Selge (Pisidien)

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37.22944444444431.1272222222221000Koordinaten: 37° 14′ N, 31° 8′ O

Reliefkarte: Türkei
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Selge
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Türkei
Selge: Römisches Theater

Selge (griechisch Σέλγη) war eine antike Stadt in der kleinasiatischen Landschaft Pisidien beim heutigen Altınkayaköy (früher Zerk) (Türkei). Sie liegt 56 km nordwestlich von Side auf ca. 1000 m. ü. M. im oberen Tal des Eurymedon (heute: Köprüçay) am westlichen Ende des Taurusgebirges.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Überlieferung nach soll Selge nach dem Krieg um Troja durch den Seher Kalchas gegründet und durch Griechen aus Sparta besiedelt worden sein. Auf Münzen ist der Ort seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar. Wirtschaftliche Grundlage war der Anbau von Wein und Oliven auf der umgebenden fruchtbaren Hochebene sowie der Holzexport. Zudem wurde mit pharmazeutischen Rohstoffen wie Styraxharz, „Selgische Schwertlilie“ und weiteren Kräutern sowie den daraus zubereiteten Arzneimitteln (unter anderem das Kräuteröl „Selgiticum“[1]) gehandelt.[2] Politisch bestanden zu Aspendos gute Beziehungen, ansonsten war die Stadt kriegerisch gegen ihre Nachbarn ausgerichtet. Als Alexander der Große durch Kleinasien zog, verbündete sich die Stadt mit ihm, um, allerdings erfolglos, die nahe Stadt Termessos zu belagern. Polybios beschreibt einen Krieg zwischen Selge und Pednelissos 220 v. Chr., in dem Pednellissos Achaios, den Statthalter von Side, zu Hilfe rief. 25 v. Chr. verlor Selge die Selbstständigkeit und wurde in die römische Provinz Galatien eingegliedert. Laut Strabon soll die Stadt zu dieser Zeit etwa 20.000 Einwohner gehabt haben. Seine größte Blüte erreichte Selge zur Zeit des römischen Kaiserreiches. Im Jahr 339 kam es zu einer erfolglosen Belagerung durch die Goten. In byzantinischer Zeit war Selge Bischofssitz. Die Stadt wurde später in seldschukischer Zeit aufgegeben.

Archäologie[Bearbeiten]

Es sind die Reste der Stadtmauer, eines Theaters, eines Stadions, der Agora mit Säulenhallen, eines Gymnasions und einer Basilika erhalten. Das Theater wurde im 3. Jahrhundert n. Chr. neu gebaut und fasste etwa 15.000[3] Zuschauer. Außerhalb der Stadtmauer lagen ein Aquädukt und einige Kammergräber.

Umgebung[Bearbeiten]

Selge liegt innerhalb des Köprülü-Kanyon-Nationalparks. Etwa auf halbem Weg von der Küstenstraße nach Selge, der etwa dem Eurymedon folgt, überquert die Straße diesen über eine römische Steinbogenbrücke in etwa 30 m Höhe.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Selge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alois Machatschek und Mario Schwarz: Bauforschungen in Selge. Wien 1981, S. 14
  2. Ferdinand Peter Moog: Zum Asklepioskult in Selge. Ein numismatischer Beleg. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 21 (2002), S. 7–17; S. 9 und 12
  3. Hans von Aulock: Münzen und Städte Pisidiens. Tei II, Tübingen 1979 (= Istanbuler Mitteilungen, Beiheft 22), S. 45