Seidensticker Halle

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Seidensticker Halle
Aussenansicht1.jpg
Außenansicht
Daten
Ort Werner-Bock-Straße 35
DeutschlandDeutschland Bielefeld, NRW
Koordinaten 52° 1′ 32,5″ N, 8° 33′ 3,9″ OKoordinaten: 52° 1′ 32,5″ N, 8° 33′ 3,9″ O
Eigentümer Stadt Bielefeld
Baubeginn 20. Oktober 1989
Eröffnung 5. März 1993
Oberfläche PVC-Bodenbelag
Kapazität 7.500 Plätze (maximal)

Die Seidensticker Halle in Bielefeld im Nordosten von Nordrhein-Westfalen ist eine multifunktionale Großsporthalle und Veranstaltungsort für Konzerte und andere Großereignisse.

Lage und Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Seidensticker Halle liegt innenstadtnah im Bielefelder Stadtbezirk Mitte an der Werner-Bock-Straße. Nördlich der Halle liegt eine Kleingartenanlage, im Osten befindet sich die die Feuerwehr der Stadt Bielefeld. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand sich bis 2003 die Diskothek PC69. In unmittelbarer Umgebung stehen den Besuchern zahlreiche Parkplätze zur Verfügung. Die Seidensticker Halle ist mit den Buslinien 24, 25 und 26 zu erreichen.

Die Halle ist von außen 118 Meter lang, 63 Meter breit und 15 Meter hoch. In der Halle steht eine Fläche von 3.700 Quadratmetern zur Verfügung. Bei Konzerten fasst die Halle unbestuhlt bis zu 7.500 Plätze, mit Stühlen sind es 4.600. Durch herabfahrbare Trennwände kann die Halle dreigeteilt werden. Für Leichtathletikwettbewerbe stehen vier Laufbahnen zur Verfügung, die in den Kurven abgesenkt werden können.[1] Die Teleskoptribünen sind beweglich und können von den Seitenwänden in die Hallemitte gefahren werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich sollte eine doppelte Dreifachturnhalle gebaut werden, wofür der Stadtrat im Jahre 1978 Planungen beauftragte. Die Halle sollte damals im Ravensberger Park gebaut werden und eine Zuschauerkapazität von 2.500 Plätzen aufweisen. Die Enge im Park und die geringe Zuschauerkapazität ließen die Planungen stocken. Im Jahre 1985 änderte der Hauptausschuß der Stadt die Planungen hin zu einer Großsporthalle mit bis zu 5.000 Zuschauerplätzen. Zwei Jahre später lehnte der Stadtrat den Bau einer Großsporthalle ab. Daraufhin wurde die Bürgerinitiative Großsporthalle, jetzt! gegründet, an der sich auch 70 Sportvereine beteiligten. Die Initiative sammelte Spenden und Unterschrieften, um den Rat umzustimmen.[1]

Schließlich stimmte der Stadtrat am 1. August 1988 doch für den Bau einer Großsporthalle. Nach Beschluß vom 16. März 1989 die Halle im Ravensberger Park entstehen. Am 15. Juni 1989 wurden die Pläne geändert und der Bau sollte an der Werner-Bock-Straße erfolgen. An der Stelle befand sich vorher ein aufgegebener Bauhof. Architekt der Seidensticker Halle war Hartmut Scheiding. Die Baukosten beliefen sich auf rund 35 Millionen Mark, die neben Spenden auch durch Zuschüsse des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert wurde. Die Firma Seidensticker spendete darüber hinaus vier Millionen Mark. Als Dank wurde die Halle nach der Firma benannt.[1]

Die Grundsteinlegung für die Seidensticker Halle war am 20. Oktober 1989. Der Bau verlief nicht ohne Komplikationen. Im Untergrund wurden neben Altlasten des Bauhofs noch ein Untergrund aus Schieferton vorgefunden. Für den Bau der Halle durfte das Grundwasser nicht abgesenkt werden. Als Fundament wurden mit Sand gefüllte Betonklötze verwendet. Außerdem mussten acht Pumpen ununterbrochen laufen. Schließlich wurde die Seidensticker Halle am 5. März 1993 feierlich eröffnet.[1]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Seidensticker Halle ist Heimspielstätte des Handball-Vereins TSG Altenhagen-Heepen. Die Mannschaft spielte von 1993 bis 2003 in der 2. Bundesliga. Die deutsche Handballnationalmannschaft der Männer spielte mehrfach in der Seidensticker Halle. Am 26. Juni 1993 besiegte das Team Israel mit 27:13. Mit einem 21:21-Unentschieden endete am 6. November 1994 ein Spiel gegen Russland. Im vorerst letzten Spiel am 31. Mai 2003 gewann die deutsche Mannschaft mit 28:27 gegen Norwegen.[2] Auch andere Handballmannschaften nutzten die Seidensticker Halle. Der TBV Lemgo trug das Hinspiel im Europapokal der Pokalsieger gegen den CB Cantabria Santander aus Spanien in der Seidensticker Halle aus, da die heimische Lipperlandhalle damals nur 2.000 Zuschauerplätze aufwies. Die HSG Gütersloh im September 2011 zum DHB-Pokalspiel gegen den Bundesligisten HSV Hamburg nach Bielefeld aus.[3]

Weitere Sportarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Halle war von 1998 bis 2000 und ist seit 2003 Austragungsort der Deutschen Badmintonmeisterschaft. Am 19. Dezember 1999 trug die Basketball-Bundesliga ihr All-Star Game in der Seidensticker Halle aus. Auch das Showteam der Harlem Globetrotters spielte in Bielefeld.[1] Die deutsche Männernationalmannschaft im Volleyball absolvierte ein Länderspiel gegen die USA in der Seidensticker Halle.[1] Weitere regelmäßige Veranstaltungen sind das Motorrad-Trial sowie Leichtathletikmeisterschaften oder die Endrunde der Bielefelder Hallenstadtmeisterschaft im Fußball, die seit 2014 in der Seidensticker Halle ausgespielt wird.

Auch mehrere Boxkämpfe wurden in der Seidensticker Halle ausgetragen. Am 29. Dezember 2007 verlor der aus Bielefeld stammende Marco Huck gegen Steve Cunningham, während sich Yoan Pablo Hernández gegen Mohamed Azzaoui durchsetzte. Am 20. September 2008 gewann Marco Huck gegen Jean Marc Monrose und Cecilia Brækhus schlug Cimberly Harris. Im Jahre 1999 fand die Weltmeisterschaft der Standardtänze in Bielefeld statt, ebenso wie die Europameisterschaft der Lateinamerikanischen Tänze.[1] Die deutschen Meisterschaften im Tischtennis wurden 1996, 2003, 2009 und 2016 in der Seidensticker Halle ausgetragen.[4]

Die Seidensticker Halle ist Teil der Fußballroute NRW. Am 7. Mai 2013 feierte der Verein Arminia Bielefeld sein hundertjähriges Vereinsjubiläum in der Seidensticker Halle. 3.500 Zuschauer sahen die von Ingolf Lück modierierten Feier.[5]

Konzerte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenige Tage nach Eröffnung der Halle spielte der britische Sänger Chris Rea das erste Konzert in der Seidensticker Halle. Später spielten nationale wie internationale Musiker wie Elton John, André Rieu, Beyoncé, Joe Cocker, Sting, Udo Jürgens, die Backstreet Boys, Chris de Burgh, Die Toten Hosen, Herbert Grönemeyer, Genesis, Metallica, Otto Waalkes[1], Ich + Ich und Unheilig in Bielefeld.

Parteitage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Mai 1999 führte die Partei Bündnis 90/Die Grünen einen Sonderparteitag unter dem Motto „Frieden und Menschenrechte vereinbaren“ durch. Dabei wurde der damalige Bundesaußenminister Joschka Fischer vor seiner Rede zum Nato-Einsatz im Kosovo Opfer eines Farbbeutelattentats. Fischer erlitt dabei einen Riss des Trommelfells im rechten Ohr. Eine Mehrheit der Grünen-Delegierten sprach sich auf dem Parteitag für eine Fortsetzung des NATO-Bombardements im Kosovo aus. Der Parteitag wurde vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel als „Kriegsparteitag“ bezeichnet.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Joachim Uthmann: Jubiläum: Die Bielefelder Seidenstickerhalle wird 25 Jahre alt. Neue Westfälische, abgerufen am 18. März 2018.
  2. Sven Webers: DHB-Länderspiele männer. Bundesligainfo.de, abgerufen am 17. März 2018 (PDF).
  3. Uwe Kramme: Einmaliges Erlebnis. Neue Westfälische, abgerufen am 18. März 2018.
  4. Deutsche Meisterschaften 2016 in Bielefeld. Der Tagesspiegel, abgerufen am 18. März 2018.
  5. Bielefeld Seidensticker Halle. Deutsche Fußball Route, abgerufen am 18. März 2018.
  6. Paul Lersch, Hartmut Palmer, Hajo Schumacher und Hans-Jörg Vehlewald: D-Day in Bielefeld. Spiegel Online, abgerufen am 18. März 2018.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Seidensticker Halle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien