Seilbahn Wuppertal

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Seilbahn Wuppertal
Lage: Wuppertal
Gebirge: Wuppertaler Südhöhen
Länge: 2800 m[1]
Höhendifferenz: 165 m[1]
Bauart: Dreiseilumlaufbahn
Eröffnung: vorgeschlagen für 2025
Fahrtdauer: 9 Minuten[2]
Geschwindigkeit: 6 m/s (21,6 km/h)[1]
Beförderungsleistung: 3500 (7000 in beide Richtungen) Personen/h[3][1]
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0,0 Talstation: Hauptbahnhof 51° 15′ 17″ N, 7° 8′ 57″ OKoordinaten: 51° 15′ 17″ N, 7° 8′ 57″ O
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1,0 Mittelstation: Universität 51° 14′ 42″ N, 7° 8′ 48″ O
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2,8 Bergstation: Küllenhahn 51° 13′ 47″ N, 7° 8′ 36″ O

Die Seilbahn Wuppertal ist ein Projekt zur Erweiterung des öffentlichen Personennahverkehrs in Wuppertal. Sie soll den Hauptbahnhof in Elberfeld-Mitte mit der Universität (Campus Grifflenberg) und dem Ortsteil Küllenhahn nahe dem Schulzentrum Süd auf den Wuppertaler Südhöhen verbinden.

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorne links das nahe zur geplanten Talstation liegende Postgebäude; oben links die Universität sowie mittig das weiße Mensa-Gebäude; oben rechts der Fernmeldeturm Küllenhahn, hinter dem sich das Schulzentrum Süd befindet.
Der Busbahnhof Küllenhahn, dahinter das Schulzentrum Süd

Wuppertal ist eine entlang der Talachse verkehrstechnisch gut erschlossene Bandstadt mit weiteren im ÖPNV hoch ausgelasteten Relationen, insbesondere in Richtung der Südhöhen. Die Relation Hauptbahnhof–Küllenhahn (Haltestelle Hahnerberg) wird 2015 von acht Buslinien bedient. Dies sind die Linien CE64 und CE65 ohne Halt zwischen Hauptbahnhof und Küllenhahn, 607 und 635 auf direktem Weg entlang der Cronenberger Straße, 613 ebenfalls auf dieser Route – aber mit Umweg über den Dürrweg, sowie die Linien 615, 625 und 645 über den Bereich der Universität, die jeweils im 20-Minuten-Takt verkehren, sodass sich auf dieser Relation 24 Fahrten stündlich ergeben.[4] Vier weitere Linien durchfahren das Stadtquartier Hahnerberg in Richtung des Cronenberger Zentrums.

Ein Teil dieser Linien verkehrt über den Grifflenberg, wo sich der Hauptcampus der Bergischen Universität Wuppertal befindet. Dieser wird durch die zwei regulären Buslinien 615 und 645 der WSW mobil, welche auch nach Küllenhahn verkehren, direkt angebunden, die Buslinien 603 und 625 fahren im Bereich der Universität ergänzend. Diese vier Buslinien ergänzen sich zu einem Fünf-Minuten-Takt, der zu Vorlesungszeiten durch zwei E-Wagen ausgeweitet wird; einen mit Zwischenhalten auf der Relation Hauptbahnhof–Universität Campus Grifflenberg–Campus Freudenberg sowie dem Uni-Express, der mit bis zu acht Fahrten in 60 Minuten ohne weiteren Halt zwischen Hauptbahnhof und Campus Grifflenberg eingesetzt wird. Alle genannten Linien werden mit Gelenkbussen bedient und stellen zwischen Hauptbahnhof und Campus Grifflenberg einen dichten Pendelverkehr für Studenten und Anwohner her, der gerade zu Stoßzeiten – zeitweise werden mit bis zu 38 Abfahrten stündlich Richtung Universität und Hahnerberg über 5300 Mitfahrmöglichkeiten angeboten[5] – aber häufig überlastet ist.[6][7]

Aufgrund dieser beiden hochfrequentierten Zielpunkte südlich Elberfelds entstand die Idee, die beiden Quartiere Grifflenberg und Küllenhahn mit einem leistungsfähigeren Verkehrsmittel als dem Omnibus zu erschließen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Teile scheinen seit Mitte 2015 nicht mehr aktuell zu sein: weiterer Verlauf bis heute.
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Die Idee zum Bau einer Seilbahn ist seit Vorlegung eines Konzeptpapiers des Verbandes Pro Bahn im Jahr 2012 bekannt[7] und wurde bis Ende 2013 im Rahmen des Strategieprozesses Wuppertal 2025 aus über 130 Vorschlägen als eines von 13 Schlüsselprojekten erarbeitet. In einer Machbarkeitsstudie erklärte WSW mobil im Mai 2015, das Projekt sei umsetzbar und wirtschaftlich zu betreiben,[8] die Kosten in Höhe von etwa 51 Millionen Euro[6] würden zu maximal 90 Prozent durch Förderprogramme getragen.[8] Eine anschließende Vorstudie des Ingenieurbüros Schweiger mit Beteiligung des Verbandes Pro Bahn, der Stadt Wuppertal, der Universität sowie der Deutschen Bahn bestätigte daraufhin die technische und topographische Umsetzbarkeit und erarbeitete das Konzept einer Dreiseilumlaufbahn auf der Strecke Hauptbahnhof–Grifflenberg–Küllenhahn.[6] Anlässlich dieser Ergebnisse formierte sich bis Mitte Juni 2015 die Bürgerinitiative Seilbahnfreies Wuppertal,[9][10] einen Monat später folgte das Pendant Pro Seilbahn.[11] Mitte Juli boten die WSW beiden Parteien einen Ausflug nach Koblenz inklusive Besichtigung der dortigen Seilbahn an, um beiderseits neue Einsichten zu gewinnen.[12] Bis Ende 2015 werden die öffentlichen Diskussionen fortgesetzt, anschließend soll durch den Stadtrat entschieden werden, ob das Projekt fortgesetzt und in ein Planfeststellungsverfahren überführt wird.[8]

Topographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteil Höhe Luftlinien-
entfernung[A 1]
Straßenentfernung[A 2] Steigung bei Luftlinie Durchschnittliche Steigung (Straße)
Elberfeld-Mitte 167 m (SO)[A 3]
Grifflenberg 268 m 950 m Ausgang BahnhofstraßeHaltestelle Mensa:
1,21 km
10,6 % 8,3 %
Küllenhahn 330 m 1840 m Haltestelle Mensa
Haltestelle Hahnerberg:

2,6 km

Haltestelle Mensa
Haltestelle Schulzentrum Süd:

3,1 km

3,4 % Mensa–Hahnerberg: 2,4 %
Mensa–Schulzentrum Süd: 2,0 %

Anmerkungen:

  1. Die Luftlinienentfernung bezieht sich auf die projektierten Stationspunkte der Seilbahn
  2. Die Straßenentfernung bezieht sich in Richtung Küllenhahn auf die Haltestelle Mensa, in Richtung Elberfeld auf die Haltestelle Universität
  3. Die Höhenangabe bezieht sich auf den Hauptbahnhof.

Projektdetails[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Seilbahn soll in drei Minuten vom Hauptbahnhof zur Universität fahren und in weiteren sechs Minuten Küllenhahn erreichen, mit neun Minuten Gesamtfahrzeit wäre sie damit schneller als jedes andere Verkehrsmittel auf dieser Relation.[2]
  • Die Anlage soll als Dreiseilumlaufbahn betrieben werden, da diese mit den größten Kabinen die für Seilbahnen höchste Beförderungsleistung pro Stunde und Richtung ermöglicht und auch eine Nutzung mit Rollatoren oder Kinderwagen zulässt.[3]
  • 45 Gondeln sollen auf der Strecke eingesetzt werden, alle 32 Sekunden soll eine Gondel abfahren.[1] In der Vorstudie werden für die Vorzugsvariante 41 Kabinen genannt.[6]
  • Die Seilbahn soll insgesamt sechs Stützen besitzen und über ein Räumungskonzept verfügen, das auch bei Ausfall des Antriebs alle Kabinen bis in die nächste Station befördert.[1][3]
  • Die Seilbahn könnte gemäß einer Doppelmayr-Darstellung 5000 Fahrgäste je Stunde und Richtung befördern, was 1000 vollausgelasteten PKW oder 100 Bussen entspräche.[2] Gemäß der Vorstudie sollen es 3500 Fahrgäste je Stunde und Richtung sein, was 700 vollausgelasteten PKW oder etwa 25 vollausgelasteten Bussen mit 141 Plätzen entspräche.[6]
  • Das Seil soll sich im Mittel etwa 30 bis 40 Meter über Bebauung befinden, an der Universität etwa sechs Meter.[1] Die dichteste Überfahrthöhe von 3,75 Metern befindet sich zwischen den Streckenkilometern 1,57 und 1,60.[13]

Öffentliche Meinung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits kurze Zeit nach Veröffentlichung der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie der Wuppertaler Stadtwerke sowie der Vorstudie des Ingenieurbüros Schweiger wurden die Bürgerinitiativen Seilbahnfreies Wuppertal und Pro Seilbahn gegründet.[9][11]

Befürworter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Juli 2015 sprach sich der Stadtmarketingverein wuppertalaktiv für die weitere Verfolgung des Projekts aus und bezeichnete das Vorhaben als „zukunftsweisendes, positives Signal“. Die Seilbahn würde die Attraktivität der Stadt steigern und „den spürbaren Aufbruch in Wuppertal“ unterstreichen.[14] Oberbürgermeister Peter Jung und OB-Kandidat Andreas Mucke sehen in dem Projekt große Chancen für die Stadt und die betroffenen Ortsteile, die dadurch weiter aufgewertet würden.[15][16] Auch unter den Angestellten und Studierenden der Universität sowie den Schülern des Schulzentrums findet das Projekt aufgrund der schnelleren Anbindung ans Stadtzentrum Zustimmung.[17] Auf den Informationsveranstaltungen, die bis Juni 2015 stattfanden, sei laut Westdeutscher Zeitung die Anzahl der Befürworter größer als die der Kritiker.[18] Weitere Unterstützung bündelt die im Juli gegründete Bürgerinitiative Pro Seilbahn Wuppertal.[19] Die Bergische Universität verspricht sich von einer Seilbahn für Wuppertal enorme Vorteile.[20]

Kritiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Initiative Seilbahnfreies Wuppertal hinterfragt kritisch den Sinn des Projektes und konzentriert sich dabei auf sieben zentrale Themenbereiche:[9]

Privatsphäre der Anlieger

Die Vertreter der Initiative kritisieren die „Beschneidung“ des Grundrechts der Privatsphäre, da die Gondeln teilweise in einem Abstand von nur zwölf Metern über der Wohnbebauung und in einem 16-stündigen täglichen Betrieb verkehren würden.

Millionenschulden durch Steuerverschwendung

Es wird kritisiert, die Studien verließen sich zu sehr auf Erfahrungswerte hinsichtlich der Berechnung möglicher Kosten. Außerdem seien viele Kosten nicht aufgeführt, so beispielsweise Planungs- und Infrastrukturkosten für Parkplätze der Seilbahnfahrgäste oder Entschädigungszahlungen, sodass mit deutlichen Mehrkosten gerechnet werde.

Abwertung der Bereiche unterhalb der Trasse

Kritisiert wird die Abwertung der betroffenen Gebiete durch die Errichtung von bis zu 70 Meter hohen Stützen. Zudem müssten Naturflächen gerodet werden und die Lebensqualität der Anwohner werde gesenkt.

Geplante Streichung von Bussen

Die zwecks Taktkürzung diskutierten Linien 613, 615, 625, 635 und 645 fahren laut Vertreter 33 Haltestellen im Bereich der Seilbahnstrecke an, die zudem durch zwei CityExpress-Linien abgedeckt sei. Zudem würde die Nachfrage in Ferien- oder vorlesungsfreien Zeiten stark zurückgehen.

Weitere Großbaustelle

Kritisiert wird vor allem der Flächenbedarf des Projektes; alleine die Stützen müssten durch Trag- und Zugseile sowie Gondeln und Passagiere ein Gewicht von 275 t tragen und erforderten hierfür die Bebauung einer Fläche von etwa 400 Quadratmeter. Für die Talstation müsste ein Teil des Hauptbahnhofgebäudes abgerissen und die Bahnstrecke überbaut werden, für die Mittelstation müsste außerdem ein Teil der Max-Horkheimer-Straße überbaut werden.

Naturzerstörung für Bauverkehr und Bahntrasse

Für mindestens zwei der sechs Stützen müssten laut Initiative Waldstücke gerodet werden, außerdem würde der Bau und Betrieb der Baustraßen zahlreiche Tiere gefährden und vertreiben, darunter Fledermäuse, Rehe und Füchse.

Hahnerberg als P + R für die Innenstadt

Kritisiert werden Planungen, gemäß derer die Verkehrslage der Innenstadt durch Betrieb der Seilbahn mit umfassendem Parkplatzangebot im Bereich der Bergstation beruhigt werden soll. Hierfür müssten zudem ein Parkhaus oder eine Tiefgarage errichtet werden. Befürchtet wird außerdem, die Seilbahn werde überwiegend als „Outlet-Express“ für das am Hauptbahnhof geplante Factory-Outlet-Center genutzt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Seilbahn 2025: Strecke
  2. a b c Seilbahn 2025: Projekt Seilbahn
  3. a b c Seilbahn 2025: Technik
  4. vgl. Liniennetzplan Wuppertal auf vrr.de, Stand 2014 (PDF; 5,7 MB)
  5. Busfahrpläne WSW, abgerufen am 24. Juli 2015
  6. a b c d e Vorstudie zur Machbarkeit, Ingenieurbüro Schweiger vom 17. Mai 2015, S. 38 (PDF; 7,9 MB)
  7. a b Sachstandsbericht Strategie Wuppertal 2025, Stadt Wuppertal im November 2014, S. 20 (PDF; 260 KB)
  8. a b c Seilbahn ist möglich, wsw-online.de vom 7. Mai 2015, abgerufen am 23. Juli 2015
  9. a b c Homepage der Bürgerinitiative Seilbahnfreies Wuppertal
  10. Neue Bürgerinitiative macht mobil gegen die Seilbahn, in Westdeutsche Zeitung vom 16. Juni 2015
  11. a b Bürgerinitiative Pro Seilbahn für Wuppertal gegründet, in Westdeutsche Zeitung vom 23. Juli 2013
  12. Probefahrt überzeugt nicht alle, in Westdeutsche Zeitung vom 20. Juli 2015
  13. Streckenverlauf, abgerufen am 24. Juli 2015 (PDF; 5 MB)
  14. Zukunftsweisendes, positives Signal, in Wuppertaler Rundschau vom 8. Juli 2015
  15. Jung für Seilbahn und FOC, in Wuppertaler Rundschau vom 24. Juni 2015
  16. OB-Kandidat Mucke: „Leben in der Südstadt muss aufblühen“, in Cronenberger Woche vom 21. Juli 2015
  17. David Fleschen: Die Seilbahn teilt Wuppertal, in Die Stadtzeitung, Juli 2015, S. 3
  18. „Gemeinsinn geht vor Eigensinn“, in Westdeutsche Zeitung vom 17. Juni 2015
  19. Website der Bürgerinitiative Pro Seilbahn Wuppertal
  20. [http://www.presse.uni-wuppertal.de/de/medieninformationen/ansicht/detail/19/juni/2017/artikel/eine-seilbahn-fuer-wuppertalgespraech-mit-fraktionsspitzen-an-der-bergischen-universitaet.html Eine Seilbahn für Wuppertal: Gespräch mit Fraktionsspitzen an der Bergischen Universität.] 19. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.