Seulberg

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Seulberg
Wappen von Seulberg
Koordinaten: 50° 14′ 37″ N, 8° 39′ 6″ O
Höhe: 169 (160–215) m ü. NHN
Einwohner: 7858 (31. Dez. 2013)[1]
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 61381
Vorwahl: 06172
Der Friedrichsdorfer Stadtteil Seulberg
Der Friedrichsdorfer Stadtteil Seulberg

Seulberg ist ein Stadtteil der Stadt Friedrichsdorf und einer der ältesten Orte im südhessischen Hochtaunuskreis. Es liegt etwa 20 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seulberg ist der südlichste Stadtteil von Friedrichsdorf und liegt im Vordertaunus westlich der A 5. Der alte Ortskern liegt am Seulbach am Ende des Bottigtals. Die Besiedlung hat sich größtenteils in westlicher Richtung zum Hardtwald hin ausgedehnt und so auch mit der Papageiensiedlung an der Hardtwaldallee den südlichen bis zum Dammwald den nördlichen Hang des Bottigtals erreicht, während das Tal selbst dem Seulbach, Streuobstwiesen und landwirtschaftlich genutzten Flächen vorbehalten ist. Ferner gehören ein Teil des großen Waldgebiets sowie die Siedlungen Römerhof und Schäferborn zur Gemarkung. Somit grenzt Seulberg an den Ortsteil Burgholzhausen und am gesamten südlichen Teil an die Stadt Bad Homburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Töpferbrunnen – Symbol für die Töpferei

Nahe der Autobahn wurden Spuren der Rössener Kultur aus dem Neolithikum gefunden. Bewirtschaftet wurde das Gebiet auch von den Römern. Sie errichteten eine Villa Rustica. Der Name des Ortes, „Seulberg“, ist von Suleburc (sule = Sumpf, feuchtes Gebiet) abzuleiten. Seine älteste erhaltene Erwähnung findet sich im Lorscher Codex für das Jahr 767. Seulberg gilt als eine der ältesten Siedlungen im Hochtaunuskreis.

Seit dem Spätmittelalter war Seulberg Teil des Amtes Homburg. 1486 verkaufte Gottfried X. von Eppstein mit Einwilligung des Lehensherrn, des hessischen Landgrafen, das Amt Homburg samt den zugehörigen Dörfern – also einschließlich Seulberg – für 19.000 Gulden an Graf Philipp I. (den Jüngeren) von Hanau-Münzenberg. Die Hanauer Grafen behielten das Amt aber nicht lange. 1504 unterlag Hanau im Landshuter Erbfolgekrieg, Landgraf Wilhelm II. von Hessen dagegen stand auf Seiten der Sieger und beschlagnahmte das Amt. Auf dem Reichstag von Worms kam es 1521 zu einem Vergleich durch die Vermittlung Kaiser Karls V.: Gegen Zahlung einer Summe von 12.000 Gulden verzichteten die Grafen von Hanau auf ihre Ansprüche.[2]

Zwischen 1652 und 1656 fielen 26 Frauen und 6 Männer der Hexenverfolgung zum Opfer. Sie wurden auf dem Homburger Platzenberg hingerichtet.

Neben Landwirtschaft und Leinenweberei war in Seulberg Töpferei lange ein wichtiger Erwerbszweig. Mit den Hugenotten in Friedrichsdorf bestanden rege Handelsbeziehungen.

1934 erhielt Seulberg eine Wasserleitung und Abwasserkanäle, der 750 m³ fassende Hochbehälter an der höchsten Stelle des Hardtwalds wurde 1965 in Betrieb genommen.[3]

Um der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg entgegenzuwirken, entstand in den Nachkriegsjahren ein neues Wohngebiet nordwestlich des Ortskerns zwischen der Homburger Bahn und den heutigen Straßen Alt Seulberg und Hardtwaldallee. Westlich der Bahnstrecke folgten 1964 das fast 120.000 m² umfassende Baugebiet Homburger Weg, später Papageiensiedlung genannt, sowie in eigener Regie der Gemeinde 1966 das gut 95.000 m² große Baugebiet Berliner Straße.[3]

1968 wurde eine Städtepartnerschaft mit der österreichischen Marktgemeinde Bad Wimsbach-Neydharting ins Leben gerufen.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. August 1972 kraft Landesgesetz die bisherige Stadt Friedrichsdorf und die Gemeinden Seulberg, Köppern und Burgholzhausen vor der Höhe zur heutigen Stadt Friedrichsdorf zusammengeschlossen.[4][5] Der letzte Seulberger Bürgermeister Wilfried Fey (SPD) wurde Bürgermeister der neuen Gemeinde.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. April 1968 wurde der Gemeinde Seulberg im damaligen Obertaunuskreis ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In einem von Rot und Silber gespaltenen Schild ein Hufeisen mit 6 Nagellöchern in verwechselten Farben.[6]

Das nach unten geöffnete Hufeisen aus dem Seulberger Wappen wurde nach der Gebietsreform in das Friedrichsdorfer Wappen übernommen. Dieses Zeichen wurde zirka 1847 als Hinweis auf die Landwirtschaft übernommen. Zuvor hatte es andere Symbole gegeben, die auf die damals in Seulberg wichtige Töpferei hinwiesen, sie erschienen aber nicht mehr zeitgemäß, nachdem nicht mehr getöpfert wurde (Der letzte Brand im Aulofen war im Jahr 1847).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Seulberg befindet sich das Heimatmuseum Seulberg, das auf 350 Quadratmeter einen Schwerpunkt der Landwirtschaft, dem Handwerk und der Töpferei bietet.[7] Außerdem gibt es hier mehrmals im Jahr einen Markt (beispielsweise zu Nikolaus oder Ostern) und Sonderausstellungen.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aulofen – ein Ofengebäude zum Brennen der Töpfe

Direkt im alten Ortskern, gegenüber dem Heimatmuseum, steht die 1862–1864 an Stelle einer Vorgängerkapelle errichtete neugotische evangelisch-lutherische Kirche. Als Baumaterial wurden die in großer Zahl verfügbaren Backsteine verwendet, die im Aulofen gebrannt wurden. Der Ofen wurde versetzt und steht heute am Ortsrand neben dem Friedhof. Als Denkmal für die Töpferei steht vor der Kirche der Töpferbrunnen.[8]

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jüdische Friedhof aus der Zeit des Barock diente bis 1865 auch der jüdischen Gemeinde in Bad Homburg vor der Höhe als Begräbnisstätte. Die letzte Bestattung fand hier im Jahre 1924 statt. In der Pogromnacht im Jahre 1938 wurde der Friedhof teilweise zerstört, einige Grabsteine wurden später zum Ausbau des Seulbachs verwandt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seulberg verfügt über eine Eisenbahnstation an der Homburger Bahn. Bedient wird der Haltepunkt Seulberg durch die S-Bahn-Linie S5 täglich im Halbstundentakt und durch die Taunusbahn. Aus Kostengründen wurde die Anbindung an den Stadtbus eingestellt und eine Ringbuslinie eingeführt, die nur Dienstags und Donnerstags fünf Mal verkehrt.[9]

Haltepunkt Seulberg

Seit 1990 besitzt Seulberg eine Umgehungsstraße, die an die Zubringerstraßen nach Friedrichsdorf (Höhenstraße), Burgholzhausen (bis 2014), Ober-Erlenbach und Gonzenheim anschließt und nordöstlich um den alten Ortskern herumführt. Ursprünglich sollte sie Teil der Friedrichsdorfer Entlastungsstraße werden, was wegen der höheren Kosten für einen Lärmschutz verworfen wurde. Stattdessen wurde eine parallel zur Autobahn verlaufende Variante gewählt.

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am westlichen Ortsrand befindet sich die Grundschule Hardtwaldschule Seulberg, die vormals Grundschule Seulberg hieß. Sie bietet zusätzlich die Eingangsstufe an.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine (große) Sporthalle und die Sporthalle des TV Seulberg, zwei Sportplätze und zwei Tennisplätze sind neben der Hardtwaldschule Seulberg zu finden. In unmittelbarer Nachbarschaft der Sporthallen und -plätze liegt eine Minigolfanlage, die genau neben dem zweiten Tennisplatz zu finden ist. Oberhalb des Rasenplatzes liegt bereits an der Hardtwaldallee der Schießstand des Seulberger Schützenvereins. In der Nähe von der Grundschule liegt außerdem vor dem Bahndamm ein Bolzplatz, auf dem ein Fußballfeld, ein Beachvolleyballfeld und ein Sandkasten für Kinder und Jugendliche zur Verfügung stehen.

Ebenfalls im Bottigtal, hinter der Hardtwaldschule, befindet sich der „Kletterwald Taunus“. Dort kann unter Aufsicht zu bestimmten Zeiten über Seile und Plattformen zwischen den Bäumen geklettert werden. Das Gelände ist frei zugänglich.

In Seulberg befindet sich außerdem ein Jugendtreff.

Evangelisch-lutherische Kirche (1862)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thema Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Seulberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.friedrichsdorf.deEinwohnerstatistiken mit NW
  2. Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. 211.
  3. a b Gemeindevorstand der Gemeinde Seulberg/Taunus: 1200 Jahre Seulberg – Vergangenheit und Gegenwart. Jubiläumsschrift zur 1200-Jahrfeier der Gemeinde Seulberg/Taunus. Seuberg 1968
  4. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung des Obertaunuskreises und des Landkreises Usingen (GVBl. II 330-18) vom 11. Juli 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 227, § 9 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 374.
  6. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens und einer Flagge der Gemeinde Seulberg, Obertaunuskreis, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 9. April 1968. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1968 Nr. 18, S. 723, Punkt 520 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,3 MB]).
  7. Website des Heimatmuseums, Museumsführer
  8. Website der Seulberger Kirche
  9. Fahrplan der Buslinie 56 - (ehem. Ringbus Seulberg). In: www.friedrichsdorf.de. Abgerufen im Mai 2019.