Seekrieg

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Luftaufnahme manövrierender Schiffe in der Seeschlacht im Golf von Leyte, 1944

Seekrieg bezeichnet die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen politischen Akteuren zur See, die überwiegend zwischen staatlichen Seestreitkräften unter Einsatz von Seekriegsmitteln stattfindet.

Seekriegsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Seekriegsmittel bezeichnet man alle vorrangig zur Führung des Seekriegs eingesetzten Waffen und Waffensysteme. Dazu gehören Kriegsschiffe, U-Boote, Marineflugzeuge und Marineinfanterie. Ein Ziel des Seekriegs ist es die Herrschaft über Seegebiete auszuüben, um diese Gebiete für den eigenen Nachschub oder für Angriffe über See zu nutzen. Ein anderes Ziel kann es sein, dem Gegner eine solche Nutzung zu verwehren, wodurch er zum Beispiel vom Nachschub abgeschnitten werden kann.

Diese Ziele können durch einzelne Seegefechte und Feindfahrten oder durch Zusammentreffen größerer Flotten in Seeschlachten erreicht werden. Kennzeichnend für den Seekrieg sind lange Abnutzungsphasen, in denen der Gegner durch Blockaden geschädigt werden soll.

Die Aufgabe eines Kriegsschiffs im Gefecht ist es gegnerische Schiffe durch Versenken unbrauchbar zu machen, die weitere Verwendung zu verhindern oder durch Entern zu erobern. Seit der Erfindung weitreichender Waffen wie Kanonen ist es auch möglich, etwa durch Beschuss gegnerischer Hafenstädte oder Festungen, seegestützte Waffen im Landkrieg einzusetzen. Eine andere Art der Verbindung von Land- und Seekrieg ist die Seelandung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike und Mittelalter: Zeitalter der Riemenschiffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seekrieg konnte entweder durch Rammen und/oder Entern Mann gegen Mann geführt werden. Die Kriegsschiffe des alten Ägypten waren in der Regel nicht hochseetauglich. Die ersten organisierten Marinen mit seetüchtigen Schiffen, die meist von Sklaven gerudert wurden, gab es bei den Karthagern, Griechen und Römern. Das Rammen gegnerischer Schiffe ist eine seit der Abwehr der Seevölker durch den ägyptischen Pharao Ramses III. belegte Technik. Sie erforderte ein sehr gezieltes Manövrieren des Schiffes, was nur mittels Rudern möglich war (Galeeren). In Griechenland war die Rammtechnik mit Ruderschiffen (Pentekonteren) mindestens seit etwa 650 v. Chr. bekannt. Die Römer verwendeten bereits in den Punischen Kriegen reguläre Infanterie auf Schiffen, die in der Seeschlacht von Mylae (260 v. Chr.) mittels Enterbrücken (corvus) die Besatzungen der feindlichen Schiffe angriffen. Eine Beschreibung gibt Polybios in seinem Geschichtswerk.[1] In Ostasien hatte bereits etwa seit dem 7. Jahrhundert der Aufbau organisierter Marinen begonnen.

Wandbild einer Pentekontere aus einem Tempel in Nymphaion (Krim), heute in der Eremitage (Sankt Petersburg)

Nach dem Zerfall des römischen Reichs standen die Küsten Europas für die Raubzüge der Araber und Wikinger offen. Im östlichen Mittelmeer setzte allerdings die Byzantinische Marine die römische Tradition nahtlos fort. Häufig wurde in dieser Zeit das Versenken gegnerischer Schiffe mit Brandsätzen (Griechisches Feuer). Kaiser Friedrich II. baute im 13. Jahrhundert eine schlagkräftige Mittelmeerflotte auf, mit der er gegen die Republik Genua Krieg führte (siehe Seeschlacht von Giglio). Genua wiederum führte erfolgreiche Seekriege gegen Pisa, wurde aber als führende Seemacht Anfang des 15. Jahrhunderts durch die Republik Venedig abgelöst (siehe Chioggia-Krieg).

Die letzte Seeschlacht vor der großen Zeit der Segelschiffe war die Schlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571. 300 Schiffen der Heiligen Liga, einem Bündnis der christlichen Mittelmeerstaaten, standen 270 Galeeren des Osmanischen Reiches gegenüber. Die osmanische Flotte wurde besiegt und mehr als 30.000 Mann verloren ihr Leben. Entscheidend für den Sieg war dabei der Einsatz von venezianischen Galeassen, übergroßen Galeeren mit Hilfsbesegelung, die in ihren Vorder- und Achterkastellen sowie breitseits etwa 30 Kanonen aufstellen und bis zu 1000 Mann Besatzung mit sich führen konnten.[2]

Ebenfalls gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde im Verteidigungskrieg Koreas gegen Japan von den Koreanern ein anderer Mischtyp von Riemen- und Segelschiff eingesetzt: das mit Holz gepanzerte und mit Kanonen ausgerüstete Schildkrötenschiff, das ihnen entscheidende Vorteile brachte.

Zeitalter der Segelschiffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dominierte im Mittelmeer noch lange der Galeerenkrieg, kam es in Nordeuropa und im Nordatlantik im späten Mittelalter und in der Renaissance bei weitgehend unreguliertem Seeverkehr zu neuen Formen des Seekriegs mit Segelschiffen. Seit der militärischen Nutzung von Schwarzpulver und dem damit verbundenen Bau von Feuerwaffen gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurden Seekriege auch aus zunehmender Distanz geführt; man beschränkte sich nicht mehr nur auf das Entern feindlicher Schiffe.

In Nordeuropa waren bis zum 15. Jahrhundert Schiffe im Kriegseinsatz vor allem zum Transport von Söldnern an gegnerische Küsten bestimmt. Die Besatzungen bestanden bis zum 15. Jahrhundert aus eingeschifften Bürgern. Erstmals wird der Begriff „Kriegsschiff“ erst 1526 in einer hansischen Quelle genannt.[3] Doch schon früher bewaffnete die Hanse ihre Handelsschiffe, um ihre Handelsrouten zu sichern.[4] Durch erhöhte Vorder- und Achterkastelle und die mitgeführten Geschütze von mindestens 150 Kilogramm bis zu drei Tonnen erhöhte sich das Gewicht der Schiffe und der Schwerpunkt verlagerte sich deutlich nach oben, was auch Konstruktionsänderungen nach sich zog: Erst durch Rahmen- und Richtspanten konnten auch schwere Punktlasten in Stellung gebracht werden.[5] Außerdem mussten verstärkt Söldner als Besatzung angeworben werden: Auf den Admiralsschiffen Lübecks waren allein etwa 150 bis 160 Mann für die Geschützbedienung erforderlich, auf kleineren Kriegsseglern ist von über 100 Mann auszugehen.[6]

In den sich konsolidierenden Nationalstaaten Westeuropas entwickelte sich der spezialisierte Kriegsschiffbau schon seit dem 15. Jahrhundert wesentlich schneller als in Deutschland und im gesamten Ostseeraum.[7] Zunächst wurden oft private Schiffseigner und Piratenmilizen wie die Vitalienbrüder, die Wassergeusen oder (in England) Francis Drake von Regenten oder Städten ausgestattet, um feindliche Schiffe zu kapern, zu plündern oder zu versenken oder die Durchsetzung (handels-)politischer Ziele zu erpressen. Die französischen Korsaren, Flibustier und Bukanier des 17. und frühen 18. Jahrhunderts hatten es besonders auf die spanischen Silberflotten abgesehen.[8] Die nordafrikanischen Barbaresken-Korsaren genossen den Schutz des osmanischen Sultans, betrieben Sklavenhandel und behinderten die Schifffahrt im Mittelmeer und östlichen Atlantik vom 16. bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts.

Der Nordische Siebenjährige Krieg 1563–1570 bewirkte Verbesserungen der Geschütz- und Schiffbautechnik sowie in der Organisation und Ausrüstung der Flotten und in der Taktik des Einsatzes auch im Ostseeraum, wobei der Vorsprung Westeuropas nicht ganz eingeholt wurde.[9] Kriegsschiffe deutscher Landesfürsten sind etwa seit 1570 belegt.

Aufbau von organisierten Kriegsflotten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seeschlacht bei Abukir 1798: Aufstellung der französischen Flotte (blau) in Linie als schwimmende Küstenbatterie vor Anker und Zangenangriff/Durchbruch der englischen Flotte (rot)

Eine der größten Kriegsflotten der frühen Neuzeit mit angeblich 300 Schiffen wurde zur Zeit der chinesischen Ming-Dynastie um 1400 aufgebaut. Darunter sollen sich die größten Holzschiffe befunden haben, die je gebaut wurden.[10] Seit dem späten 16. Jahrhundert entstanden besonders für den Kriegseinsatz entwickelte Segelschiffe der europäischen Großmächte England, Frankreich, Spanien und Schweden, die die Schiffe der im Staatsauftrag segelnden Freibeuter allmählich ablösten. Trugen sie die Geschütze zunächst auf einem durchlaufenden Deck, wurden diese später in großer Zahl unter Deck bzw. auf mehreren Decks übereinander angebracht (Ein-, Zwei- oder Dreidecker).

Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden Marineoffiziere – zuerst in England – professionell ausgebildet; es wurde eine strikte Disziplin durchgesetzt. Die unter Oliver Cromwell 1651 beschlossene Navigation Acts drückten das Streben nach Dominanz über die weltweiten Seehandelsrouten aus; sie standardisierten auch den Bau von Kriegsschiffen. Linienschiffe der 1. Klasse trugen bis zu 100 Kanonen. Langfristig errang damit die Royal Navy in der Seekriegsführung ein strategisches Übergewicht gegenüber anderen europäischen Nationen. Im 17. und 18. Jahrhundert fanden allein vier Seekriege zwischen England und den Niederlanden um die Vorherrschaft auf den Weltmeeren statt.[11] Die Vorherrschaft der Royal Navy im Zeitalter der Segelschiffe gipfelte in den Siegen Horatio Nelsons auch über die französische Flotte.[12]

Wettrüsten zur See[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1860er Jahren wurden Kanonen mit gezogenem Rohr eingesetzt, gegen die die bisher mit Kupfer- oder Stahlplatten beschlagenen schutzlos waren. 1859 entstand das erste hochseetaugliche dampfgetriebene Panzerschiff, die französischen La Gloire. Seit ca. 1860/70 wurden Kriegsschiffe immer häufiger mit Wärmekraftmaschinen angetrieben und gepanzert, seit 1880 waren auch Torpedos anwendungsreif, gegen die auch die Unterwasserpanzerung verstärkt werden musste. Ihre Entwicklung wurde besonders in Deutschland von Alfred von Tirpitz gefördert und führte zur Entwicklung neuer Schiffstypen. Um 1900 waren die ersten U-Boote einsatzbereit.

Modell der La Gloire (1859)

Strategisch entscheidend blieben jedoch zunächst die Großkampfschiffe. Die USA und das Deutsche Kaiserreich traten Ende des 19. Jahrhunderts zur Durchsetzung ihrer Kolonialpolitik als Seemächte zu England und Frankreich in Konkurrenz. Das drückte sich auch in der wechselseitigen Überbietung von Schiffsgrößen, Geschützkaliber und Panzerung während der nächsten Jahrzehnte aus, so v. a. im deutsch-britischen Flottenwettrüsten.[13] Charakteristisch für diese Epoche, als deren Höhepunkt die Skagerrakschlacht 1916 angesehen werden kann, war die Entwicklung des Linienschiffes, das (wie der Name sagt) in Kiellinie eingesetzt wurde und mit zahlreichen Kanonen Explosivgeschosse auf gegnerische Schiffe feuerte. Seine Weiterentwicklungen zum Dreadnought bzw. Schlachtschiff bestimmten bis etwa 1941 (Angriff auf Pearl Harbor, Versenkung der Bismarck und anderer großer Schlachtschiffe vor allem mit Hilfe von Torpedofliegern) das Seekriegsgeschehen.

Nach Einführung gelenkter Distanzwaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg zeigte sich die Verwundbarkeit großer Kriegsschiffe durch Luftangriffe. Die Überlegenheit in der Luft wurde auch für das Kriegsgeschehen auf See entscheidend, was zur Entwicklung großer Flugzeugträger als Hauptwaffe führte. Daher fanden kombinierte See-/Luftschlachten nur noch außer Sichtweite der gegnerischen Schiffe oder bei Nacht statt, was durch das die Erfindung des Radars unterstützt wurde. Seit der Schlacht in der Surigao-Straße sind große Schiffseinheiten nie wieder in direkte Kampfhandlungen untereinander verwickelt worden. Der Krieg zu See wurde durch den kombinierten See-/Luftkrieg und/oder den See-/Landkrieg abgelöst (Beispiel: Falklandkrieg), wobei Raketen und präzisionsgesteuerte Waffen zur See, unter Wasser und in der Luft für die Bekämpfung von Land- und Seezielen bzw. für die Abwehr von Flugzeugen eingesetzt werden. So entstanden der Typ des Lenkwaffenkreuzers und zahlreiche andere Schiffstypen mit radar- oder lasergesteuerten Lenkwaffen. Nuklearantriebe ermöglichen es vielen Schiffstypen, über bzw. unter Wasser längere Zeit ohne Anlaufen von Landstützpunkten zu operieren. Als Konsequenz der Entwicklung multimodaler Kriegsszenarien werden seit dem Koreakrieg werden größere militärische Einsätze mit maritimer Komponente in der Regel von integrierten (teilstreitkräfteübergreifenden) Stäben geleitet. In diesem Zusammenhang spielt die globale Infrastruktur der Marinekommunikation der Großmächte eine wachsende Rolle.

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Formen des Seekrieges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Versenkung des englischen Dampfers Maplewood durch das deutsche U-Boot U 35, 7. April 1917.

Neben der direkten Auseinandersetzung der kriegführenden Seemächte, die sich gelegentlich in großen Seeschlachten zuspitzt, gibt es verschiedene weitere Formen des Seekrieges, die entweder neben den direkten Auseinandersetzung geführt werden oder bei einem starken Ungleichgewicht der Marinestreitkräfte dominieren. In diesem Fall vermeidet der kräftemäßig Unterlegene die direkte Konfrontation, da sie mehr Nachteile als Vorteile hätte.

Handelskrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als spezielle Form des Seekrieges kann der Handelskrieg die Störung des Seehandels des Gegners mit verschiedenen maritimen Mitteln verfolgen. Sie dienen alle dazu dessen Wirtschaft und die Versorgung mit Gütern zu unterbinden oder zumindest zu stören, um seine Fähigkeit zur weiteren Kriegführung zu schwächen. Der Kaperkrieg und der Kreuzerkrieg (siehe unten) sowie die Seeblockade sind solche Mittel. Der Handelskrieg ist durch den Prisenrecht genannten Teil des Seekriegsrechts geregelt.

Seeblockade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seeblockaden gab es beispielsweise im Britisch-Amerikanischen Krieg und in den Koalitionskriegen.

Im und nach dem Ersten Weltkrieg blockierte Großbritannien die Versorgung Deutschlands über die Nordsee. Im Zweiten Weltkrieg versuchte Deutschland Großbritanniens Nachschub aus Nordamerika im Nordatlantik zu unterbinden (Atlantikschlacht). Die bekannteste Seeblockade gelang der United States Navy 1962 in der Kubakrise.

Seit 2007 besteht Israels Blockade des Gazastreifens, die vor allem die Versorgung des Gazastreifens über das Mittelmeer betrifft.

Kreuzerkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreuzerkrieg ist eine Strategie unterlegener Mächte und verfolgt eine Strategie der Nadelstiche. Speziell zu diesem Zweck gebaute Schiffe, die Kreuzer, sollen einzeln oder als kleine Gruppe in den entlegenen Interessensgebieten und Seestraßen des Gegners operieren und Handelsschiffe oder kleine Stützpunkte angreifen. Nach dem Angriff versteckt sich der Kreuzer wieder in den Weiten der Ozeane. Damit soll der Seehandel materiell oder zumindest psychologisch gestört werden und man zwingt den Gegner als Abwehrmaßnahme große Seestreitkräfte ins Operationsgebiet zu entsenden, was dessen Kräfte verteilt und schwächt.

Der Schiffstyp Kreuzer muss daher über einen großen Einsatzradius verfügen und eine hohe Maximalgeschwindigkeit haben, um sich überlegenen Feindeinheiten entziehen zu können. Hilfskreuzer sind zivile Schiffe, die zu diesem Zweck umgerüstet werden.

Kreuzerkrieg führte Deutschland im Ersten Weltkrieg bis Kriegsende und setzte dabei sogar das Segelschiff SMS Seeadler ein. Die Kreuzer versorgten sich dabei überwiegend aus der Fracht und dem Brennstoffvorrat der gekaperten Handelsschiffe.

U-Boot-Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Handelskrieg mit U-Booten ist eine spezielle Form des Kreuzerkrieges, wobei sich das U-Boot durch Tauchen dem Gegner weitgehend entziehen kann.

Kaperei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaperkapitäne waren mit einem Kaperbrief ausgestattete Unternehmer; sie führten den (oft nicht offiziell erklärten) Krieg auf eigene Rechnung und mit eigenem Material. De facto ist Kaperei von einem Staat geförderte Piraterie / Freibeuterei. In der Karibik ging sie seit der Unabhängigkeit der lateinamerikanischen Staaten zurück; in Ostasien hielt sie sich wesentlich länger.[14] In der Pariser Seerechtsdeklaration von 1856 wurde Kaperei verboten.

Minenkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Minenkrieg ist eine indirekte Form der Kriegführung und bedient sich der Seeminen. Minenkrieg ist nur in flachen Küstengewässern und Schelfmeeren möglich. In offensiven Operationen werden im Küstengewässer vor gegnerischen Häfen und Schifffahrtsstraßen Seeminen ausgelegt, anfangs um Schiffe zu versenken, dann nach Entdeckung des Minenfeldes die Schifffahrt zu blockieren und gegnerische Kräfte zum Beseitigen des Minenfeldes zu bewegen. Gegen Seeminen werden verschiedene Arten von Minenabwehrfahrzeugen eingesetzt.

Minenfelder dienen auch defensiv zum Schutz eigener Häfen und Stützpunkte. Die Durchquerung des Minenfeldes ist nur durch schmale und geheim gehaltene Fahrstraßen möglich. Sie hindern damit den Gegner vor dem Angriff auf die Stützpunkte.

Während des Ersten Weltkrieges verlegten die Royal Navy und die United States Navy ab 1917 die sogenannte Nordsee-Minensperre in der nördlichen Nordsee, wobei über 70.000 Minen verlegt wurden,[15] um deutschen U-Booten den Ausbruch aus der Nordsee zu verwehren. Weitere Seegebiete, die im Ersten Weltkrieg teils stark vermint waren, waren die Deutsche Bucht und der Ärmelkanal. Deutschland und Finnland verminten im Zweiten Weltkrieg ab 1941 die Narwa-Bucht in der Ostsee so massiv, dass die Baltische Flotte der Sowjetunion für knapp drei Jahre beinahe vollständig ausgeschaltet war, jedoch gelangen einzelnen U-Booten immer wieder Durchbrüche durch die Minenriegel.[16]

Im Zweiten Weltkrieg wurden Seeminen verstärkt auch aus der Luft abgeworfen. So warfen deutsche Flugzeuge zwischen Herbst 1939 und März 1940 rund 1.000 Seeminen, darunter zahlreiche Magnetminen, in britischen Küstengewässern ab. Bis April 1940 gingen 129 alliierte Handelsschiffe durch Minen verloren.[17] Im späteren Verlauf des Krieges führten die Alliierten noch umfangreichere Minenunternehmen aus der Luft durch. Die United States Air Force etwa warf zwischen März und Juli 1945 mehr als 12.000 Minen.[18][19] in japanischen Küstengewässern ab (Operation Starvation), was den Schiffsverkehr dort fast zum Erliegen brachte.[20] Zudem wurden im Zweiten Weltkrieg vermehrt Minen mit verschiedenen Zündvorrichtungen eingesetzt, so gab es Druck-, Magnet- und Akustikminen, was Räumoperationen dementsprechend erschwerte.

Minenkrieg ist eine der wenigen Möglichkeiten des Guerillakrieges zur See. 1984 wurden im Roten Meer durch ein Handelsschiff Seeminen gelegt, durch die mehrere Schiffe versenkt oder beschädigt wurden. Hinter der Aktion wird der Staat Libyen als Urheber vermutet.

Landungsoperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landungsoperationen sind Teil der amphibischen Kriegführung zum Beispiel in Form von Insel-Besetzungen oder militärischen Interventionen. Große Landungsoperationen gab es vor allem im Zweiten Weltkrieg. Zu den größten gehören die Schlacht um Iwojima und die Operation Overlord. Die bislang letzten waren die Operation Attila im Zypernkonflikt und der Falklandkrieg.

Die Marineinfanterie gilt in manchen Staaten als eigene Teilstreitkraft.

Abschreckung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allein die Existenz großer Seestreitkräfte in Seegebieten (fleet in being) kann die Strategie des Gegners massiv beeinflussen. Dies wirkt sich auch direkt auf die Taktiken der beteiligten Flotten aus. Während der napoleonischen Kriege versuchte die britische Royal Navy die Gegner möglichst schnell zu versenken und nutzte fast jede Gelegenheit für ein Gefecht. Anders war die Strategie der Franzosen: nur eine intakte Flotte konnte an der richtigen Stelle den Gegner abschrecken bzw. seine Kräfte binden. Daher versuchten die Franzosen möglichst die gegnerische Takelage zu zerstören, um die eigenen Schiffe außer Gefahr zu bringen. Nur Schiffe, die bewegt werden konnten, konnten eine Bedrohung darstellen.

Das deutsche Schlachtschiff Tirpitz war die meiste Zeit von 1941 bis 1944 in den Fjorden Nord-Norwegens versteckt, zwang aber die Briten, ständig eine Übermacht an vergleichbar kampfkräftigen Schiffen bereitzuhalten, die die Konvois nach Archangelsk und Murmansk eskortierten bzw. aus der Distanz sicherten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Band 1. Eine maritime Weltgeschichte von den Anfängen bis 1850.
Band 2. Eine maritime Weltgeschichte von der Dampfschiffahrt bis zur Gegenwart.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Seekrieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Seekrieg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Polybios, Historien 1.22-23.
  2. Berthold Seewald: Vier Schiffsgiganten besiegten die türkische Flotte. In: www.welt.de, 4. Dezember 2013.
  3. Springmann 2014, S. 371.
  4. Konrad Fritze, Günter Krause: Seekriege der Hanse. Zweibrücken 2007.
  5. Springmann 2014, S. 372, 381.
  6. Springmann 2014, S. 379.
  7. Springmann 2014, S. 443.
  8. Ernest J. King u. a.: War at Sea in the Middle Ages and the Renaissance. Boydell Press 20003.
  9. Springmann 2014, S. 454.
  10. Berthold Seewald: Schon einmal schickte China riesige Flotten in See, in: welt.de, 29. November 2013.
  11. Robert Rebitsch: Die Englisch-Niederländischen Seekriege. Wien 2013.
  12. Paul M. Kennedy: The Rise And Fall of British Naval Mastery. Humanity Books 2006.
  13. Rolf Hobson: Maritimer Imperialismus. Seemachtsideologie, seestrategisches Denken und der Tirpitzplan 1875 bis 1914. Oslo / München 2004.
  14. Udo Allerbeck: Piraterie in China. In: Hartmut Roder (Hrsg.): Piraten – Die Herren der Sieben Meere. Edition Temmen, Bremen 2000.
  15. Jürgen Gebauer: Marineenzyklopädie. 3. Auflage. Brandenburgisches Verlagshaus. Berlin 1998, S. 257.
  16. Horst Steigleder: Die deutsche Kriegsmarine und der Ostfeldzug. 1. Auflage. Militärverlag, Berlin 2010, S. 193.
  17. naval-history.net
  18. Wesley F. Craven, James L. Cate: The Army Air Forces in World War II. Volume V: The Pacific: Matterhorn to Nagasaki – June 1944 to August 1945. University of Chicago Press, Chicago 1953, S. 21.
  19. wlb-stuttgart.de
  20. Haywood S. Hansell: Strategic Air War against Japan. Airpower Research Institute, Air War College. Washington (DC) 1980, S. 42.