Sergio Mattarella

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Sergio Mattarella (* 23. Juli 1941 in Palermo, Sizilien) ist ein italienischer Jurist und Politiker des Partito Democratico. Seit dem 3. Februar 2015 ist er der zwölfte Präsident der Italienischen Republik. Zuvor war er von 1983 bis 2008 Mitglied der italienischen Abgeordnetenkammer und mehrmals Minister; von 2011 bis 2015 war er Verfassungsrichter.

Sergio Mattarella (2015)

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mattarella stammt aus einer linkskatholischen Familie. Sein Vater Bernardo[1] war in den 1950er und 1960er Jahren mehrmals Minister der Democrazia Cristiana (DC). Sein älterer Bruder Piersanti Mattarella war Präsident der Region Sizilien und wurde 1980 von der sizilianischen Mafia ermordet. Im Jahr 1964 schloss Sergio Mattarella sein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Rom ab. Bevor er in die Politik ging, lehrte er Parlamentsrecht an der Universität Palermo.

Mattarella war mit Marisa Chiazzese bis zu deren Tod im Jahr 2012 verheiratet. Das Paar hat drei Kinder.[2] Bei Staatsbesuchen und wichtigen Anlässen wird er oft von seiner Tochter Laura Mattarella begleitet. Sie wird deshalb auch als First Lady bezeichnet.[3]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Mattarella trat zunächst in die DC ein und wurde bei den Parlamentswahlen 1983 erstmals in die Camera dei deputati (Abgeordnetenkammer) gewählt. Innerhalb der DC wurde er zum linksorientierten Parteiflügel gezählt, der sich zu Aldo Moros politischem Kurs bekannt hatte. 1987 wurde er Minister für Beziehungen zum Parlament, 1989 Bildungsminister. Von diesem Amt trat er 1990 aus Protest gegen das Gesetz Legge Mammì zurück. Mattarella sah in dem Gesetz die Gefahr, dass das italienische Privatfernsehen durch Silvio Berlusconis Firma Fininvest monopolisiert würde.

1993 brachte Mattarella einen Vorschlag für eine Reform des italienischen Wahlgesetzes ins Parlament ein. Hintergrund war das erfolgreiche Referendum vom 18. April 1993, in dem sich die Mehrheit der Wähler dafür ausgesprochen hatte, das bis dahin gültige Verhältniswahlrecht, das für häufig instabile Mehrheitsverhältnisse im Parlament mitverantwortlich gemacht wurde, abzuschaffen. Mit dem von Mattarella vorgeschlagenen Gesetz wurde erstmals in Italien ein Mehrheitswahlrecht eingeführt. Das Gesetz, das bei den Parlamentswahlen 1994, 1996 und 2001 zur Anwendung kam, wurde in den Medien in Anlehnung an seinen Autor „Mattarellum“ genannt.

1994 zog Mattarella für die DC-Nachfolgepartei Partito Popolare Italiano (PPI) in die Abgeordnetenkammer ein. Im selben Jahr trat er als Chefredakteur der Parteizeitung „Il Popolo“ zurück, weil Parteichef Rocco Buttiglione eine Allianz des PPI mit Berlusconis Partei Forza Italia betrieb. Mattarella befürwortete eine Koalition mit den Democratici di Sinistra (Linksdemokraten). Ab 1995 unterstützte Mattarella eine Kandidatur von Romano Prodi an der Spitze eines Mitte-Links-Bündnisses unter Einschluss von Linksdemokraten und Kommunisten. 1996 gehörte Mattarella zu den Gründern des L’Ulivo-Bündnisses, das mit Prodi als Spitzenkandidat im selben Jahr die Parlamentswahl gewann. Aus dem L’Ulivo ist später der Partito Democratico hervorgegangen.

Vom 21. Oktober 1998 bis 21. Dezember 1999 war Mattarella unter Premierminister Massimo D’Alema stellvertretender Regierungschef. Anschließend hatte er vom 22. Dezember 1999 bis 20. Juni 2001 das Amt des Verteidigungsministers inne. 2006 wurde er zum siebten und letzten Mal als Abgeordneter ins italienische Parlament gewählt. 2008 trat Mattarella nicht mehr zur Wiederwahl an.

Mattarella gilt als einer der Gründungsväter des Partito Democratico (PD). 2007 gehörte er zu den Autoren des Gründungsmanifests der Partei.

Verfassungsrichter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mattarella, der seit Mai 2009 Mitglied des Selbstverwaltungsorganes der Verwaltungsgerichtsbarkeit gewesen war, wurde am 5. Oktober 2011 auf Vorschlag des PD vom italienischen Parlament zum Richter am italienischen Verfassungsgericht gewählt.

Staatspräsident[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Januar 2015 wurde Mattarella in gemeinsamer Sitzung von Abgeordnetenkammer und Senat sowie von Vertretern der italienischen Regionen (1009 Wahlberechtigte) im vierten Wahlgang mit 665 von 995 abgegebenen Stimmen zum italienischen Staatspräsidenten gewählt.[4] Matteo Renzi, Regierungschef und PD-Vorsitzender, hatte ihn als Nachfolger des zurückgetretenen Giorgio Napolitano vorgeschlagen.[5][6] Mattarella wurde am 3. Februar 2015 vereidigt.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sergio Mattarella – Sammlung von Bildern

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe auch englische Wikipedia
  2. Jörg Bremer: Italien: „Gute Arbeit, Präsident Mattarella!“ In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 31. Januar 2015, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 26. Mai 2017]).
  3. Augsburger Allgemeine: Sergio Mattarella ist der Regisseur im Hintergrund. In: Augsburger Allgemeine. (augsburger-allgemeine.de [abgerufen am 26. Mai 2017]).
  4. Mattarella eletto al Quirinale con 665 voti: è lui il nuovo presidente della Repubblica. La Repubblica, 31. Januar 2015, abgerufen am 31. Januar 2015.
  5. derstandard.at: "Italien: Renzi will Richter Mattarella als Präsidenten" (29. Januar 2015), abgerufen am 30. Januar 2015
  6. Mattarella ist Italiens neuer Präsident, SZ, 31. Januar 2015, abgerufen am 31. Januar 2015.