Selbstverlag

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Wandbilderfibel von Friedrich Gotthold Kunze, im Selbstverlag 1847

Selbstverlag (auch: Eigenverlag, Self-publishing) bezeichnet die Herausgabe eines Buchs oder anderer Publikationen durch einen Autor selbst, der damit zum Selbstverleger (auch: Self-publisher) wird. Nach bisheriger Lesart macht ein Selbstverlag auch die Begründung eines gewerblich angemeldeten Unternehmens für die Veröffentlichung eigener Publikationen notwendig, das dann allerdings nominell wiederum als „Verlag“ und nicht als „Selbstverlag“ auftritt.[1][2] Doch Selbstverleger können im deutschsprachigen Raum die gewerbliche Anmeldung u. a. auch durch Bezahlverlage umgehen – seit den 1980ern mittels so genannter „Druckkostenzuschussverlage[3] und seit etwa 2010 direkt über die Self-Publishing-Plattformen.[4]

Neben literarischen Erzeugnissen werden zu ähnlichen Bedingungen auch Datenträger mit Musikaufnahmen, oft per Homerecording hergestellt, im Selbstverlag vertrieben. Für selbst erstellte Videoclips gibt es seit 1997 Videoportale, in denen Aufnahmen ins Internet hochgeladen werden können.

Definition[Bearbeiten]

Wortherkunft[Bearbeiten]

Laut Jong-Rak Shin ist der Begriff Selbstverlag „nicht fest definiert.“[5] Doch nach ihm lässt sich der Begriff entsprechend der Bedeutung des Wortes umfassend als „Veröffentlichung durch sich selbst“ definieren.[5] Und Shin zitiert hierzu wiederum das Lexikon des gesamten Buchwesens Bd. 3 (Leipzig 1937, S. 271) worin es heißt „Im Selbstverlag erfolgt die Vervielfältigung und Verbreitung eines Werkes nicht durch einen Verlag, sondern durch den Autor persönlich.“ Ferner erläutert er, sich dabei auf Kurt Hiller beziehend:[6] „Selbstveröffentlichungsversuche von Schriftstellern, sich von den berufsmäßigen Verlegern unabhängig zu machen, sind im Grunde genommen Selbstverlage.“[7]

Während der Ursprung des Wortes „Verlag“ von „vorlegen“ kommt, wozu bei Buchverlagen u. a auch die Vorleistung von Autorenhonoraren zählt,[8][9] hat ein „Selbstverleger“ demnach selber die Kosten vorzulegen, wenn er für die Erstellung eines Buches z. B. die Dienstleistungen einer Druckerei oder eines Bezahlverlags in Anspruch nimmt.

„Im eigenen Namen ...“[Bearbeiten]

In dem Abschnitt „Fachwörterlexikon“ eines Fachbuches von 1998 zur „Berufsfachkunde für Kaufleute in Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchverlagen“ heißt es zum Stichwort Selbstverlag: „Herstellung und Vertrieb eines Werkes durch den Verfasser im eigenen Namen und für eigene Rechnung“.[10]

„Im eigenen Namen“ meint hierbei, dass der Autor anstelle einer Verlagsangabe im Impressum oder/und auf der Umschlagseite des Buches seinen eigenen Namen oder keinen Namen oder „im Selbstverlag“ anführt – eine Praxis, die bis heute üblich ist, insbesondere sofern ausschließlich auf die Dienste einer Druckerei für die Erstellung eines selbstverlegten Buches zurückgegriffen wird.

Einige Selbstverleger kreieren dafür bisweilen markenrechtlich ungeschützte, noch nicht genutzte Verlagsnamen[11] oder melden wie z. B. Erich Loest gleich einen eigenen Verlag für ihre Veröffentlichungen an.[1] Das Verlagswörterbuch des Autorenhaus Verlags definiert Selbstverlag im Gegensatz zu anderen Lexika und Wörterbüchern ohne weitere Erläuterung zu Selbstverleger sogar ausschließlich als „Vom Autor gegründeter Verlag, in dem seine Werke erscheinen; Ausgangspunkt mancher Mini-Verlage“.[2]

„Auf eigene Kosten und unter Übernahme des gesamten Risikos“[Bearbeiten]

In anderen Definitionen des Begriffs Selbstverlag wird vor allem darauf abgehoben, dass ein Buch auf eigene Kosten für Herstellung und Vertrieb erscheint und dass ein Selbstverleger das Risiko für die Veröffentlichung eines Werkes selbst trägt. Nach dieser Definition umfasst der Selbstverlag auch das Nutzen von Dienstleistern für selbstverlegte Medien bzw. Bezahlverlagen, sofern die Kosten und Risiken allein ein Autor als Auftraggeber eines solchen Dienstleisters zu tragen hat.[12]

Im dtv-Lexikon (Ausgabe von 1980) heißt es: „Selbstverlag, Vertrieb eines Werkes der Literatur, Musik oder bildenden Kunst durch den Urheber selbst.“[13]

So gilt für den Verband deutscher Schriftsteller als Selbstverleger, wer sein Werk „selbstfinanziert“ hat.[14]

Bei der Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF) heißt es: „Mit Book-on-Demand sind Sie Selbstverleger“ [12]

Auf buchmarkt-college.de, einer branchennahen Website-Kooperation von BuchMarkt und Uni-Online, heißt es: „Beim Selbstverlag verlegt der Verfasser sein Werk selbst, zahlt die Kosten für Herstellung und Vertrieb und trägt das gesamte Risiko selbst.“[15]

Die Wirtschaftskammer Österreich definiert Eigen- und Selbstverlag als Herausgabe und Verkauf durch den Urheber (Autor), „weshalb es niemals von juristischen Personen ausgeübt werden kann. Bei Übertragung des Urheberrechtes auf jemand anderen erlischt für die Dauer und im Umfang der Übertragung das Selbstverlagsrecht. Die Ausübung des Selbstverlages der Urheber ist genauso wie die literarische Tätigkeit und die Ausübung der schönen Künste aus dem Geltungsbereich der Gewerbeordnung ausgenommen. Diese Tätigkeiten benötigen somit gemäß § 2 Abs.1. Ziff.7 GewO 1994 keine Gewerbeanmeldung.“[16]

Allgemeines[Bearbeiten]

Selbstverleger sind grob danach zu unterscheiden, ob sie buchstäblich einen Selbstverlag begründen bzw. einen eigenen Verlag als Unternehmen anmelden und somit gleich einem Verleger Aufträge für Dienstleistungen zur Erstellung für ihre Veröffentlichungen vergeben[1] oder für ihre Veröffentlichungen von vorneherein z.B. Bezahlverlage nutzen, die dafür „aus einer Hand“ sämtliche Dienstleistungen zur Erstellung einer Publikation anbieten.[4]

So oder so haben Autoren oder Institutionen als Selbstverleger den kompletten Prozess einer Buchveröffentlichung zu steuern und zu verantworten. Neben dem Schreiben oder der Auswahl von Inhalten müssen sie das Lektorat, die Wahl der Ausstattung (Schriftart, Papiersorte, Umschlag etc.) sowie Kalkulation, werbewirksame Öffentlichkeitsarbeit und Marketing besorgen oder damit Dienstleister beauftragen.[1] Insbesondere für die Herstellung werden von Selbstverlegern Dienstleister wie Druckereien in Anspruch genommen oder Bezahlverlage, die im deutschsprachigen Raum u. a. als so genannte „Druckkostenzuschussverlage“ und seit etwa 2010 auch als Self-Publishing-Plattformen auftreten. Einige Selbstverleger – siehe z. B. den Abschnitt: Autobiografen – lassen ihre Werke ohne weitere Anbindung an den Buchhandel für eine von vorneherein eng begrenzte Zielgruppe erstellen.

Abgrenzungen[Bearbeiten]

Etwas im Selbst- oder Eigenverlag herauszugeben steht im Gegensatz zur Veröffentlichung innerhalb eines Verlages bzw. eines Publikumsverlages, der in der Regel nach Maßgabe eines miteinander geschlossenen Vertrages das Werk eines Autors inhaltlich durch einen Lektor betreuen lässt (Überprüfung, Korrekturvorschläge etc.), seine Herstellung (Druck, Bindung), Vertrieb und Werbung organisiert und dem Autor einen prozentualen Anteil am Ladenverkaufspreis (Tantiemen) nicht selten inkl. eines Vorschusses einräumt.[17]

Über einen Zuschussverlag zu veröffentlichen, der abgesehen von der Erhebung eines Zuschusses ausschließlich für die Druckkosten auf eigenes Risiko Leistungen wie ein regulärer Verlag erbringt, gilt ebenfalls nicht als Selbstverlag. Allerdings sind die Grenzen zwischen Zuschuss- und Bezahlverlagen fließend und es fehlen eindeutige Belege für eine Abgrenzung.[18]

Kommissionsverlage wiederum sind ausschließlich für den Vertrieb einer Publikation zuständig und werden vor allem von wissenschaftlichen Institutionen, Behörden oder Bibliotheken in Anspruch genommen.

Eine Besonderheit bildet wiederum der Privatdruck eines per se nicht im Handel erhältlichen Druckwerkes, das nicht selten als Geschenk einer von vorneherein klar definierten, meist kleineren Zielgruppe dienen soll und später zudem hohen Sammlerwert genießen kann.

Kalkulation[Bearbeiten]

Ein Autor, der sich selbst verlegt, sucht in Personalunion gleich einem Verleger (s)ein Buchprojekt auf den Weg zu bringen und muss deshalb Kalkulationen anstellen, inwiefern die Kosten dafür auch durch den Absatz und ggf. honorierte Lesungen daraus übertroffen werden – was wiederum ins Verhältnis zur Zahlungsbereitschaft einer optionalen Leser- bzw. Käuferschaft eines selbstverlegten Buches zu bringen ist.[1] (Ausgenommen von einer solchen Kalkulation sind siehe Abschnitt Selbstverlag einzelner Autoren u. a. die Autobiografen, die lediglich für den Privatgebrauch ihre Lebensgeschichten in Buchform bringen wollen.) Je nach Anbieter, Druckverfahren (Offset-Druck- oder Book-on-Demand-Verfahren) und Auftragsumfang können für die Veröffentlichung eines selbstverlegten Buches nichts (siehe Basisangebote der Gratisanbieter), mehrere hundert[19] oder auch gleich mehrere tausend[20] Euro dafür zu veranschlagen sein.

Marketing & Vertrieb[Bearbeiten]

Der Absatz eines im Selbstverlag hergestellten Artikels hängt wie bei den wirtschaftlich geführten Verlagen nicht zuletzt von den Marketing-Möglichkeiten des Selbstverlegers und seiner Vernetzung mit potentiellen Käufern oder/und Buchhandlungen ab.[1] In einem Artikel des Tagesspiegels über einen Doktoranden als Nutzer eines Bezahlverlags heißt es z. B. dazu, dass seine Dissertation zwar über die als Leistung eines Bezahlverlags inklusiv vergebene ISBN im Buchhandel gefunden werden kann, er „aber nun selbst aktiv werden und sein Buch bewerben“ muss.[21] Denn egal, ob Selbstverleger Druckereien oder Bezahlverlage für die Erstellung einer Publikation nutzen, sind seine angefragten Dienstleistungen für sie bereits mit Vertragsschluss gewinnbringend vorfinanziert. Und laut der Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF) sind nicht zuletzt die Druckkostenzuschussverlage unter den Bezahlverlagen „nicht in dem Maß wie der klassische Verlag darauf angewiesen, Geld mit dem Verkauf von Büchern zu verdienen. Schließlich haben sie bereits eine mitunter stattliche Summe Geld vom Autor kassiert.“[22]

Zu Standard-Marketingwerkzeugen sind Soziale Netzwerke, Webseiten und Blogs der Autoren geworden,[23] auf denen der mögliche Leserkreis angesprochen werden soll. Sofern das Buch auch für den Handel lieferbar sein soll, können auch Selbstverleger es gegen Gebühr – bei den Self-Publishing-Plattformen meist inklusive[12] – mit einer ISBN-Nummer ausstatten und im „Verzeichnis Lieferbarer Bücher“ (VLB) eintragen lassen. Ohne ISBN und Eintragung im VLB werden im Selbstverlag in der Regel interne Hochschulveröffentlichungen oder rein private Bücher für einen festen Abnehmerkreis produziert. Doktoranden einiger Fakultäten wie der Politologie nutzen vermehrt Bezahlverlage für den Selbstverlag ihrer Dissertationen.[21]

Selbstverleger nutzen für bereits vorliegende Buchexemplare zumeist den Vertrieb über einen Direktverkauf, z. B. im Anschluss von Veranstaltungen mit ihnen wie Lesungen oder im Rahmen einer eigenen Homepage. Das gilt auch für im Book-on-Demand-Verfahren hergestellte Buchexemplare, für die den Selbstverlegern in der Regel ein „Autorenrabatt“ eingeräumt wird. Zudem versuchen auch einige Autoren den Buchhändlern in ihrem näheren Umkreis Exemplare ihres Werkes zum Kommissionsverkauf anzubieten.[1]

Von Bezahlverlagen im Offset-Druck- oder Book-on-Demand-Verfahren hergestellte Printausgaben werden selten von Ladengeschäften des Sortimentsbuchhandels aus eigenem Antrieb geordert,[12] sie können aber dort, sofern mit einer ISBN ausgestattet, wie auch über die „Online-Shops“ der Buchhändler bzw. über Internetbuchhandlungen bestellt werden.[12] E-Book-Ausgaben werden per se ausschließlich von diesen „Online-Shops“ oder von auf E-Books oder/und auf die Geräte dafür spezialisierten Internethändlern „gedownloaded“. Der Vertrieb über „Online-Shops“ vermag auch ohne die Vertreter eines Verlages relevante Zielgruppen zu erreichen. In der ersten Augustwoche 2012 waren erstmals rund ein Drittel der Bücher auf der 25 Titel umfassenden E-Book-Bestseller-Liste der New York Times im Selbstverlag erschienen.[24] Die neuen Herstellungsverfahren und „Online-Shops“ bieten somit Selbstverlegern – bei entsprechend günstiger Preisgestaltung seitens der Bezahlverlage – den hinzugewonnenen Vorteil eines mittelbaren Vertriebs. Dieser Vorteil wird jedoch wegen der gerade auch dadurch bedingten immensen Steigerungsraten auf diesem Weg vorgestellter Neuveröffentlichungen für die überwiegende Mehrheit der Selbstverleger nahezu wieder aufgehoben.

Begründungszusammenhänge[Bearbeiten]

Die Angaben der Verlage dazu sind unterschiedlich und nicht zu belegen, aber die Anzahl der bei ihnen zur Überprüfung eingereichten Manuskripte übersteigt jedenfalls bei weitem die Anzahl der von Verlagen übernommenen Texte. Eine Publikation selbst zu verlegen ist somit oft die einzige Möglichkeit, überhaupt etwas zu veröffentlichen. Die Gründe für die Veröffentlichung eines Werks im Selbstverlag sind vielfältig und beruhen nicht immer auf der vorangegangenen Ablehnung eines Manuskriptes durch einen Verlag.

Selbstverlag einzelner Autoren[Bearbeiten]

Autobiografen[Bearbeiten]

Eine große Untergruppe an Selbstverlegern bilden Menschen, die ihre Lebensgeschichte in Buchform festhalten wollen. Sie teilen sich wiederum auf in „vanity publisher“ aber auch solche, die mit diesen zu Büchern gewordenen Autobiografien allein die Familie und ihre Freunde bedenken wollen – diese verzichten hierfür in der Regel auch auf die Vergabe einer ISBN und ersparen sich alle Leistungen, die mit Marketing und Vertrieb zu tun haben. Zuweilen nutzen die Autobiografen unter den Selbstverlegern aber auch Dienstleister, die sie gegen Honorar bei der Verschriftlichung ihrer Lebensgeschichten unterstützen.

(Siehe in Abgrenzung hierzu die davon abweichenden Bedingungen eines Privatdruckes.)

Doktoranden[Bearbeiten]

Laut Gemma Pörzgen im Tagesspiegel vom 18. Februar 2014 nutzen inzwischen auch Doktoranden einiger Fakultäten wie der Politologie insbesondere die Self-Publishing-Plattformen unter den Bezahlverlagen für den Selbstverlag ihrer Dissertationen, da in einem beschriebenen Fall allein der von einem Fachverlag verlangte Druckkostenzuschuss für eine 400 seitige Doktorarbeit 4.000 Euro gekostet hätte und dann noch die Kosten für ein Lektorat zu bezahlen gewesen wären.[21] Für eine Veröffentlichung in Jura kann demnach der Druckkostenzuschuss Promovierende insgesamt 10.000 Euro kosten, nachdem einige „sogenannte Wissenschaftsverlage“ ihre Marktposition schon „lange ausnutzen“ würden.[21]

Professionelle Autoren[Bearbeiten]

Auch professionelle Autoren, die u. a. auf Veröffentlichungen in anerkannten Verlagen oder/und hohe Wertschätzung durch die Literaturkritik verweisen können, greifen zuweilen auf den Selbstverlag ihrer Werke zurück oder gründen (wie u. a. Frank Demant, Erich Loest und Armin Pongs) gleich einen eigenen Verlag:

  • sofern das Buch eines Autors „vergriffen“ und damit nicht mehr im Buchhandel erhältlich ist. Nicht selten werden Titel bereits nach einem Jahr schon aus dem Verlagsprogramm genommen, was gerade auch für jene Autoren misslich ist, die einen Teil ihrer Einkünfte durch Lesungen bestreiten und dann nicht mehr auf lieferbare Exemplare ihrer Bücher verweisen und sie verkaufen können (siehe auch Buchreihen-Angebote der Bezahlverlagssparte des Allitera Verlags oder das explizit hierfür begründete Label Edition Gegenwind, unter dem eine Autorengemeinschaft ihre selbstverlegten Titel veröffentlicht);
  • sobald ein Werk mit hohem Anspruch und wenig Tauglichkeit für den Massengeschmack nur auf einen kleinen Kreis von Rezipienten zielt und damit die wirtschaftlichen Anforderungen eines Verlages nicht erfüllt;
  • sofern es einem Autor um die volle inhaltliche Kontrolle geht und er die zuweilen über das Formale hinausgehende inhaltliche Einmischung durch Lektorate zu meiden sucht – oder ein Autor generell den Verlagen im Sinne korrekter Vertragsabwicklung nicht (mehr) traut;
  • sofern aus politischen Gründen Veröffentlichungen in Verlagen im Wege stehen, wie in der Vergangenheit das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ am 21. Oktober 1878 oder während der Zeit des Nationalsozialismus die dadurch bedingte Exilliteratur in den Jahren 1933–1945;[25]
  • sofern sie sich davon höhere Gewinne erhoffen.[26] Verlage honorieren in der Regel mit Prozentanteilen vom Ladenverkaufspreis. Dieser Prozentanteil liegt für Hardcoverausgaben in der Regel bei zehn Prozent, für Taschenbuchausgaben bei fünf Prozent. In absoluten Zahlen ist das von der Höhe der verkauften Exemplare einer Auflage abhängig, die u. a. wiederum mit dem Einsatz des Verlages an Werbemitteln für den einzelnen Titel korreliert. Da jedoch die Herstellung einer Publikation im Selbstverlag nach wie vor hohe Kosten verursachen kann und einen neben dem Verfassen eines Manuskriptes zusätzlich hohen Arbeitsaufwand abverlangt, ist dieser Ansatz für sich allein genommen bereits im 18. Jahrhundert als sehr risikobehaftet erkannt worden.[26]

Vanity publisher[Bearbeiten]

Bei Autoren, die womöglich trotz mehrfacher Ablehnung seitens der Verlage u. a. aus Eitelkeit ihr Werk dennoch unbedingt gedruckt sehen wollen, spricht man im Englischen von „vanity publishers“ und bezeichnet die von ihnen zum Selbstverlag ihrer Publikationen genutzten Bezahlverlage im Englischen als „vanity press“.[27][28][29] Dank des Book-on-Demand-Verfahrens sowie der Möglichkeit zur Herstellung von E-Books vervielfachte sich ihre Anzahl in immensen Steigerungsraten.[9][30]

Institutionell bedingter Selbstverlag[Bearbeiten]

U. a. wissenschaftliche Publikationen mit einer Auflage für einen zwar festen aber nur kleinen Abnehmerkreis sind für Verlage nur selten gewinnbringend zu kalkulieren.

Institute reagierten in Teilen auf dieses Problem mit der Gründung eigener Verlage, wie z. B. der „Universitätsverlag der TU Berlin“ (Verlagsnummer 7983), das „Institut für Wohnpolitik und Stadtökologie e. V.“ (Verlagsnummer 89215) oder auch eine Wissenschaftstransferstelle wie das „Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung“ (Verlagsnummer 87994).

Ansonsten wurden für die technische Abwicklung solcher Publikationen von Instituten (u.a. Bibliotheken, Universitäten) wie auch von den einzelnen Autoren (u. a. Doktoranden) häufig entsprechend zu honorierende Zuschussverlage in Anspruch genommen, die dann Herstellung, Marketing und – ggf. auch über die Beauftragung von Kommissionsverlagen – den Vertrieb besorgten. Aber auch hier sind Self-Publishing-Plattformen als weit kostengünstigere Anbieter im Vormarsch, die Titel im Book-on-Demand-Verfahren erstellen oder/und als E-Book vertreiben. (So werden von den Hochschulen inzwischen Dissertationen auch immer öfter in Form digitaler Netzpublikationen anerkannt.)

Manche Institutionen nutzen aber zuweilen auch z.B. für eine Geschenkgabe oder im Zusammenhang eines Firmenjubiläums den sich der Zielrichtung nach vom Selbstverlag unterscheidenden Privatdruck.

Rezeption von Erzeugnissen im Selbstverlag[Bearbeiten]

Literarische Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Die Wertschätzung von literarischen Veröffentlichungen im Selbstverlag unterliegen vorderhand denselben Kriterien wie Veröffentlichungen durch Verlage, d.h. deren Erfolg misst sich an verkauften Exemplaren sowie an der Wahrnehmung durch die Literaturkritik. Nach diesen Maßstäben gab es im Lauf der Jahrhunderte durchaus sehr erfolgreiche selbstverlegte Publikationen, und auch in jüngerer Zeit kann z. B. die Self-Publishing-Plattform Books on Demand auf mehrere bei ihm veröffentlichte Titel verweisen, die ihn Bestsellerlisten aufgeschienen sind. Und siehe dem nachfolgenden Abschnitt Beispiele selbstverlegter Bestseller gibt es auch einige Titel, die zuerst selbstverlegt und dann wegen ihres durchschlagenden Erfolgs von regulären Verlagen übernommen wurden.

Doch die fehlende „Auslese“ durch einen regulären Verlag wie auch das damit verbundene Fehlen eines als qualifiziert erachteten Lektorats lässt eben auch mehrheitlich „vanity publisher“ bzw. „Hobby-Autoren“ als Selbstverleger zu, deren Veröffentlichungen meist jede anerkennenswerte literarische Textqualität vermissen lassen. So ordert z. B. weder die Literaturkritik noch der Buchhandel von sich aus selbstverlegte Titel. Der Verband deutscher Schriftsteller schließt von der Aufnahme als neues Mitglied aus, wer allein auf selbstfinanzierte Buchveröffentlichungen verweisen kann.[14] Das Gleiche gilt für die Bewerbung um Aufnahme in die Autorendatenbank des Friedrich-Bödecker-Kreises.[31]

Diese skeptische Haltung gegenüber dem Selbstverlegertum ist durchaus im wirtschaftlichen Interesse der etablierten Verlage. Da jedoch inzwischen nicht wenige Verlage gerade bei den Lektoraten Einsparungen vorgenommen haben sowie (siehe Abschnitt professionelle Autoren) selbst Titel renommierter Autoren schon nach kurzer Zeit aus dem Programm nehmen und deren Autoren somit zum Selbstverlag geradezu zwingen, zeichnet sich hier womöglich eine zumindest differenziertere Betrachtung von Selbstverlegern ab. So „bekennt“ sich inzwischen eine Autorengemeinschaft unter dem Label Edition Gegenwind offensiv zur Erstellung ihrer vergriffenen Titel im Selbstverlag und erfährt auch unter diesem Vorzeichen positive Besprechungen.

Beispiele selbstverlegter Bestseller[Bearbeiten]

Nachfolgend sind erfolgreiche Buchtitel gelistet, von denen zumindest die Erstausgabe im Selbstverlag publiziert wurde:

Wissenschaftliche Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Wissenschaftliche Veröffentlichungen im Selbstverlag haben unter Wissenschaftlern insbesondere dann einen geringen Stellenwert, wenn hierbei das für wissenschaftliche Veröffentlichungen übliche Peer-Review fehlt. Bei institutionellen Selbstverlagen sind allerdings renommierte Herausgebergruppen und/oder Beiräte in die Publikation eingebunden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF): 5 Schritte zum Selbstverlag; mit den Überschriften: 1. Verlagstaufe, 2. Anmeldung, 3. Buchgestaltung und Geschäftsausstattung, 4. Kalkulation, 5. Werbung und Vertrieb sowie Erfolgreiche Selbstverleger - gibt es die? online abrufbar unter buch-schreiben.de
  2. a b Verlagswörterbuch – S des Autorenhaus Verlags: „Selbstverlag: Vom Autor gegründeter Verlag, in dem seine Werke erscheinen; Ausgangspunkt mancher ^Mini-Verlage“, online abrufbar unter autoren-magazin.de
  3. Verlagswörterbuch – D des Autorenhaus Verlags: „Druckkostenzuschussverlag: Fälschlicherweise gebrauchter Begriff für Unternehmen, die sich vom Autor dafür bezahlen lassen, dass sie sein Werk drucken, aber meist weit mehr als einen Zuschuss zu den Druckkosten nehmen. ^Dienstleisterverlag ^Pseudoverlag ^Vanity Press.“, online abrufbar unter autoren-magazin.de
  4. a b Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF): Book-on-Demand: Verlag oder Druckerei?; siehe Abschnitt „Mit Book-on-Demand sind Sie Selbstverleger“; online abrufbar unter buch-schreiben.de
  5. a b Siehe Seite 22 in: Jong-Rak Shin: Selbstverlag im literarischen Leben des Exils in den Jahren 1933-1945; Dissertation, Juni 2007, PDF-Datei mit 220 Seiten (793 kB)
  6. Kurt Hiller: Zur Sozialgeschichte von Buch und Buchhandel, Bonn 1966, S. 169; Fußnote 31 bei Jong-Rak Shin: Selbstverlag im literarischen Leben des Exils in den Jahren 1933-1945
  7. Siehe Seite 18 in: Jong-Rak Shin: Selbstverlag im literarischen Leben des Exils in den Jahren 1933-1945; Dissertation, Juni 2007, PDF-Datei mit 220 Seiten (793 kB)
  8. Duden: Herkunft des Verbs „verlegen“, online abrufbar unter duden.de
  9. a b Begriffsbestimmung (unter „Pseudoverlag“) Aktionsbündnis für faire Verlage
  10. Siehe S. 591 in Reinhard Mundhenke: Der Verlagskaufmann. Berufsfachkunde für Kaufleute in Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchverlagen. 8. völlig überarbeitete Auflage. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-7973-0676-8.
  11. Frank Demant: Tipps zum Selbstverlag mit Hinweis "2.) Wenn ihr wollt, denkt euch einen Phantasienamen aus ..."
  12. a b c d e Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF): Was bringt Ihnen Book-on-Demand?; „Book-on-Demand-Unternehmen bieten Ihnen als Autor und Selbstverleger Vorteile, aber auch Nachteile gegenüber anderen Verlagsmodellen.“ online abrufbar unter buch-schreiben.de
  13. Siehe S. 312 in: dtv-Lexikon – Ein Konversationslexikon in 20 Bänden, Band 16, Sac−Seml. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1966, Ausgabe von 1980
  14. a b vs.verdi.de Verbandseigene Auskünfte zu: "Mitglied im VS werden"
  15. buchmarkt-college.de: Selbstverlag
  16. Wirtschaftskammer Österreich: Eigen-/Selbstverlag
  17. Begriffsbestimmung (unter „Verlag“) Aktionsbündnis für faire Verlage
  18. Ronit Wolf: Tausche Sparbuch gegen Buch, Die Zeit, 20. Februar.2009, online über web.archive.org
  19. Zu Lektorat, Satzherstellung und Layout Preisangaben des von Andreas Mäckler geführten Anbieters xlibri.de; 4-seitige PDF-Datei
  20. Siehe 9. Mit welchen Kosten muss ich im Falle einer Veröffentlichung rechnen? der Hinweis von : Antworten auf die häufigsten Fragen an den Frieling-Verlag Berlin – Preisangaben des Frieling-Verlags Berlin: „Erfahrungsgemäß müssen alle Autoren bei der Veröffentlichung eines eigenen Buches in unserem Haus mit einer Kostenbeteiligung in Höhe von mehreren tausend Euro rechnen.“
  21. a b c d Gemma Pörzgen: Doktor Digital – Die eigene Dissertation in einem Verlag unterzubringen, verschafft ihr Prestige. Doch das Internet ist preiswerter und schneller. Digitales Publizieren hängt auch vom Fach ab. online in Der Tagesspiegel vom 18. Februar 2014
  22. Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF): Verlag sucht Autor; mit den Überschriften: Zuschuss-Verlage: die Umkehr des Verlagsprinzips und Abzocke? Oder ein Herz für unbekannte Autoren? online abrufbar unter buch-schreiben.de
  23. "Wie vermarkten Sie Ihr Buch?", Self Publishing in Deutschland: Wie Self Publisher sich selbst sehen, selfpublisherbibel.de, 28. Juni 2013, abgerufen am 31. Januar 2014.
  24. Guardian: Four self-published authors on New York Times ebook bestseller list, 2. August 2012
  25. Zu 1878 siehe Seite 34; zur Exilliteratur in den Jahren 1933-1945 siehe Seiten 53f. in: Jong-Rak Shin: Selbstverlag im literarischen Leben des Exils in den Jahren 1933-1945; Dissertation, Juni 2007, PDF-Datei mit 220 Seiten (793 kB)
  26. a b Jong-Rak Shin: Selbstverlag im literarischen Leben des Exils in den Jahren 1933-1945, siehe Seite 18, 19, 25–33
  27. en-Wikipedia Vanity press, englischer Artikel zu Vanity press bzw. Vanity publisher inkl. Belegen
  28. vanity publishing, siehe woerterbuch.reverso.net
  29. Verlagswörterbuch – V des Autorenhaus Verlags: „Vanity Press: Unternehmen, die sich vom Autor (Vanity = Eitelkeit) den Druck seines Werks bezahlen lassen. ^Pseudoverlag“, online abrufbar unter autoren-magazin.de
  30. Siehe BoD in Zahlen wurden z. B. laut eigenen Angaben des Anbieters Books on Demand von 1997 bis 2006 allein über dieses Unternehmen fünf Millionen und bis Anfang 2014 insgesamt über 18 Millionen gedruckte Bücher veröffentlicht. Diese Zahlen übertreffen bei weitem die Anzahl von Publikationen „professioneller Autoren“ in einem einzelnen Publikumsverlag.
  31. Bewerbungen um Aufnahme in die Autorendatenbank des FBK, online auf der Webseite des Friedrich-Bödecker-Kreises