Selenica

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Selenicë
Selenica
Wappen von Selenica
Selenica (Albanien)
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Koordinaten: 40° 32′ N, 19° 38′ O

Basisdaten
Qark: Vlora
Gemeinde: Selenica
Höhe: 60 m ü. A.
Fläche Bashkia: 561,24 km²
Einwohner Ort: 2235 (2011[1])
Einwohner Bashkia: 18.476 (2011[1])
Bevölkerungsdichte (Bashkia): 33 Einw./km²
Telefonvorwahl: (+355) 0392
Postleitzahl: 9427
Politik und Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Përparim Shametaj (PD)
Webpräsenz:
Ansicht von Norden (2014)

Ansicht von Norden (2014)

Selenica (albanisch auch Selenicë) ist eine Kleinstadt in Südalbanien rund 15 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Vlora. Die Stadt hat 2235 Einwohner (Volkszählung 2011).[1] Lokalbehörden geben hingen eine vielfach höhere Zahl von rund 7650 Einwohnern an.[2] Selenica gehört zum Qark Vlora.

Selenica liegt am westlichen Ufer der Vjosa einige Kilometer oberhalb der Einmündung der Shushica. Es gibt keine Brücke über die Vjosa zur dort verlaufenden Nationalstraße SH4 und auch keine Fortsetzung der 34 Kilometer langen, von Vlora kommenden Straße das Tal hinauf. Selenica ist somit eine Sackgasse.

Der Name Selenica ist im 16. Jahrhundert erstmals schriftlich nachgewiesen.[2]

Die Bitumen- und Erdöl-Vorkommen von Selenica waren schon in der Antike bekannt. Strabon, Aristoteles und Plinius der Ältere berichteten vom Abbau des Bitumens in Nymphaeum durch die Illyrer. Es wurde im ganzen Mittelmeerraum verwendet, mitunter für Öllampen.[3][4][5] Ob Selenica sich wirklich am Ort des antiken Nymphaeum liegt, ist zwar nicht bewiesen,[5] Lagebeschreibungen und das Vorkommen von Bitumen, Erdöl und -gas legen aber einen engen Zusammenhang nahe.[3][6] Die Verehrung der Nymphen war im antiken Apollonia von grosser Bedeutung. Cassius Dio berichtet von einem Orakel in Nyphaeum.[5] Die voraussagenden Priester hätten sich vom Bitumen und Gasen benebeln lassen.[6]

Ali Pasha Tepelena bezahlte der Hohen Pforte Abgaben für die Nutzung der Mine. Ismail Qemali übertrug die Nutzung 1875 einer englischen Firma.[6] Später bauten französische und italienische Firmen den natürlichen Asphalt ab – der erste namhafte Industriebetrieb des Landes. Anfangs wurde vor allem Tagbau betrieben, später auch unterirdisch gearbeitet.[2][3] Der Abbau war unter italienischer Ägide vor dem Zweiten Weltkrieg besonders ertragreich und wurde von 2000 Tonnen im Jahr 1923 auf über 12.000 Tonnen im Jahr 1938 gesteigert.[7] Das Bitumen hat einen hohen Reinheitsgrad und gute Eigenschaften für die Weiterverarbeitung.[4] Folgende geflügelten Worte vom bekannten albanischen Bitumen machten lange die Runde: „Die Straßen in Europa und im nahen Osten wurden mit Bitumen der Selenica-Mine gepflastert.“[3]

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Mine komplett zerstört.[4] Nach dem Wiederaufbau entwickelte sich in der Folge die Bevölkerungszahl des Bergwerkorts schnell von 3200 Einwohnern im Jahr 1955 auf 7100 Einwohner im Jahr 1990.[8]

Eine kleine Minenbahn verband als erste Eisenbahnverbindung Albaniens seit dem Jahr 1930 die Bitumenwerke mit der Hafenstadt Vlora. Anfangs 1980er Jahre wurden die letzten Kilometer bis zum Hafen stillgelegt. Seit Beginn der 1990er Jahre fahren gar keine Züge mehr.[9]

Heute baut eine französische Firma das Bitumen ab und vertreibt es europaweit.[10] Die Produktion liegt bei rund 8000–10.000 Tonnen pro Jahr.[11]

In der kleinen Bergwerkstadt gibt es heute eine Mittelschule, zwei Primarschulen und ein Gesundheitszentrum.[2] Selenica ist ein Zentrum der Aromunen, die in dieser Region siedeln.[6]

Seit 2015 gehören auch diverse Kommunen im Nordosten des ehemaligen Kreises Vlora zur Bashkia Selenica. Eingemeindet wurden Armen (2965 Einwohner), Brataj (2849 Einwohner), Kota (3516 Einwohner), Sevaster (1720 Einwohner) und Vllahina (3111 Einwohner). Die erweiterte Gemeinde hat insgesamt 16.396 Einwohner (Stand 2011).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Selenicë – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Ines Nurja: Censusi i popullsisë dhe banesave / Population and Housing Census – Vlorë 2011. Rezultatet Kryesore/Main Results. Hrsg.: INSTAT. Pjesa/Part 1. Adel Print, Tirana 2013 (Dokument als PDF).
  2. a b c d Guida e trashegimnisë kulturore të Qarkut Vlorë. In: Këshilli i Qarkut Vlorë. S. 13 f., abgerufen am 7. Juli 2013 (albanisch).
  3. a b c d Aferdita Osmanllio, Dhurata Thanashi: Antique Culture in Albanian Mines. In: Berichte der Geologischen Bundesanstalt. Band 41, 1997, ISSN 1017-8880, S. 155 ff. (Heft als PDF).
  4. a b c Karl Schappelwein: Bergbau und Energiewirtschaft. In: Klaus-Detlev Grothusen (Hrsg.): Albanien (= Südosteuropa-Handbuch). Band VII. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1993, ISBN 3-525-36207-2, S. 376−390.
  5. a b c Neritan Ceka: Apollonia. Migjeni, Tirana 2005, ISBN 99943-672-5-0.
  6. a b c d James Pettifer: Albania & Kosovo – Blue Guide. A & C Black, London 2001, ISBN 0-7136-5016-8.
  7. Gian Paolo Caselli, Grid Thoma: La storia economica albanese 1912-1939 e lo stabilirsi dell‘ egemonia italiana. Modena Oktober 2000 (Artikel online (PDF; 1,1 MB)).
  8. Michael Schmidt-Neke, Örjan Sjöberg: Bevölkerungsstruktur. In: Klaus-Detlev Grothusen (Hrsg.): Albanien (= Südosteuropa-Handbuch). Band VII. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1993, ISBN 3-525-36207-2, S. 464−490.
  9. SIMS - Societa Italiana delle Miniere di Selenizza. In: HSH Albanian Railways – Hekurudha e Shqiperise. 7. März 1998, abgerufen am 8. Juli 2013 (englisch).
  10. Selenizza SLN – plaquette de présentation. Selenice Bitumi Sha, abgerufen am 8. Juli 2013 (PDF; 645 kB, französisch): „Selenice Bitumi Sha, filiale à 100% d’un groupe Français“
  11. Carlo Giavarini: La nuova Albania e l’asfalto di Selenizza. Rassegna del bitume 65/10, 2010, abgerufen am 8. Juli 2013 (PDF; 398 kB, italienisch): „I problemi legati al mercato del bitume da distillazione potrebbero renderlo più competitivo e far aumentare la produzione, oggi attestata sulle 8.000-10.000 t/a.“