Senioren-Wohngemeinschaft

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In einer Senioren-Wohngemeinschaft teilen sich ältere Menschen eine Wohnung oder ein Haus, um nicht zu vereinsamen. Pflegebedürftige Bewohner betreut ein professioneller Pflegedienst.

Ausprägungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Senioren-Wohngemeinschaft wohnen ältere Menschen zusammen, die entweder bereits in Rente oder kurz davor sind. Motivation ist, dass sie im Alter nicht alleine leben möchten. Die Bewohner teilen sich eine Wohnung oder ein Haus mit separaten Wohnungen und zusätzlichen Gemeinschaftsräumen wie etwa einer großen Küche oder einem Garten. Üblicherweise ziehen die Senioren zusammen, wenn sie noch agil sind. Wird ein Bewohner pflegebedürftig, übernimmt meistens ein professioneller Pflegedienst die Betreuung.

Von einer (mehr oder weniger auch professionell) betreuten Senioren-Wohngemeinschaft, insbesondere von einer Heim-ähnlichen Betreuung im Sinne einer stationären Hausgemeinschaft, grenzt sich die sogenannte Plus-WG ab – einer auch (und nicht ausschließlich) auf Senioren ausgerichteten Wohngemeinschaft, in der die Bewohner selbstständig und ohne externe Hilfe zusammenleben. Das Plus steht dabei für ein Lebensalter ab 50 Jahren. Die Bewohner einer Plus-WG sind noch sehr aktiv und unternehmen viel gemeinsam.[1] Eine Kombination aus jungen Familien und Senioren ist die „Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft“ oder ein Mehr-Generationen-Haus. Mehrere Generationen leben mit dem Ziel eines nachbarschaftlichen Miteinanders zusammen.[2]

Henning Scherf, der mit seiner Frau und 10 weiteren Familien bereits 1987[3] eine Alters-WG gründete, in der beide bis heute leben, und darüber publiziert, empfiehlt das Modell durchaus auch für die Zielsetzung einer „Demenzwohngemeinschaft (Demenz-WG)“. Er habe inzwischen verschiedene Varianten z. T. wochenlang besucht, beraten oder miterlebt, so dass er sich diese Form bei einem eigenen Leiden vorstellen könne.

Verbreitung und Akzeptanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl das Leben in einer WG vor allem mit jungen Menschen assoziiert wird, können sich laut einer Forsa-Umfrage 18 Prozent der über 60-Jährigen vorstellen, in einer Wohngemeinschaft zu leben. 64 Prozent sind der Meinung, es solle auch Wohngemeinschaften für nicht mehr ganz junge Menschen geben.[4] Die Suche nach Mitbewohnern und geeignetem Wohnraum ist schwierig. Inzwischen gibt es Internetplattformen, die Wohngemeinschaften für Senioren vermitteln. Die Wohnung für eine Senioren-WG muss barrierefrei sein, das Umfeld muss mit dem Angebot an Einkaufsmöglichkeiten, Kultureinrichtungen und Grünanlagen zu Senioren passen.[5]

Der Staat unterstützt finanziell die Gründung von Senioren-Wohngemeinschaften. Beim Grundsicherungsamt können Senioren die bedarfsorientierte Grundsicherung, bei der Wohngeldstelle der Stadt oder Gemeinde Wohngeld beantragen. Die Pflegekasse übernimmt darüber hinaus bis zu 2.500 Euro für notwendige Umbaumaßnahmen.[5]

Der berühmteste Kommunarde einer Senioren-WG ist der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf. Bereits 1987 zog er mit acht Leuten in ein Gemeinschaftshaus. Er bewohnt dort mit seiner Frau eine eigene Wohnung. Das Haus wurde rollstuhlgerecht geplant und hat eine Fahrstuhlvorrichtung. Scherf sieht die Wohngemeinschaft als Möglichkeit, in einer älter werdenden Gesellschaft nicht zu vereinsamen.[6]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft wird zunehmend älter, die Zahl der über 65-Jährigen wird in den nächsten zwei Jahrzehnten um fünf Millionen steigen. Früher lebten ältere Menschen bis zu ihrem Tod in der Großfamilie. Heute bleiben sie nach dem Wegzug der Kinder und dem Tod des Partners häufig allein zurück. Schon 2006 lebten 37 Prozent der Frauen ab 55 Jahren und 17 Prozent der Männer allein. Ab dem Alter von 75 Jahren waren es 62 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer.[7] Zunehmende Einsamkeit ist eine Ursache für Altersdepressionen. Dem kann das Leben in einer Senioren-Wohngemeinschaft entgegenwirken.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning Scherf: Alle unter einem Dach. In verdi-publik. Ausgabe-10/2010-Generationen S. 1–2 (auch online.) (dort Artikel zu barrierefrei wohnen, technischen Hilfen, Genossenschaft Bad Kreuznach)
  • David Thiele: Wohngemeinschaften für Senioren und Menschen mit Behinderung: Gründung, Hintergründe, Wege. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, 2016 ISBN 978-3658117740.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Definition Plus-WG, wg-gesucht.de
  2. http://www.stern.de/wirtschaft/immobilien/immobilien/mehr-generationen-wg-ein-netz-ueber-die-ganze-stadt-589673.html
  3. https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article146125879/Es-muss-nicht-gleich-das-Senioren-Heim-sein.html
  4. Forsa-Umfrage: Meinungen der Deutschen zu Wohngemeinschaften für ältere Menschen, gemeinschaftliches-wohnen.de
  5. a b http://www.wg-gesucht.de/artikel/senioren-wg-fuer-zwei-von-drei-senioren-das-optimale-wohnkonzept
  6. http://www.tagesspiegel.de/zeitung/der-privatier/679664.html
  7. http://www.bpb.de/wissen/5MJEAP,0,0,Alleinlebende_nach_Familienstand.html