Seligenporten
Seligenporten Markt Pyrbaum
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|---|---|
| Koordinaten: | 49° 16′ N, 11° 18′ O |
| Höhe: | 396–416 m ü. NHN |
| Einwohner: | 1495 (1. Jan. 2018)[1] |
| Eingemeindung: | 1. Oktober 1970 |
| Postleitzahl: | 90602 |
| Vorwahl: | 09180 |
Seligenporten, Ortsansicht von Norden (2024)
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Seligenporten ist ein Gemeindeteil des Marktes Pyrbaum im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Bayern.[2]
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Dorf befindet sich ca. 2,9 km südöstlich des Hauptortes Pyrbaum und rund 2,7 km östlich des Marktes Allersberg hart an der Grenze zu Mittelfranken. Während der Altort östlich der Schwarzach liegt, wurde im 20. Jahrhundert auch die westlich der Schwarzach befindliche Ortslage mit Wohnsiedlungen und einem Gewerbegebiet erschlossen.[2]
Die Nachbarorte Seligenportens sind Rengersricht, Pavelsbach, Schwarzach und Allersberg.[2]
Geschichte
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Gegen Pfingsten des Jahres 1242 kamen 45 Ordensfrauen am bis dahin unbewohnten Ort "zu den Aichen" (in freiem Gelände) an und gründeten das Kloster Seligenporten, eine Stiftung des Gottfried von Sulzbürg und seiner Gattin Adelheid von Hohenfels.[3][4]
In der Urkunde des Eichstätter Bischofs Heinrich IV. von Württemberg (1247–1259) des Jahres 1249 wird dann der Konvent mit "Cenobium Felix Porta uocatum" (das Kloster, genannt Glückliche Pforte) beschrieben.[5]
In klösterlichen Urkunden der Jahre 1253 und 1254 wird der Ort in den Schreibweisen "in Seldenporte" bzw. "monasterio sancte Marie in Felici Porta" (dem Kloster St. Maria in Seligenporten) aufgeführt.[5]
Der heutige Name der Siedlung fand erstmals in einer Klosterurkunde (Urk. 27) des Jahres 1273 Verwendung.[5]
Kaiser Ludwig der Bayer befreit am 28. April 1314 das Kloster Seligenporten von der weltlichen Gerichtsbarkeit, so dass das Kloster Seligenporten zu den Reichsständen zählte, auch wenn es (wie viele Frauenklöster) nicht selbst auf dem Reichstag auftreten durfte.[3]
In den folgenden Jahrhunderten wuchs das Kloster rasch und mit ihm auch der Ort, in dem die Klosterbediensteten lebten. Um 1500 umfasste der Klosterbesitz rund 350 Anwesen mit 650 Untertanen in über 140 Orten in einem Umkreis von rd. 30 km. Das klösterliche Leben endete 1576 mit dem Tod der letzten Äbtissin Anna von Kuedorf und das Kloster wurde aufgelöst.[6]
Sämtliche Besitzungen des Klosters Seligenporten gingen in Rahmen einer ersten Säkularisation an den Kurfürsten Friedrich III. bzw. dessen Sohn Ludwig VI. von der Pfalz. Der ehemals klösterliche Besitz blieb jedoch als Verwaltungseinheit bestehen und wurde fortan von einem vom Fürstenhaus eingesetzten "Klosterrichter" verwaltet.[4]
Nach der in 1626 beginnenden Rekatholisierung der Oberpfalz wurde die Mehrzahl der ehemals Seligenportener Klostergüter im Jahre 1671 den Salesianerinnen zu Amberg übereignet. Dies beflügelte die wirtschaftliche Entwicklung Seligenportens. Auf Basis des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 übernahm dann das Bayerisch-Wittelsbacher Kurfürstenhaus den Klosterbesitz und veräußerte ihn im Anschluss an Privat.[6]
Mit dem Königlichen Gemeindeedikt vom 17. Mai 1818 entstand die Ruralgemeinde Seligenporten, der auch der Ortsteil Schwarzach angehörte.[7]
| Einwohnerentwicklung | ||||
|---|---|---|---|---|
| Berichtsjahr | Kirchdorf Seligenporten[8] | Gemeinde Seligenporten[9] | ||
| 1871 | 235 | 723 | ||
| 1925 | 264 | 522 | ||
| 1950 | 457 | 723 | ||
| 1970 | 724 | -- | ||
| 1987 | 1001 | -- | ||
Nach Fertigstellung und Inbetriebnahme der Bahnstrecke Burgthann-Allersberg am 14. Dezember 1902 verfügte Seligenporten über eine eigene Haltestelle. Bereits in 1923 wurde vom örtlichen Elektromeister eine zunächst rudimentäre Stromversorgung aufgebaut. Die vollständige Elektrifizierung des Dorfes begann dann im Jahre 1925.[6]
Ab 1929 erwarben die Zisterzienser aus Bronnbach das zwischenzeitlich gastronomisch genutzte Klostergebäude und richteten dort ab 1931 einen Konvent ein, der jedoch im Jahre 1967 wieder aufgelöst wurde.[6]
Im Zuge der Gemeindegebietsreform schloss sich die Gemeinde Seligenporten bereits am 1. Oktober 1970 der Marktgemeinde Pyrbaum an.[10]
Vereine
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ort verfügt über ein reges Vereinsleben, dass sämtliche Aspekte einer dörflichen Gemeinschaft abdeckt.
Der älteste Verein Seligenportens ist die in 1890 gegründete Freiwillige Feuerwehr, die bereits seit 1881 über eine eigene Löschgruppe verfügte.[11]
Der Mitgliederstärkste Verein in Seligenporten ist der Spielverein Seligenporten, dessen Fußballabteilung fünf Spielzeiten bis 2024 in der Regionalliga Bayern spielte.[12] Dem Pferdesport widmet sich der Reit- und Fahrverein Seligenportner Klosterreiter, während die Schützengesellschaft Kloster Tannenreis den Schießsport abdeckt.[13]
Der Gartenbau- und Landespflegeverein beschäftigt sich in erster Linie mit der Ortsverschönerung und der Pflege der Grün- und Schutzflächen.[13]
Für den musischen Bereich zeichnen der Kirchenchor und die Dorfmusik Seligenporten verantwortlich.[13]
Gemeinschaft bildende Vereine sind die Soldatenkameradschaft, der Heimatverein Kloster und die Kirwaleit Kloster.[13]
Der Heimatverein Kloster befasst sich u. a. mit der Verwaltung und Pflege des Dorfhauses und Heimatmuseums „Stollensepfelhaus“.[13]
Der Verein Felix Porta e.V. fördert die Begegnung der Kinder und Jugendlichen des Ortes über verschiedene Aktionen.[13]
Sehenswertes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Zentrum des Ortes liegt das gleichnamige Kloster Seligenporten mit Klosterkirche und gut erhaltenem Torturm.
Wirtschaft und Infrastruktur
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Am westlichen Ende des Dorfes befindet das "Gewerbegebiet Am Bahnhof", am südlichen Ortsende befindet sich das "Gewerbegebiet Möninger Straße".[2]
Seligenporten verfügt über eine Grundschule und einen Kindergarten.[13]
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Seligenporten kreuzen sich die Staatsstraße St 2402, die von Allersberg nach Postbauer-Heng führt und die Kreisstraße NM 17 von Möning nach Pyrbaum. Rund 5,5 Kilometer westlich verläuft die Autobahn A 9 zwischen Nürnberg und Ingolstadt.[2]
Durch Seligenporten verlaufen die Fernwanderwege Berchinger Weg und Rangau-Pfalz-Weg.

Der Haltepunkt Seligenporten lag an der Bahnstrecke Burgthann–Allersberg, welche zum 3. Juni 1973 stillgelegt wurde.[14][15]
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben einem überregional bekannten Busunternehmen haben Metallbearbeitungs- und Maschinenbauunternehmen sowie ein Hersteller von Präzisionswerkzeugen ihren Firmensitz in Seligenporten. Auch ein Logistikunternehmen und mehrere Handwerksbetriebe sind ortsansässig.[16]
Medizinische Versorgung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Seligenporten befindet sich eine Zahnarzt- und eine Physiotherapiepraxis.[16]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Website der Marktgemeinde Pyrbaum
- Seligenporten in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 16. Februar 2022.
- Seligenporten in "Das Bistum Eichstätt" / Bearbeitet von Franz Xaver Buchner / II. Band / Eichstätt 1938 / Seite 506 ff., abgerufen am 4. März 2026
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Mitteilungsblatt für den Markt Pyrbaum – Ausgabe Juni 2018. (PDF; 7,7 MB) Markt Pyrbaum, S. 4, abgerufen am 14. Februar 2025.
- ↑ a b c d e Ortslage. In: BayernAtlas. Kartenviewer des Freistaats Bayern, abgerufen am 4. März 2026.
- ↑ a b Franz Xaver Buchner: Regesten des Klosters Seligenporten. In: Historischer Verein für Neumarkt i.d.Opf. und Umgebung e.V. (Hrsg.): Jahresberichte. Band 2. Neumarkt 1906, S. 48 ff.
- ↑ a b Simon Federhofer: Herrschaftsbildung im Raum Neumarkt. In: Historischer Verein Neumarkt i.d.Opf. und Umgebung (Hrsg.): Neumarkter Historische Beiträge. Band 2. Druckerei Fuchs, Pollanten, Neumarkt i.d.Opf. 1999, S. 44 ff. bzw. 227 ff.
- ↑ a b c Andrea Weber, Wolfgang Janka und Sarah Rathgeb: Historische Ortsnamen. Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 4. März 2026.
- ↑ a b c d 775 Jahre Seligenporten. Markt Pyrbaum, 2017, abgerufen am 4. März 2026.
- ↑ Königlich Bayerisches Statistisches Bureau: Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875 / Spalten 885 und 886 / Verlag Adolf Ackermann / München 1877. In: MDZ Münchener DigitalisierungsZentrum / Digitale Bibliothek. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 4. März 2026.
- ↑ Einwohnerstatistik Kirchdorf Seligenporten. In: bavarikon. Onlineportal des Freistaats Bayern, abgerufen am 5. März 2026.
- ↑ Einwohnerstatistik Gemeinde Seligenporten. In: bavarikon. Onlineportal des Freistaats Bayern, abgerufen am 5. März 2026.
- ↑ Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799-1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 533.
- ↑ Website der FF Seligenporten, abgerufen am 5. März 2026
- ↑ Webseite des SV Seligenporten, abgerufen am 5. März 2026
- ↑ a b c d e f g Website. der Marktgemeinde Pyrbaum, abgerufen am 5. März 2026.
- ↑ Dauernde Einstellung des Gesamtbetriebes auf der Nebenbahn Burgthann – Allersberg. In: Amtsblatt der Bundesbahndirektion Nürnberg. Nr. 59, 18. April 1972, ZDB-ID 563443-X, S. 392 (Die Quelle spricht, aus damaliger Sicht in die Zukunft gerichtet, von entsprechenden Plänen.).
- ↑ Wolfgang Bleiweis, Ekkehard Martin: Fränkische Nebenbahnen: einst und jetzt; Mittel- und Unterfranken. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham/München 1987, ISBN 3-922138-30-6, S. 105–109.
- ↑ a b maps. In: maps. Google, abgerufen am 5. März 2026.
