Segelfluggelände Kammermark

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Segelfluggelände Kammermark
Segelfluggelaende Kammermark Richtung West.jpg
Kenndaten
ICAO-Code
Koordinaten
53° 11′ 43″ N, 12° 9′ 51″ OKoordinaten: 53° 11′ 43″ N, 12° 9′ 51″ O
88 m (289 ft.) über MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 6 km nördlich von Pritzwalk
Straße B 103, 5 km entfernt

B 189, 8 km

A 24, AS Meyenburg

Bahn Haltepunkt Falkenhagen, 5 km

Bahnhof Pritzwalk, 8 km

Nahverkehr Bus 909 (Mo–Fr)
Basisdaten
Eröffnung 1994
Betreiber Flugplatzgemeinschaft Pritzwalk-Kammermark
Flug-
bewegungen
2600 (2013); 85 % Segelflug[1]
Start- und Landebahnen
08R/26L 840 m × 40 m Gras
08L/26R 250 m × 40 m Gras

i1 i3


i7 i10 i12 i14

Das Segelfluggelände Kammermark ist ein im Nordwesten des Landes Brandenburg in der Prignitz gelegener Flugplatz. Betreiber ist die aus Vertretern der Akademischen Fliegergruppe und der Akademischen Fliegervereinigung Berlin gebildete Flugplatzgemeinschaft Pritzwalk-Kammermark GbR (FPK).

Gelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugplatz befindet sich etwa sechs Kilometer nördlich der Stadt Pritzwalk an der Landstraße Richtung Preddöhl bei der Siedlung Kammermark. Er liegt auf einer Höhe von 88 m (289 ftMSL und umfasst eine Fläche von 1100 × 200 Metern in Ost-West-Ausrichtung. Als Grasplatz verfügt er über zwei unbefestigte Start- und Landebahnen sowie eine Windenschleppstrecke.[2]

In zirka zwei Kilometern Entfernung liegt südöstlich der Sonderlandeplatz Pritzwalk-Sommersberg EDBU.

Zulassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Platz ist für den Betrieb von Segelflugzeugen im Winden- und Flugzeugschleppstart, Motorsegler und Ultraleichtflugzeuge (UL) zugelassen. Motorflugzeuge mit bis zu 2 t höchstzulässiger Startmasse dürfen in Zusammenhang mit Flugzeugschlepps starten und landen. Die Motorflugplatzrunde befindet sich nördlich in 1000 ft MSL (700 ft bei ULs).[3]

Funkfrequenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die VHF-Sprechfunkfrequenz des Fluggeländes ist 123,500 MHz; Rufname der Bodenstation ist „Kammermark Start“.[3]

Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Segelflugzeughalle (Im Vordergrund Rumpf einer SB 5 b)

Neben einer Segelflughalle existiert als Anbau eine Halle, die hauptsächlich der Hangarierung von Motorflugzeugen dient. Im ehemaligen Gutshaus befindet sich das Vereinsheim mit Flugvorbereitungs- und Schulungsraum, einer Küche und Schlafräumen. Werkstatt und Fahrzeughallen sind in einer ehemaligen Scheune, Stellplätze für Segelflugzeuganhänger unter Schleppdächern vorhanden.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flugbetrieb mit Startwinden der Akaflieg Berlin und des Flugtechnischen Vereins Spandau (im Hintergrund) während der Berliner Landesmeisterschaft 2013

Startwinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Segelfluggelände ist neben einer Winde der Bauart Tost auf einem Magirus-Deutz Sirius-Fahrgestell eine Doppeltrommel-Eigenentwicklung der Akaflieg Berlin stationiert. Diese entstand parallel zum Bau eines Segelflugzeuges hoher Abflugmasse ab Mitte der 1980er-Jahre unter Verwendung eines 10-Zylinder-Dieselmotors mit 235 kW (320 PS). 2004 wurden die bisherigen 1000 Meter Stahlseil je Trommel nach Modifikation der Notkappvorrichtung und Einlaufkanäle gegen Kunststoffseile getauscht.

Montiert ist die Startwinde auf einem allradgetriebenen Tatra 148, der bis 1990 als Flugplatz-Tanklöschfahrzeug der Nationalen Volksarmee Dienst tat.[4]

Flugbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Segelflugausbildung auf doppelsitzigen Grob G103

In der Segelflugsaison von Anfang April bis Ende Oktober findet an den Wochenenden Flugbetrieb statt.

Flugausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beide Vereine am Platz kooperieren bei der Ausbildung zum Luftfahrerschein für Segelflugzeugführer (SPL – Sailplane Pilot License oder LAPL(S) – Light Aircraft Pilot License (Sailplanes)) und der zusätzlich Berechtigung für Reisemotorsegler (TMG – Touring Motor Glider). Die Flugausbildung wird auf drei doppelsitzigen Segelflugzeugen Grob G 103, den einsitzigen LS4, Discus, ASW 24 sowie einem Motorsegler SF 25 C absolviert. In Fluglehrerlehrgängen 1994, 1997, 1998 und 2000 wurden in der Mehrzahl Aspiranten aus den Neuen Bundesländern zu Segelfluglehrern ausgebildet. Jeweils im September werden für Nichtmitglieder Ausbildungskurse wie der Hertel-Lehrgang angeboten.[5]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fluggelände ist alle drei Jahre Austragungsort des Schimmelcups – dem Prototypvergleichsfliegen der Akademischen Fliegergruppen.[6][7] 2001 fand erstmals im Land Brandenburg das Bundesjugendvergleichsfliegen statt. 2013 war die Akademische Fliegervereinigung Ausrichter der zweiten Berliner Segelflugmeisterschaft.[8] Studenten der Technischen Universität Berlin absolvieren in Kammermark Abschnitte der Lehrveranstaltungen Theorie und Praxis des Segelflugs[9] und das Experimentelle Fliegen.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach etwa dreißig Jahren als Gast auf den Flugplätzen Braunschweig-Waggum und „Großes Moor“ bei Ehlershausen suchte die Berliner Akademische Fliegergruppe nach Ende der deutschen Teilung 1989 nach einer näher an Berlin gelegenen Flugmöglichkeit. Bei mehreren Sondierungsfahrten – unter Anderem wurde der Flugplatz Stölln/Rhinow besichtigt, auf dem die Berliner Akaflieg zu Beginn der 1920er-Jahre geflogen war – konnte sich nirgends mit den Betreibern bestehender Fluggelände auf eine Kooperation geeinigt werden. Im ehemaligen Stadtgut Pritzwalk, zirka 130 Kilometer von Berlin entfernt, wurde schließlich ein Gelände gefunden, das von der Stadtverwaltung bereits für die Anlage eines Flugplatzes vorgesehen war. Am 1. April 1993 wurde ein Pachtvertrag geschlossen und der Rest des Jahres mit der Flugplatzeinrichtung und dem Umzug aus Niedersachsen verbracht. Die Betriebserlaubnis erfolgte am 30. März 1994; der erste Start am 2. April 1994. Von 1996 bis 1998 folgte der Bau einer Motorflughalle, angrenzend an den zur Flugzeughalle umgebauten Schafstall.[10]

Stationierte Luftfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Motorsegler Scheibe SF 25 C bei der Landung

(Quellen: [11][12])

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Startstatistik 1994–2013. In: kammermark.de. 19. Januar 2014, abgerufen am 17. September 2015 (PDF; 20 kB).
  2. Segelfluggelände Kammermark. In: kammermark.de. Abgerufen am 11. August 2015.
  3. a b Flugbetriebsregelung für das Segelfluggelände Kammermark (Auszug aus NfL I-206-14). Abgerufen am 11. August 2015 (PDF; 110 kB).
  4. Winde und Fahrzeuge. In: akaflieg-berlin.de. Abgerufen am 12. August 2015.
  5. a b Veranstaltungen Kammermark. In: kammermark.de. Abgerufen am 16. August 2015.
  6. Schimmelcup. In: idaflieg.info. Abgerufen am 16. August 2015.
  7. Schimmelcup 2015. In: lilienthaler-online.de. Abgerufen am 16. August 2015.
  8. Christamaria Ruch: Der Goldene Bär von Kammermark. 2. Berliner Landesmeisterschaften im Segelfliegen. In: Märkische Allgemeine Zeitung. 29. Juli 2013, abgerufen am 29. März 2016.
  9. J. Lohse: Lehrveranstaltung Theorie und Praxis des Segelfluges. In: aero.tu-berlin.de. 10. April 2015, abgerufen am 16. August 2015.
  10. Akademische Fliegergruppe Berlin (Hrsg.): 100 Jahre Akaflieg Berlin. Lukas Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86732-095-5, S. 144–154.
  11. Flugzeugpark AFV Berlin. In: afv-berlin.de. Abgerufen am 12. August 2015.
  12. Flugzeuge. In: akaflieg-berlin.de. Abgerufen am 12. August 2015.