Selbstregulation

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Dieser Artikel beschreibt, wie der Begriff der Selbstregulation in Pädagogik, Medizin und Biologie verwendet wird. Für die Anwendung des Begriffs in der Psychologie siehe Selbstregulation (Psychologie). Weitere Bedeutungen sind unter Selbstregulierung aufgeführt.

Der Begriff Selbstregulation bezeichnet Prozesse, bei welchen ein System seine Funktion selbst anpasst. Dies kann geschehen, um eine Funktion aufrechtzuerhalten oder das System an neue Bedingungen anzupassen.

Im Gegensatz zur Steuerung beschreibt der Begriff Regulierung lernfähige Systeme, die sich durch Rückkopplung (Feedback) an veränderte Rahmenbedingungen anpassen und trotz sogenannter Störungen (Soll-Ist-Abweichungen) ihr (selbst gesetztes) Ziel erreichen können.[1]

Biologie und Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grundgedanke der Selbstregulation stammt aus der Biologie und gilt als ein grundlegendes Funktionsprinzip lebender Organismen. Sie findet beispielsweise in der Physiologie des menschlichen und des tierischen Körpers fortlaufend statt, meist bei Veränderung statischer Zustände und von uns unbemerkt. Beispiele sind:

  • Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz beim Wechsel von liegender in stehende Position
  • Vermehrte Atmung bei körperlicher Anstrengung, um dem Körper mehr Sauerstoff zuzuführen
  • Bei Hypoglykämie (Unterzuckerung) setzt der Körper drastische Selbstregulationsmechanismen in Kraft (z. B. Ausschüttung von Adrenalin, mit der Folge von Zittern und starkem Schwitzen), um die Glukose­konzentration aufrechtzuerhalten und einen drohenden hypoglykämischen Schock zu verhindern.

Oft spricht man in der Medizin auch von Autoregulation. Diese betrifft meist lokalere Feedbackmechanismen. Insbesondere die Durchblutung von Organen ist oft stark von selbstregulierenden Prozessen abhängig.

Pädagogik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbstregulation ist ein Begriff, der in der Pädagogik der 1970er Jahre eine zentrale Rolle spielte.[2][3] Das Konzept beinhaltete, dass Kinder sich ohne bedeutende Einwirkungen durch Erziehende zu gesellschaftsfähigen Individuen entwickeln. Erziehende sind nur noch zuständig, wenn es um den Schutz des Kindes geht. Autorität dagegen, die die Erziehung in die Hand nimmt, ist nicht mehr von Bedeutung oder unerwünscht, da sich Kinder frei und selbständig zum Individuum entwickeln bzw. selbst herausfinden, wie sie sich in der Welt zurechtfinden. Auch soziale Regeln werden in Gruppenprozessen und ohne Einwirkung des Erziehenden formuliert. Der Erziehende sollte oder darf nicht mehr als derjenige auftreten, der Erziehungsprozesse steuert und die Ziele vorgibt.

Beispiele für diese Form der Erziehung waren die „Kinderläden“. Das waren Einrichtungen, die Kinder meist im Alter zwischen 3 und 6 Jahren aufnahmen. Kinderläden waren häufig eingetragene Elternvereine, die die Erziehungskonzepte zusammen mit den dort arbeitenden Erziehern entwickelten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roy F. Baumeister, Kathleen D. Vohs (Hrsg.): Handbook of self-regulation, research, theory and applications. Guilford Publications, New York 2004, ISBN 1-57230-991-1.
  • Joseph P. Forgas u. a. (Hrsg.): Psychology of Self-Regulation. Psychology Press, New York 2009, ISBN 978-1-84872-842-4.
  • Rick H. Hoyle (Hrsg.): Handbook of Personality and Self-Regulation. Blackwell Publishing, Malden, Mass. 2010, ISBN 978-1-4051-7712-2.
  • Jörg Martin, Jörg Hardy, Stephan Cartier (Hrsg.): Welt im Fluss. Fallstudien zum Modell der Homöostase. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-515-08980-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Synopse verschiedener Artikel aus: Rick H. Hoyle (Hrsg.): Handbook of Personality and Self-Regulation. Wiley-Blackwell, 2010.
  2. Gerhard Bott: Erziehung zum Ungehorsam (Film, 1969), Terror aus dem Kinderladen (Film, 1972)
  3. Alexander Sutherland Neill: Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung. (= rororo 6707). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1992, ISBN 3-499-16707-7.