Serbischer Gruß

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Demonstranten zeigen den Drei-Finger-Gruß auf der „Kosovo ist Serbien“-Demonstration am 21. Februar 2008 in Belgrad, Serbien.

Als Drei-Finger-Gruß (serbisch Поздрав са три прста Pozdrav sa tri prsta) oder auch Serbischer Gruß (Српски поздрав/Srpski pozdrav) wird eine Geste der rechten Hand bezeichnet, bei welcher der Daumen, Zeige- und Mittelfinger gestreckt sowie der Ringfinger und kleine Finger gebeugt werden. Die Geste gilt bei vielen Serben als nationales Symbol.

Die Geste gleicht der Schwurhand und hat wie diese einen religiösen Hintergrund indem sie Bezug auf das Kreuzzeichen in der Orthodoxen Kirche[1] (siehe auch Segensgestus der Orthodoxen Kirche) nimmt, welcher die meisten Serben angehören.

Von den Nachbarvölkern der Serben wird die Geste als nationalistisch angesehen[2] und seine Verwendung kann daher als Provokation aufgefasst werden und negative Reaktionen hervorrufen.[3][4]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geste etablierte sich bei serbischen nationalistischen Parteien zu Beginn der 1990er-Jahre, als religiöse Symbole für die Völker des ehemaligen Jugoslawien zur Konstruktion einer nationalen Identität wichtig wurden und findet seinen Ausdruck in dem Sprichwort Nema Srpstva bez tri prsta (Es gibt kein Serbentum ohne drei Finger).[5]

Während des kriegerischen Auseinanderbrechens Jugoslawiens wurde die Geste zu einer prominenten Form der serbischen Selbstidentifikation[6] und entwickelte sich zu einem Gegenstück des Victory-Zeichens, dessen sich die anderen Kriegsparteien bedienten. Vielfach wurden Menschen mit anderer Glaubens- und Volkszugehörigkeit gezwungen den Drei-Finger-Gruß auszuführen, um sie dadurch zu erniedrigen.[7][8]

Verwendung heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

NBA Basketball Spieler Saša Pavlović mit dem serbischen Gruß.

Die Geste wird oft durch Fans und Spieler nach sportlichen Siegen benutzt. Nach dem Gewinn der Basketball-Europameisterschaft 1995 machte das gesamte jugoslawische Team diese Geste. Für den Basketballstar Aleksandar Đorđević ist sie keine Provokation, sondern steht für Serbien und „das sind wir, das bin ich – nichts anderes. Es ist mein Stolz.“[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cornelia Sorabji: Islam and Bosnia’s muslim nation. In: F. W. Carter, H. T. Norris (Hrsg.): The changing shape of the balkans. Westview Press, Boulder, Co. 1996, S. 54 (Auch zitiert bei Praeger/Goetze 2001, 160).
  2. Roger E. Axtell: Essential Do's and Taboos : The Complete Guide to International Business and Leisure Travel. John Wiley & Sons, 2007, S. 27 (google.de).
  3. Miron Rezun: Europe's Nightmare : The Struggle for Kosovo. Greenwood Publishing Group, 2001, ISBN 978-0-275-97072-7, S. 81 (google.de).
  4. Lynne Jones: Then They Started Shooting : Growing Up in Wartime Bosnia. Harvard University Press, 2004, ISBN 978-0-674-01561-6, S. 269 (google.de).
  5. Patrick James, David Goetze (Hrsg.): Evolutionary Theory and Ethnic Conflict (= Praeger studies on ethnic and national identities in politics). Greenwood Publishing Group, 2001, ISBN 978-0-275-97143-4, National Identity in the Balkans: Confessionalism to Nationalism, S. 160 (google.de).
  6. Andrew Herscher: Violence Taking Place : The Architecture of the Kosovo Conflict (= Cultural Memory in the Present). Stanford University Press, Stanford, Ca. 2010, ISBN 978-0-8047-6935-8, S. 92 (google.de).
  7. Ivana Nizich: War Crimes in Bosnia-Hercegovina. Hrsg.: Helsinki Watch. 2. Bd. Human Rights Watch, 1993, ISBN 978-1-56432-097-1, S. 118 (google.de).
  8. Christian Konle: Makrokriminalität im Rahmen der jugoslawischen Sezessionskriege. Kriminologische Untersuchungen der von serbischer Seite in Bosnien-Herzegowina und Kroatien verübten Menschenrechtsverletzungen. Herbert Utz Verlag, München 2010, ISBN 978-3-8316-0943-7, S. 130 (google.de).
  9. Prisoners of War by Sports Illustrated