. B. Aerosole mit > 66 % Wahrscheinlichkeit zu einer Abkühlung zwischen 0,0 °C und 0,8 °C führten. Der Beitrag von natürlichen Faktoren lag bei −0,1 °C bis +0,1 °C und der Beitrag natürlicher Variabilität bei −0,2 °C bis +0,2 °C. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 bis 100 % waren gut durchmischte Treibhausgase der Hauptgrund für die Erwärmung der Troposphäre seit 1979, während der von menschlichen Aktivitäten verursachte Ozonabbau in der Stratosphäre mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 bis 100 % die Hauptursache für die Abkühlung der Stratosphäre zwischen 1979 und Mitte der 1990er Jahre war. (A.1.3)
  • Die zurückliegenden fünf Jahre waren die wärmsten seit 1850.
  • Die Rate des Meeresspiegel-Anstiegs hat sich seit 1970 fast verdreifacht.
  • Der menschliche Einfluss ist „sehr wahrscheinlich“ (mit mehr als 90 %) der Hauptantrieb für den Rückzug der Gletscher seit den 1990er Jahren sowie für den Rückgang des arktischen Meereises.
  • Gemittelt über die nächsten 20 Jahre ist zu erwarten, dass die global gemittelte Oberflächentemperatur im Vergleich zum Zeitraum von 1850 bis 1900 um mehr als die Marke von 1,5 °C ansteigen wird, die Teil des Pariser Übereinkommens war.

Arbeitsgruppe II: Folgen, Anpassung und Verwundbarkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bericht der Arbeitsgruppe II soll nach Abschluss der finalen Begutachtung (14.–18. Februar 2022) publiziert werden.[10]

Arbeitsgruppe III: Bewältigung des Klimawandels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bericht der Arbeitsgruppe III soll gemäß vorläufigem Zeitplan nach Abschluss der finalen Begutachtung (21.–25. März 2022) publiziert werden.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Rahmstorf, Hans Joachim Schellnhuber: Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie. Beck, München 2007, S. 88.
  2. World’s climate scientists to issue stark warning over global heating threat. In: Guardian. 9. August 2020, abgerufen am 9. August 2020 (englisch).
  3. a b Sechster IPCC-Sachstandsbericht – AR6 – de-IPCC. In: de-ipcc.de. 9. April 2018, abgerufen am 8. August 2019.
  4. Climate Change 2021. The Physical Science Basis. Intergovernmental Panel on Climate Change, 9. August 2021 (PDF, ca. 250 MB)
  5. IPCC opens meeting to approve physical science report (englisch) IPCC. 25. Juli 2021. Abgerufen am 9. August 2021.
  6. Matt McGrath: Climate change: Researchers begin discussions on vital report (englisch) BBC. 26. Juli 2021. Abgerufen am 9. August 2021.
  7. a b Matt McGrath: Climate change: IPCC report is 'code red for humanity' (englisch) BBC. 9. August 2021. Abgerufen am 9. August 2021.
  8. Headline Statements from the Summary for Policymakers. Internetseite des IPCC. Abgerufen am 11. Oktober 2021.
  9. Climate change widespread, rapid, and intensifying – IPCC (englisch) IPCC. 9. August 2021. Abgerufen am 9. August 2021.
  10. IPCC WGII AR6 Timeline. Website des IPCC. Abgerufen am 9. August 2021.
  11. IPCC WGIII AR6 Timeline. Website des IPCC. Abgerufen am 9. August 2021.