Seestadt Aspern

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Aspern Seestadt (Stadtentwicklungsprojekt)
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Seestadt Aspern (Wien)
Basisdaten
Bundesland Wien (W)
Gerichtsbezirk Donaustadt
Gemeindebezirk Wien 22.Bezirk:Donaustadt  (KG Aspern)
Koordinaten 48° 13′ 33″ N, 16° 30′ 13″ OKoordinaten: 48° 13′ 33″ N, 16° 30′ 13″ O
Höhe 157 m ü. A.
Bild
Sonnenallee, 2020
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; ViennaGIS
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Die Seestadt Aspern (amtlich auch Aspern Seestadt,[1] Projektname: aspern – Die Seestadt Wiens) ist ein in Bau befindlicher Stadtteil im 22. Wiener Gemeindebezirk, Donaustadt. Sie ist aktuell eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Bis 2028 sollen in der Seestadt mehr als 20.000 Menschen wohnen und fast genauso viele arbeiten.[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seestadt Aspern, Wien

Die Seestadt liegt etwa sieben Kilometer östlich der Wiener Innenstadt, im 22. Gemeindebezirk, in der Nähe der Lobau und des Marchfelds.

Das Areal wird folgendermaßen umgrenzt:

Lagen der benachbarten Stadtteile:
Hirschstetten Breitenlee

Lackenjöchl

Neuessling
Stadtrandsiedlung Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Essling
Aspern Mühlau Wegmayersiedlung

Die Fläche der Seestadt wird seitens der Stadt Wien mit rund 240 Hektar beziffert.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aspern zählt zu den ältesten Siedlungsgebieten Wiens. Rund um die Siedlung fand 1809 die Schlacht bei Aspern statt, bei der die französischen Truppen Napoleon Bonapartes den österreichischen Streitkräften unter Erzherzog Karl unterlagen. 1904/1905 wurde Aspern in die Stadt Wien eingemeindet.[4]

Auf dem Unteres Hausfeld[5] genannten Areal nordöstlich des Ortskerns wurde 1912 das Flugfeld Aspern eröffnet, das bis zur Eröffnung der zweiten Piste des Flughafens Schwechat im Jahr 1977 betrieben wurde. 1992 wurde der kommunale Ankauf des Geländes durch den Wiener Vizebürgermeister Hans Mayr durchgesetzt.[6]

2007 wurde der Masterplan des schwedischen Planungsbüros Tovatt Architects & Planners vom Wiener Gemeinderat beschlossen. Ab 2010 wurde die U-Bahn-Linie U2 bis zur Seestadt verlängert und der zentral liegende, 5,4 Hektar große Grundwassersee ausgebaggert, der der Seestadt heute ihren Namen gibt.[7][8]

Für die Entwicklung und Verwertung ist die Wien 3420 Aspern Development AG zuständig, eine Immobilienentwicklungsgesellschaft, die im Dezember 2004 als Tochterfirma der Wirtschaftsagentur Wien, eines Fonds der Stadt Wien (73,6 %), und der Bundesimmobiliengesellschaft (26,4 %) gegründet wurde.[9] Die Planung erfolgt im Einvernehmen mit den zuständigen Magistratsabteilungen der Stadtverwaltung und den Wiener Linien, der Verkehrsgesellschaft der Stadt Wien.

Der Begriff 3420 wurde aus den Winkelsekunden-Stellen der geografischen Lage des Zentrums des 240 Hektar großen Projektgebiets gebildet: 48° 13′ 34″ Nord und 16° 30′ 20″ Ost.[10] Da benachbarte Meridiane auf 48° Breite nur mehr 2/3 ihrer ursprünglichen Entfernung am Äquator haben, liegen die Orte, für die diese GPS-Daten sekundengenau gelten, näherungsweise auf einem Rechteck von 31 m Seitenlänge in N-S-Richtung und 21 m in W-O-Richtung.[11]

Bis zum Jahr 2028 sollen etwa 10.500 Wohnungen für 20.000 Menschen errichtet werden. Weiters sollen Betriebsstätten für 15.000 Büroarbeitsplätze sowie 5000 Arbeitsplätze in Gewerbe, Wissenschaft, Forschung und Bildung entstehen.[12]

Stadtplanung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das städtebauliche Konzept[1] der Seestadt ist auf die Durchmischung von Funktionen ausgerichtet, es soll keine reine Wohnnutzung oder Gewerbenutzung geben. Dadurch soll eine Schlafstadt vermieden und im Tagesverlauf durchgehende Belebung erzielt werden. Der Masterplan für die Seestadt wurde vom schwedischen Architekten Johannes Tovatt erstellt und am 25. Mai 2007 vom Wiener Gemeinderat einstimmig beschlossen. Wesentliche Inhalte sind die funktionale Anordnung von Nutzungen und die räumliche Ausgestaltung kleiner wie auch großer städtebaulicher Gesten zu einem urbanen Gesamtkonzept.

Öffentlicher Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die geografische Mitte der Seestadt bildet ein fünf Hektar großer See in einem zusammen neun Hektar großen Park. Der See wird aus Grundwasser gespeist.[13] Der öffentliche Raum – also Straßen, Plätze und Parks – nimmt 50 % der Gesamtfläche dieses Stadtentwicklungsgebiets ein.

Um den öffentlichen Raum für die Menschen, die in der Seestadt wohnen und arbeiten sollen, attraktiv zu gestalten, wurden die dänischen Freiraumplaner Gehl Architects von der Wien 3420 AG und der Magistratsabteilung 19 (Architektur) mit der Erstellung eines Planungshandbuchs für den öffentlichen Raum (einer „Partitur des öffentlichen Raums“) beauftragt.[14] Dem Planungshandbuch liegt der Gedanke zugrunde, dass öffentliches Leben ein kostbares Gut ist, das es zu konzentrieren gilt.[15] Deshalb haben Gehl Architects besonders wichtige Achsen in der Seestadt herausgearbeitet: die Ringstraße als Hauptverkehrsachse, die den Namen Sonnenallee erhalten hat, die Rote Saite (Einkaufsstraße, Kultur), die Blaue Saite (Seepark und Promenade) und die Grüne Saite (Grünflächen, Naherholungsflächen).[16]

Bis 2015 wurden drei Parks mit einer Fläche von zusammen acht Hektar errichtet, der zentrale Seepark, der Yella-Hertzka-Park und der Hannah-Arendt-Park (Spatenstich 26. Mai 2014).[17] Die um den letzteren laufenden verkehrsberuhigten Straßen tragen den Namen Hannah-Arendt-Platz.

Bauphasen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Errichtung der Seestadt Aspern soll bis 2028 in drei Etappen erfolgen:

  • Etappe 1 (2009 bis [veraltet] 2017): Die Entwicklungsgesellschaft Wien 3420 Aspern Development AG errichtet die Grünräume sowie die technische Infrastruktur (Straßen, Kanal usw.) und leistet damit den Anschub für die Entwicklung der Seestadt. Im ersten großflächigen Ausbau im südwestlichen Teil der Seestadt entsteht ein gemischtes Quartier mit ca. 2.600 Wohneinheiten, Büros, Handels- und Dienstleistungsunternehmen sowie Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Das große Volumen soll die Nahversorgung und den angestrebten Nutzungsmix von Beginn an sicherstellen. Im Oktober 2013 sind die U-Bahn-Stationen Aspern Nord am Nordrand des Gebiets und Seestadt als Endstation der Linie U2 im Süden eröffnet worden. In diese Etappe fällt ebenso der Aufbau eines F&E-Parks (Forschung und Entwicklung). Als erstes Impulsprojekt entsteht dort ein Innovationsquartier (Technologiezentrum), für das ein Realisierungswettbewerb gestartet wurde. Mit dem aspern IQ wurde 2012 der erste Ansiedlungskern erstellt. Im September 2014 wurden die ersten Wohnungen den Eigentümern und Mietern übergeben. Am Hannah-Arendt-Platz wurden 18 Wohneinheiten an Mitglieder der Baugruppe „JAspern“, die unter anderem mit Architekt Fritz Oettl den Wohnblock von Anfang an mitplanten, übergeben.[18] 2015 wurden hier weitere Baugruppenhäuser bezogen, 2017 folgte mit Que[e]rbau das erste queere Baugruppenhaus Wiens.[19]
  • Etappe 2 (2017 bis 2022): Der Bahnhof Aspern Nord sowie die Verbindung mit der Autobahn A 23 durch eine leistungsfähige Stadtstraße und die Spange S 1 werden fertiggestellt. Weitere Wohn- und Mischquartiere (darunter auch Baugruppenprojekte[20]) und das Bahnhofs- und Büroviertel entstehen.
  • Etappe 3 (ab 2022): An den Bahnhof, die Einkaufsstraße und die U-Bahn-Trasse angrenzende Gebiete werden weiter verdichtet, der Nutzungsmix wird weiter verbessert.[21] Bis 2025 wird eine neue Linie (Projektname 27) vom Ast der Linie 26 in der Pirquetgasse abzweigen und durch die Berresgasse und Neu-Breitenlee über die Mayrederbrücke nach Aspern Nord führen. Längerfristig zu erwarten ist eine Verlängerung der Linie 25 nach Aspern Nord. Sie soll ab der jetzigen Endhaltestelle Oberdorfstraße über den Asperner Helden- und den Siegesplatz verkehren. Daraufhin soll sie in die Haberlandtgasse einbiegen und der Strunzgasse folgen. Die Linie soll weiters entlang der Johann-Kutschera-Gasse, dem Yella-Hertzka-Park, des Asperner Sees verlaufen und das urbane Feld durchqueren. Somit wird das Zentrum, der Norden und der Westen der Seestadt Aspern besser angebunden sein. Für beide Bauvorhaben ist die Errichtung von neuen Gleiskörpern nötig.[22][23]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil wurde im September 2008 erstmals offiziell als „Seestadt“ bezeichnet.[24]

2016–2019 wurde mit dem HoHo Wien eines der höchsten Holzhochhäuser der Welt errichtet.

Von Juni 2019 bis Juni 2021 fand ein Testbetrieb für zwei autonom fahrende Elektroautobusse statt.[25]

Straßennamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da nach Frauen benannte Straßen in Wien stark unterrepräsentiert sind, benennt die Stadt Wien seit Beginn des 21. Jahrhunderts vermehrt Verkehrsflächen nach Frauen. Dieser Trend macht sich in der Seestadt Aspern besonders bemerkbar, bis Mitte 2022 wurden hier 50 Straßen nach Frauen benannt:[26][27]

Eine seltene Ausnahme eines männlichen Namensgebers für neue Verkehrsflächen in der Seestadt ist der Nelson-Mandela-Platz, eine weitere Ausnahme ist der nach dem Ehepaar Mina und Otto Kuttelwascher benannte Kuttelwascherweg. Außerdem sind sechs Parks in der Seestadt nach Frauen benannt:

Kulturelles und Mediales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. Februar 2014 fand auf der Baustelle der Seestadt Aspern die Kunstaktion Kranensee – ein Ballett der Kräne statt. Es wurden einige der 42 damals aufgebauten Turmdrehkräne und eine Betonpumpe mit verschiedenfarbigen Scheinwerfern bestückt, die zu eigens komponierter orchestraler Musik leuchteten, 15 Kräne waren mit Kranführern besetzt, die die Ausleger zur Musik passend drehten.[28][29]

Die Seestadt Aspern ist Schauplatz des 2016 erschienenen Kriminalromans Seestadt von Fritz Lehner.

Eine 1946 gegründete Notkirche in Döbling (die provisorische Vorgängerin der Glanzinger Pfarrkirche), die zwischen 1969 und 1972 nach Donaustadt an den Ulanenweg transloziert worden war und dort bis 2000 weiterhin als Notkirche diente, wurde 2015 vom Künstler Reinhold Zisser als Notgalerie adaptiert. 2017 wurde sie noch einmal versetzt und befand sich bis 2020 auf einem künstlichen Hügel gegenüber der Station Aspern-Nord.[30]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Seestadt Aspern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Flächenwidmungs- und Bebauungsplan. In: wien.gv.at. Abgerufen am 23. Mai 2022 (dort auch die Grundpläne teils noch ungebauter Areale).
  2. Wohnen und Arbeiten. In: Aspern – Die Seestadt Wiens. Abgerufen am 13. August 2021.
  3. aspern Die Seestadt Wiens. In: wien.gv.at. Abgerufen am 23. Mai 2022.
  4. Bezirksgeschichte Floridsdorf. In: Wiener Bezirksmuseen. Abgerufen am 17. August 2021.
  5. Generalstadtplan Wien 1912. Abgerufen am 17. August 2021.
  6. Reinhard Seiß: Seestadt Aspern: Utopia reloaded. In: Die Presse. Abgerufen am 13. August 2021.
  7. Forschungskooperation Universität Wien, FH Campus Wien, Stadtteilmanagement Seestadt Aspern: Endbericht der Studie Besiedelungsmonitoring Seestadt Aspern II 12/2019. Wien 2019.
  8. Freizeitnutzung am See – Aspern Seestadt. In: Stadt Wien. Abgerufen am 13. August 2021.
  9. Start klar für aspern Die Seestadt Wiens. In: Presseaussendung APA-OTS. 3. Juli 2009, abgerufen am 23. Mai 2022.
  10. Wien 3420 AG. In: aspern-seestadt.at. Abgerufen am 22. Mai 2022.
  11. Anm.: Orte mit ±0,5 Winkelsekunden Abstand vom präzisen Ort liegen hier auf einem Trapez (fast Rechteck) der Höhe und Breite von jeweils 1 Winkelsekunde geografischer Breite bzw. Länge.
  12. Start klar für aspern Die Seestadt Wiens. In: orf.at. 11. April 2012, abgerufen am 23. Mai 2022.
  13. Julia Schilly: Start klar für aspern Die Seestadt Wiens. In: derstandard.at. 18. Mai 2011, abgerufen am 23. Mai 2022.
  14. Präsentation der Partitur des Öffentlichen Raums für aspern Die Seestadt Wiens. In: Presseaussendung APA-OTS. 29. Oktober 2009, abgerufen am 23. Mai 2022.
  15. Oliver Schulze, Joseph Gepp: Seestadt oder Schlafstadt? In: Falter. Nr. 45, 2009, ZDB-ID 2133088-8 (Online [abgerufen am 23. Mai 2022]).
  16. Die öffentlichen Räume der Grünen und Roten Saite Nord. In: aspern-seestadt.at. Abgerufen am 22. Mai 2022. Planungshandbuch
  17. Sima/Scheed: 80.000 m2 Grünflächen für die Seestadt Aspern! In: APA-OTS. 26. Mai 2014, abgerufen am 22. Mai 2022.
  18. Aspern: Erste Bewohner ziehen in die Seestadt. diePresse.com, 4. September 2014, abgerufen am 4. September 2014.
  19. Aspern Baugruppen. Abgerufen am 12. Dezember 2017.
  20. ktv_fbiechele: Weitere Baugruppen ziehen in die Seestadt. Abgerufen am 24. Mai 2022.
  21. aspern Seestadt Facts & Figures (Memento vom 28. Dezember 2009 im Internet Archive)
  22. Zu Fuß + mit den Öffis. In: aspern-seestadt.at. Abgerufen am 24. Mai 2022.
  23. Generelle Straßenbahnplanung. In: wien.gv.at. Abgerufen am 24. Mai 2022.
  24. Flugfeld Aspern wird zur „Seestadt“. In: derstandard.at. 26. September 2008, abgerufen am 24. Mai 2022.
  25. Autonomer Bus – Seestadt. In: wienerlinien.at. Abgerufen am 24. Mai 2022.
  26. Die Seestadt ist weiblich. (PDF; 3,6 MB) Straßennamen + Biografien der Namenspatroninnen. In: aspern-seestadt.at. 5. September 2020, abgerufen am 22. Mai 2022.
  27. Lexikon der Straßennamen. In: Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien. Abgerufen am 22. Mai 2022.
  28. 14.000 bei „Kranensee“, wien.orf.at, 15. Februar 2014 – wörtlich anspielend auf das Ballet Schwanensee
  29. KRANENSEE. Ein Ballett der Kräne in der Seestadt. In: aspern-seestadt.at. 29. Januar 2014, abgerufen am 22. Mai 2022.
  30. Notgalerie auf reinholdzisser.com, abgerufen am 9. Jänner 2021 (PDF; 13,8 MB)