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Seillänge

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Der Begriff Seillänge beschreibt einerseits die Länge eines Seiles und andererseits im Klettersport die Strecke, die mit diesem Seil am Stück geklettert wird, bevor wieder Stand gemacht wird. Die Länge der Seile waren bis in die 1960er Jahre häufig 40 m oder 50 m, heutigen Kletterseile weisen auch eine Länge von 60 m, 70 m oder mehr auf.[1] Das bedeutet aber nicht, dass eine Strecke, die am Stück geklettert wird, ebenso lang ist. In modernen Routen können diese bis zu 50 Meter hoch sein, häufig sind diese aber kürzer. Das Klettern in Routen, die mit dieser Distanz komplett durchstiegen werden können, nennt man Einseillängen-Routen. Benötigt eine Kletterroute zwei oder mehrere Seillängen, spricht man von Mehrseillängen-Routen. Letztere können bei alpinen Routen oder in Big Walls sehr viele sein.

Einseillängen-Routen

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Eine Einseillängen-Route kann von wenigen Metern Höhe (oder Weite) bis zur maximalen Länge des Kletterseils reichen. Damit kann eine Tour in einem Zug durchstiegen werden. Viele Routen in Klettergärten und alle Routen in Kletterhallen sind typische Einseillängen-Routen. Sehr kurze Routen, etwa unter 10 m Höhe werden auch Highball Bouldern genannt und meist ohne Sicherung wie beim Bouldern geklettert.

Wird nach dem Klettern einer Einseillängen-Route der Kletterer oder die Kletterin am Seil abgelassen, muss das Seil (gut) die doppelte Länge der Kletterstrecke aufweisen. Ist das Seil zu kurz und der Sichernde merkt es nicht, kommt es zu einem Absturz über die restliche Strecke (Höhe). Diese Art von Unfällen gehören zu den häufigsten Kletterunfällen in Einseillängenrouten.[2]

Mehrseillängen-Routen

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Seilschaft in einer Mehrseillängen-Route in Sardinien, der Sichernde (im blauen Hemd) ist am Standplatz angebunden
Verlauf einer Mehrseillängen-Route, die roten Punkte sind die Standplätze. Dies ist die Route Brych am Oberreintalturm mit 9 Seillängen.

Eine Seillänge ist die Distanz zwischen zwei Sicherungspunkten (Standplätzen), die durchgehend geklettert wird. Mehrseillängen-Routen sind Kletterrouten, die aus zwei oder mehreren hintereinander folgenden Seillängen bestehen. Die gesamte Kletterroute wird in diese einzelne Abschnitte zerlegt, da die Länge des Seils nicht für die gesamte Kletterstrecke ausreicht.[3] Die einzelnen Abschnitte – Seillängen – können unterschiedlich lang sein, da man sich am Fels und den Möglichkeiten für einen Standplatz orientiert. Die Länge des Seils muss mindestens der längsten Seillänge entsprechen. Meist wird im alpinen Bereich aber mit zwei Halbseilen geklettert, da diese Redundanz bieten und man mit diesen wieder komplett von einem Standplatz zum nächsten abseilen kann.[4]

Die Vorgehensweise bei Mehrseillängen-Routen ist üblicherweise:[5]

  • Der Vorsteiger oder die Vorsteigerin begibt sich in die Route und nutzt die vorhandenen Sicherungsmöglichkeiten (Bohrhaken oder mobile Sicherungen).
  • Wenn der Vorsteigende den Standplatz erreicht hat, so wird der Stand zur Absicherung der Nachkommenden gebaut. Je nachdem wie dieser ausgebaut ist, werden entweder die vorhandenen Haken verwendet oder selbst Sicherungen angebracht.
  • Der Nachsteiger oder die Nachsteigerin klettert nun die Strecke bis zum Standplatz, wobei das Seil nach oben führt (außer bei einem Quergang). Dabei nimmt dieser das gesamte Zwischensicherungsmaterial mit.
  • Sofern in Wechselführung geklettert wird, ist nun der Nachsteiger an der Reihe den Vorstieg zu übernehmen. Die Wechselführung ist die am meisten praktizierte Art der Führung, da sie Zeit spart. Am Stand muss nicht umgebunden werden und es muss kein Material übergeben werden. Außerdem erleichtert es das Handling des Seils. Wechselführung setzt allerdings voraus, dass beide Seilpartner den Schwierigkeiten in der Route gewachsen sind. Wird z. B. mit einem Bergführer oder einer Bergführerin geklettert, übernimmt dieser den ständigen Vorstieg.
  • Der Nachsteiger übernimmt den Vorstieg und klettert die nächste Seillänge. Sicherungspunkt ist nicht mehr der Einstieg, sondern der Standplatz.

Diese Vorgehensweise wird für jede Seillänge bis zum Ausstieg wiederholt.

Ist eine Dreierseilschaft unterwegs, kann nicht in Wechselführung geklettert werden. Der Vorsteiger übernimmt beide Halbseile, die beiden Nachkommenden sind in jeweils ein Halbseil eingebunden. Erreicht der Vorsteiger den Standplatz, so kann er beide Nachsteiger gleichzeitig nachsichern. Diese klettern etwas versetzt.[5]

Mehrseillängen-Routen und insbesondere solche in alpinen Gelände stellen erhöhte Ansprüche an Routenplanung, Klettertechnik, Wegfindung, Sicherungstechnik und Kondition.[6]

Einzelnachweise

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  1. Kletterseil – Worauf man beim Seilkauf achten sollte
  2. Raus an den Fels – aber sicher! In: Deutscher Alpenverein. 14. Mai 2024, abgerufen am 16. November 2025.
  3. Mehrseillängen klettern: Die große Packliste. In: Bergzeit Magazin. 8. September 2021, abgerufen am 16. November 2025 (deutsch).
  4. Mehrseillängenrouten klettern: Das müsst ihr beachten! In: alpin.de. Abgerufen am 16. November 2025.
  5. a b Alpinklettern: Was ist das eigentlich? In: Bergwelten.com. Abgerufen am 16. November 2025.
  6. Mehrseillängen - Wichtige Tipps & Infos. In: klettertrip.de. Abgerufen am 16. November 2025.