Serfaus

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Serfaus
Wappen von Serfaus
Serfaus (Österreich)
Serfaus
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Landeck
Kfz-Kennzeichen: LA
Fläche: 59,64 km²
Koordinaten: 47° 2′ N, 10° 36′ O47.03861111111110.6058333333331429Koordinaten: 47° 2′ 19″ N, 10° 36′ 21″ O
Höhe: 1429 m ü. A.
Einwohner: 1.094 (1. Jän. 2013)
Bevölkerungsdichte: 18 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6534
Vorwahl: 05476
Gemeindekennziffer: 7 06 24
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Gänsackerweg 2
6534 Serfaus
Website: www.serfaus.gv.at
Politik
Bürgermeister: Paul Greiter (Allgemeine Bürgerliste Serfaus)
Gemeinderat: (2010)
(13 Mitglieder)
13 Allgemeine Bürgerliste Serfaus
Lage der Gemeinde Serfaus im Bezirk Landeck
Faggen Fendels Fiss Fließ Flirsch Galtür Grins Ischgl Kappl Kaunerberg Kaunertal Kauns Ladis Landeck Nauders Pettneu am Arlberg Pfunds Pians Prutz Ried im Oberinntal St. Anton am Arlberg Schönwies See Serfaus Spiss Stanz bei Landeck Strengen Tobadill Tösens Zams TirolLage der Gemeinde Serfaus im Bezirk Landeck (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Serfaus im Sommer
Serfaus im Sommer
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Serfaus [zɛr'faːʊs] ist eine Gemeinde mit 1094 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2013) in Tirol, Österreich.

Geographie[Bearbeiten]

Der Ort liegt im Oberen Gericht etwa 500 m oberhalb des Inntales auf einem flachen nach Süden gerichteten Abhang einer Terrasse, der Sonnenterrasse. Diese Talschulter am Fuß der Samnaungruppe teilt sich die Ortschaft mit den Gemeinden Fiss und Ladis.[1]

Über dem Ort erhebt sich der Grat vom Furgler (3004 m ü. A.) zum Schönjoch (2491 m ü. A.). Talgegenüber liegt der Glockturmkamm mit dem Pfroslkopf (3148 m ü. A.) und talauswärts der Taleingang des Kaunertals und der Kaunergrat mit der Aifnerspitze (2779 m ü. A.), beide Ötztaler Alpen

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde hat nur eine Katastralgemeinde, Ortschaft und einen Zählsprengel Serfaus.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]


See Nachbargemeinden Ried im Oberinntal
Kappl liegt im Paznaun eigentlich südwestlich von See, sein Gemeindegebiet umgreift jenes im Norden, und stößt östlich von See an Serfaus

Geschichte[Bearbeiten]

Die ältesten Funde führen in die Bronzezeit zurück. Eine bronzezeitliche Feuerstelle (vor ca. 3200 Jahren) auf dem Komperdell spricht für die Weidenutzung (Rastplatz für Hirten) oder für einen Jagdplatz. Archäologisch genauer untersucht wurde der Zienerbichl im Südwesten der Gemeinde Serfaus. Die Ergebnisse deuten auf eine spätantike und mittelalterliche Nutzung des Hügels hin.

Einige vorrömische Flurnamen erinnern noch an die frühen Siedler, auch keltische Spuren sind noch zu finden. Antike Geschichtsschreiber bezeichnen die Alpenbewohner des Raumes als Räter. Die Römer eroberten 15 v. Chr. das Gebiet und im Laufe der Zeit vermischten sich Räter und Römer, es entstand das Volk der Rätoromanen. Die rätoromanische Sprache, wie sie noch in Graubünden gesprochen wird, hat sich in vielen Orts-, Weiler- und Flurnamen bis heute erhalten. Ab dem 6. Jh. ließen sich die deutschsprachigen Bajuwaren nieder, etwa ab 1350 vereinzelt auch Walser, was die rätoromanische Sprache allmählich aus dem aktiven Sprachgebrauch verdrängte.[1]

Der Ort selbst wurde im elften Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Von Serfaus aus wurden zum Teil die Orte See und Kappl besiedelt. Die Gemeinde See wurde zudem bis 1891 von der Pfarre Serfaus versorgt, was noch durch den heute vorhandenen Friedhof für die Bürger von See bezeugt wird. Bedeutend war auch die mittelalterliche Wallfahrtskirche von St. Georgen, die zu den ältesten Kirchen des Oberen Gerichtes zählt.

Im späten 19. Jahrhundert kamen wie vielerorts in Tirol die ersten Touristen an. Im frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich der Tourismus zur wichtigsten Einnahmequelle des Ortes.

1921 wurde in Serfaus ein Elektritzitätswerk gebaut. Das Wasser wurde von einem Waal durch eine Druckrohrleitung bis ins Maschinenhaus (das heute noch etwas über der Seilbahn steht) geleitet.

1929 wurde eine Schutzhütte der Alpenvereinssektion Rheinland-Köln, das Kölner Haus erbaut.[2] Dadurch wurde der Weg für den ersten Tourismus geebnet.

Am 16. September 1942 kam es in Serfaus zu einem großen Dorfbrand, bei welchem 14 Häuser vernichtet wurden. Es wurden 16 Haushalte mit 89 Personen obdachlos und der geschätzte Schaden betrug ca. 650.000 Reichsmark. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte das Dorf wieder aufgebaut werden. Es wurde jedoch nicht mehr im klassischen Stil eines rätoromanischen Haufendorfes, sondern in wesentlich stärker aufgelockerter Bauweise wieder errichtet.

Das Ortsbild ist heute mit ca. 7.500 Gästebetten stark durch den Tourismus geprägt, während der westliche Ortsteil noch starken rätoromanischen Charakter besitzt.

In den 1970er Jahren wurde die Dorfstraße als einzige Zufahrtsstraße zum Skigebiet Komperdell für den Individualverkehr gesperrt und die Skifahrer mit Bussen zu den Liftanlagen gebracht, doch den weiteren Anstieg an Gästen konnten auch die Skibusse nicht mehr aufnehmen.

1985 wurde daher die Dorfbahn Serfaus eröffnet, eine unterirdische Luftkissenschwebebahn mit Seilantrieb, deren Benutzung kostenlos ist. Auf einer Länge von 1280 m bedient sie mit zwei Kabinen vier Stationen (Parkplatz, Kirche, Raika, Seilbahn) und kann 1500 Passagiere pro Stunde befördern. Sie ist die zweitkürzeste U-Bahn weltweit. Nahe der Dorfbahn-Endstation Seilbahn sind Erdpyramiden zu besichtigen.

Politik[Bearbeiten]

Ortskern Serfaus

Serfaus war ursprünglich Teil des Gerichtsbezirks Ried in Tirol und wurde nach der Auflösung des Gerichtsbezirks Ried 1978 Teil des Gerichtsbezirks Landeck.

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

13
13 
Von 13 Sitzen entfallen auf:

Es trat bei der Gemeinderatswahl 2010 nur eine Partei an, die Allgemeine Bürgerliste Serfaus – Paul Greiter.[3] Paul Greiter ist auch Bürgermeister.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Serfaus Wappen von Fiss Wappen von Ladis
Serfaus–FissLadis, Gemeindewappen
Logo der Tourismusregion Serfaus–Fiss–Ladis
Serfaus–Fiss–Ladis, Tourismusregion
Wappen at serfaus.png

Beschreibung:

Von Rot und Gold gevierteter Schild, am rechten Obereck eine Sonne, am linken Untereck ein goldenes Steinbockgehörn.


Die Sonne bedeutet die Zugehörigkeit der Gemeinde Serfaus zur Kleinregion Sonnenterrasse. Das Steinbockgehörn gemahnt an das edelfreie Geschlecht der im 13. Jahrhundert genannten Herren von Serfaus, die einen Steinbock im Wappen führten.[4]

Die Verleihung des Wappens erfolgte am 28. Mai 1974.

Regionalpolitik[Bearbeiten]

Die Gemeinde gehört zum Tiroler Planungsverband Sonnenterrasse und zur Tourismusregion Serfaus-Fiss-Ladis. Sitzgemeinde das Planungsverbandes ist Fiss, Obmann der Bürgermeister ebenda, Markus Pale. Sitz des Tourismusverbandes ist Serfaus (Serfaus-Fiss-Ladis Information; er hält auch 80 % der Serfaus-Fiss-Ladis Marketing GmbH).[5]

Hauptort der Gemeinde[Bearbeiten]

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Serfaus (Dorf) (Hauptort der Gemeinde)
Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Landeckf8, Tirol
Pol. Gemeinde Serfaus  (KG Serfaus)
Ortschaft Serfaus
Koordinaten 47° 2′ 16″ N, 10° 36′ 26″ O47.03777777777810.6072222222221429
Höhe 1429 m ü. A.
Statistische Kennzeichnung
Zählsprengel/ -bezirk Serfaus (70603 000)
Bild
Serfaus, von Madatschen
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; TIRIS

Hauptort der Gemeinde ist das Dorf Serfaus. Es liegt taleinwärts oberhalb von Ried an der Südkante der Sonnenterrasse. Die Talschulter bricht rund um den Ort jäh ab, östlich in der Wand Der Tölder zum Inntal, südlich zum Argebach. Dazwischen schiebt sich ein Sporn ins Inntal.

Die Ansiedlung erstreckt über etwas mehr als 1½ Kilometer auf Höhen zwischen etwa 1400–1500 m ü. A. (die Dorfkirche liegt auf 1429 m ü. A.), und damit gleich hoch wie der nordöstlich benachbarte Ort Fiss. Der überwiegende Teil der Einwohnerschaft der Gemeinde lebt im Dorf.

Nachbarorte
Samnaun (Gem. Serfaus u. Fiss) Fiss (Gem. Fiss)

St. Zeno Nachbargemeinden St. Christina (Gem. Ried i.O.)
Madatschen St. Georgen Steinbrücken (Gem. Tösens)
Die zerstreuten Häuser des Schigebiets

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Blick auf Serfaus im Winter

Schon seit vielen Jahrzehnten prägt der Tourismus, insbesondere der Wintertourismus, den Ort Serfaus. Serfaus ist ein Ort der Skiregion Serfaus-Fiss-Ladis. Serfaus ist mit 7.500 Gästebetten der tourismusstärkste Ort im Oberen G'richt. Neben Ischgl, Sölden und St. Anton am Arlberg zählt Serfaus mittlerweile zu den bekanntesten Tourismusregionen in Tirol – dies ist nicht zuletzt auf den Tourismusverband Serfaus–Fiss–Ladis zurückzuführen, der die Skigebiete der Gemeinden Serfaus, Fiss und Ladis zusammenfasst.

Im Tourismusjahr 2006 verbuchte Serfaus eine Übernachtungszahl von 892.264, was einen Zuwachs von 1,9 % gegenüber dem Tourismusjahr 2005 bedeutet. Serfaus liegt somit auf Rang 5 der Tiroler Gemeinden, was die Übernachtungszahlen betrifft. Bezirksweit bedeutet dies Rang 3 hinter Ischgl und St. Anton am Arlberg. Pro Einwohner sind dies umgerechnet 757 Übernachtungen. Dies ist tirolweit der Spitzenwert.

Serfaus hat sich in den letzten Jahren zu einem bevorzugten Urlaubsort für orthodoxe Juden aus Israel und anderen Ländern entwickelt. Einige Hotels und Supermärkte haben sich auf deren Bedürfnisse, etwa koscheres Essen, eingestellt.[6] In den Jahren 2009 und 2010 tauchten im Süddeutsche Zeitung Magazin[6] und in der israelischen Zeitung Haaretz[7] allerdings Berichte über Fälle von Antisemitismus gegenüber jüdischen Urlaubern auf. So wurden orthodoxe Juden von der Hotelbuchung ausgeschlossen, was vom Hotel Sonnenhof sogar bestätigt wurde. Angeblich hätten andere Hotelbesitzer mit diesen Gästen schlechte Erfahrungen gemacht. Um im Vorfeld Buchungen von jüdischen Gästen zu erkennen, werde vielfach nach angeblich typisch jüdischen Namen oder Vorlieben gesucht (z. B. keine Anreise am Sabbat oder Bestellungen eines zweiten Kühlschranks für die Lagerung von koscheren Speisen), die dann als Ausschlusskriterien zur Ablehnung der Buchung führen. Unter den Einwohnern von Serfaus sind den Berichten zufolge Anfeindungen und Ausgrenzungen gegenüber Hotel- und Appartementbesitzern bekannt geworden, die keine Probleme mit jüdischen Gästen haben.


Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Alte Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere liebe Frau im Walde
  • Neue Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
  • Kirchturm, Friedhofskapelle und Friedhof
  • Filialkirche St. Georg ob Tösens
  • Pestkapelle hl. Sebastian auf der Muiren
  • Kapelle Mariahilf in Tschuppach
  • Kapelle hl. Ursula in Untertösens
  • Kapellen Hl. Familie im Weiler Madatschen
  • Burgruine Serfaus[8]
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Serfaus

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Hugo Westreicher (* 1933), Abgeordneter zum Österreichischen Nationalrat von 1970 bis 1986 und Bürgermeister von Serfaus von 1973 bis 1980.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Klien (Hrsg.): Serfaus. Serfaus 2002.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Lit. Robert Klien: Serfaus. 2002.
  2. Kölner Haus, abgerufen am 11. Mai 2013
  3. Wahlergebnisse: Gemeinderatswahl 2010, serfaus.gv.at
  4. Begründung wörtlich; Gemeindewappen, serfaus.gv.at
  5. Impressum, serfaus-fiss-ladis.at;
    Firma Serfaus-Fiss-Ladis Marketing GmbH in Serfaus. Firmenbuchdaten Creditreform/firmenabc.at
  6. a b Nicht ganz koscher Süddeutsche Zeitung Magazin Ausgabe 44/2010
  7. 'No Jews' policy employed at Austria hotel. Haaretz vom 10. Mai 2009
  8. Dehio Tirol 1980