Seelenberg

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Seelenberg
Gemeinde Schmitten
Wappen von Seelenberg
Koordinaten: 50° 15′ 43″ N, 8° 24′ 48″ O
Höhe: 584 (543–605) m ü. NHN
Fläche: 3,41 km²[1]
Einwohner: 570 (2006)[1]
Bevölkerungsdichte: 167 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 61389
Vorwahl: 06082
Seelenberg vom Feldberg aus
Seelenberg vom Feldberg aus
Blick vom Turm der Burg Reifenberg auf Seelenberg
Das Sauwiesental unterhalb von Seelenberg im Frühling

Seelenberg ist ein Ortsteil von Schmitten im südhessischen Hochtaunuskreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seelenberg liegt im östlichen Hintertaunus im Naturpark Taunus. Das Dorf ist nach Oberreifenberg der zweithöchst gelegene Ort im Taunus. Seelenberg liegt auf einer Hochscholle, der sogenannten Pferdskopfscholle, die hier quer zum Taunushauptkamm verläuft. Der Hauptteil des Ortes befindet sich auf der Hangseite, welche nach Süden ins Weiltal steil abfällt. Auf dieser Seite entspringt auch ein Bach, welcher, oberhalb Schmittens, in die Weil mündet. Nur wenige Häuser finden sich auf der nördlichen Bergseite des Ortes. Der auf dieser Seite in den Sauwiesen entspringende Bach fließt nach Norden in Richtung Finsternthal. Die Region Schmitten verfügt über ein ausgedehntes und mitunter gut gepflegtes Wegenetz, welches die beeindruckende Natur erfahrbar macht.

Der Ort liegt im Westen der Großgemeinde Schmitten. Es liegt genau an der Grenze zwischen dem Hochtaunuskreis und dem Rheingau-Taunus-Kreis. Im Süden des Ortes liegen die Ortschaften Nieder- und Oberreifenberg. Im Südwesten grenzt Seelenberg an Oberems, im Westen an Wüstems, das zum Rheingau-Taunus-Kreis gehört. Im Nordosten grenzt Seelenberg an Reichenbach und im Norden an Mauloff.

Seelenberg ist durch eine gerade, steil durch den Ort führende Hauptstraße gekennzeichnet. Vor allem im Norden dieser Straße liegt der Hauptanteil der Häuser. Durch Seelenberg verläuft die Cambergerstraße, welche die Gemeinde Schmitten mit den westlichen Taunusgemeinden Idstein und Bad Camberg verbindet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Gründung bis zur Wüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Seelenberg wird 1272 als Selderberg erstmals genannt. 1441 wird Gottfried von Eppstein als Besitzer von Seelenberg genannt. Mit dem Aussterben des Geschlechts der Herren zu Eppstein im Jahr 1529, kam Seelenberg an Königstein, 1535 an die Herren von Stolberg. Die letzte urkundliche Erwähnung stammt von 1561. Spätestens ab 1595 galt die Kirche als vollständig verfallen und der Ort als Wüstung.

Neugründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Amt Reifenberg ging die Wüstung 1681 als Pfandschaft bis etwa 1725 an Kurmainz. Am 12. September 1695 wurde durch den Kurmainzer Rentmeister ein 15-Punkte-Plan zur Neugründung Seelenbergs vorgelegt. Zehn Siedlerfamilien aus dem Taunus, dem bergischen Land und der Gegend um Lüttich wurden 1696 angesiedelt und wählten den Wallonen Gerlach Barchon zum ersten Schultheißen. Am 5. Oktober 1711 wurde die neu erbaute St. Casimirkirche geweiht.[2] 1722 wurde der Seelenberger Markt nach Esch verlegt.

Mit der Rheinbundakte wurde Seelenberg 1806 Teil von Nassau-Usingen und damit später des Herzogtums Nassau. Mit der Auflösung des Amtes Reifenberg 1810 wurde der Ort dem Amt Usingen zugeordnet. 1866 kam Seelenberg dann zu Preußen.

Seelenberg war bis zum freiwilligen Zusammenschluss im Rahmen der Gebietsreform in Hessen am 1. April 1972 mit Schmitten und weiteren bis dahin selbstständigen Gemeinden eigenständig und ist seither ein Ortsteil der Gemeinde Schmitten.[3]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche von Seelenberg

Der Mainzer Domherr Graf Casimir Ferdinand Waldbott von Bassenheim ließ die Heilig-Blut-Kirche errichten. Am 5. Oktober 1711 erfolgte die Weihe der Kirche. Später erfolgte die Umwidmung zur St. Casimir-Kirche. Spätere Ausgrabungsarbeiten legten die Fundamente von zwei ehemaligen St. Otmar-Kapellen frei, erstmals urkundlich erwähnt wird höchstwahrscheinlich die zweite Otmar-Kapelle im Jahre 1272.

1847 wurde die vom Igstadter Orgelbaumeister Voigt gebaute Orgel eingebaut. Die Orgel wurde zuletzt 1998 überholt. Seit Jahrhunderten ist das Walldürner Kreuz Ziel von Wallfahrten. Heute beschränken sich die Pilgerreisen auf das nahe Feldberggebiet. Über dem Kirchenportal ist das Wappen der Familie Bassenheim dargestellt[4].

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Seelenberg.

Dialekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sprache der Seelenberger und der umliegenden Dörfer ähnelt sich sehr, aber es gibt auch Ausnahmen. Die Ursache für dieses Phänomen dürfte der Einfluss der Westerwälder bzw. Wetterauer Mundart in den weilabwärts gelegenen Dörfern sein, während in den oberen Ortschaften durch vielfältige Verbindungen seit alters her das untermainische Idiom die Sprache mitgeprägt hat.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Seelenberg wurden 1841 der Theologe Anton Abt und 1868 sein Neffe, der Ölbohrpionier Anton Raky geboren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Abt: Seelenberg 1696 - 1896; Festschrift zur Feier des 200-jährigen Bestehens der Gemeinde. Selbstverl., Limburg 1896
  • Gottlieb Schnapper-Arndt: Fünf Dorfgemeinden auf dem Hohen Taunus : eine socialstatistische Untersuchung über Kleinbauernthum, Hausindustrie und Volksleben, Leipzig 1883.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Seelenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Gemeinde Schmitten: Ortsteile (Memento vom 2. Mai 2007 im Internet Archive)
  2. Wilhelm Berger: Seelenberg, eine kurmainzische Neugründung, in: Ingrid Berg (Hrsg.): Heimat Hochtaunus, Frankfurt 1988, ISBN 3-7829-0375-7, Seite 182–186
  3. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 272
  4. Kirchenführer Hochtaunus (Online S. 64 (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hochtaunuskreis.de; PDF; 4,8 MB, abgerufen am 14. Januar 2016)