Semah

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Semah-Tanz der Sufis

Der Semah oder Sema (von arabisch  samāʿ, „hören“) ist ein Element der Trancetänze bei Sufi-Bruderschaften. Zum Semah werden spirituelle Lieder gespielt und gesungen. Semah als mystische Aufführung ist ein durch Musik, Gesang, Tanz und Gestik herbeigeführtes Gottgedenken. Bei den Aleviten gehört der Semah zu den zwölf Pflichten in der Cem-Veranstaltung, der spirituellen Versammlung der Aleviten.

Die Musik des rituellen Tanzes wird vom usul (Rhythmus/Metrum) aksak bestimmt. Die Tänzer und Tänzerinnen wechseln zwischen langsamen und schnellen Schritten sowie zwischen kreisförmigen und zum Mittelpunkt ausgerichteten Bewegungen. Charakteristisch sind Drehbewegungen um die eigene Achse, womit eine Vereinigung des Menschen mit Gott und der Natur angestrebt wird. Dabei zeigt die Handinnenfläche der rechten Hand nach oben und die linke Handinnenfläche zum Boden. Das sich Drehen in einer Kreisbahn und um die eigene Achse symbolisiert Drehbewegungen der Planeten in ihrer Umlaufbahn um die Sonne, aber auch die ewigen Kreisläufe des Lebens und der Natur. Außerdem werden beim Tanzen die Tanz- und Flugbewegungen des den Aleviten heiligen Kranichs (türkisch turna) nachgeahmt.[1]

In den Texten geht es sowohl um Allah, den Propheten Mohammed, dessen Vetter Ali und Hızır, als auch um den Menschen selber: Man solle immer an das Gute im Menschen glauben, um nicht vom richtigen Weg abzukommen.

Der Semah wird auch „Kranichtanz“ (turnalar semahi) genannt, weil der Kranich, der in türkischen Volkserzählungen häufig vorkommt, weite Strecken zwischen seinem Heimatland und fernen Regionen zurücklegt und so als symbolischer Mittler zwischen Liebenden und von Menschen zu Gott erscheint. Der kreisförmige Tanz ist ein häufiges und weit verbreitetes Motiv mit einer magischen Bedeutung in prämonotheistischen ethnischen Religionen. Das Symbol des Kranichs, das auch in der japanischen Mythologie vorkommt, verweist auf eine Verbindung zu alten zentralasiatischen Vorstellungen, die als Tengrismus zusammengefasst werden.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Semah (Alevi Toplumu Alevitische Gemeinde ATAG e. V.) (Memento des Originals vom 4. Mai 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.alevitentum.de
  2. Mehmet Kara, Ersin Teres: The Crane as a Symbol of Fidelity in Turkish and Japanese Cultures. (Memento des Originals vom 14. Mai 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.millifolklor.com Millî Folklor, 2012, S. 194–201, hier S. 196, 200