Seon

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Dieser Artikel beschreibt die Aargauer Gemeinde Seon. Für die buddhistische Strömung siehe Zen.
Seon
Wappen von Seon
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau AG
Bezirk: Lenzburgw
BFS-Nr.: 4209i1f3f4
Postleitzahl: 5703
Koordinaten: 654462 / 244155Koordinaten: 47° 20′ 46″ N, 8° 9′ 34″ O; CH1903: 654462 / 244155
Höhe: 445 m ü. M.
Fläche: 9,61 km²
Einwohner: 4946 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 515 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
24,8 % (31. Dezember 2015)[2]
Website: www.seon.ch
Karte
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Seon (im lokalen schweizerdeutschen Dialekt: Seen [seːn][3]) ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Lenzburg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt vier Kilometer südlich des Bezirkshauptorts im Seetal. Der Weiler Retterswil wurde 1899 eingemeindet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gelände rund um das grösste Dorf des Seetals wird durch eine Endmoräne geprägt, die während der Würmeiszeit beim Rückzug des Reussgletschers entstanden ist. Die Moräne beschreibt einen Viertelkreis über das gesamte Tal hinweg und flankiert die Bebauung auf der westlichen und der nördlichen Seite. Der Aabach fliesst von der Mitte des Tals auf dessen westliche Seite und nach Verlassen des Dorfes auf die östliche Talseite; dort zwängt er sich durch einen schmalen Durchlass zwischen der Moräne und den Ausläufern des Rietenbergs. Westlich des Dorfes erhebt sich ein bewaldeter Hügelzug. Dieser bildet die Grenze zum Wynental und ist durch mehrere kurze Seitentäler stark gegliedert. Am nördlichsten liegt der Schürberg (549 m ü. M.), danach folgen der Breitenberg (551 m ü. M.), der Seenerberg (581 m ü. M.), der Surberg (600 m ü. M.) und ganz im Süden der Bampf (607 m ü. M.). Etwa eineinhalb Kilometer südlich des Dorfzentrums liegt der Weiler Retterswil.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 961 Hektaren, davon sind 284 Hektaren bewaldet und 190 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 607 Metern auf dem Gipfel des Bampfs, der tiefste auf 415 Metern am Aabach. Den südwestlichsten Grenzpunkt bildet der Siebenzwingstein.

Nachbargemeinden sind Schafisheim im Nordwesten, Staufen im Norden, Lenzburg im Nordosten, Egliswil im Osten, Seengen im Südosten, Hallwil und Dürrenäsch im Süden, Teufenthal im Südosten sowie Gränichen im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Funde aus der Jungsteinzeit und ein 1931 entdeckter Grabhügel aus der Hallstattzeit weisen auf eine frühe Besiedlung hin. 1945 kam bei Grabungen nahe der Grenze zu Schafisheim ein kleiner römischer Bauernhof zum Vorschein. Die Keramikfunde deuten darauf hin, dass er von Beginn des 2. bis Mitte des 3. Jahrhunderts bewohnt war.[5] Auf der Weinhalde lag ein Gräberfeld der Alamannen.

Die erste urkundliche Erwähnung von Sewa erfolgte im Jahr 893 in einem Zinsrodel des Zürcher Fraumünsters. Der Ortsname stammt von althochdeutsch ze sēwun, was «bei den Seestellen, bei den Ufer-, Landestellen» bedeutet (sēwun ist der Dativ Plural von ahd. sēo «See»). Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass der vier Kilometer entfernte Hallwilersee einst bis hierhin reichte, kann sich aber auch auf ein früheres, sich zwischen See und Ort erstreckendes Feuchtgebiet beziehen.[3] Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren. Die niedere Gerichtsbarkeit war zu zwei Dritteln im Besitz der jeweiligen Landesherren, zu einem Drittel im Besitz der Freien von Gösgen.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Seon gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Das Dorf bildete einen eigenen Gerichtsbezirk im Amt Lenzburg. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Seon gehört seither zum Kanton Aargau.

Der Weiler Retterswil war im 15. Jahrhundert noch ein Teil der Herrschaft Trostburg der Herren von Hallwyl und erhielt dann den Status eines autonomen Steckhofs. Bern hob 1751 fast alle Steckhöfe auf und so kam Retterswil zu Seon. Nach 1805 war der Weiler eine selbständige Gemeinde, wurde dann aber 1899 wieder mit Seon fusioniert.[6]

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein blieb Seon ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Dann siedelten sich zahlreiche kleinere Industriebetriebe an, welche die Wasserkraft des Aabachs nutzten. Aus einer kleinen Baumwollweberei entwickelte sich eine Fabrik mit zeitweise Hunderten von Arbeitern. 1875 kaufte Seon von den Besitzern des Schlosses Liebegg ein grosses Waldstück im benachbarten Wynental. Am 15. Oktober 1883 erhielt die Gemeinde einen Anschluss ans Eisenbahnnetz, als der Abschnitt Lenzburg–Beinwil am See der Seetalbahn eröffnet wurde. Eine bis 1947 bestehende Konservenfabrik wurde durch eine Papierfabrik abgelöst. Der Wegzug bzw. die Schliessung der Papierfabrik und der Buntweberei führte nach 2000 zu einem spürbaren Bevölkerungsrückgang.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reformierte Kirche Seon

Die erste Erwähnung der Pfarrkirche erfolgte 1408 in einer Aarauer Urkunde. 1708 wurde das Gebäude komplett umgebaut und erhielt seine heutige Form. Der Kirchturm, der 1821 leicht erhöht worden war, wurde 1856 abgebrochen und durch einen noch höheren ersetzt; 1899 erhielt der Turm einen Spitzhelm anstatt des bisherigen Zwiebelhelms. Das Kirchenschiff ist an der Ostseite leicht abgeschrägt.[7]

Am Aabach stehen zahlreiche Zeugen der Industriekultur. Dazu zählen die 1823 erbaute Spinnerei und die 1834 errichtete Baumwollweberei. Die Mühle im Unterdorf entstand bereits 1600 im spätgotischen Stil. Nach einem Umbau zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die Mühle bis 1963 in Betrieb.[8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss drei rote Sturmhüte.» Die Gemeinde führt das Wappen des erloschenen Ministerialengeschlechts der Herren von Seon, das in dieser Form seit 1344 bekannt ist. Aufgrund eines Missverständnisses waren ab dem 19. Jahrhundert auf dem Gemeindewappen drei Eichelfrüchte zu sehen. 1923 erfolgte die Wiedereinführung der historisch korrekten Version.[9]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[10]

Jahr 1764 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 722 1609 1873 2291 2653 3006 3628 3826 4538 4815 4745

Am 31. Dezember 2015 lebten 4946 Menschen in Seon, der Ausländeranteil betrug 24,8 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 56,2 % reformiert, 23,3 % römisch-katholisch, 8,1 % moslemisch und 2,0 % christlich-orthodox; 1,5 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 85,2 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 3,7 % Türkisch, 3,0 % Italienisch, 1,8 % Serbokroatisch, 1,7 % Albanisch, 0,9 % Portugiesisch, 0,7 % Spanisch.[12]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat, der vom Volk im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) auf jeweils vier Jahre gewählt wird.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Lenzburg zuständig. Als vorgeschaltete Schlichtungsinstanz auf kommunaler Ebene amtet ein Friedensrichter, das auch für die Gemeinden Boniswil, Egliswil und Hallwil zuständig ist.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Seon gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 2350 Arbeitsplätze, davon 3 % in der Landwirtschaft, 33 % in der Industrie und 64 % im Dienstleistungsbereich.[13] In den Fabrikationsbetrieben werden unter anderem Wellpappe, Maschinen, Werkzeuge und Möbel hergestellt. Das bekannteste Unternehmen mit Sitz in Seon ist der Sportausrüstungshersteller Mammut Sports Group. Daneben gibt es zahlreiche Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in der näheren Umgebung, hauptsächlich in Lenzburg.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof und Gemeindehaus Seon

Durch das Dorf verläuft die Hauptstrasse 26 von Lenzburg durch das Seetal nach Luzern. Der sechs Kilometer entfernte Autobahnanschluss Aarau-West der A1 ist über eine Nebenstrasse via Schafisheim erreichbar. Seon besitzt eine Haltestelle an der Seetalbahn der SBB; geplant ist eine weitere Haltestelle im nördlichen Teil des Dorfes. Vom Bahnhof Lenzburg aus führen zwei Buslinien der Gesellschaft Regionalbus Lenzburg über Seon nach Bettwil bzw. Teufenthal.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über sechs Kindergärten und drei Schulhäuser, in denen sämtliche Stufen der obligatorischen Volksschule unterrichtet werden (Primarschule, Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule). Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band II: Die Bezirke Brugg, Lenzburg. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 29). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1953. DNB 750561750.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbewegungen und -bestand nach Gemeinde und Nationalität, zweites Halbjahr 2015. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 24. März 2016, abgerufen am 24. März 2016 (XLSX; 169 kB).
  2. Bevölkerungsbewegungen und -bestand nach Gemeinde und Nationalität, zweites Halbjahr 2015. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 24. März 2016, abgerufen am 24. März 2016 (XLSX; 169 kB).
  3. a b Vgl. Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. Historische Quellen und sprachwissenschaftliche Deutungen. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, S. 395f.; Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Huber, Frauenfeld / Payot, Lausanne 2005, S. 828.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1089 und 1090, Swisstopo
  5. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 200.
  6. Felix Müller: Retterswil im Historischen Lexikon der Schweiz
  7. Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band II: Die Bezirke Lenzburg und Brugg. Birkhäuser Verlag, Basel 1953.
  8. Industriekultur am Aabach. Stadt Lenzburg, Verein Industriekultur am Aabach, abgerufen am 4. Januar 2010 (PDF; 1,6 MB).
  9. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 275.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  13. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.