Selbstkletternde Jungfernrebe

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Selbstkletternde Jungfernrebe

Wilder Wein in Herbstfärbung mit Beeren

Systematik
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Ordnung: Weinrebenartige (Vitales)
Familie: Weinrebengewächse (Vitaceae)
Gattung: Jungfernreben (Parthenocissus)
Art: Selbstkletternde Jungfernrebe
Wissenschaftlicher Name
Parthenocissus quinquefolia
(L.) Planch.

Die Selbstkletternde Jungfernrebe (Parthenocissus quinquefolia), ebenso wie die Dreispitzige Jungfernrebe (Parthenocissus tricuspidata) und die Gewöhnliche Jungfernrebe (Parthenocissus vitacea) auch als Wilder Wein[1] bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Jungfernreben (Parthenocissus) innerhalb der Familie der Weinrebengewächse (Vitaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensgebende Blattform von Laubblättern in Herbstfärbung von Parthenocissus quinquefolia.

Die Selbstkletternde Jungfernrebe ist eine Kletterpflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 30 m erreicht. Die Ranken sind fünf- bis achtarmig und haben Haftscheiben, die sich nur bei Berührung der Ranken mit einem Substrat ausbilden. Manche Sorten können sich nur begrenzt an Wandflächen anhaften und eignen sich besser für Rankgerüste. Die Sorte Engelmannii hat demgegenüber gute Klettereigenschaften.[2] Die fünffingrigen Blätter sind unterseits weißlichgrün und matt. Die im Juni bis Juli blühenden Blüten sind unscheinbar und grünweißlich. Ab September sind die erbsengroßen Beeren schwarz mit blauem Wachsüberzug und werden gerne von Vögeln gefressen. Im Herbst färben sich die Blätter scharlachrot bis purpurrot. Die Selbstkletternde Jungfernrebe mag einen nährstoffreichen Boden und gedeiht im Schatten sowie in der Sonne gut.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40.[3]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heimat der Selbstkletternden Jungfernrebe ist das östliche Nordamerika von Kanada bis Florida, Kuba, Mexiko, Guatemala und El Salvador.[4] Sie ist in Europa, Asien und im nordwestlichen Afrika ein Neophyt.[4] Sie gedeiht in der Schweiz in Trockenwarmen Mauerfluren (Centrantho-Parietarion).[5]

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).[5]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Sorten werden wegen ihrer Herbstfärbung als Zierpflanzen verwendet.

Die Selbstkletternde Jungfernrebe ist eine der unkompliziertesten Kletterpflanzen zur großflächigen Fassaden- und Bauwerksbegrünung. Einmal angewachsen kann sie zunächst weitgehend sich selbst überlassen werden und kann innerhalb von Jahrzehnten mehrgeschossige Gebäude selbsttätig überwachsen, wenn genügend Licht und Wasser zur Verfügung steht. Im Gegensatz zu einigen Schlingpflanzen winden sich die Triebe nicht um Regenfallrohre oder andere Bauteile. Und im Gegensatz zu Efeu wachsen die Triebe zwar in Hohlräume ein, haften sich dort jedoch nicht an und entwickeln sich nicht weiter, wenn sie nicht wieder den Weg zurück ins Licht finden. Die Haupttriebe können nach einigen Jahrzehnten wie die der Weinrebe annähernd Armdicke erreichen. Da sie nicht die Tendenz haben, in Spalten hineinzuwachsen, besteht jedoch in der Regel keine Gefahr für Fassadenbekleidungen oder Bauwerksanschlüsse.

Die Haftscheiben verbleiben am Untergrund, wenn die Pflanze entfernt wird, und sind schwer zu entfernen. Da sie sehr klein sind, sind sie in der Regel nur auf sehr glattem und gleichmäßigem Untergrund wahrnehmbar.

Die Pflanze überwächst Dachflächen, die sich nicht zu sehr aufheizen. Meist ist dies an nördlich und östlich geneigten Dachflächen der Fall. Dies stellt kein grundsätzliches Problem dar, solange es möglich ist, gelegentlich Triebe und Blätter zu entfernen, die auf Dauer den Abfluss von Regenwasser in den Dachrinnen behindern.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 durch Carl von Linné unter dem Namen (Basionym) Hedera quinquefolia in Species Plantarum, 1, S. 202. Die Neukombination zu Parthenocissus quinquefolia (L.) Planch. wurde durch Jules Émile Planchon veröffentlicht. Weitere Synonyme von Parthenocissus quinquefolia (L.) Planch. sind: Ampelopsis quinquefolia (L.) Michx., Parthenocissus engelmannii Koehne & Graebn., P. quinquefolia f. engelmannii (Koehne & Graebn.) Rehder, Psedera quinquefolia (L.) Greene, Quinaria hederacea Raf. nom. illeg. superfl., Vitis quinquefolia (L.) Lam.

Die früher als Varietäten oder Unterarten geführten Formen stellen wohl nur Sorten (Ausleseformen) dar.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Erhardt u. a.: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2008. ISBN 978-3-8001-5406-7
  2. Dorothée Waechter: Lazy Die Pflanzen, BLV, ISBN 3-405-16486-9
  3. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 654.
  4. a b Datenblatt Parthenocissus quinquefolia bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
  5. a b Parthenocissus quinquefolia (L.) Planch. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 24. Oktober 2022.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Selbstkletternde Jungfernrebe (Parthenocissus quinquefolia) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien