Serbiendeutsche

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Serbiendeutsche sind die deutsche Minderheit in Serbien. Ihre offizielle Bezeichnung in der Republik Serbien ist Nemci (Deutsche), jedoch werden sie umgangssprachlich - in Anlehnung an den Begriff Donauschwaben - oft Švabe genannt.

Ab dem 18. Jahrhundert besiedelten Deutsche im Rahmen der Habsburger Siedlungspolitik auch Teile Serbiens. Die deutsche Bevölkerung auf dem heutigen Gebiet Serbiens erreichte ihre höchste Zahl (etwa 340.000) um 1900. Während des Zweiten Weltkriegs dienten Serbiendeutsche teils freiwillig in der Waffen-SS, teil wurden sie zum Dienst verpflichtet. Nach dem Krieg wurde die deutsche Minderheit vielfach Opfer von Internierung und Hinrichtungen. Die meisten Überlebenden verließen das Land ab 1948. Nach der Volkszählung von 2011 lebten in Serbien 4064 Deutsche, davon 3272 in der Vojvodina.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Bevölkerungsentwicklung der Serbiendeutschen[1]
Jahr Deutsche Anteil in
Prozent
1900 336.430 23,5
1910 324.180 21,4
1921 335.902 21,9
1931 328.631 20,2
1948 41.460 0,63
1953 46.228 0,66
1961 14.533 0,19
1971 9.086 0,11
1981 5.302 0,06
1991 5.172 0,07
2002 3.901 0,05
2011 4.064 0,06

Die Geschichte der serbiendeutschen Minderheit im Banat, der Batschka und in Syrmien beschränkt sich im Wesentlichen auf das Gebiet der heutigen autonomen Provinz Vojvodina mit den städtischen Zentren Novi Sad (deutsch Neusatz), Pančevo (deutsch Pantschewo), Sombor und Zrenjanin (deutsch Großbetschkerek). Im Zuge der Kolonisierung dieser Mitte des 18. Jahrhunderts von Habsburg neu eroberten Gebiete wurden zum Beispiel in Zrenjanin neben Serben und Ungarn hauptsächlich Donauschwaben angesiedelt, die aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands stammten; aber auch Franzosen, Italiener, Rumänen, Slowaken und Spanier. In Zrenjanin stellten die deutschen Einwohner Anfang des 20. Jahrhunderts nach Ungarn und Serben die dritt-größte, in Pančevo bis 1931 die stärkste Bevölkerungsgruppe.[2]

In der Zwischenkriegszeit waren Deutsche die größte nationale Minderheit auf dem Gebiet des heutigen Serbiens innerhalb des neu gegründeten Königreichs Jugoslawien, gefolgt von den Ungarn in der Vojvodina und den Kosovo-Albanern. Mit der Gründung des Königreichs wurden die Rechte der deutschen Bevölkerung Serbiens zunehmend eingeschränkt.[2] Die größte und wichtigste Vereinigung der Serbiendeutschen war der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund. Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus im Deutschen Reich kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Traditionalisten katholischer Prägung und nationalsozialistisch orientierten „Erneuerern“. 1939 setzten sich die „Erneuerer“ unter Sepp Janko im Kulturbund endgültig durch. Der Bund wurde zur nationalsozialistischen Massenorganisation ausgebaut, welche die gesamte Volksgruppe organisieren sollte. Janko behauptete Ende 1940, 98 Prozent der „Volksdeutschen“ seien Mitglieder des Kulturbundes gewesen.[3] Nach der Besetzung Jugoslawiens wurde der Kulturbund aufgelöst und Janko zum und „Volksgruppenführer“ des für den von deutschen Truppen besetzten serbischen Teil des Banats ernannt.[4]

1942 wurde die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ aufgestellt. Trotz der Bezeichnung „Freiwilligen-Division“ deutete sich bereits in dem Werbungsaufruf vom 1. März 1942 an, dass die Werbung von Freiwilligen als alleinige Maßnahme zur Rekrutierung der „Volksdeutschen“ auch in Serbien aufgegeben und bald durch die flächendeckende Einziehung von Rekruten der deutschen Minderheit ergänzt werden sollte.[5] Mehr als die Hälfte der etwa 22.000[6] „Freiwilligen“ stammte aus dem Kreis Pančevo.[7] Die „Prinz Eugen-Division“ wurde vor allem durch eine große Zahl von Kriegsverbrechen bekannt.[8][9]

Die deutsche Niederlage im Zweiten Weltkrieg führte zur Internierung, Enteignung und Deportation eines großen Teils der Jugoslawiendeutschen. Die Maßnahmen waren eine Konsequenz des oft brutalen Verhaltens eines Teils der geflüchteten Jugoslawiendeutschen, aber auch wegen ihrer engen Kollaboration mit der Okkupationsmacht und ihrer überlegenen Position zur Zeit der Besatzung. Zehntausende starben an den Bedingungen der Internierung. Viele der Überlebenden verließen Serbien ab 1948.[10][11][12][13][14][15]

Im Jahr 2007 bildete die Minderheit auf Grundlage der serbischen Minderheitengesetzgebung einen Nationalrat der deutschen nationalen Minderheit (Nacionalni savet nemačke nacionalne manjine), dessen Abgeordnete von den in Wählerlisten eingetragenen Serbiendeutschen gewählt werden. Die Amtszeit des Nationalrates beträgt vier Jahre.[16] Der Sitz des Rates war zuerst Novi Sad, nach der Neuwahl des Rates 2010 wurde der Sitz nach Subotica verlegt.[17]

Im ersten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende wurden mehrere Grabdenkmäler zum Gedenken an die Toten der deutschen Minderheit aufgestellt. In Gakovo wurde 2012 die Gedenkstätte von Unbekannten beschädigt. Der Vorfall wurde von der serbischen Öffentlichkeit bedauert und verurteilt.[18] Im Jahre 2009 wurde mit Unterstützung der serbischen Regierung eine Kommission zur Auffindung und Kennzeichnung unbekannter Gräber zusammengestellt. Die Daten werden laufend ergänzt und sind öffentlich.[19]

Situation heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die junge Generation spricht primär die serbische Sprache, oder – wie z. B. in den nördlichen Verwaltungsbezirken der Vojvodina – auch primär die ungarische Sprache. Sie stellt sich in verstärktem Maße der Vergangenheit ihrer deutschen Vorfahren. Auch auf serbischer Seite beginnt langsam eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Deutschen. Begrenzte Kenntnisse der deutschen Sprache hindern Familien mit deutschen Wurzeln oft ihre Kinder mehrsprachig aufwachsen zu lassen.[20][21]

Periodika der Serbiendeutschen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1919[2]

  • „Bácskaer Volksblatt“ (Sombor, 1889-1906)
  • „Pancsovaer Wochenblatt“ (Pančevo, 1868-1871)
  • „Groß-Becskereker Wochenblatt“ (Zrenjanin, 1851-1919)
  • „Neusatzer Lokalblatt“ (Novi Sad, 1860-1871)
  • „Der Grenzbote“ (Zemun, 1869-1871)

Bis 1945

  • „Volksruf“
  • „Volk und Arbeit“
  • „Die Wespe“
  • „Deutsches Volksblatt“ (Novi Sad)
  • „Wohlfahrt und Gesundheit“, auch „Woge-Blatt“ (Novi Sad)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dragan Vukmirović: Ethnicity Data by municipalities and cities. Statistical Office of the Republic of Serbia, 2011
  2. a b c Universität Heidelberg: Serbien. Siedlungs- und Sprachgeschichte. S. 1. Nach Johann Böhm: Die deutsche Volksgruppe in Jugoslawien 1918-1941. 2009.
  3. Zoran Janjetović: Die Donauschwaben in der Vojvodina und der Nationalsozialismus. S. 222 ff.
  4. Johann Böhm: Die deutschen Volksgruppen im unabhängigen Staat Kroatien und im serbischen Banat: ihr Verhältnis zum Dritten Reich 1941–1944. Peter Lang, 2012. ISBN 3-631-63323-8, S. 14.
  5. Thomas Casagrande: Die Volksdeutsche SS-Division „Prinz Eugen“. Die Banater Schwaben und die nationalsozialistischen Kriegsverbrechen. Campus, Frankfurt 2003 ISBN 3-593-37234-7, S. 194 ff.
  6. Immo Eberl, Konrad G. Gündisch, Ute Richter, Annemarie Röder, Harald Zimmermann: Die Donauschwaben. Deutsche Siedlung in Südosteuropa. Ausstellungskatalog (hrsg. vom Innenministerium Baden-Württemberg), Wissenschaftliche Leitung d. Ausstellung Harald Zimmermann, Immo Eberl, Mitarbeiter Paul Ginder, Sigmaringen, 1987, ISBN 3-7995-4104-7, S. 177
  7. Michael Portmann, Arnold Suppan: Serbien und Montenegro im Zweiten Weltkrieg. In: Österreichisches Ost- und Südosteuropa-Institut: Serbien und Montenegro: Raum und Bevölkerung - Geschichte - Sprache und Literatur - Kultur - Politik - Gesellschaft - Wirtschaft - Recht. LIT Verlag 2006. S. 277 f.
  8. Klaus Schmider: Der jugoslawische Kriegsschauplatz (Januar 1943 bis Mai 1945) in: Karl-Heinz Frieser (Hrsg.): Die Ostfront 1943/44 - Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 1030
  9. Martin Seckendorf; Günter Keber; u.a.; Bundesarchiv (Hrsg.): Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus in Jugoslawien, Griechenland, Albanien, Italien und Ungarn (1941-1945) Hüthig, Berlin 1992; Decker/ Müller, Heidelberg 2000. Reihe: Europa unterm Hakenkreuz Band 6, ISBN 3-8226-1892-6, S. 59, 320 f.
  10. Johann Böhm: Die deutsche Volksgruppe in Jugoslawien 1918-1941: Innen- und Außenpolitik als Symptome des Verhältnisses zwischen deutscher Minderheit und jugoslawischer Regierung. Peter Lang, 2009. ISBN 3-63159-557-3, 427 S.
  11. Marie-Janine Calic: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert, C.H.Beck, München, 2010, S. 179
  12. Zoran Janjetović: Die Donauschwaben in der Vojvodina und der Nationalsozialismus. In: Mariana Hausleitner, Harald Roth: Der Einfluss von Nationalsozialismus auf Minderheiten in Ostmittel- und Südeuropa. IKS Verlag, München 2006.
  13. Zoran Janjetović: The Disappearance of the Germans From Yugoslavia: expulsion or emigration? In: Tokovi istorije 1-2, 2003, S. 74, in englischer Sprache
  14. Arnold Suppan: Jugoslawien und Österreich 1918–1938. Bilaterale Außenpolitik im europäischen Umfeld. Verlag für Geschichte und Politik, München 1998. 1347 S.
  15. Hans-Ulrich Wehler: Nationalitätenpolitik in Jugoslawien, Vandenhoeck & Ruprecht, 1980, ISBN 3-525-01322-1, S. 59f.
  16. Nationalrat der Deutschen gegründet. Artikel der DW, 20. Dezember 2007
  17. Adrian Ardelean: Neuer Nationalrat der Deutschen in Serbien. Funkforum, Temeswar, Juli 2010.
  18. Denkmälerschändung in Gakovo.
  19. Ministerium für Justiz der Republik Serbien: Datenbank nach Orten und Namen der Opfer (serbisch).
  20. Film Podunavske Švabe von Marko Cvejić. Serbiendeutsche sollen zu ihrem Recht kommen. Artikel der Deutschen Welle vom 9. September 2011.
  21. Aleksandar Krel (2012): Sprechen Sie Deutsch? German Language and Revitalization of Ethnic Identity of the Germans in Bačka. Etnografski institut SANU, Belgrad.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]