Serdar Somuncu

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Serdar Somuncu (2008) bei seiner Aufführung Bild Lesen“ im Gebäude der tageszeitung anlässlich der Umbenennung Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße.

Serdar Somuncu [ˈseɾdaɾ ˈsomund͡ʒu] (* 3. Juni 1968 in Istanbul, Türkei) ist ein deutscher[1] Schriftsteller, Kabarettist und Regisseur. Für die Bundestagswahl 2017 ist er Kanzlerkandidat der Partei Die PARTEI[2] und kandidiert im Wahlkreis Berlin-Friedrichshain – Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost für ein Direktmandat.[3] Gelegentlich tritt er auch als Musiker, Schauspieler und Synchronsprecher in Erscheinung.[4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Somuncu studierte am Konservatorium für Musik in Maastricht (1984 bis 1986) und an der Staatlichen Hochschule für Musik in Wuppertal (1986 bis 1992) Musik, Schauspiel und Regie. Er inszenierte mehr als 100 Theaterstücke und trat auch als Schauspieler auf, unter anderem an den Schauspielhäusern in Bochum, Bremen und Oberhausen. 2003 war er zuletzt als Bassa Selim an der Oper in Münster in Die Entführung aus dem Serail von Mozart zu sehen; er spielte diese Rolle 2014 erneut, diesmal (Mai bis Juli) am Theater Dortmund. Außerdem übernahm er kleine Rollen in Fernsehserien, wie beispielsweise in Schwarz greift ein, der Lindenstraße, Dr. Psycho und als Taxifahrer in Broken Comedy mit Carolin Kebekus. Als Sprecher vertonte er mehrere Hörspiele, unter anderem für den WDR.

Bekannt wurde er nach 1996 mit einer szenischen Lesung ausgewählter Textstellen aus Hitlers Buch Mein Kampf. Seine jahrelange Tournee unter dem Titel Nachlass eines Massenmörders wurde zu einem großen Publikumserfolg (1.428 Auftritte vor mehr als 250.000 Zuschauern). Somuncu deckte dabei die inneren Widersprüche des Buchs auf komische Weise auf und kommentierte sie. Die taz zeichnete ihn in Folge als „Mann des Jahres 1996“ aus.

Im Jahr 2000 startete Somuncu eine weitere Lesung, in der er Ausschnitte aus der Sportpalastrede des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels vom 18. Februar 1943 präsentierte. Dabei trat er unter anderem vor ehemaligen Häftlingen der Konzentrationslager in Buchenwald und Sachsenhausen auf.

Somuncu hatte während seiner Arbeit immer wieder Probleme mit Neonazis und las deshalb nicht selten mit kugelsicherer Weste und unter Polizeischutz. So stürmten am 12. Oktober 2005 im sächsischen Dippoldiswalde etwa 25 teilweise vermummte Personen während des Zitierens von Hitlers Mein Kampf den Saal und entrollten auf der Bühne ein Transparent. Somuncu blieb ruhig, ging von der Bühne und versuchte später unter stehenden Ovationen des Publikums, die Protestierer zu einer Diskussion aufzurufen; die Störer verließen mit den in der Zwischenzeit erschienenen Polizeibeamten den Saal, die Veranstaltung konnte fortgesetzt werden.[5][6]

Bis Dezember 2006 war Somuncu mit seinem Programm Hitler Kebab unterwegs. Er las dabei unter anderem einzelne Kurzgeschichten aus seinem Buch Getrennte Rechnungen und griff jeweils auch tagespolitische Situationen auf.

In seinem letzten Programm Der Hassprediger liest Bild rezitierte und kommentierte Somuncu die jeweils aktuelle Ausgabe der Bild-Zeitung. In Österreich hieß das Programm Kronenzeitung lesen, dort beschäftigte er sich mit der Kronenzeitung.

Außerdem moderierte er von 2005 bis 2007 eine eigene Bühnentalkshow unter dem Titel Schöner Reden. Sie fand abwechselnd im Bonner Pantheon, den Berliner Wühlmäusen, dem Düsseldorfer Zakk und dem Neusser Kulturkeller statt. Gäste waren Matto Barfuss, Hennes Bender, Johann König, Kurt Krömer, Martin Sonneborn, John Doyle, Georg Ringsgwandl, Dirk Bach, Claudia Roth und Vivian Schmitt.

Im Juni 2008 startete Somuncu eine Internet-Show mit dem Titel Hatenight,[7] in der er wöchentlich aktuelle Themen kommentierte. Während die ersten 50 Folgen über YouTube verbreitet wurden, sperrte das Videoportal im Juni 2009 aus inhaltlichen Gründen Somuncus Kanal mit über 2000 Abonnenten ohne Vorwarnung und löschte alle Videos. Danach war Hatenight über Sevenload zu sehen. Am 5. März 2010 wurde bekanntgegeben, dass die Sendung aus rechtlicher Sicht eingestellt werden müsse, nach Verhandlungen durfte sie aber weiter produziert werden, allerdings sehr verkürzt und entschärft.

Ende Januar 2009 begann seine Tournee Der Hassprediger – Ein demagogischer Blindtest. Im Oktober 2010 veröffentlichte er sein neues Buch Karneval in Mio.

Im Rahmen der Late-Night-Show neoParadise hatte Somuncu bis zu deren Einstellung Anfang 2013 die regelmäßige Rubrik Aufzeichnungen aus dem Kellerloch, in der er sich mit den Kuriositäten der modernen Fernsehunterhaltung auseinandersetzte.

Am 25. November 2011 veröffentlichte Somuncu beim Label Groove Attack sein erstes Musikalbum mit dem Titel Dafür kommt man in den Knast. Das Album ist in Zusammenarbeit mit dem Kölner Produzenten und Musiker André Fuchs entstanden, der in einem Song unter seinem Künstlernamen Onkel Zwieback als Gastrapper zu hören ist. Sämtliche Instrumente der 18 Songs des Albums wurden von Somuncu eingespielt.

Als Duo Zwieback & T veröffentlichten Somuncu und Fuchs am 19. September 2013 das Rap-Album Wir beide. Somuncu rappt hier neben Fuchs unter dem Pseudonym T beziehungsweise Scheiß T in Anlehnung an den US-amerikanischen Rapper Ice-T.[8]

Seit April 2014 ist Somuncu gelegentlich als Kommentator bei der ZDF-Satiresendung heute-show zu sehen. Somuncu ist Mitglied im P.E.N.-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland des Schriftstellerverbandes P.E.N. Seit September 2016 wird sonntags Somuncus zweistündige Sendung Die Blaue Stunde bei Radio Eins ausgestrahlt.[9]

Seit Oktober 2015 wird Somuncus TV-Sendung So! Muncu! auf n-tv ausgestrahlt. Es handele sich laut Somuncu dabei um die Dekonstruktion einer Talkshow, der sich eher „in der Tradition von Christoph Schlingensief als in der von Anne Will und Frank Plasberg“ sieht.[10]

Im Dezember 2016 wurde bekannt, dass Somuncu als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2017 für Die PARTEI antreten wird.[11]

Somuncu moderiert zusammen mit Niels Ruf einen regelmäßigen Podcast namens Tischgespräche.[12]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Hörbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DVDs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Hassprediger liest BILD. WortartBMG, 2009.
  • Der Hassprediger/Hardcore live. Sony Music, 2011.
  • H2 Universe – Die Machtergreifung. Sony Music, 2016.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wollt ihr den totalen Beat. Sony BMG, 2005.
  • Hitler Kebab. Sony BMG, 2006 (Hörbuch). (Live-Mitschnitt)
  • Diary Of A Massmurderer, Serdar Somuncu reads „Mein Kampf“. Sony BMG, 2007 (Hörbuch engl.).
  • Dafür kommt man in den Knast. Groove Attack, 2011 (Album).
  • Wir beide. Groove Attack, 2013 (Album).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Serdar Somuncu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wie gehen Sie in den Wahlkampf?. In: haz.de vom 29. Januar 2017, abgerufen 30. Januar 2017.
  2. Benedict Witzenberger: Kabarettist Somuncu will Bundeskanzler werden. In: merkur.de. 2. Dezember 2016, abgerufen am 21. April 2017.
  3. Kabarettist Somuncu hofft auf Direktmandat bei Bundestagswahl. In: welt.de vom 28. Januar 2017, abgerufen 30. Januar 2017
  4. Kathrin Bower: Serdar Somuncu: Turkish German Comedy as Transnational Intervention. In: transit.berkeley.edu, abgerufen am 22. Januar 2016
  5. Fotoarchiv mit Bildern vom Auftritt in Dippoldiswalde
  6. zaphod3000: Serdar Somuncu Auftritt Dippoldiswalde. 14. Juni 2006, abgerufen am 16. August 2016.
  7. Serdar Somuncu spielt Bassa Selim in Mozart-Oper „Die Entführung aus dem Serail“. In: opernmagazin.de, März 2014, abgerufen am 22. Januar 2016.
  8. http://www.somuncu.de/?r=13 – Offizielle Website
  9. Scharf beobachtet! Die Blaue Stunde mit Serdar Somuncu, rbb-online, abgerufen am 11. September 2016
  10. Markus Ehrenberg: „Ich glaube diese ganze Refugees-Welcome-Kacke nicht“. In: tagesspiegel.de vom 28. Januar 2016, abgerufen am 29. Januar 2016.
  11. Julia Haase: „Die Partei“: Serdar Somuncu kandidiert offiziell fürs Kanzleramt. In: welt.de. 2. Dezember 2016, abgerufen am 24. Januar 2017.
  12. Niels Ruf. Abgerufen am 9. Juli 2017 (deutsch).
  13. aberratio GmbH, Hamburg, www.aberratio.de: Bundesverband Musikindustrie: Gold-/Platin-Datenbank. In: www.musikindustrie.de. Abgerufen am 16. August 2016.