Seidenspinnen (Gattung)

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Seidenspinnen

Seidenspinne (Nephila sp.)

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Radnetzspinnen (Araneoidea)
Familie: Seidenspinnen (Nephilidae)
Gattung: Seidenspinnen
Wissenschaftlicher Name
Nephila
Leach, 1815

Die Seidenspinnen (Nephila) sind eine Gattung tropischer und subtropischer Echter Webspinnen aus der Familie der Seidenspinnen (Nephilidae) und umfassen 23 Arten.[1] (Stand: Juni 2016)

Gelegentlich werden sie Goldene Radnetzspinnen (engl.: golden (silk) orb-weavers) genannt. Ihren englischen Namen silk spider erhielten sie wegen ihrer feinen, aber stabilen Fäden, deren Herstellung auch Gegenstand der Forschung ist. Im konischen Hinterleib, der teilweise auffällig bunt gemustert ist, liegt der Spinnapparat. Er enthält bei den weiblichen Tieren sechs verschiedene Typen von Spinndrüsen. Die Spinnen sind langbeinig und 2 bis 6 cm groß.

Netzbau, Verhalten und Beutefang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seidenspinnen weben sehr große und stabile Spinnennetze, bei denen die untere Hälfte deutlich ausgeprägter ist. Die Fangspirale verläuft pendelförmig von einer Seite zur anderen. Nur die Hilfsspirale umrundet den gesamten Kreis. Über der Nabe, dem Sitzplatz der Spinne, weben sie einen gewölbten Sonnenschutz zur Thermoregulation, das sogenannte barrier web, welches auch als eine Abwandlung des sogenannten Stabilimentes gesehen wird. Der Faden der Seidenspinnen zeigt insbesondere bei Sonneneinstrahlung einen charakteristischen Goldschimmer.

Bei direkter Sonneneinstrahlung ändern die Spinnen auch ihre Körperhaltung und richten sich in Längsrichtung zu den einfallenden Sonnenstrahlen aus, sodass die exponierte Fläche geringer ist. Möglicherweise bieten auch die Guanineinlagerungen, welche die auffälligen Muster auf dem Hinterleib erzeugen, einen Wärmeschutz durch Reflexion. Bei steigender Hitze ziehen sich Seidenspinnen in den Schatten ihres Sonnenschutzes zurück. Bei über 40 °C tritt eine Art Narkosezustand, der Hitzestupor, ein. Bei Kälte wird der Körper quer zur Sonneneinstrahlung ausgerichtet, sodass die Körperoberfläche so viele Sonnenstrahlen wie möglich auffangen kann, wodurch die Körpertemperatur steigt.

Die Seidenspinnen fangen ihre Beute hauptsächlich mit ihren großen Netzen. Verfängt sich ein Tier passender Größe darin, spinnen sie es erst kurz ein und beißen dann zu, um ihr Gift über die Cheliceren zu injizieren. Im Anschluss wird die Beute zur Nabe transportiert und vollständig eingesponnen. Schließlich wird sie zum Fressen vom Netz abgelöst. Dies ist zeitaufwändig, macht aber den sicheren Transport größerer Tiere möglich. Mit ihren sehr festen Netzen können diese Spinnen selbst kleine Vögel erbeuten, was in Australien mit Fotos dokumentiert werden konnte.[2]

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seidenspinne (Nephila sp.)

Zwischen 1990 und 2006 wurde die Gattung Nephila Leach, 1815 zu der Familie der Echten Radnetzspinnen (Araneidae) gezählt. Im Jahr 2006 übernahm der World Spider Catalog die Einteilung in die revidierte Familie der Seidenspinnen (Nephilidae) auf der Basis der Argumentation von Matjaž Kuntner.[3] Die Gattungen Nephilengys L. Koch, 1872 und Nephilingis Kuntner, 2013 enthalten weitere Arten, die früher zur Gattung Nephila gestellt wurden.

Die Gattung der Seidenspinnen umfasst 23 Arten mit teilweise mehreren Unterarten:[1] (Stand: Juni 2016)

Fossilfunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In China wurde in den Daohugou-Schichten, die ins Jura gestellt werden, ein fossiles Weibchen einer Spinnenart gefunden, das in die Gattung Nephila gestellt und Nephila jurassica benannt wurde. Es handelt sich um die größte bisher gefundene fossile Webspinne überhaupt.[4] Allerdings wurden bald Zweifel an der Zuordnung laut, da das Fossil keine Autapomorphien der Seidenspinnen zeigt. Später wurde in denselben Schichten ein Männchen gefunden, dass aufgrund ähnlicher Merkmale als derselben Art zugehörig gewertet wird. An diesem wurde klar erkennbar, dass diese Art nicht zur Gattung Nephila gehört haben kann. Die Art wurde nun, von demselben Autorenteam, in eine eigene, ausgestorbene Gattung Mongolarachne, in einer Familie Mongolarachnidae, gestellt und wird dem entsprechend heute Mongolarachne jurassica genannt. Mongolarachne gehört, der Analyse zufolge, in die Stammgruppe der Radnetzspinnen.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Seidenspinnen (Nephila) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Nephila im World Spider Catalog

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog Version 17.0 – Nephila. Abgerufen am 13. Juni 2016.
  2. Giant spider eating a bird caught on camera. In: The Telegraph. 22. Okt 2008. (englisch)
  3. M. Kuntner: Phylogenetic systematics of the Gondwanan nephilid spider lineage Clitaetrinae (Araneae, Nephilidae). In: Zoologica Scripta. 35(1), 2006, S. 19–62. (PDF)
  4. Paul A. Selden, ChungKun Shih, Dong Ren (2011): A golden orb-weaver spider (Araneae: Nephilidae: Nephila) from the Middle Jurassic of China. Biology Letters 7 (5): 775-778. doi:10.1098/rsbl.2011.0228 (open access)
  5. A. Selden, ChungKun Shih, Dong Ren (2013): A giant spider from the Jurassic of China reveals greater diversity of the orbicularian stem group. Naturwissenschaften 100: 1171–1181. doi:10.1007/s00114-013-1121-7 (open access)