Seemannsgarn

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Seemannsgarn, hergeleitet von Schiemannsgarn, sind Erzählungen der Seeleute über deren (angebliche) Erlebnisse. Das Erzählen wird als Seemannsgarn spinnen, kurz Garn spinnen, bezeichnet.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seemannsgarn auf der Gorch Fock (1968)

Das Schiemannsgarn wurde aus altem Tauwerk gewonnen und von den Seeleuten dazu benutzt, Leinen und Trossen zu bekleedern (umwickeln). Schiemannsgarn drehen oder Schiemannsgarn spinnen war auf Segelschiffen eine untergeordnete Arbeit, die bei Schönwetter erledigt wurde. Weil sie recht eintönig war, erzählten sich die Seeleute unterdessen, was sie erlebt hatten und worüber sie sich Gedanken machten – Sagen, Schwänke und Döntjes gehörten dazu. Auf diese Weise bekam Schiemannsgarn spinnen mit der Zeit eine andere Bedeutung: das Erzählen wurde Hauptsache, die Arbeit Nebensache, bis man das Erzählen allein so bezeichnete.

In jüngerer Zeit ersetzte Seemannsgarn spinnen oder kurz Garn spinnen die alte Redewendung, und unter echtem Seemannsgarn versteht man heutzutage jene Erlebnisberichte von Seeleuten im Grenzbereich zwischen Wahrheit und Phantasie, die alle etwas undurchsichtig, dafür aber glaubhaft-eindrucksvoll sind. Der Zuhörer weiß nie genau, ob er auf den Arm genommen wird oder nicht. Oft wird der Wahrheit so viel hinzugedichtet, dass aus einem kleinen Fisch plötzlich ein Monsterhai wird oder Riesenkraken ganze Schiffe ins Verderben ziehen.

Zum Seemannsgarn gerechnet, aber eigentlich zu den Seemanns- oder Meersagen gehören die Erzählungen über den Klabautermann, Seeungeheuer, Wassermänner und Nixen sowie unheimliche Geschichten, z.B. über „Magnetberge“, die die Schiffe anziehen und zerschellen lassen, Geisterschiffe wie den Fliegenden Holländer, oder Schiffsfriedhöfe im offenen Meer (entstanden durch die Sargassosee im Atlantik mit ihren „Schlingpflanzen“ – großen frei im Wasser schwebenden Braunalgen der Gattung Sargassum). Modernes Seemannsgarn bezieht sich auch auf Geschichten über UFO-Sichtungen und Verschwinden von Schiffen im Bermudadreieck.

Lange Zeit fälschlicherweise als frei erfunden galten Berichte über Monsterwellen, die aus dem Nichts auftauchend ganze Schiffe zerstören können. Diese Erzählungen wurden meist als (reines) Seemannsgarn verspottet und ins Reich der Legenden verwiesen, genauso wie die über Sichtungen von Riesenkraken und Begegnungen mit diesen Tieren. Trotz vorheriger Funde gestrandeter Riesenkalmare mit Längen von weit über zehn Metern setzte sich erst später das Wissen durch, dass es diese Tiere tatsächlich gibt. In ihren Ausschmückungen und Übertreibungen waren die Geschichten über Monsterwellen und Riesenkraken aber zum Teil trotzdem Seemannsgarn.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Gerhard Heims: Kraken / Monster / Seemannsgarn: Legenden und Aberglauben auf hoher See, Festa Verlag 2006, ISBN 3865520553

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Seemannsgarn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen