Selbstmitleid

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Selbstmitleid bezeichnet das menschliche Verhalten, seelischen Schmerz über ein scheinbar oder tatsächlich zu Unrecht erlittenes Übel zu empfinden, verbunden mit der Projektion, dass andere Personen das gleiche empfinden würden (Projektionsfehler), wenn ihnen alle Informationen zu Verfügung stünden. Kurzfristig hilft es negative Gefühle zu regulieren und Kraft zur Konfliktbewältigung zu schöpfen. Langfristig kann es zu einer Posttraumatischen Verbitterungsstörung führen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl das Hauptaugenmerk des Selbstmitleids auf dem Ich und den eigenen Emotionen liegt, hat es auch eine starke zwischenmenschliche Komponente. Zusätzlich zur Einsamkeit können die Betroffenen Neid, Schuld, Wut und Feindseligkeit gegenüber anderen empfinden. Menschen, die unter Selbstmitleid leiden, lenken oft auch Kritik an sich selbst ab. Sie sind normalerweise nicht in der Lage, sich selbst zu reflektieren, und geben externen Faktoren wie Pech oder dem angeblichen Groll anderer Menschen die Schuld an ihrer schlechten Situation.

Verhaltensgründe und Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Thema Selbstmitleid ist wenig erforscht, aber die verfügbare Forschung zeigt, dass Selbstmitleid ein Effekt eines Stressors eines dramatischen Ereignisses sein kann. Auch Aspekte der eigenen Persönlichkeit können einen Einfluss auf das Selbstmitleid haben. Dies kann mit antagonistischen Ansichten gegen andere kombiniert werden, da Mitleid mit sich selbst zu Eifersucht gegenüber den Menschen in der Umgebung wird. Selbst wenn dies anhand eines Ereignisses diagnostiziert werden kann, ist es nicht nur darauf beschränkt, da jeder Opfer von Mitleid mit sich selbst werden kann.

Psychologisch gesehen, dient Selbstmitleid dem Selbstwertschutz und erzeugt daher kurzfristig ein positives Gefühl. Insbesondere die mit der Rolle des "edlen" Opfers verbundene Selbstwerterhöhung (siehe auch Selbstgerechtigkeit oder Narzissmus) triggert das neuronale Belohnungssystem. Zudem ist Selbstmitleid eine passive Form der Manipulation und dadurch bequem. Betroffene Menschen verschließen sich vor der Umwelt und delegieren an diese gleichzeitig Schuld und Verantwortung.[1]

Selbstmitleid kann zu einem dauerhaften Vermeidungsschema werden insbesondere bei Personen, die keine anderen Verhaltensschemata zum Selbstwertschutz erlernt haben.

Wird es langfristig zur Gewohnheit, so überwiegen negative Gefühle wie Ohnmacht, Ärger, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit und Trauer. Das gezeigte Verhalten wird immer passiver und zunehmend von Resignation geprägt bis hin zur schweren Depression und einer posttraumatischen Verbitterungsstörung. Das Interesse an der Umwelt lässt nach und die Person zieht sich in Extremfällen gänzlich zurück. Auch wendet sich das soziale Umfeld häufig von der betroffenen Person ab, weil es deren ständigen Klagen ausweichen möchte oder sich durch Ablehnung von konkreten Hilfsangeboten brüskiert fühlt. Weitere Begleiterscheinungen können auch in Form von körperlichen Beschwerden wie zum Beispiel Kraftlosigkeit, Schlafstörungen und Appetitmangel auftreten. Sowie die Neigung auf Suchtmittel zurückzugreifen, um negative Gefühle zu vermeiden oder zu betäuben.[2]

Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für detaillierte Ausführungen zu Behandlungsmethoden siehe Artikel zur Posttraumatische Verbitterungsstörung.

Die psychotherapeutische Behandlung erfolgt oft über selbstreflektive Methoden. In einem ersten Schritt nimmt man die Auswirkungen des Selbstmitleids auf Denken, Gefühle, Verhalten und das körperliche Befinden wahr und schafft sich eine eigene Motivation zu alternativen Verhaltensschemata. Mögliche Auslöser für Selbstmitleid werden identifiziert und besprochen und durch Hinterfragungstechniken alternative Sichtweisen in Erwägung gezogen. Die Einübung neuer Verhaltensschemata wird unterstützt durch Dankbarkeitsübungen und Vorbildsuche oder indem man das Empfinden von Selbstwirksamkeit in anderen Bereichen stärkt.[3][4]

Abgrenzung zwischen Selbstmitleid und Selbstmitgefühl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beide Begriffe beschreiben die Reaktion auf eine negative Abweichung von einem Normalzustand. Beim Selbstmitleid liegt der Fokus auf dem scheinbaren Anrecht auf ein „normales“ Leben. Es ist also bewertend. Selbstmitgefühl ist hingegen der wertfreie, verständnisvolle Umgang mit seinen eigenen Gefühlen, aber auch den eigenen Fehler und Schwächen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Selbstmitleid – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Selbstmitleid: Das hilft dagegen. 18. September 2016, abgerufen am 4. Dezember 2021 (deutsch).
  2. Selbstmitleid ↔ Wann nützt es & wann schadet es? Abgerufen am 7. Mai 2020.
  3. PAL Verlag-praktisch anwendbare Lebenshilfen: Selbstmitleid – warum wir uns damit keinen Gefallen tun | PAL Verlag. Abgerufen am 4. Dezember 2021.
  4. Selbstmitleid – Anti-Stressübungen | beratung-therapie.de | Psychologische Beratung | Therapie. Abgerufen am 4. Dezember 2021.