Selbstreguliertes Lernen

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Selbstreguliertes Lernen ist eine Form des Lernens, bei der die Person in Abhängigkeit von der Art ihrer Lernmotivation selbstbestimmt eine oder mehrere Steuerungsmaßnahmen (kognitiver, metakognitiver, volitionaler oder verhaltensmäßiger Art) ergreift und den Fortgang des Lernprozesses selbst überwacht (Schiefele & Pekrun, 1996, S. 258; vgl. auch Selbsttätigkeit).

Die individuelle Lernmotivation ist abhängig von der Leistungsmotivation, dem Interesse und der intrinsischen Motivation des Lerners. Hoch leistungsmotivierte Lerner verwenden mehr Zeit auf Lernaktivitäten und führen diese häufiger und regelmäßiger aus (Ludwig, 1982). Interesse bewirkt eine Intensivierung des Lernaufwands (Schiefele, Wild & Winteler, 1995). Intrinsische Motivation geht mit dem Einsatz tiefer gehender Lernstrategien einher, extrinsische Lernmotivation ist dagegen mit oberflächlichem Lerneinsatz assoziiert (Schiefele & Schreier, 1994).

Die oben genannten Steuerungsmaßnahmen stellen als Prozesse die Voraussetzungen für selbstreguliertes Lernen dar. Beim Lerner müssen also:

  1. Metakognitive Prozesse auftreten, die sich aus Tätigkeiten wie planen, Ziele setzen, überwachen und bewerten des Lernfortschritts während des Lernens zusammensetzen.
  2. Motivationale und volitionale Prozesse zu verzeichnen sein, in denen der Lerner höhere Selbstwirksamkeit und Interesse berichtet, Lernaktivitäten eigenständig initiiert, eine außergewöhnliche Anstrengungsbereitschaft und Ausdauer während des Lernens zeigt.
  3. Behaviorale Prozesse (Lernstrategien) gezeigt werden, in denen der Lerner seine Lernumgebungen so auswählt, herstellt und strukturiert, dass sie den Lernprozess optimieren. Der Lernende sucht gezielt Informationen und Orte, die die Wahrscheinlichkeit eines Lernerfolgs maximieren, er leitet sich selbst beim Lernen an und er belohnt sich für nachgewiesene Performanz­steigerungen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • U. Schiefele, K.-P. Wild, A. Winteler (1995). Lernaufwand und Elaborationsstrategien als Mediatoren der Beziehung von Studieninteresse und Studienleistung. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 9 (3/4), 181-188.
  • U. Schiefele, R. Pekrun (1996): Psychologische Modelle des selbstgesteuerten und fremdgesteuerten Lernens. In: Franz Emanuel Weinert (Hrsg.): Psychologie des Lernens und der Instruktion (= Enzyklopädie der Psychologie, Serie Pädagogische Psychologie, Bd. 2). Göttingen: Hogrefe. 249 - 278.
  • Christoph Türcke: Lehrerdämmerung: Was die neue Lernkultur in den Schulen anrichtet. C.H. Beck, München 2016, ISBN 3-406-688829.
  • Michael Felten: Nur Lernbegleiter? Unsinn, Lehrer!: Lob der Unterrichtslenkung. Cornelsen Verlag, Berlin, ISBN 978-3-589-15847-8,