Seileinband

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kausche mit Pressklemme

Der Seileinband, auch Seilendverbindung genannt, ist eine Drahtseilverbindung, die es ermöglicht, Drahtseile mit Konstruktionsteilen oder anderen Festpunkten zuverlässig und weitestgehend seilschonend zu verbinden.[1] Da Drahtseile nicht, wie beispielsweise Hanfseile, geknotet werden dürfen, ist der Seileinband als Hilfsmittel zur Seilbefestigung erforderlich.[2]

Arten von Seilendverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Gestaltung von Seileinbänden werden verschiedene Techniken angewandt.[3] Es gibt verschiedene Arten von Seileinbänden, Kauscheneinband, Seilschloss, Vergossene Seilhülse und Verpresste Stahlhülse.[2]

Kauscheneinband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kausche, auch Kausch genannt, ist ein ringförmig oder birnenförmig ausgebildeter Haltekörper, der auch als Kauschenherz bezeichnet wird.[4] Die Kausche dient als Verstärkung des sogenannten Seilauges. Mit der Kausche wird eine sichere und zuverlässige Befestigung für das Drahtseil erzielt. Beim Kauscheneinband mit Klemmen kommt es durch die Seileinquetschung zu einer Verringerung der Mindestbruchkraft des Seiles.[3]

Kausche mit Bügelklemmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kausche mit Bügelklemme

Bei dieser Art des Kauscheneinbandes wird das Drahtseil um das Kauschenherz gelegt und anschließend wird das Seilende mit dem Gegenstrang mittels Bügelklemmen (Drahtseilklemmen) befestigt.[2] Die Bügelklemmen werden so angeschraubt, dass die Klemmbügel auf dem nicht tragenden Seilteil und die Klemmbacken auf dem tragenden Seilteil sitzen.[3] Obwohl die Verbindung mittels Bügelklemmen relativ einfach ist, ist sie jedoch sicherheitstechnisch ungünstig, da an der Berührungsstelle Drahtseil-Klemmbügel hohe Biege- und Druckspannungen auftreten. Nachteilig ist auch, dass das Drahtseil an den Bügelklemmen durchlaufen kann, wenn die Bügelklemmen nicht fest genug angezogen wurden oder wenn der Seildurchmesser bei hohen Belastungen abnimmt.[2]

Kausche mit Spleißverbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stahlseilspleißverbindung, allerdings ohne Kausche

Bei diesem Kauscheneinband wird anstatt Bügelklemmen eine Spleißverbindung verwendet. Vorteilhaft bei dieser Kauschenverbindung ist die gute Kraftübertragung.[5] Allerdings ist sie nicht für Drahtseile mit unterschiedlicher Schlagrichtung geeignet. Die Herstellung der Spleißverbindung ist sehr aufwendig.[2] Außerdem kann dieser Kauscheneinband nur von speziell in der Spleißtechnik geschulten Fachkräften erstellt werden.[5]

Kausche mit flämischem Auge (gespleisst)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Kausche mit flämischem Auge wird das Seilende zunächst in Hälften mit je drei Litzen geteilt. Anschließend wird die Stahlseele halbiert. Die Seilhälften werden anschließend um das Kauschenauge gelegt und zu einem vollständigen Verband verseilt. Zusätzlich werden die Litzenenden durch konische Stahlpressklemmen mit konischem Ansatz gesichert. Vorteilhaft ist bei dieser Art des Seileinbandes ist, dass im Fall des Versagens der Pressklammer trotzdem noch eine Mindestbruchfestigkeit von 60 % bestehen bleibt. Allerdings ist das flämische Auge nur als Seileinband für Seile mit Stahlseele geeignet.[2]

Kausche mit Pressklemme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kausche mit Pressklemme

Hierbei wird das Seilende mittels einer Pressklemme mit dem Gegenstrang verbunden. Die Pressklemme besteht in der Regel aus einer Aluminiumlegierung. Die Pressklemme wird mittels hohem Druck auf die beiden Seilstücke gepresst. Durch die Pressung erreicht man den Formschluss und eine sehr gute Kraftübertragung zwischen Pressklemme und Seil.[6] Allerdings benötigt man spezielles Werkzeug und das Aufbringen der Klemme ist bei großen Seilquerschnitten zu aufwendig.[2]

Seilschloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keilendklemme mit Gabelkopf

Ein Seilschloss oder Keilendklemme besteht aus einem keilförmigen Gehäuse und dem Keil. Der Keil ist lose und wird bei der Montage in die Seilschlaufe gelegt. Ist die Klemme montiert, erhöht die Zugkraft des Seils die Haltekraft des Keils noch weiter. Das Seilende wird mittels Endklemmen am Seil gesichert.[7]

Verpresste Stahlhülse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stahlseil mit verpresster Stahlendhülse und Spannschloss

Für größere Zugkräfte oder aus ästhetischen Zwecken können Stahlseile in einer Stahlhülse verpresst werden. Im Gegensatz zur Aluminiumversion mit Kausche geschieht das ohne Gegenstrang. Statt der Kausche sind Anschlüsse als Gabelkopf, Öse oder Gewinde erhältlich.[5]

Vergossene Seilhülse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vergusshülse

Bei dieser Seilverbindung wird das Seilende in der Seilhülse, auch Seilbirne genannt, vergossen.[2] Damit die Verbindung genügend Zugfestigkeit besitzt, wird das Seilende nach dem Einführen aufgeflochten, außerdem ist die Seilhülse konisch geformt.[3] Damit es nicht zu unerwünschten sicherheitstechnischen Veränderungen der Seileigenschaften kommt, erfolgt das Vergießen der Verbindung mit Materialien, die eine unter 500° liegende Schmelztemperatur besitzen.[2] Die Kraftübertragung vom Seil auf die Seilhülse ist nach dem Abkühlen sehr gut. Das Vergießen der Seilendhülsen kann nur von besonders geschulten Fachleuten durchgeführt werden, außerdem werden spezielle Werkzeuge und Einrichtungen benötigt.[3] Seilhülsen gibt es als Gabelseilhülsen und als Ösenseilhülsen.[1] Rundlitzenseile und offene Spiralseile werden meist bis zu einem Durchmesser von ca. 40 mm mit Pressfittingen als Endverankerungen versehen, größere Seil-Durchmesser und vollverschlossene Spiralseile werden jedoch mittels metallischer Legierungen in Stahlhülsen vergossen.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1988, ISBN 3-7739-0501-7.
  2. a b c d e f g h i j Reinald Skiba: Taschenbuch Betriebliche Sicherheitstechnik. 3. Auflage, Erich Schmidt Verlag, Regensburg und Münster, 1991, ISBN 3-503-02943-5, S. 361–363.
  3. a b c d e Richard Meebold: Die Drahtseile in der Praxis. Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH, Berlin 1938, S. 39–47.
  4. Carl Hellmut Fritzsche: Lehrbuch der Bergbaukunde. Erster Band, 10. Auflage, Springer Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1961, S. 503–506.
  5. a b c Bernhard Kleinemeier: Seilverbindungen, Seilendverbindungen. In: Verein Deutscher Revisions-Ingenieure E. V. (Hrsg.): Jahrbuch 1966. Bremen Dezember 1966, 49–55.
  6. BG Bau Seilendverbindungen (zuletzt abgerufen am 21. Januar 2013).
  7. Hans Bansen (Hrsg.): Die Bergwerksmaschinen. Vierter Band, Die Schachtförderung. Verlag von Julius Springer, Berlin 1913, S. 159–177.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]