Sennfeld

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Sennfeld
Sennfeld
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Sennfeld hervorgehoben
Koordinaten: 50° 2′ N, 10° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Schweinfurt
Höhe: 214 m ü. NHN
Fläche: 6,98 km2
Einwohner: 4520 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 648 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97526
Vorwahl: 09721
Kfz-Kennzeichen: SW, GEO
Gemeindeschlüssel: 09 6 78 178
Gemeindegliederung: 1 Ortsteil
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstr. 11
97526 Sennfeld
Webpräsenz: www.sennfeld.de
Bürgermeister: Oliver Schulze (Freie Wähler)
Lage der Gemeinde Sennfeld im Landkreis Schweinfurt
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Über dieses Bild
Dreieinigkeitskirche am Plan

Sennfeld (ostfränkisch Sennfldd; Spitzname Batzenfeld, abgeleitet von Bad Sennfeld) ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt und grenzt an die kreisfreie Stadt Schweinfurt. Sennfeld ist ein ehemals kaiserlich unmittelbares und freies Reichsdorf.

Sennfeld ist ein Zentrum Fränkischer Tracht und weithin bekannt durch seine Sonderkulturen, insbesondere für Gemüse. Hier hat die Carl Kühne KG ihr zweitgrößtes deutsches Werk. Das Dorf liegt am Sennfelder Seenkranz, mit einem der größten naturbelassenen Thermalseen Deutschlands, an dessen Ufer in einer Freizeitanlage etwa alle drei Jahre Europas größtes Varieté Festival stattfindet.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sennfeld liegt links des Mains im Schweinfurter Becken und reicht nicht ganz bis an das heutige Mainufer heran, sondern wird durch einen schmalen, teilweise nur wenige Meter umfassenden Streifen Schweinfurter Gebietes vom Flussufer getrennt. Der historische Ortskern liegt nur knapp 2 km ostsüdöstlich vom Schweinfurter Marktplatz und wurde auf einer Sandbank gegründet.

Die Gemarkung grenzt an den Schweinfurter Stadtpark Wehranlagen. Im Norden des Dorfes liegt der Sennfelder Seenkranz, der den Verlauf eines Alten Mains erkennen lässt. An der östlichen Ortsgrenze erreicht die Gemarkung mit 262 m ü. NN ihren höchsten Punkt. Der Westen des Gemeindegebietes, mit Freizeiteinrichtungen und dem Gewerbegebieten, bildet eine funktionale Einheit mit Schweinfurt, mit äußerlich nicht wahrnehmbarer Grenze (siehe: Hafen-Ost).

Blick von der Oberen Mainleite über den Main ins Schweinfurter Becken auf Sennfeld mit seinen Sonderkulturen, im Mittelgrund die Auwälder um den Sennfelder Seenkranz

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Schonungen, Gochsheim und Schweinfurt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die geschichtliche Entwicklung der Gemeinde ist eng verknüpft mit den benachbarten Orten Schweinfurt (ehemalige Reichsstadt) und Gochsheim (ehemaliges freies Reichsdorf). Das Dorf trägt wie sein Nachbar Gochsheim das Attribut „ehemals kaiserlich unmittelbares und freies Reichsdorf“.

Im Jahr 1094 war die erste urkundliche Erwähnung: Kaiser Heinrich IV. bestätigte dem Kloster Theres Schenkungen von Botho von Kärnten und seiner Frau Judith, Markgräfin von Schweinfurt, auch in „Sendelveit“. Im Jahr 1282 wurde das Dorf erstmals urkundlich von einer Reichsvogtei in Schweinfurt erwähnt, zu der die beiden Dörfer Sennfeld und Gochsheim gehörten.

König Albrecht verpfändete dem Hochstift Würzburg 1304/05 die Reichsvogtei Schweinfurt mit den beiden Dörfern Sennfeld und Gochsheim. Im Jahr 1309 wechselte diese Pfandschaft an die Grafen von Henneberg. In einem Henneberger Urbar (Grundbuch) wurde 1317 berichtet, dass in Sennfeld ein „Gericht des Reichs wegen“ besteht. Deshalb konnte Sennfeld ab dieser Zeit als Reichsdorf bezeichnet werden. Die Reichsstadt Schweinfurt befreite sich im Jahr 1386 mit Sennfeld und Gochsheim mit eigenen Mitteln aus der Pfandschaft.

1540 löste sich die Pfarrei von ihrer Mutterkirche in Gochsheim. Die Reichsdörfer Sennfeld und Gochsheim fielen im Jahr 1575 unter die Schutz- und Schirmherrschaft des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter, der aber entgegen seinen vertraglichen Verpflichtungen die Reichs- und Religionsfreiheit der beiden Dörfer nicht anerkennen wollte. Im Jahr 1635 verlor das Dorf die Reichsfreiheit, da Kaiser Ferdinand II. den Würzburger Fürstbischof Franz Graf von Hatzfeld die beiden Reichsdörfern Sennfeld und Gochsheim in einem Lehenbrief schenkte.

Im Januar 1648 zerstörten schwedische Soldaten in Sennfeld alle Gebäude bis auf drei Häuser, um eine Verschanzung gegnerischer Truppen zu verhindern.

Am 23. Januar 1649 wählten die 29 übriggebliebenen Ortsnachbarn ihren neuen Schultheiß. Am 14. August 1649 wurde die Reichsfreiheit durch eine Restitutionskommission in Schweinfurt wieder erlangt. Der aus dieser Zeit stammende Plantanz wird noch gegenwärtig zur Kirchweih getanzt und gilt als Symbol der wiedererlangten Reichsfreiheit. 1802 verlor das Dorf sie jedoch erneut und es wurde in das Kurfürstentum Bayern eingegliedert.

1810 kam die Siedlung zum Großherzogtum Würzburg; sie wurde 1814 endgültig dem Königreich Bayern eingegliedert. Im Jahr 1818 entstand die politische Gemeinde.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1850 wurde ein Kindergarten als einer der ersten in ganz Bayern errichtet. Am 23. November 1903 wurde die Eisenbahnlinie Schweinfurt – Gerolzhofen über Sennfeld eröffnet.

Im Zweiten Weltkrieg hatte die Gemeinde Sennfeld aufgrund der Nähe zur Industriestadt Schweinfurt sehr unter den Bombenangriffen auf Schweinfurt zu leiden. Am 31. März 1944 fielen während eines Fliegerangriffs eine englische Luftmine sowie eine Vielzahl an Spreng-, Brand- und Phosphorbomben auf den alten Dorfkern. Viele historische Baudenkmäler wie die alte evangelisch-lutherische Dreieinigkeitskirche, das Rathaus und die alte Schule wurden zerstört. Zudem wurden bei diesem Angriff 203 Wohnhäuser beschädigt, wovon 37 total zerstört, 42 schwer und 124 leicht beschädigt wurden. Mehrere Dutzend Nutzgebäude wie landwirtschaftlichen Nebenbauten, Scheunen und Gewächshäuser waren ebenfalls betroffen. Zusammen mit Angriffen am 17. August 1943 (im Rahmen der Operation Double Strike) und am 24. Februar 1944 fielen drei Luftminen, 35 Sprengstoff-, 550 Phosphor- und 600 Stabbrandbomben auf die Gemeinde Sennfeld.

Das Dorf, das zu diesem Zeitpunkt ca. 2800 Einwohner zählte, wurde am 12. April 1945 an amerikanische Truppen übergeben.

Bei der Gebietsreform in Bayern war bereits vom Freistaat die Eingemeindung von Sennfeld, Niederwerrn und Dittelbrunn nach Schweinfurt beschlossen. Danach wurde auf Weisung des gebürtigen Niederwerrner Staatssekretärs Erwin Lauerbach der Beschluss komplett rückgängig gemacht.[2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über das nördliche Gemeindegebiet auf Schloss Mainberg und Schonungen

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat (ohne Bürgermeister) 16 Mitglieder.

(Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist seit 2017 Oliver Schulze (Freie Wähler), der sich bei der Bürgermeisterwahl am 26. November 2017 mit 63,7 % der Stimmen gegen zwei Mitbewerber durchsetzte. Sein Vorgänger war Emil Heinemann (CSU/Freie Wähler).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sennfelder Seenkranz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sennfelder Seenkranz
mit Schwarzen Loch (Kaltes Wasser)

Den westlichen Bereich des Seenkranzes bildet der Sennfelder See. Sein östlicher Teil, der Dorfsee, ist ein heute wieder naturbelassener Thermalsee (siehe auch: Bad Sennfeld). Ein Strandbad liegt hier am Rande des historischen Dorfkerns. Ein weiteres Strandbad am gegenüberliegenden Ufer des Dorfsees ist derzeit nicht in Betrieb. Nördlich des Sennfelder Sees liegt eine große Freizeitanlage mit Tennisplätzen. Fußwege führen von dort zum nahen Schweinfurter Stadtpark Wehranlagen.

Zum Badestrand an der Schonunger Bucht, am Main, führt die einzige Zufahrtsstraße durch Sennfeld.

Bad Sennfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Kurhaus liegt 500 m östlich des alten Dorfkerns, am Rande der Sennfelder Sonderkulturen, an der einstigen Keller Mühle. Im Jahr 1809[3] begann der Kur- und Badebetrieb, nachdem Elias Schmidt die Heilkraft der Mineralquellen nahe der Weiherleins-Mühle entdeckt hatte. Im Dorfsee, einem Bereich des Sennfelder Seenkranzes, wurden 14 Thermalquellen eingefasst.[3] Das Kurhaus mit seiner Schwefelquelle und Mooranwendungen eröffnete 1865.[4][5]

In den 1950er Jahren wurde der Kurbetrieb eingestellt. Seitdem fließt das Heilwasser ungenutzt in den Sennfelder See. Das alte Kurhaus, mit kleinem Kurpark und altem Baumbestand wird weiterhin gastronomisch genutzt.[6]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kathol. Pfarrkirche St. Elisabeth (1932)

Die katholische Pfarrkirche St. Elisabeth von 1932 steht unter Denkmalschutz. Eine Hallenkirche mit Chorturm von Peter Krammer. Die Aussichtskanzel „Maintalblick“ ist ein 2013 am „Gemarkungsdreieck“ Sennfeld/Schonungen/Gochsheim errichteter 6,5 m hoher hölzerner Aussichtsturm.[7]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sennfelder Kirchweih
Die Sennfelder Kirchweih ist, neben der gleichzeitig aus selben Anlass stattfindenden benachbarten Gochsheimer Kirchweih, eines der traditionsreichsten fränkischen Feste, mit dem charakteristischen Plantanz. Es ist ein historisches Friedens- und Freudensfest zum Gedenken an die Wiedererlangung der Reichsfreiheit 1649, jeweils am ersten Sonntag im September. Das Fest findet am Plan statt. So wird der zentrale Dorfplatz in mehreren Dörfern, insbesondere im Raum Schweinfurt genannt. Traditionell wird auf der zu Schweinfurt näher liegenden Sennfelder Kirchweih Bier und auf der Gochsheimer Kirchweih Wein ausgeschenkt.
  • Nachkirchweih
Sie findet eine Woche nach der Kirchweih an selber Stelle statt.
  • Erntedankfest
  • Varieté Festival
Größtes Varieté Festival Europas, für das auf der Freizeitanlage nördlich des Sennfelder Sees ein großes Zelt aufgebaut wird. Es findet in unregelmäßigen Abständen, etwa alle drei Jahre statt, als nächstes im Mai 2018.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell gibt es zum Erntedankfest Federweisser und Zwiebelplootz (Zwiebelkuchen).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lebensmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonderkulturen östlich des Dorfs

Sennfeld ist ein Zentrum der Sonderkulturen, insbesondere für Gemüse und der lebensmittelverarbeitenden Industrie, mit der Carl Kühne KG.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sennfeld ist auf der A70 über zwei Abfahrten erreichbar: der Anschlussstelle Nummer 7 Schweinfurt-Zentrum/Sennfeld–West und Nummer 8 Gochsheim/Sennfeld.

Schiene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Schweinfurt–Sennfeld (Sennfelder Bahnhof) liegt unmittelbar jenseits der Gemeindegrenze auf Schweinfurter Stadtgebiet an der Bahnstrecke Kitzingen–Schweinfurt, die derzeit (2016) sehr selten befahren wird.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Wüst: Die fränkischen Reichsdörfer Sennfeld und Gochsheim zwischen alter und neuer Lehre – Religions- und Konfessionspolitik im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Schweinfurt 2016. ISBN 978-3-00-052966-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sennfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 13. September 2018 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Schweinfurter Tagblatt: Schweinfurt ging bei der Gebietsreform leer aus, 22. Februar 2012
  3. a b steig-mal-aus.de/sennfeld. Abgerufen am 29. Dezember 2017.
  4. Eröffnungsanzeige im Schweinfurter Tagblatt vom 8. Mai 1865.
  5. http://www.schweinfurtfuehrer.de/stadtrandgemeinden/sennfeld/ abgerufen am 2. April 2016.
  6. http://www.bad-sennfeld.de/ abgerufen am 3. April 2016.
  7. Die Aussichtskanzel „Maintalblick“ ist eingeweiht auf in-und-um-schweinfurt.de vom 4. Juni 2013, abgerufen am 11. Februar 2016