Seifersdorf (Wachau)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Seifersdorf
Gemeinde Wachau
Koordinaten: 51° 9′ 30″ N, 13° 52′ 0″ O
Höhe: 235 m ü. NN
Eingemeindung: 1. Januar 1994
Postleitzahl: 01454
Vorwahl: 03528
Seifersdorf (Sachsen)
Seifersdorf

Lage von Seifersdorf in Sachsen

Seifersdorf auf einer Karte aus dem 19. Jahrhundert

Seifersdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Wachau im Landkreis Bautzen in Sachsen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seifersdorf liegt in der gleichnamigen Gemarkung im Westen der Gemeinde Wachau im Radeberger Land. Es ist umgeben von den anderen Wachauer Ortsteilen Lomnitz im Norden, Wachau selbst im Osten und Feldschlößchen im Südosten. Südlich benachbart ist der Radeberger Ortsteil Liegau-Augustusbad, südwestlich der Dresdner statistische Stadtteil Langebrück/Schönborn. Im Westen bzw. Nordwesten grenzen die Ottendorf-Okrillaer Ortsteile Grünberg (mit Diensdorf) und Ottendorf an.

Seifersdorf erstreckt sich etwa in Nordwest-Südost-Richtung auf einer Hochfläche östlich über dem Tal der Großen Röder, die hier die Grenze zu Schönborn markiert. Dieser nach dem Ort als Seifersdorfer Tal bezeichnete Abschnitt ist für seinen ab 1781 angelegten Landschaftsgarten bekannt, der somit zu den ältesten seiner Art in Deutschland gehört. Westlich von Seifersdorf schneidet sich der Tiefe Grund, ein kurzes Kerbtal, in das Gelände ein. Das Dorf ist umgeben von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Wichtigste Erhebungen sind der Steinberg mit einer Höhe von 264, der Burgberg mit 250 und der Diensdorfer Berg mit 232 m ü. NN. Die Wohnbebauung liegt größtenteils innerhalb des vom Schloss Seifersdorf dominierten Dorfkerns sowie einer sich nordwestlich anschließenden Kleinsiedlung.

Durch Seifersdorf verläuft unter dem Namen Tina-von-Brühl-Straße die Staatsstraße 177. Unmittelbar nordwestlich der Ortslage besteht an der Abfahrt 84 Ottendorf-Okrilla Anschluss an die Bundesautobahn 4. Von der S177 zweigen die Wachauer, Lomnitzer und Schönborner Straße ab, die in die entsprechenden Nachbarorte führen. Im Dorfkern liegen noch die Straßen Kirchgasse, Bäckerberg und Am Steinberg. Weitere Straßennamen in Seifersdorf lauten Siedlung, An den Dorfwiesen, Brückweg, Brauereiweg und Seifersdorfer Tal. An den ÖPNV ist Seifersdorf Montag bis Freitag über die Buslinie 317 des Regionalverkehrs Dresden angebunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname Seifersdorf fand 1335 erstmals Erwähnung als „Syffridisdorf“.[1] Er ist deutschen Ursprungs und bedeutet „Dorf eines Sigfrid“, bezieht sich also auf einen Lokatornamen. Analog dazu bildeten sich auch die Ortsnamen zahlreicher Dörfer der Umgebung, darunter Lotzdorf, Cunnersdorf und Hermsdorf. Aus späterer Zeit sind unter anderem die Formen „Syfirstorf“, „Seifferschdorff“ und „Seifferstorff“ überliefert. Um Seifersdorf von gleichnamigen Orten in Sachsen unterscheiden zu können, bezeichnete man es ab 1875 als „Seifersdorf b. Radeberg“.[2] Im September 2018 wurde die Ortschronik unter dem Titel „Seifersdorf bei Radeberg“ veröffentlicht.[3]

Älteste Siedlungsspuren auf der Flur sind die Reste eines bronzezeitlichen Burgwalls auf dem Burgberg.[4] Seifersdorf entstand dann im Zuge der Deutschen Ostsiedlung durch Rodungen inmitten eines zusammenhängenden Waldgebiets, das unter anderem aus Friedewald, Karswald, Massenei, Dresdner, Laußnitzer und Königsbrücker Heide bestand. Die Bewohner Seifersdorfs lebten vorwiegend von der Landwirtschaft; sie bewirtschafteten 13 Hufen zu je 16 bis 24 Scheffeln. Das zweireihige Reihendorf war im Jahr 1900 von einer 839 Hektar großen waldhufenartigen Streifenflur umgeben.

Bereits um 1500 bestand im Ort eine Pfarrkirche. Die Grundherrschaft in dem Ort übten jahrhundertelang die Besitzer des bereits 1454 erwähnten Seifersdorfer Rittergutes aus, aus welchem das zuletzt von 1819 bis 1823 durch Karl Friedrich Schinkel im Stil der englischen Neogotik umgestaltete Schloss Seifersdorf hervorging.[5] Die Verwaltung des Ortes oblag bis Mitte des 19. Jahrhunderts dem Amt Dresden. Ab 1856 gehörte Seifersdorf zum Gerichtsamt Radeberg und kam danach zur Amtshauptmannschaft Dresden. Auf Grundlage der Landgemeindeordnung von 1838 erlangte Seifersdorf seine Selbständigkeit als Landgemeinde. Ab 1952 gehörte es zum Kreis Dresden-Land, nach dessen Auflösung dann zum Landkreis Kamenz und seit 2008 zum Landkreis Bautzen. Im Jahr 1994 schloss sich Seifersdorf gleichzeitig mit Leppersdorf und Wachau zur Großgemeinde Wachau zusammen. Es handelt sich dabei um keine Eingemeindung, vielmehr um einen freiwilligen Zusammenschluss.

2015 erwarb ein Seifersdorfer Einwohner das Gebäude des ehemaligen Gasthofes Zum Treuen Hunde und saniert dieses seitdem nach Denkmalschutzvorgaben. Seit dem Tag des offenen Denkmals 2018 sind am Brühlschen Obergasthof, so seine frühere Bezeichnung, die Baugerüste abgebaut. Aktuell sind Innenausbauarbeiten noch notwendig, bis das Gebäude einschl. der Außenanlagen wieder vollständig instandgesetzt ist.

Gasthof" Zum treuen Hunde".jpg

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1551 41 besessene Mann, 4 Häusler, 48 Inwohner
1764 32 besessene Mann, 33 Häusler
1834 599
1871 683
1890 719
1910 712
1925 789
1939 842
1946 1085
1950 1050
1964 898
1990 614

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Gemeinde Berg (Schussental) unterhält Seifersdorf eine Partnerschaft.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Moritz Christian Maximilian Clemens Graf von Brühl (* 1746; † 31. Januar 1811 in Seifersdorf), Generalinspekteur, Rittergutsbesitzer, Übersetzer und Zeichner
  • Christina von Brühl (* 1. Januar 1756 in Mauberge; † 3. Juli 1816), Landschaftsgestalterin und Schriftstellerin
  • Carl von Brühl (* 1772 in Pförten; † August 1837 in Berlin), Intendant der königlichen Theater Berlin von 1815 bis 1828
  • Karl Andreas Friedrich Wilhelm Moritz Vincenz von Brühl-Renard (* 22. Januar 1853 in Dresden; † 31. Dezember 1923 in Groß Strehlitz/Oberschlesien), letzter Seifersdorfer Graf; Landtagsabgeordneter; Rittergutsbesitzer; Mitbegründer und Stifter der Tobiasmühle Radeberg 1889 und Mitbegründer der Epileptischen Anstalten Klein-Wachau und Hausvorsteher bis zu seinem Tod
  • Hans Moritz Hauke (1775–1830), Berufssoldat, Stellvertretender Kriegsminister von Kongress-Polen
  • Karl Josef Friedrich (* 17. Juni 1888 in Dresden; † 17. Juli 1965 in Seifersdorf), evangelischer Pfarrer und Schriftsteller mit zeichnerischer und musikalischer Begabung, von 1927 bis zu seiner Emeritierung 1959 Pfarrer in Seifersdorf

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dresdner Heide, Pillnitz, Radeberger Land (= Werte unserer Heimat. Band 27). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1976, S. 44ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Seifersdorf (Wachau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 12856 Domkapitel Meißen (D), Nr. 263
  2. Ernst Eichler, Hans Walther: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Bd. 2, Berlin 2001, S. 406f.
  3. Autorenkollektiv: Seifersdorf bei Radeberg Chronik und Heimatbuch. Hrsg.: Gemeinde Wachau 2018
  4. Wachau: Wallburg Seifersdorf. In: Sachsens-Schlösser.de. Abgerufen am 5. Oktober 2013.
  5. Wachau: Schloss Seifersdorf. In: Sachsens-Schlösser.de. Abgerufen am 5. Oktober 2013.