Servier

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Servier

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Rechtsform S.A.S
Gründung 1954
Sitz Suresnes, FrankreichFrankreich Frankreich
Leitung Olivier Laureau (President)[1][2]
Mitarbeiterzahl 22.500 (2020)[3]
Umsatz 4,7 Mrd. Euro (2020)[3]
Branche Pharmazie
Website www.servier.de
www.servier.com

Les Laboratoires Servier ist ein französisches Pharmaunternehmen. Es wurde 1954 von Jacques Servier gegründet. Servier ist das zweitgrößte französische Pharmaunternehmen und erwirtschaftete im Jahr 2020 weltweite Umsatzerlöse von rund 4,7 Milliarden Euro in rund 150 Ländern. Die Unternehmenszentrale befindet sich bei Paris (Suresnes) in Frankreich. Das Unternehmen beschäftigt etwa 22.500 Mitarbeiter. Über 20 Prozent der Pharma-Umsatzerlöse werden in Forschung und Entwicklung investiert. Eine deutsche Tochtergesellschaft für klinische Forschung wurde 1985 gegründet, die deutsche Vertriebs-Tochtergesellschaft 1996.[2][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1954 wurde Servier von dem Arzt und Apotheker Jacques Servier als Forschungslabor mit neun Personen gegründet. 2021 beschäftigt Servier 22.500 Mitarbeiter in rund 150 Ländern.[2][3]

Nach dem Tod des Gründers im Jahr 2014 ein Stiftungsrat unter dem Vorsitz des Präsidenten Olivier Laureau die Leitung des Unternehmens.[4][2]

Servier besteht in Deutschland aus zwei Geschäftseinheiten: Servier Forschung und Pharma Entwicklung GmbH, München (gegründet 1985): Klinische Studien für alle DACH-Länder (Deutschland, Österreich, Schweiz). Und Servier Deutschland GmbH, München (gegründet 1996): u. a. Verwaltung, Medizin, Gesundheitspolitik/Market Access, Marketing und Vertrieb.[5]

Weltweit betreibt Servier:[6]

  • 4 Forschungszentren in Europa (2× Frankreich, 1× Ungarn, 1× Dänemark)
  • 16 Produktionsstandorte in 11 Ländern: 98 % der pharmazeutischen Grundstoffe von Serviers Original-Medikamenten werden in Frankreich produziert
  • 15 klinische Forschungszentren in 15 Ländern
  • 2 Servier-BioInnovation-Offices in 2 Ländern (USA, China)

Servier investiert rund 380 Millionen Euro in neues F&E-Innovationszentrum Paris-Saclay (Eröffnung Ende 2022 geplant).[7] Weitere rund 70 Millionen Euro werden in eine neue Biopharmazeutika-Produktionsanlage investiert (Produktionsstart 2023 geplant).[6]

Medikamente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland werden insbesondere Medikamente zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Onkologie und Depression vermarktet.

deprexis ist ein interaktives und individualisiertes Online-Psychotherapieprogramm zur Behandlung von milden bis mittelschweren Depressionen. Das Programm simuliert einen individuellen, dynamischen Dialog mit dem Patienten und verknüpft flexibel zehn Themenbereiche, überwiegend aus dem Bereich der kognitiven Verhaltenstherapie.[15] deprexis ist seit dem 1. März 2021 als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) verordnungsfähig und wird durch die gesetzlichen Krankenkassen bei unipolarer Depression und/oder depressiver Verstimmung ohne Zuzahlung durch die Patienten erstattet. Die betroffenen Patienten können deprexis entweder von ihrem behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten auf Rezept verordnet bekommen oder bei vorliegender Diagnose mit Genehmigung ihrer Krankenkasse erhalten.[16] deprexis wurde im Juli 2019 von Stiftung Warentest mit der Bestnote „empfehlenswert“ ausgezeichnet.[17][18]

Forschung und Entwicklung / Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptgebiete in der Forschung von Servier sind Onkologie / Hämatologie, Neurodegenerative Erkrankungen & Autoimmunerkrankungen, Kardiologie / Metabolismus (Spezifische Projekte, z. B. Mehrfachkombinationen).[7] Zudem forciert Servier die Forschung, Entwicklung und den Vertrieb von Patienten-orientierten digitalen Anwendungen "beyond the pill".[19] Von München aus verantwortet Servier klinische Studien für die so genannten DACH-Länder (Deutschland, Österreich, Schweiz). 2009 wurde das Unternehmen für das Arzneimittel Procoralan (Ivabradin) mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis ausgezeichnet.[20]

  • Im Mai 2021 startete Servier in Deutschland eine Phase-II-Studie zur Behandlung des Sjögren-Syndrom mit Lusvertikimab (S95011).[21]
  • Im April 2021 schloss Servier die Übernahme des Onkologie-Geschäftsbereichs von Agios Pharmaceuticals ab.[22]
  • Im April 2021 erfolgte die EU-Zulassung für ein Bevacizumab-Biosimilar, das Servier Deutschland als Teil der Kooperation mit mAbxience in Deutschland vertreibt.[23][24]
  • Im Juni 2020 schloss Servier die Übernahme von Symphogen ab. Dadurch soll die F&E-Pipeline im Bereich der antikörperbasierten Immunonkologie verstärkt werden.[25]
  • Im September 2019 erfolgte die europäische Zulassung von Lonsurf (Tipiracil) für eine neue Therapieoption von metastasiertem Magenkrebs.[10]
  • Ende August 2018 übernahm Servier international den Onkologie-Geschäftsbereich von Shire.[11][26][27]
  • Ein neuer Forschungsansatz zur Behandlung von Autismus bei Kindern wird zusammen mit dem Kooperationspartner Neurochlore seit September 2020 in Phase-III-Studien untersucht.[28]
  • Mit Novartis bestand von November 2017 bis September 2020 eine Vertriebs-Kooperation in Deutschland. Kern der Vereinbarung war die deutschlandweite Co-Promotion von Sacubitril/Valsartan (Handelsame: Entresto) zur Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion.[29]
  • Seit Mai 2017 besteht eine Kooperations-Erweiterung zwischen Servier und CTI BioPharma zur Vermarktung von Pixuvri (Pixantron) auch in Deutschland.[30]
  • Mit Boehringer Ingelheim bestand von Februar 2017 bis 2019 eine Vertriebs-Kooperation in Deutschland. Kern der Vereinbarung war die deutschlandweite gemeinsame Vermarktung (Co-Promotion) von Pradaxa (Dabigatran) und Praxbind (Idarucizumab) bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen.[31]
  • Anfang 2017 erfolgte eine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Biotechnologie-Unternehmen Pieris Pharmaceuticals im Bereich „duale PD-1-Checkpoint-Inhibition“, um Krebszellen durch das körpereigene Immunsystem zu bekämpfen. Insgesamt werden gemeinsam bis zu fünf therapeutische Programme entwickelt und die Vertriebsrechte im Erfolgsfall geografisch aufgeteilt.[32]

Wissenschaftspreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Servier vergibt die folgenden Wissenschaftspreise:

  • Franz-Loogen-Preis

Mit dem nach Franz Loogen benannten Preis werden jährlich Wissenschaftler ausgezeichnet, die früh eine neue Entwicklung im Bereich der Kardiologie gesehen, begründet und/oder verfolgt und so ein neues Wissensgebiet eröffnet haben.

  • Rudi Busse-Young-Investigator-Award

Mit dem nach Rudi Busse benannten Preis werden experimentell tätige junge Wissenschaftler bis 35 Jahre ausgezeichnet.

  • Hermann-Rein-Preis

Der nach Hermann Rein benannte Preis wird an Wissenschaftler für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der experimentellen oder klinischen Forschung in Mikrozirkulation und vaskulärer Biologie verliehen.

Galenus von Pergamon-Preis (Prix Galien)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 erhielt Servier für Procoralan den Galenus von Pergamon-Preis (Prix Galien) in der Kategorie Primary Care.[20]

Kritik am Präparat „Mediator“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Appetitzügler „Mediator“ wurde bis zum europaweiten Verbot des Präparats 2009 durch Servier vertrieben. Das Produkt wird für den Tod von mindestens 500 Menschen in Frankreich verantwortlich gemacht. Mehrere Tausend Menschen mussten sich in stationäre Behandlung begeben, da das Mittel Herz- und Kreislaufschäden hervorgerufen haben soll. Ende März 2021 wurden die Urteile verkündet. Servier wurde zwar vom Betrugsvorwurf freigesprochen, aber zugleich der schweren Täuschung und fahrlässigen Tötung für schuldig befunden. Das Gericht erließ eine Geldstrafe von 2,7 Millionen Euro und verurteilte das Unternehmen zudem dazu, insgesamt mehrere hundert Millionen Euro Schadensersatz an die 6500 Kläger zu zahlen. Darüber hinaus wurde auch die für die Überwachung von Arzneimitteln zuständige nationale Gesundheitsbehörde ANSM zu einer Geldstrafe von 300.000 Euro verurteilt.[33][34]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Members of the Foundation Council, Company WebSite Servier (englisch), abgerufen am 11. Mai 2021
  2. a b c d An independent Group governed by a non-profit foundation, Company WebSite Servier (englisch), abgerufen am 11. Mai 2021
  3. a b c d Key Figures, WebSite Servier (englisch), abgerufen am 11. Mai 2021
  4. History WebSite Servier (englisch), abgerufen am 11. Mai 2021
  5. Servier in Deutschland, WebSite Servier Deutschland, abgerufen am 11. Mai 2021
  6. a b Servier Annual Report 2019–2020, Company WebSite Servier (englisch), abgerufen am 12. Mai 2021
  7. a b Servier Research & Development Institute, Company WebSite Servier (englisch), abgerufen am 12. Mai 2021
  8. a b c d e f g h i PatientenInfoService der Roten Liste (www.patienteninfo-service.de). Abgerufen am 21. Juli 2021.
  9. Phase-III-Studie zur Prüfung der Wirksamkeit und Sicherheit von Lonsurf (Trifluridin/Tipiracil) bei Patienten mit metastasiertem Magenkrebs, die Standardtherapien gegenüber resistent sind (die TAGS-Studie), erreicht primären Endpunkt, Servier Media Relations vom 9. Mai 2018, abgerufen am 17. Mai 2021
  10. a b EPAR Lonsurf, European Medicines Agency (englisch), abgerufen am 14. Mai 2021
  11. a b c Servier finalizes acquisition of Shire’s oncology branch, PM Servier vom 31. August 2018 (englisch), abgerufen am 14. Mai 2021
  12. Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, EMA, abgerufen am 6. September 2018
  13. Zusammenfassung des EPAR für die Öffentlichkeit, European Medicines Agency (EMA), abgerufen am 8. Juni 2017
  14. Leitliniengerechte Behandlung der Hypertonie, Dtsch Arztebl 2019; 116(4): A-151, abgerufen am 12. Mai 2021
  15. Deprexis24, WebSite von Servier Deutschland, abgerufen am 12. Mai 2021
  16. DiGA, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), abgerufen am 12. Mai 2021
  17. Stiftung Warentest, abgerufen am 12. Mai 2021
  18. Stern, abgerufen am 12. Mai 2021
  19. Was ist dran an „Beyond the Pill“?, Coliquio Insights 18. September 2017, abgerufen am 14. Mai 2021
  20. a b Galenus von Pergamon-Preis, Ärzte Zeitung vom 19. Oktober 2009, abgerufen am 14. Mai 2021
  21. Primäres Sjögren-Syndrom, Information dazu auf der dt. Servier Website, abgerufen am 11. Mai 2021
  22. Servier Completes Acquisition of Agios Pharmaceuticals Oncology Business, PM Servier vom 1. April 2021 (englisch), abgerufen am 14. Mai 2021
  23. EPAR, European Medicines Agency (englisch), abgerufen am 14. Mai 2021
  24. EC approval for bevacizumab biosimilar Alymsys/Oyavas, Generics and Biosimilars Initiative (GaBI), abgerufen am 14. Mai 2021
  25. Servier schließt Übernahme von Symphogen ab, Wallstreet Online vom 4. Juni 2020, abgerufen am 14. Mai 2021
  26. Servier schließt Übernahme der Shire-Onkologika ab, Ärztezeitung vom 3. September 2018, abgerufen am 14. Mai 2021
  27. Shire sells cancer drugs to Servier for $2.4 billion as Takeda circles, Reuters vom 16. April 2018 (englisch), abgerufen am 14. Mai 2021
  28. Servier and Neurochlore join forces to treat autism in children, PM Servier vom 14. März 2018 (englisch), abgerufen am 14. Mai 2021
  29. Servier im Co-Vertrieb für Sacubitril/Valsartan, Ärztezeitung vom 18. Oktober 2017, abgerufen am 14. Mai 2021
  30. Servier ergänzt Onkologie-Portfolio durch Kooperations-erweiterung mit CTI BioPharma, PM Servier vom 3. Mai 2017, abgerufen am 14. Mai 2021
  31. Vertriebs-Kooperation Servier und Boehringer Ingelheim in Deutschland, PM Servier vom 20. Februar 2017, abgerufen am 14. Mai 2021
  32. Pieris Pharmaceuticals and Servier Forge Strategic Immuno-oncology Co-development, PM BioM vom 5. Januar 2017 (englisch), abgerufen am 14. Mai 2021
  33. Millionenstrafe für tödliche Appetitzügler. Tageschschau, 29. März 2021, abgerufen am 14. Mai 2021
  34. Rudolf Balmer: Urteil in Pharmaskandal: Schlankheitspille mit Todesfolge. Neue Zürcher Zeitung, 29. März 2021, abgerufen am 14. Mai 2021

Koordinaten: 48° 52′ 25″ N, 2° 13′ 36,5″ O