Selbstbedienungskasse

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Eine Frau an einer Selbstbedienungskasse in einem Costco.

Eine Selbstbedienungskasse (kurz SB-Kasse, in der Schweiz oft als self-scanning bzw. self-checkout (SCO[1]) bezeichnet) ist eine Kasse im Einzelhandel, bei der kein fester Kassierer arbeitet, sondern die Kunden selbst die Waren einscannen und bezahlen. Meist steht ein Mitarbeiter in der Nähe, der bei Problemen hilft.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Selbstbedienungskassen werden vom Einzelhandel vor allem wegen folgender Gründe aufgestellt:

  • Mit einer Selbstbedienungskasse lassen sich die Personalkosten einer Filiale reduzieren. Rund 25 bis 30 % der Personalkosten einer Filiale entfallen auf den Kassenbereich.[2]
  • Der Platzbedarf ist ebenfalls geringer. Im Vergleich zu einer konventionellen Kasse können zwei Selbstbedienungskassen aufgestellt werden. Durch die höhere Kassenanzahl lassen sich so auch Warteschlangen reduzieren.

Bedienung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1965 wurden in einer Migros-Filiale in Zürich-Wollishofen sogenannte „Selbsttipp-Kassen“ getestet, bei welchen die Kunden die Preise selbst in die Kasse eingeben mussten. Dies hat sich jedoch nicht durchgesetzt.[3][4]

Bei heutigen Selbstbedienungskassen führt der Kunde jede einzelne Ware an einem Barcodeleser vorbei. Anhand des EAN-Codes wird über eine Datenbank der Preis ermittelt und in der Kasse addiert. Bei einigen Systemen wird über eine Datenbank das Gewicht des Artikels festgestellt und das Gesamtgewicht des Einkaufs ermittelt. Alle Artikel werden gewogen und die gespeicherten Einzelgewichte der Waren werden mit dem Gewicht des gesamten Einkaufs verglichen. Damit soll sichergestellt werden, dass alle Artikel, die sich im Wagen befanden, auch gescannt und damit bezahlt wurden. Andere Systeme arbeiten mit einem Handscanner. Der Kunde scannt die Artikel bereits im Markt während des Einkaufs. Bezahlt wird, ohne dass die Artikel nur für den Kassiervorgang erneut gescannt werden müssen. Die Daten aus dem Handscanner werden elektronisch an die Kassenterminals übermittelt.[5]

Die Bezahlung des Einkaufs kann im Regelfall bar, per Debit- oder Kreditkarte sowie mittels Gutschein erfolgen[6].

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland werden Selbstbedienungskassen zum Beispiel bei IKEA sowie bei einigen Filialen der Handelsketten Real, Globus, Famila, Edeka, Rewe, Netto-Markendiskount, Kaufland sowie Rossmann eingesetzt.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Self-Scanning mit Handscanner (ein baugleiches Modell wird bei Coop verwendet)

In größeren Einkaufshäusern oder an hochfrequentierten Orten stellt der Coop und die Migros Selbstbedienungskassen zur Verfügung, wobei zwischen Self-Scanning und Self-Checkout unterschieden wird. Akzeptiert werden die eigenen Gutschein- sowie die gängigen Debit- und Kreditkarten, Mobile Payment, als auch eigene Apps mit Zahlfunktion und bei Coop auch Bargeld.

Die Migros nennt ihr Selbstscanningkonzept subito. Sie unterscheidet zwischen Self-Scanning, dem Scannen mit einem Handscanner und der Bezahlung des fälligen Betrags an einem Terminal am Schluss, und dem Self-Checkout, dem Scannen und Bezahlen an einer Kasse. Während bei ersterem das Kundenbindungsprogramm Cumulus vorausgesetzt wird, ist dies bei letzterem nicht notwendig.[7]

Bei Coop ist Passabene Self-Scanning, das Scannen mit einem Handscanner oder dem eigenen iOS- bzw. Android-Smartphone und dem Bezahlen an einem Selbstbedienungsterminal oder alternativ an einer bedienten Kasse, im Einsatz.[8] Beim Self-Checkout dagegen wird die Ware am Schluss an einem Terminal eingescannt und dort bezahlt.[9] Auch bei Coop ist beim Self-Scanning die Teilnahme am Supercard-Kundenbindungsprogramm Pflicht.

Seit 2015 lässt sich bei Coop, über das Kundenkonto der Supercard, den automatischen Ausdruck der Kassenbons unterbinden. Auch Migros möchte eine solche Funktion künftig anbieten.[10] Coop hat angekündigt, dass der Kassenbon ab dem 13. November 2019 nur noch auf Wunsch ausgedruckt wird.[11] Für die Migros scheint die Sache immer noch sehr komplex, sie arbeite aber an einer Lösung im Kassensystem.[12]

Im März 2019 gab Lidl bekannt, noch im selben Jahr Selbstbedienungskassen einzuführen.[13] In einer Filiale startete Lidl am 3. Oktober 2019 mit den ersten drei Selbstbedienungskassen.[11] Im November 2020 teilte Lidl mit, Selbstbedienungskassen in der ganzen Schweiz einzuführen.[14]

IKEA bietet auch ein self-checkout an.

Großbritannien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbstbedienungskassen sind nicht nur in großen, sondern auch in kleineren städtischen Standorten vieler (Lebensmittel-)Einzelhändler üblich, etwa Tesco, Sainsbury's oder Waitrose, aber auch Lidl.

Niederlande[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Niederlanden erprobt Albert Heijn ein System, mit dem Kunden die Waren gleich bei der Auswahl aus den Regalen scannen können. Kunden können daher die Waren ohne Umweg direkt in die eigene Einkaufstasche packen und müssen sie nicht umpacken, um sie später an der Kasse zu scannen.[15][16] Das System ähnelt Amazon Go.[17] Weit verbreiteter im Filialnetz von Albert Heijn sind jedoch Selfscanning-Angebote (Zelfscan), die wie in der Schweiz bei Migros und Coop eine Kundenkarte für die Benutzung des Handscanners voraussetzen und Selfcheckout-Kassen (Scan&Go).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Self checkout – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unia/Universität Bern. Abgerufen am 19. Oktober 2020.
  2. Bezahlautomaten - Kasse, bitte! Abgerufen am 7. November 2009.
  3. Sendung Antenne vom 20.10.1965: «Selbsttipp-Kassen» bei der Migros. (Video) SRF Archiv, 18. Oktober 2013, abgerufen am 12. Juni 2019.
  4. Stiftung Warentest, Schon gehört? in Der test, April 1966, Heft 1, S. 4, ISSN 0040-3946
  5. Scan&Go (Globus). Archiviert vom Original am 20. September 2014; abgerufen am 18. September 2014.
  6. Kampfzone Kasse: Scanner machen Stress; Sonntaz, 24. Oktober 2009, Seite 16
  7. https://www.migros.ch/de/services/zahlungsmoeglichkeiten/subito.html
  8. https://www.coop.ch/de/einkaufen/supermarkt/services/passabene.html
  9. https://www.coop.ch/de/einkaufen/supermarkt/services/self-checkout.html
  10. Ulrich Rotzinger: Migros & Coop verzichten beim Selfscanning auf Quittung. In: blick.ch. 28. Januar 2019, abgerufen am 15. Februar 2019.
  11. a b Sarah Kunz: Coop und Co. machen Schluss mit Kassenzettel-Zwang — Migros hinkt noch hinterher. In: aargauerzeitung.ch. 11. November 2019, abgerufen am 11. November 2019.
  12. Sarah Kunz: Die Migros hinkt beim Kassenzettel-Zwang noch immer hinterher – wenigstens sind ihre Belege am kürzesten. In: luzernerzeitung.ch. 26. September 2020, abgerufen am 26. September 2020.
  13. Lidl setzt jetzt auch auf den Self-Checkout. In: 20min.ch. 18. März 2019, abgerufen am 18. März 2019.
  14. Jetzt kommen die Self-Checkout-Kassen auch bei Lidl. Telebasel, 10. November 2020, abgerufen am 10. November 2020.
  15. Albert Heijn führt Bezahlsysteme ohne Kassen ein. In: NiederlandeNet. WWU Münster, 24. September 2018, abgerufen am 15. Dezember 2018.
  16. Koos van Reesch: Schnelligkeit ist Trumpf. In: rt retail technology 04 2015. 2015, abgerufen am 15. Dezember 2018.
  17. Erster Supermarkt entfernt Kassen: Kunden brauchen nur noch spezielle Karte. In: chip.de. 2. Oktober 2018, abgerufen am 15. Dezember 2018.