Seidewinkel

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Gemeinde Elsterheide
Koordinaten: 51° 27′ 23″ N, 14° 14′ 36″ O
Höhe: 116 m ü. NN
Fläche: 8,78 km²
Einwohner: 469 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 53 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1995
Postleitzahl: 02979
Vorwahl: 03571
Luftbild

Seidewinkel, obersorbisch Audio-Datei / Hörbeispiel Židźino?/i, ist ein Dorf in der ostsächsischen Oberlausitz. Es ist ein Ortsteil der Gemeinde Elsterheide und liegt im Landkreis Bautzen.

Geografie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriegerdenkmal

Seidewinkel liegt etwa einen Kilometer nördlich der Stadt Hoyerswerda und gehört damit zum Siedlungsgebiet der Sorben.

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand wurde Seidewinkel (Židźino) in einer am 28. März 1401 – am Montag nach Palmarum – in Prag ausgestellten Urkunde erstmals erwähnt. Die betreffende Urkunde befand sich ehemals im Staatsarchiv Breslau und gilt als Kriegsverlust. Sie ist in Oberlausitzer Beiträge – Festschrift für Richard Jecht, Görlitz 1938, Seite 230 enthalten.

Heinrich von der Duba übte (nach Knothe) seine erbherrschaftlichen Rechte bis 1441 aus.[1] Durch Kriege, Heirat, Verkauf oder Verpfändung unterstand die Herrschaft Hoyerswerda und damit auch Seidewinkel den unterschiedlichsten Regierungen und Herrschaften – gehörte zeitweise zu Böhmen (und somit von 1469 bis 1493 zu Ungarn), Sachsen oder Preußen.

Der Ort lag damals wahrscheinlich weiter westlich in einem Bogen der Schwarzen Elster. Der Fluss brachte oft Überschwemmungen, unter denen die Dorfbevölkerung und seine Ackerflächen zu leiden hatten. Daher haben die Bauern ihrer Höfe später am jetzigen Ort angelegt.

Gasthof in Seidewinkel

Die Einwohner des Dorfs hatten dem Schloss-Vorwerk Hoyerswerda Dienst ezu leisten. „Wenn von Herrschafts-Bediensteten jemand heraus kam, so musste diese der Richter selbst versorgen.“ Im Jahr 1744 verzeichnet die Kullmann-Chronik für Seidewinkel u. a. zwei Richtergüter, die Kullmann-Chronik für das Jahr 1852 vier Erbrichtergüter.

Nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses 1815 kam das Gebiet der Herrschaft Hoyerswerda zu Preußen, anfangs zur Provinz Brandenburg. Im Jahr 1825 wurde Hoyerswerda dem Regierungsbezirk Liegnitz in der Provinz Schlesien als selbständiger Kreis angegliedert.

Seidewinkel bildete vom 1. Januar 1991 bis zum 30. Juni 1995 mit Nardt und Bergen-Neuwiese eine Verwaltungsgemeinschaft, war jedoch eine weitgehend selbstständige Gemeinde mit einer ehrenamtlichen Bürgermeisterin.

Zum 1. Juli 1995 schlossen sich Seidewinkel und weitere acht Gemeinden zur Gemeinde Elsterheide mit Verwaltungssitz in Bergen zusammen.[2] Neben dem Aufbau der Infrastruktur und den gemeinsamen Aufgaben bei der Bergbausanierung sollen der ländliche Status und somit die Sitten und Bräuche in den einzelnen Ortsteilen erhalten werden.

Mit den verschiedenen Arten seiner Trachten und der kirchlichen Verwaltung gehört Seidewinkel zum Kirchspiel Hoyerswerda (Gemeinde der Johanneskirche Hoyerswerda).

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schreibweise des Ortsnamens wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte von Sydewinkel (1401), Seydewingkil (1462) und Seydewinckel (1568) zur heutigen deutschen Form, bzw. über Schidziny (1800) und Zidźin (1831) zur heutigen sorbischen. Sehr wahrscheinlich weist der Name auf ein Dorf im Winkel zwischen zwei Wasserläufen hin, analog zu ähnlichen sorbischen Ortsnamen wie Židow, abgeleitet von žid – „flüssig“.

In der Chronik von Pfarrer Salomon Gottlob Frentzel finden wir 1744: „Es hat seinen Namen von dczi denuko, ist das, gehe in den Winkel, es liegt gleichsam als wie in einem Winkel, gegen dem Holze zu.“ Im Kullmann-Verlag heißt es 1852: „Seidewinkel lag sonst weiter westlich unweit der Elster, links des jetzigen Dammes, wo ein ziemlich großes Ackerstück von 2 Seiten mit Wasser eingeschlossen (gleich einem Winkel) noch jetzt ‚stare‘ (alt) genannt wird.“ Jan Meschgang erklärt den Namen jedoch in Ortsnamen der Oberlausitz 1973 wie folgt: „Seidewinkel scheint der im Winkel gelegene Ort eines Seidel gewesen zu sein, d. h. abseits im Hoyerswerdaer Forst hinter der Schwarzen Elster. Seidel ist eine Kurzform von Siegfried.“

Bevölkerung und Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerungszahl von 408, darunter 407 Sorben und nur ein Deutscher.[3] Ernst Tschernik zählte 1956 einen sorbischsprachigen Bevölkerungsanteil von noch 73,3 %.[4] Seitdem ist der Gebrauch des Sorbischen im Ort weiter zurückgegangen.

Einige alte sorbische Bräuche bestimmen jedoch bis heute das Dorfleben. Dazu zählen das Zampern und das Fastnachtsbiertrinken der Männer während der Faschingszeit. Am 30. April folgt das jährliche Hexenbrennen und im Mai das Maibaumwerfen.

Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Springbrunnen im Ortszentrum

Mittelpunkt des Dorfes ist der Platz um die Friedenseiche und den Springbrunnen. Seidewinkel verfügt über einen Bolzplatz, einen Volleyballplatz, einen Kinderspielplatz, einen Friedhof, eine kleine Kapelle und eine Gaststätte.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Seidewinkel/Židźino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Knothe: Geschichte der Herrschaft Hoyerswerde bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. In: Karl von Weber (Hrsg.): Archiv für die Sächsische Geschichte. Band 10. Tauchnitz, Leipzig 1872, S. 254 (Online in der Google-Buchsuche).
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995
  3. Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954.
  4. Ludwig Elle: Sprachenpolitik in der Lausitz. Domowina-Verlag, Bautzen 1995, S. 250.