Seemannsclub Duckdalben

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Duckdalben – international seamen’s club ist der Name des 1986 gegründeten Seemannsclub in Hamburg-Waltershof der Deutschen Seemannsmission Hamburg-Harburg. Er bietet den jährlich rund 40.000 Seeleuten aus 181 Ländern[1] praktische Hilfe und Orientierung in dem Hafen, in dem die meisten der Seeleute fern ihrer Heimat sind. Der Duckdalben ist nach den gleichnamigen Verankerungspfählen, den Dalben benannt und wurde 2011 als der beste Seemannsklub der Welt ausgezeichnet.

Seemannsklub Duckdalben im Hamburger Hafen (Waltershof) der Deutschen Seemannsmission Hamburg-Harburg e.V.
Hamburger Hafen, gemütliche Bibliothek im Seemannsklub Duckdalben der Deutschen Seemannsmission Hamburg-Harburg e.V.
„Raum der Stille“, Andachtsraum für Seeleute unterschiedlicher Religionen
Seemannsdiakonin Maike Puchert und Jan Oltmann bei der Amtseinführung als Bordbetreuerin
Leitung des Seemannsclub Duckdalben Anke Wibel und Jan Oltmanns und die Leiterin der gemeinsamen Bordbetreuung im Hamburger Hafen Maike Puchert

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Seemannsheim in Deutschland wurde 1854 in Bremen gegründet, die erste Seemannsmission im Inland entstand 1891 in Hamburg. Den Seemannsclub Duckdalben gibt es seit dem 13. August 1986 als Einrichtung der Seemannsmission Harburg im Freihafen (Waltershof) unterhalb der Köhlbrandbrücke an der Zellmannstraße. Der Name leitet sich ab von der Gruppe aus dicken Baumstämmen, die im Hafenbecken eingerammt wurden, um Schiffe festzumachen.

Mit einer Baracke hatte es 1986 begonnen, sie gehörte ursprünglich der Bahnmeisterei, wurde danach als Bürobarcke vom Strom- und Hafenbau genutzt und danach im anwachsenden Containerhafen in Waltershof für die Gründung des Seemannsclubs ausgewählt. Die Baracke wurde verklinkert, sie war für 15 - 20 Besucher konzipiert. Dass sie in dieser ersten Version viel zu klein war, zeigten die bis zu 120 Seeleute, die täglich diese Einrichtung besuchten. Abhilfe schaffte 1994 eine erhebliche Erweiterung mit Einbeziehung einer Regenwasser-Nutzungsanlage und eine solare Warmwasseranlage, die mit finanzieller Unterstützung des ITF ermöglicht wurde. Dabei entstand neben der großzügigen freundlichen Eingangshalle mit Telefonzellen zum ungestörten Telefonieren, ein Billardraum und eine Mehrzweckhalle, die als Tischtennisraum, Versammlungsraum oder für Feiern genutzt wird. Im Obergeschoss wurde ein Raum der Stille eingerichtet.[2] 1988 wurde das Personal erhöht und ein Erweiterungsbau notwendig, der 1995 in Betrieb genommen wurde.

2003 kam ein als Bibliothek genutzter Wintergarten mit Kamin dazu, der neben Büchern auch einige internationale Zeitungen bereithält. Mit dem 2015 fertiggestellten Anbau, der als Büro genutzt wird, wurde der international seamen´s club Duckdalben bereits zum dritten Mal baulich erweitert.[3]

Duckdalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Obergeschoss des Haupthauses gibt es den „Raum der Stille“, in dem für Seeleute unterschiedlicher Religionen und Konfessionen Andachts- und Gebetsnischen eingerichtet wurden. In der hauseigenen Bibliothek stehen Bücher und Zeitschriften zur Verfügung. Im Clubraum können die Seeleute, die oft aus Ländern der Dritten Welt stammen, zu moderaten Preisen essen und trinken. Darüber hinaus können sie zu besonders günstigen Konditionen mit ihren Angehörigen telefonieren[4]. einfache Erledigungen als Bank- Wechselstube und Poststelle durchführen. Es existiert ein kleiner shop und es werden touristische Informationen zur Hansestadt gegeben. Ganzjährig steht den Seeleuten warme Kleidung aus der hauseigenen Kleiderkammer zur Verfügung. Lieferant der Kleidungsspenden ist größtenteils die Hamburger Hilfsorganisation Hanseatic Help.

Für die Freizeitgestaltung stehen Billardtische, Tischtennisplatten, Tischfußballgeräte und Dart bereit. Für sportliche Aktivitäten - was an Bord von Schiffen im Allgemeinen nur sehr eingeschränkt möglich ist - gibt es ein Kleinsportfeld. Computer mit Internetanschlüssen und Fernseher mit internationalen Fernsehprogrammen sind für alle frei zugänglich. Von See aus bestellte Waren des persönlichen Bedarfs werden von den Helfern ebenfalls besorgt. Im gesamten Haus gibt es kostenloses WLAN.

Neben den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern arbeiten hier Berufspraktikanten, die ein Freiwilliges Soziales Jahr[5] leisten zur Betreuung der Seeleute. Da die Liegeplätze der Schiffe im Hafen oft weit vom Seemannsclub entfernt sind, können sich die Seeleute von den Mitarbeitern vom Schiff abholen lassen und werden auch wieder zurück gebracht.

Dazu fahren die vier Busse im Hafen rund 241.000 km pro Jahr und transportieren bei rund 17.000 Fahrten 57.000 Fahrgäste (alle Zahlen aus 2016). Insgesamt besuchten den Seemannsclub seit 1986 ca. 938.000 Gäste.[1]

Organisation und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Seemannsclub wird von der Seemannsdiakonin Anke Wibel und von dem Seemannsdiakon Jan Oltmanns geleitet, der für sein Engagement und seine besonderen Leistungen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Ihnen zur Seite steht ein Team von 13 hauptamtlichen und mehr als 80 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Die Betreuung der Seeleute erfolgt von den hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern und den jungen Männern und Frauen im Bundesfreiwilligendienst BFD vorwiegend im Duckdalben, aber auch auf den Schiffen.

In Deutschland werden die Missionen als gemeinnützige Vereine gegründet und geführt, die zunehmend unter Finanznot arbeitenden Landeskirchen stehen aber in der Verantwortung und helfen bei finanziellen Problemen. Die Finanzierung des Duckdalben erfolgt unter anderen durch Zuschüsse der evangelischen Nordkirche, der Hamburg Port Authority, des ITF Seafarers Trust sowie durch Spenden einiger Reeder und vieler privater Unterstützer und durch den Verkaufserlös im Shop. Die Seemannsmissionen im Ausland werden zur Hälfte durch Einnahmen der Seemannsheime und Spenden[6] unterhalten und zur anderen Hälfte von den evangelischen Kirchen in Deutschland EKD finanziert.

Bordbetreuung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. April 2013 wurde die Seemannsdiakonin Maike Puchert bei einem Gottesdienst in ihr Amt als Bordbetreuerin eingeführt. Aufgrund der kurzen Hafenliegezeiten können viele Seeleute den Duckdalben nicht besuchen, dann erfolgt häufig ein Bordbesuch. Sehr wichtig für die Seeleute sind Telefon-, Auflade- und Simkarten, die Maike Puchert und ihre Kolleginnen und Kollegen im Gepäck haben. Wenn sie zu Dienstbeginn die zu besuchende Schiffe aus den Datenbanken heraussucht, schaut sie, aus welchen Nationalitäten sich die Mannschaft zusammensetzt und stellt Neuigkeiten aus den Heimatländern dieser Seeleute zusammen. Sie hatte 2004 im Duckdalben ihr Freiwilliges Soziales Jahr abgeleistet, am Rauhen Haus in Hamburg Sozialarbeit studiert und den Abschluß als Diakonin gemacht. In Brunsbüttel wurde sie 2010 befristet als zweite Diakonin in der Seemannsmission eingestellt und hat als Bordbetreuerin in Hamburg die Lücke geschlossen, die durch den Ruhestand vom Vorgänger Heinrich-Walter Brokmeier entstanden war.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. Dezember 2010 wurde der Hamburger Seemannsclub Duckdalben im Wettbewerb des Internationalen Komitees für die Wohlfahrt der Seeleute[7] (ICSW) unter die fünf besten Clubs der Welt gewählt.[8] Der Seemannsclub erhielt im Jahr 2011 die Auszeichnung als „Seafarers Center of the year“ des „International Committee on Seafarers Welfare“(ICSW).[9] Diese Entscheidung wurde in Genf am Sitz der Internationalen Arbeitsorganisation verkündet. Das ICSW ist ein Zusammenschluss der internationalen maritimen Organisationen wie z. B. der Internationalen Transportarbeiter Föderation (ITF), der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), dem Internationalen Schifffahrtsverband (ISF), der International Maritime Organisation (IMO) und der Internationalen Christlichen Maritimen Vereinigung (ICMA). Über die Entscheidung wurde in verschiedenen überregionalen Tageszeitungen berichtet.

2016 erhielt der Seemannsclub Duckdalben den zum ersten Mal den von ISWAN[10], dem internationalen Netzwerks für Seeleute, verliehenen Sonderpreis „Judges Special Award“.[11] In der Begründung sagte die Jury: „Zum ersten Mal seit Beginn der Internationalen Seafarers´ Welfare Awards haben die Richter entschieden, eine wirklich außergewöhnliche Organisation mit einem Sonderpreis für besondere Verdienste um das Wohl der Seeleute zu ehren. Seit 30 Jahren entwickelt der Internationale Seemannsclub DUCKDALBEN seine Dienste für Seeleute mit hochqualifizierten und engagierten Mitarbeitern“. Die Preisverleihung erfolgte am 24. Juni 2016 im Rahmen einer Feier der International Maritime Organisation (IMO) in Manila.

1996 erhielt Jan Oltmanns die höchste Auszeichnung der Hamburger Bürgervereine, den Portugaleser in Silber für Verdienste um das Wohl Hamburger Bürger, 2012 wurde er mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland geehrt.[12] 2016 wurde auch Anke Wibel mit dem Portugaleser geehrt.[13]

Weitere Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Seemannsclub Duckdalben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Duckdalben Zahlen-Daten-Webseite. Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  2. Geschichten aus der Schatzkiste des Duckdalbens; August 2016, Deutsche Seemannsmission Hamburg-Harburg
  3. Office M eröffnet, DUCKDALBEN | Blog. In: duckdalben.de. Abgerufen am 23. August 2016.
  4. Bericht auf Deutschlandradio Kultur
  5. Junge Leute im Freiwilligen Sozialen Jahr im Duckdalben
  6. Spende eines Unternehmens
  7. Seite des Komitees (englisch)
  8. Einer der fünf weltbesten Seemannsclubs
  9. Liste der Gewinner 2011 des ICSW. Abgerufen am 10. April 2013.
  10. Webseite der ISWAN. Abgerufen am 28. Juni 2016.
  11. „Judges Special Award“ des internationalen Netzwerks für Seeleute ISWAN. Abgerufen am 28. Juni 2016.
  12. Bundesverdienstkreuz für Jan Oltmanns. Abgerufen am 1. November 2017.
  13. Verleihung des Portugalesers an Anke Wibel. Abgerufen am 1. November 2017.

Koordinaten: 53° 31′ 13,6″ N, 9° 55′ 17,3″ O