Sensibilitätsstörung

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Klassifikation nach ICD-10
R20.8 Sonstige und nicht näher bezeichnete Sensibilitätsstörungen der Haut
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Unter einer Sensibilitätsstörung (auch: Empfindungsstörung bzw. Empfindungsfähigkeitsstörung, Missempfindung) versteht man ein neurologisches Symptom in Form einer veränderten Wahrnehmung von Sinnesreizen aus der Körperperipherie.[1]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Prüfung von Sensibilitätsstörungen sollte immer eine Unterscheidung der verschiedenen sensiblen Qualitäten (Berührung, Temperatur, Vibration, Schmerz, Bewegung, Lage, Kraft) erfolgen. So lässt sich eine Nomenklatur der Sensibilitätsstörungen aufstellen.[2]

Qualitative Veränderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parästhesien werden oft als „Kribbeln“, „Ameisenlaufen“, „Pelzigkeit“ oder „elektrisierendes Gefühl“ beschrieben. Sie sind meist im Versorgungsgebiet einzelner Nerven oder handschuh- und strumpfförmig an den Gliedmaßenenden lokalisiert. Ursache kann die Übererregbarkeit peripherer, sensibler Rezeptoren und Nervenfasern oder zentripetaler Bahnen, unter anderem der Hirnstränge sein. Dysästhesie und Parästhesie werden oft auch Missempfindungen genannt.[3]

  • Dysästhesie – qualitativ veränderte Wahrnehmung, die gegenüber dem Empfinden von Gesunden unangenehm ist
  • Parästhesie – unangenehme bis schmerzhafte Empfindungen ohne adäquaten Reiz (gewissermaßen von allein)

Ausfall oder Verminderung der sensiblen Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es kann allgemein zu einem kompletten Ausfall sensibler Afferenzen kommen, sodass keine Empfindungen in der betroffenen Region vorhanden sind. Dem jeweiligen Oberbegriff können verschiedene Störungen untergeordnet werden, die hiervon nur einzelne sensible Modalitäten betreffen.

Es werden auch Störungen unterschieden, die sensible Wahrnehmung (allgemein oder modalitätsspezifisch) abschwächen.

Steigerung der sensiblen Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Allodynie – Schmerzempfindung ausgelöst durch Reize, welche üblicherweise keinen Schmerz verursachen
  • Hyperpathie – Berührungsreize werden als unangenehm oder schmerzhaft empfunden
  • Hyperalgesie – erhöhte Schmerzempfindlichkeit (schon leichte Reize können schmerzhaft erscheinen; vgl. Allodynie)
  • Hyperästhesie – erhöhte Tastempfindlichkeit

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine mögliche Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sensible Reizsymptome. In: Werner Hacke: Neurologie. 13. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-12381-8, S. 58.
  • Sensibilitätsstörungen. In: D. Rosenow, V. Tronnier, H. Göbel: Neurogener Schmerz: Management von Diagnostik und Therapie. 1. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg 2004, ISBN 3-540-21482-8, Kapitel 15.5.2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sensibilitätsstörung. In: Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage. tk.de (Memento des Originals vom 9. Januar 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tk.de
  2. Werner Hacke: Neurologie. 13. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-12381-8, S. 58/59.
  3. Karl F. Masuhr, Marianne Neumann: Neurologie. 6., überarb. Auflage. Thieme, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-13-135946-9, S. 16.