Semd

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Semd
Wappen der früheren Gemeinde Semd
Koordinaten: 49° 52′ 23″ N, 8° 53′ 16″ O
Höhe: 147 m ü. NHN
Fläche: 15,99 km²[1]
Einwohner: 1792 (Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 112 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64823
Vorwahl: 06078
Karte
Lage von Semd in Groß-Umstadt
Naturschutzgebiet „Taubensemd“ (2012)
Ehemaliges Rathaus

Semd ist ein Stadtteil von Groß-Umstadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg am Nordrand des Odenwaldes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste urkundliche Nachweis datiert um 1312.[1] Anfänglich noch als Semede oder Semme, später Sem (1544), oder Sembt (1711) benannt. Semd war gemeinschaftlicher Besitz der Kurpfalz und der Landgrafschaft Hessen. 1576 haben beide die hohe Ober-Herrlichkeit und Gerechtigkeit inne. In Semd haben Adel und Kirche Grundbesitz; so die Grafen von Hanau, das Kloster Fulda, die von Frankenstein, die von Wasen, die Ulner von Dieburg, die Gayling von Altheim, die von Karben, die von Rodenstein, die von Groschlag, die Schenken von Erbach, die von Düdelsheim, die von Bleichenbach sowie die Gans von Otzberg.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Semd:

»Semd (L. Bez. Dieburg) luth. und reform. Filialdorf; liegt 1 St. von Dieburg und 34 St. von Umstadt. Der Ort hat 186 Häuser und 1146 Einw., die bis auf 127 Reform., 19 Kath. und 4 Juden lutherisch sind; unter diesen sind 82 Bauern, 53 Handwerker und 80 Taglöhner. Die Kirche ist gemeinschaftlich und wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Man findet 3 Mahlmühlen und einen sehr starken Mohnbau. – Hier besassen die Grafen von Katzenellenbogen ein sogenanntes Grevengericht, das an Hessen kam und aus den Zeiten herrührte, zu welchen Katzenellenbogen in dem Bezirk von Umstadt berechtigt war. Der Ort war mit Pfalz gemeinschaftlich, und 1802 kam der pfälzische Antheil an Hessen.«[3]

Die übergeordneten Verwaltungseinheiten waren ab 1621 das Amt Umstadt, das 1802 zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt kam und ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte, ab 1821 der Landratsbezirk Dieburg, ab 1832 der Kreis Dieburg, ab 1848 der Regierungsbezirk Dieburg, ab 1852 wieder der Kreis Dieburg, ab 1938 der Landkreis Dieburg und seit 1977 der Kreis Darmstadt-Dieburg.[1]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen versuchten Semd und Klein-Zimmern 1972 nach Dieburg eingemeindet zu werden, was die Stadt Dieburg jedoch ablehnte.[4] Zum 1. Januar 1977 wurden dann Groß-Umstadt und die Gemeinden Dorndiel, Heubach, Kleestadt, Klein-Umstadt, Richen und Semd durch das Landesgesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt zur neuen Stadt Groß-Umstadt zusammengeschlossen.[5][6] Für die Kernstadt Groß-Umstadt und die Stadtteile Dorndiel, Heubach, Kleestadt, Klein-Umstadt, Raibach, Richen, Semd und Wiebelsbach wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung errichtet. Die Grenzen der Ortsbezirke folgen den Gemeindegrenzen vom 30. Dezember 1971.[7]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Semd lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1633: 292 Einwohner[1]
• 1806: 976 Einwohner, 168 Häuser[9]
• 1829: 1146 Einwohner, 186 Häuser[3]
• 1867: 1167 Einwohner, 211 Häuser[10]
Semd: Einwohnerzahlen von 1806 bis 2016
Jahr  Einwohner
1806
  
976
1829
  
1.146
1834
  
1.193
1840
  
1.304
1846
  
1.426
1852
  
1.296
1858
  
1.266
1864
  
1.190
1871
  
1.140
1875
  
1.154
1885
  
1.071
1895
  
1.111
1905
  
1.040
1910
  
1.034
1925
  
1.064
1939
  
1.063
1946
  
1.403
1950
  
1.425
1956
  
1.316
1961
  
1.300
1967
  
1.507
1970
  
1.636
1980
  
?
1990
  
?
2006
  
2.000
2011
  
1.677
2016
  
1.792
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Stadt Groß-Umstadt[2]; Zensus 2011[11]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 996 lutheranische (= 86,91 %), 127 reformierte (= 11,08 %), 4 jüdische (= 0,35 %) und 19 katholische (= 1,66 %) Einwohner[3]
• 1961: 1119 evangelische (= 86,08 %), 160 katholische (= 12,31 %) Einwohner[1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Semd besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Semd) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[7] Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen 2016 gehören ihm vier Mitglieder der SPD, zwei Mitglieder der CDU und ein Mitglied des Bündnis 90/Die Grünen an. Ortsvorsteher ist Dieter Ohl (SPD).[12]

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Banner Semd.svg

Wappen

Wappen von Semd

Blasonierung: In Rot über drei goldenen Spitzen eine silberne Waage über einem silbernen Spiegel in goldenem Rahmen.[13]

Das Wappen wurde durch den Heraldiker Heinz Ritt gestalted und am 2. September 1963 vom Hessischen Innenministerium genehmigt.

Es beruht auf einem alten Gerichtssiegel des Ortes von 1713 und verweist damit auf das Örtliche Gericht.[14]

Flagge

Die Flagge wurde am 24. April 1961 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Flaggenbeschreibung: „Auf der breiten weißen Mittelbahn des blau-weiß-blauen Flaggentuches das Gemeindewappen.“ [15] |-

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit März 2004 steht in der Semder Flur eine Sitzbank. Sie ist 31,33 m lang; die Sitzfläche und die Lehne sind aus je einem Stück Douglasie gefertigt. Besonders den Einheimischen gilt dieses originelle Stück als "längste Bank der Welt". Das Naturdenkmal Gambseiche auf Semder Gemarkung fiel im Juni 2019 einem Blitzschlag zum Opfer und musste gefällt werden.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast zwanzig Vereine, eine Sport- und Kulturhalle und ein reges Kulturleben, welches sich in Straßenfesten und vielen anderen kulturellen Ereignissen widerspiegelt, kann der knapp 2000 Einwohner zählende Ort vorweisen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Semd finden viele Feste statt, von sehr kleinen Festen wie der Glühweinkerb am Freitag vor Totensonntag bis hin zur Semder „Mallorca Beach Party“, die seit Jahren einen festen Termin im Kulturkalender der Region darstellt.
  • September: Kerb[16]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An öffentlichen Einrichtungen sind Freiwillige Feuerwehr, Turnverein, Schützenhaus, Bücherei, Kindergärten, Grundschule, Kirche (für die Professor Otto Linnemann aus Frankfurt um 1919 Glasfenster schuf) und Gemeindehaus zu erwähnen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraßenauffahrt der B26 Richtung Darmstadt und Frankfurt am Main ist nur zwei Kilometer entfernt. Groß-Umstadt und Dieburg als kleinstädtische Dreh- und Angelpunkte der Region liegen nur 5 Autominuten entfernt. Zum Frankfurter Flughafen gelangt man in 40 Minuten (25 Minuten außerhalb der Hauptverkehrszeiten). Eine Schnellbusanbindung sowie Bahnhöfe in Dieburg (6 km) und Groß-Umstadt (4 km) komplettieren die Verkehrsanbindung.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Semd, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Stadtteile. In: Webauftritt. Stadt Groß-Umstadt, abgerufen im November 2017.
  3. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, OCLC 312528080, S. 222 (Online bei google books).
  4. Magistrat der Stadt Dieburg (Hrsg.): Dieburg eine Chronik. Dieburger Verlag, 2007, ISBN 978-3-00-023096-7, S. 138
  5. Karl-Heinz Gerstemeier, Karl Reinhard Hinkel: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Hrsg.: Hessischer Minister des Inneren. Bernecker, Melsungen 1977, DNB 770396321, OCLC 180532844, S. 231.
  6. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. II 330–334) vom 26. Juli 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 318, § 14 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  7. a b Hauptsatzung. (PDF; 97 kB) §; 5. In: Webauftritt. Stadt Groß-Umstadt, abgerufen im Mai 2019.
  8. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. a b Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl. (1806)HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen).
  10. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. 82 (Online bei google books).
  11. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  12. Ortsbeirat Heubach. In: Webauftritt. Stadt Groß-Umstadt, abgerufen im Oktober 2019.
  13. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Semd im Landkreis Dieburg, Regierungsbezirk Darmstadt vom 14. Mai 1960. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1960 Nr. 20, S. 582, Punkt 454 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,7 MB]).
  14. Wappen der Welt: Semd, abgerufen im November 2017.
  15. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung einer Flagge der Gemeinde Semd im Landkreis Dieburg, Regierungsbezirk Darmstadt vom 24. April 1961. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1961 Nr. 18, S. 497, Punkt 486 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,2 MB]).
  16. Darmstädter Echo, Dienstag, 8. September 2015, S. 18