Seeheim (Seeheim-Jugenheim)

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Seeheim
Wappen von Seeheim
Koordinaten: 49° 46′ 4″ N, 8° 38′ 50″ O
Höhe: 138 (125–176) m ü. NN
Einwohner: 9060
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64342
Vorwahl: 06257

Seeheim (im lokalen Dialekt: See’m)[1] ist der größte Ortsteil der Gemeinde Seeheim-Jugenheim im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Seeheim ist Sitz der Gemeindeverwaltung.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seeheim liegt im Naturpark Bergstraße-Odenwald an der Bergstraße im Odenwald. Die Ortslage ist mit dem südwestlich benachbarten Jugenheim baulich fast zusammengewachsen. Die Gemarkungsgrenze zwischen beiden Ortschaften folgt im Groben dem Lauf des Stettbachs. Das Schuldorf Bergstraße liegt, auf zwei Seiten von Wald umgeben, am Ortsrand im Südwesten der Gemarkung Seeheim.

Bis 1961 verfügte Seeheim über einen Bahnhof an der einstigen Nebenbahnstrecke Bickenbach–Seeheim.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seeheim wurde im Jahre 874 erstmals in einer Schenkung an das Kloster Lorsch urkundlich erwähnt. Die Ortsendung -heim deutet aber auf eine frühe Gründung durch die Franken hin. In den historischen Unterlagen wird Seeheim unter den folgenden Ortsnamen erwähnt[2]: Seheim (874–1229), Seheym (1420), Sehem (1440) und Seeheimb (1553). Dabei geht aus den Unterlagen hervor, dass [2]

Während der Zugehörigkeit zu Hessen wechseln die übergeordneten Verwaltungseinheiten mehrfach[2]:

Die zuständige Gerichtsbarkeit war[2]:

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, von 1897 bis 1955, verkehrte eine Dampflok-betriebene Nebenbahn zwischen Bickenbach, Alsbach, Jugenheim und Seeheim. Die Planungen für die Verbindung hatten bereits 1869 begonnen, aber es gab viele Widerstände gegen den Bau. So fürchtete man Lärm, Störung der Feldarbeit und die Abwanderung von Feriengästen. Zur damaligen Zeit war die Bergstraße ein beliebtes Erholungsgebiet für Gäste aus ganz Europa, vor allem aus den Fürstenhäusern. Die Nebenbahn verband die nördliche Bergstraße mit der wichtigen Main-Neckar-Eisenbahn am Bahnhof Bickenbach. Neben den Feriengästen benutzte auch die einheimische Bevölkerung die „Ziggelsche“ genannte Nebenbahn. Da einige Züge bis nach Darmstadt fuhren und von Reisenden zum Besuch des Darmstädter Staatstheaters genutzt wurden, erhielten diese auch Spitznamen „Theaterzug“.[3]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Januar 1977 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Jugenheim a. d. Bergstraße und Seeheim per Gesetz zur neuen Gemeinde Seeheim zusammengefasst.[4] Die Gemeinde Seeheim wurde am 1. Januar 1978 in Seeheim-Jugenheim umbenannt.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind[2]:

• 1629: 160 Hausgesessene
• 1695: 014 Mann
• 1961: 3867 evangelische (= 78,09 %), 815 katholische (= 16,46 %) Einwohner
Seeheim: Einwohnerzahlen von 1829 bis 1970
Jahr  Einwohner
1829
  
941
1834
  
968
1840
  
1.068
1846
  
1.111
1852
  
1.099
1858
  
1.043
1864
  
1.084
1871
  
1.093
1875
  
1.085
1885
  
1.118
1895
  
1.325
1905
  
1.596
1910
  
1.773
1925
  
2.048
1939
  
2.295
1946
  
3.457
1950
  
3.738
1956
  
4.076
1961
  
4.952
1967
  
6.031
1970
  
6.002
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Seeheimer

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Tagungshotel Lufthansa Seeheim. Dort traf sich von 1978 bis 1984 ein vier Jahre zuvor gegründeter Arbeitskreis aus SPD-Abgeordneten, der sich daher auch als „Seeheimer Kreis“ bezeichnet.
  • Das Seeheimer Schloss war einst Sommerresidenz des Großherzoglichen Hauses Hessen-Darmstadt. Es entstand in den Jahren 1831 bis 1834 unter Großherzog Ludwig II.
  • Burgruine Tannenberg
  • Altes Rathaus (Fachwerk-Renaissancebau), davor: Florian-Brunnen

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tagungshotel Lufthansa Seeheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Lufthansa AG betreibt in Seeheim-Jugenheim ihr Tagungshotel Lufthansa Seeheim, welches oberhalb des Ortskerns Seeheim liegt. Es wurde im Frühjahr 2009 als modernes Tagungshotel nach einem umfassenden Neubau wieder eröffnet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westlich in Ortsnähe führt die Landesstraße 3100 am Ort vorbei, parallel dazu verläuft einige hundert Meter entfernt die Bundesstraße 3. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3100.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Seeheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Darmstädter Echo, Montag, 17. August 2015, S. 19
  2. a b c d e f Seeheim, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 23. Juli 2012). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 1. September 2012.
  3. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007. Zum Theater mit dem „Ziggelsche“. S. 48, archiviert vom Original am 20. Dezember 2014; abgerufen am 28. Dezember 2014 (PDF 8,61 MB).
  4. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. II Nr. 330–334)  vom 26. Juli 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. Nr. 1974/22, S. 318 ff., § 5 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 382.