Sapowednoje

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Sapowednoje (Begriffsklärung) aufgeführt.
Siedlung
Sapowednoje
Groß Kryszahnen/Seckenburg

Заповедное
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Slawsk
Erste Erwähnung 1570
Frühere Namen Krizonen (vor 1547),
Kriczannen (vor 1646),
Groß Kryszahnen (bis 1924),
Seckenburg (bis 1946)
Bevölkerung 796 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 11 m
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40163
Postleitzahl 238612
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 236 810 001
Geographische Lage
Koordinaten 55° 4′ N, 21° 23′ O55.06521.37911Koordinaten: 55° 3′ 54″ N, 21° 22′ 44″ O
Sapowednoje (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Sapowednoje (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Sapowednoje (russisch Заповедное, deutsch Seckenburg, bis 1924 Groß Kryszahnen, litauisch Kryžionai) ist ein Ort im Rajon Slawsk in der russischen Oblast Kaliningrad und gehört zur Landgemeinde Timirjasewskoje.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Sapowednoje liegt 19 Kilometer nordwestlich der Stadt Slawsk (Heinrichswalde) und ist auf einer Nebenstraße, die bei Timirjasewo (Neukirch) von der russischen Fernstraße R 513 abzweigt, über Dublinino (Doblienen) erreichbar. Ab 1911 war Groß Kryszahnen zw. Seckenburg Kleinbahnendstation einer von (Groß) Brittanien (heute russisch: Schtscheglowka) kommenden Bahnstrecke der Niederungsbahn (ab 1939 „Elchniederungsbahn“), die 1929 durch Busverkehr ersetzt wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Seckenburg[2] an der Gilge (russisch: Matrossowka) war ein Marktflecken und Kirchspiel im Regierungsbezirk Gumbinnen, Kreis Niederung (ab 1938: Kreis Elchniederung), in Ostpreußen.

Der Ort hieß bis 1924 kurisch Kryszahnen beziehungsweise Groß Kryszahnen. Der Name deutet auf Luftwirbel. 1570 wurde das Dorf erstmals urkundlich erwähnt. In Groß Kryszahnen waren 1910 353 Einwohner registriert[3]. Am 6. November 1924 schlossen sich die Landgemeinden Baumkrug und Klein Kryszahnen (beide heute nicht mehr existent) mit Groß Kryszahnen und Teile von Elbings Kolonie (russisch: Bolschaja Nemoninka, nicht mehr existent) zur neuen Landgemeinde Seckenburg zusammen[4]. Die Einwohnerzahl der so geformten Landgemeinde belief sich 1925 auf 1.047, stieg bis 1933 auf 1.171 und betrug 1939 bereits 1.490[5].

Am 14. März 1934 wurde Seckenburg Amtsdorf durch Umbenennung des bisherigen Amtsbezirks Tawellningken (1938 bis 1946: Tawellenbruch, russisch: Bisserowo, nicht mehr existent) in „Amtsbezirk Seckenburg“. Er bestand bis 1945 und umfasste sechs Dörfer.

Nach der Eroberung der Elchniederung am Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Rote Armee und der Vertreibung der damaligen deutschen Bewohner wurde der Ort 1947 offenbar nach der russischen Bezeichnung Sapowednik für Naturschutzgebiet in Sapowednoje umbenannt.[6] Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets. Seit 2008 gehört Sapowednoje zur Landgemeinde Timirjasewskoje. Am 14. Oktober 2010 zählte Sapowednoje 796[1] Einwohner.

Amtsbezirk Seckenburg (1934–1945)[Bearbeiten]

In Umbenennung des 1874 errichteten Amtsbezirks Tawellningken (1938 bis 1946: Tawellenbruch, russisch: Bisserowo, nicht mehr existent) entstand am 14. März 1934 der „Amtsbezirk Seckenburg“ und existierte mit sechs Gemeinden[4] bis 1945:

Name Änderungsname
1938 bis 1946
Russischer Name
Elbings Kolonie Bolschaja Nemoninka
Kastaunen
Klein Friedrichsgraben Malaja Nemoninka
Schaugsten Altengilge Sennoje
Seckenburg Sapowednoje
Tawellningken Tawellenbruch Bisserowo

Dorfsowjet/Dorfbezirk Sapowednenski 1947–2008[Bearbeiten]

Der Dorfsowjet Sapowednenski (ru. Заповедненский сельский Совет, Sapowednenski selski Sowet) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[6] Nach dem Zerfall der Sowjetunion trug die Verwaltungseinheit den Namen Dorfbezirk Sapowednenski (ru. Заповедненский сельский округ, Sapowednenski selski okrug). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neugebildete Landgemeinde Timirjasewskoje eingegliedert, mit Ausnahme von Plodowoje, dass zur Landgemeinde Jasnowskoje kam.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Aisty (Аисты) Neuhof-Reatischken, 1938–1945: „Budeweg“ Der Ort wurde 1950 umbenannt.
Bisserowo (Бисерово) Tawellningken, 1938–1945: „Tawellenbruch“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vermutlich vor 1976 an den Ort Sapowednoje angeschlossen.
Bolschaja Nemoninka (Большая Немоника) Elbings Kolonie Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Bolschije Bereschki (Большые Бережки) Alt Lappienen, 1938–1945: „Rauterskirch“ Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Brusnitschnoje (Брусничное) Julienbruch Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Bugorki (Бугорки) Alt Heidlauken, 1938–1945: „Wiepenheide“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Dolinoje (Долинное) Warszlauken/Warschlauken, 1938–1945: „Warschfelde“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Dublinino (Дублинино) Doblienen Der Ort wurde vor 1976 umbenannt und verlagerte sich offenbar um etwa vier Kilometer nach Westen.
Fontanka (Фонтанка) Petricken, 1938–1945: „Welmdeich“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Gorki (Горки) Neu Heidlauken, 1938–1945: „Wiepenbruch“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Gruschewka (Грушевка) Schenkendorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Kamyschino (Камышино) Tranatenberg Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Kirillowo (Кириллово) Warsze/Warsche Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Krutoje (Крутое) Andreischken, 1938–1945: „Nassenfelde“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Kustowo (Кустово) Bönkenwiese Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Kuwschinowo (Кувшиново) Alt Seckenburg Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Listwennoje (Лиственное) Schneckenmoor Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Malaja Nemoninka (Малая Немоника) Klein Friedrichsgraben Der Ort wurde 1950 umbenannt und vermutlich vor 1976 an den Ort Sapowednoje angeschlossen.
Mochowoje (Моховое) Sadowa Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Plodowoje (Плодовое) Tawell[7] Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwinski eingeordnet.
Poretschje (Поречье) Polenzhof Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Priwolje (Приволье) Langenberg Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Prodolnoje (Продольное) Ginkelsmitte Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Romaschkino (Ромашкино) Johannsdorf Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Sapowednoje (Заповедное) Seckenburg Verwaltungssitz
Saschenzy (Саженцы) Marienbruch Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Schirokoje (Широкое) Packuß, 1938–1945: „Kussenberg“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vermutlich vor 1976 vermutlich an den Ort Dublinino angeschlossen.
Seljony Dol (Зелёный Дол) Grünwiese
bis 1926: Budehlischker Berahmung
Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Sennoje (Сенное) Schaugsten, 1938–1945: „Altengilge“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Uslowaja (Узловая) Ellernbruch Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.

Kirche[Bearbeiten]

Siehe den HauptartikelKirche Seckenburg

Kirchengebäude[Bearbeiten]

Die Seckenburger Kirche[8] wurde in den Jahren 1890/91 gebaut. Bei ihr handelt es sich um einen unverputzten Backsteinbau mit halb eingezogenem, erst 1896 vollendeten massiven Turm. Die Innenausstattung war schlicht.

Die Kirche bestand die Kriege unbeschadet, diente nach 1945 jedoch zweckentfremdet als Lagerhalle. Auf der Westseite brach man eine große Toröffnung für Fahrzeuge durch das Mauerwerk. Die Fenster wurden zugemauert. In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts verfiel das Gebäude immer mehr, wurde in den 2010er Jahren jedoch ausgebessert. Für Gottesdienstzwecke kann die Kirchenruine nicht genutzt werden[9].

Kirchengemeinde[Bearbeiten]

Im Jahre 1890 wurde in Seckenburg eine Kirchengemeinde[10] unter Abtrennung von der Kirche Alt Lappienen (heute russisch: Belschije Bereschki) gegründet. Bereits ab 1888 war hier ein eigener Pfarrer tätig. Die Kirche war patronatslos und zählte 1925 4.678 Gemeindeglieder, die in mehr als 20 Kirchspielorten lebten. Die Kirche Seckenburg gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Niederung (Elchniederung) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute liegt Sapowednoje im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Slawsk (Heinrichswalde). Sie ist Pfarrsitz und gehört zur Propstei Kaliningrad[11] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Persönlichkeiten des Ortes[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

  • Franz Richter (* 2. August 1882 in Groß Kryszahnen), deutscher klassischer Philologe, Religionswissenschaftler († 1917)
  • Hans Malwitz (* 23. April 1891 in Groß Kryszahnen), deutscher Architekt († 1987).

Verweise[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Seckenburg
  3. Uli schubert, Gemeindevezeichnis, Landkreis Niederung
  4. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Tawellningken/Seckenburg
  5. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Elchniederung
  6. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  7. Im Umbenennungserlass von 1947 wurde offenbar irrtümlicherweise Scharkus-Tawell angegeben.
  8. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 94, Abb. 389 und 390
  9. Кирха Гросс Кришцанена - Die Kirche Groß Kryszahnen (Seckenburg) (mit historischem Foto sowie Ablichtungen aus dem Jahr 2012)
  10. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 483
  11. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad