Sexualpädagogik

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Sexualpädagogik ist die pädagogische Arbeit, die sich mit Fragen zu Liebe, Gefühlen, Fortpflanzung, körperlicher Entwicklung, männlichem und weiblichem Körper, Erotik und allen Formen der Sexualität, sexueller Lust, Selbstbefriedigung sowie zum Erwachsenwerden beschäftigt.

Themen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sexualerziehung war ursprünglich das natürliche Recht der Eltern. Ab der sexuellen Revolution in den 1970ern war es auch Recht der Schulen Sexualaufklärung zu betreiben, von den Eltern konnte allerdings noch „gebotene Zurückhaltung“ gefordert werden. Heute stellt Sexualpädagogik in Deutschland eine Querschnittsaufgabe öffentlicher Bildung dar. Diese geht über bloße Wissensvermittlung hinaus und soll emotional ansprechend sein (lt. BverfG-Urteil vom 28. Mai 1993, Leitsatz 10, S. 82).[1]

Diese solle in allen möglichen pädagogischen Einrichtungen, wie Kindergarten, Schule, Kinderheim, Freizeiteinrichtungen, in Jugendarbeit, Jugendhilfe und so weiter, eingebracht werden. 2010/2011 formulierten WHO Europe und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Standards für die Sexualaufklärung in Europa.[2] Die Umsetzung der Standards obliegt in Deutschland den einzelnen Ländern, nicht dem Bund.

Relevanz haben u. A. die Thematisierung von Werten und sozialen Normvorstellungen innerhalb der Gesellschaft[3] sowie die Themen sexuell übertragbare Erkrankungen, Sexualhygiene, Empfängnisverhütung, Schwangerschaft, sexuelle Selbstbestimmung, Geschlechterrollen, sexuelle Orientierungen, Sexualpraktiken, Lust, Libido und körperliche Befriedigung.

Methodik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angesichts der breitgefächerten Thematik und ihren vielfältigen Einsatzgebieten lässt sich die Methodik der Sexualpädagogik kaum eingrenzen. Die bekanntesten sind Aufklärungsschriften und -gespräche. Dabei geht es nicht alleine um die Vermittlung von Informationen, sondern auch um das Ernstnehmen der Gefühle. Hinzu kommen praktische Übungen, wie das spielerische Ausprobieren von Kondomen oder Aufgaben wie das Behüten eines Eies zum Erlernen von Verantwortung. Inzwischen kommen auch dem Internet und anderen neuen Medien eine besondere Aufgabe bei der Sexualpädagogik zu, da viele Kinder und Jugendliche diese Medien verstärkt nutzen.

Präventionsargument[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

U. A. die Gesellschaft für Sexualpädagogik gibt an, dass Sexualpädagogik präventiv, auch gegenüber sexualisierter Gewalt, wirke,[4] wobei deren Gründungsmitglied und Vorstand Uwe Sielert 2010 auf der Auftaktveranstaltung zur Tagung Runder Tisch Sexueller Kindesmissbrauch konstatierte: „Die Basiswissenschaften von Erziehung, Bildung, Hilfe und Gesundheit haben dazu bisher kaum Professionswissen erarbeitet. (Den Erziehungswissenschaftlern wird nicht zu Unrecht ‚Intellektuelles Stottern‘ vorgeworfen, wenn es um die Prävention sexualisierter Gewalt geht).“[5], und ferner zur Situation von Sexualpädagogik in der Schule räumt Sielert (2010) ebenda ein: „Wir wissen über die Situation von Sexualerziehung und deren Erfolge in der Schule nichts aus repräsentativen Studien – das ist bisher kein Thema der Bildungsforschung.“[6]

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die Geschlechtserziehung des 19. Jahrhunderts weitgehend sexualrepressiv arbeitete und vor allem versuchte, die Geschlechterrollen zu bewahren und Angst vor Sex zu erzeugen, bildeten sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Psychoanalyse und der Reformpädagogik liberalere Ansätze heraus, wobei beispielsweise Gustav Wyneken bis heute wegen seiner erotischen Beziehungen zu seinen Schützlingen umstritten ist. Mit Sigmund Freud entstanden auch erste Überlegungen zur psychosexuellen Entwicklung von Kindern. Insbesondere das Konzept der Triebunterdrückung wurde von Freudomarxianern übernommen. Auf Basis Freuds Konzeption des sexuell sinnlichen Kindes („polymorph-pervers“)[7][8] geht Sielert davon aus, dass das Kind von Anfang an sexuelles Wesen sei[9] und insofern das Lustprinzip des Kindes nicht vernachlässigt werden dürfe[10] (Lebensenergiekonzept nach Reich und Marcuse)[11]. Sielerts Argumentation des Kindes als sexuelles Wesen entspricht der Kinderladenbewegung,[12] die aus der 1968er-Bewegung hervorging.[13]

1968er Bewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem seit dem Mittelalter in den katholisch geprägten Staatsgebieten weitgehend eine sexualrepressive Haltung vorherrschte und der Nationalsozialismus von der 1968er-Generation ebenso als sexualrepressiv erlebt wurde,[14] entstand mit der 1968er-Bewegung eine gegenabhängige[15] Einstellung zu Sexualität und sexualpädagogischen Konzepten.

Insbesondere die Vertreter der Frankfurter Schule (bzw. ihr Nahestehende) (die die 68er-Bewegung inspirierten) standen für eine „Enttabuisierung“ in der Sexualpädagogik.[16] Deren Thesen dienten den Grünen noch bis in die 1980er Jahre als „wissenschaftliche“ Legitimation zur Akzeptanz (pädophiler) „sexueller Befreiung von Kindern“.[17]

Mit der sexuellen Revolution kam auch der Aufschwung der Frauen-, der Lesben- und Schwulenbewegung, für die diese Enttabuisierung Teil der politischen Praxis war, beispielsweise in der Kampagne zur Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs oder gegen den Paragraphen 175. Durch diesen Aufwind befangen, gab 1968 die Kultusministerkonferenz der Länder die Empfehlung heraus, Sexualerziehung fächerübergreifend in den Schulen zu behandeln und wies die Lehrerausbildungsinstitute an, den Sexualkundeunterricht in die Lehrerausbildung aufzunehmen.

Das Schulbuch Sexualkunde-Atlas wurde am 17. Juni 1969 als bundeseinheitliches Unterrichtsmittel für das neue Fach „Sexualkunde“ an Schulen vorgestellt. Schwerpunkt war die Sexualaufklärung. Anfang der 1970er Jahre wurde Sexualkunde in den meisten Schulen der Bundesrepublik Deutschland in den Lehrplan aufgenommen, obgleich sie meist sehr stark auf die biologischen Vorgänge der Sexualität fokussierte.

1970er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1970er Jahre hielt die Legitimation von Pädophilie bzw. Päderastie Einzug in die deutsche Sexualpädagogik. Insbesondere pädophile Homosexuelle hatten pädophile Forderungen geschickt mit dem Kampf gegen die Diskriminierung Homosexueller vermischt.[18] Seitens einer emanzipatorischen Sexualpädagogik wurde in diesem Zusammenhang ein erweitertes Verständnis des Gewaltbegriffes gefordert. „Sexuelle Gewalt ist mehr als die brutale Vergewaltigung und Nötigung. Sie kann auch im Gewand der Fürsorge, Hilfe und Unterstützung auftreten, auch ohne dass sich diejenigen, die sich unter diesem Vorwand dem Kinde nähern, einer Täuschung bewusst sind.“[19]

Günther Deegener hat maßgebliche Argumentationslinien pädophiler Forderungen aus dem wissenschaftlichen Bereich (zwischen den 1970er bis 1990er Jahren) wie folgt herausgearbeitet:[20]

  1. „weil den Kindern eine extrem hohe Fähigkeit zu sexueller Selbstbestimmung und eigener Willensentscheidung im Rahmen solcher Handlungen mit Erwachsenen zugeschrieben wird,
  2. weil die (‚echten‘) Pädophilen bzw. Päderasten keine Gewalt anwenden und nur solche sexuellen Handlungen ausführen würden, die Kinder zulassen oder wozu sie bereit sein würden oder die für sie bereits vertraut seien,
  3. weil keine (akuten oder dauerhaften) negativen Folgen für die (gesunden) Kinder zu erwarten wären bzw. die sexuellen Handlungen mit Erwachsenen sich auch positiv auf die kindliche Persönlichkeitsentwicklung auswirken würden,
  4. weil negative Folgen für die Kinder erst oder vor allen Dingen entstehen würden aufgrund der Tabuisierung und Diskriminierung solcher sexueller Handlungen, der dadurch bedingten übertriebenen negativen Reaktionen der Eltern und des sozialen Umfeldes sowie durch die Belastungen im Rahmen polizeilicher Ermittlungen und Gerichtsverfahren,
  5. weil letztlich insgesamt auch nicht von kindlichen Opfern die Rede sein könnte und deswegen Opfer in diesem Zusammenhang oft nur mit relativierenden Anführungszeichen geschrieben werden.“

Ab 1977 wurde Sexualaufklärung wieder mehr der Familie überlassen.

Ab Mitte 1980er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst das Auftreten der Immunschwächekrankheit AIDS ab Mitte der 1980er Jahre und die feministische Bewegung legitimierten Sexualaufklärung als notwendigen Bestandteil pädagogischer Bildung. In der Weiterführung eines vom Bundesfamilienministerium geförderten Modellprojektes zur Entwicklung und Erprobung sexualpädagogischer Materialien wurde 1988 in Dortmund der Verein zur Förderung von Sexualpädagogik e. V. (Träger des Instituts für Sexualpädagogik) gegründet.

Zu den heutigen Motiven gehört auch die körperliche Selbstbestimmung, die zum Beispiel im Theaterstück Mein Körper gehört mir! vermittelt werden soll. Zu den umstrittenen Bücher in der Sexualpädogik zählen Zeig mal! (1974), Lieben, Kuscheln, Schmusen (um 1994) und Körper, Liebe, Doktorspiele (2000), die heute nicht mehr verwendet werden. Sie wurden daher teilweise vom Markt genommen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) legte im Jahre 2010 die „Standards für die Sexualaufklärung in Europa. Rahmenkonzept für politische Entscheidungsträger, Bildungseinrichtungen, Gesundheitsbehörden, Expertinnen und Experten“ vor. Diese wurden in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation[21] erarbeitet. Ausgehend von der bereits im Freudomarxismus enthaltenen Prämisse, dass ein Kind von Geburt an ein sexuelles Wesen sei,[22] solle die Sexualausbildung bereits vor dem vierten Lebensjahr[23] beginnen.[24] Eine Matrix beschreibt, wann welche Kompetenzen vermittelt werden sollen.[25]

Das von Elisabeth Tuider 2008 veröffentlichte Buch Sexualpädagogik der Vielfalt erhielt in der zweiten Auflage 2012 eine Reihe öffentlicher Kritiken.[26][27][28] Unter anderem wurde hervorgehoben, dass die Autoren neben der üblichen Aufklärung auch praktische Übungen vorschlagen, durch die Kinder überfordert und verstört würden.[29][30] In Folge der Debatte distanzierten sich etliche Institutionen von Tuider/Timmermanns Buch, die es vorher in ihren Literaturlisten führten, beispielsweise die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der Hamburger Lehrerverband oder das Akzeptanzprojekt SchLAu.[31]

Aktuelle Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 begann in Deutschland ein öffentlicher Diskurs darüber, in welchem (nach Meinung von Kritikern: zu frühen) Alter Kinder und Jugendliche über welche Details aufgeklärt werden können oder sollen.[32][33][34] Dabei wird die „frühkindliche Sexualaufklärung“ mithilfe des politischen KampfbegriffsFrühsexualisierung“ diffamiert[35]. Soziale Bewegungen im rechten, konservativen und rechtspopulistischen politischen Spektrum verwenden den Begriff zum Protest gegen die Flexibilisierung und Liberalisierung der zweigeteilten, d. h. heteronormativen Geschlechtsrollen. Da diese eine wichtige Basis für die bürgerliche Gesellschaftsordnung (inkl. Ehe und bürgerlicher Familie) sind[36], wird dies als „Gefahr für den Nahbereich“[37] und die gesamte Gesellschaft empfunden.[35][38][39][40]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der französischen Schweiz werden im Gegensatz zur Deutschschweiz alle Klassen von externen Sexualpädagogen besucht, um Hemmschwellen gegenüber dem alltäglichen, und auch benotenden, Lehrpersonal zu überwinden.[41]

Die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Auftrag gegebene,[42] von Ina-Maria Philipps verfassten Broschüren Körper, Liebe, Doktorspiele (Teil 1: 0-3 Jahre, Teil 2: 4-6 Jahre) wurden, aufgrund der Befürchtung zur Anregung pädophiler Handlungen, ebenso (nach anfänglichem Widerstand)[43] vom Kinderschutzbund Schweiz 2008 vom Netz genommen.[44][45]

Aus-, Fort- und Weiterbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Hochschule Merseburg wird ein berufsbegleitendes Studienangebot Sexualpädagogik und Familienplanung angeboten, das einzige Hochschulstudium hierzu in Deutschland mit:

  • Masterstudiengang Sexualpädagogik und Familienplanung
  • Weiterbildender Studiengang Sexualpädagogik (Hochschulzertifikat)
  • Weiterbildender Studiengang Familienplanung (Hochschulzertifikat)

Dieses Studienangebot wurde zum konsekutiven Masterstudiengang „Angewandte Sexualwissenschaft“ weiterentwickelt. Der seit 2009 angebotene Teilzeit-Studiengang mit 120credits (kann berufsbegleitend studiert werden) richtet sich an Absolventen eines humanwissenschaftlichen Erststudiums.

Ein Anbieter von Aus- und Weiterbildungen im Bereich Sexualpädagogik und sexuelle Bildung außerhalb des universitären Rahmens ist im deutschsprachigen Raum das Institut für Sexualpädagogik in Dortmund. Es bietet umfassende berufsbegleitende Qualifizierungen zum Sexualpädagogen an sowie themenbezogene Fachtage, Vorträge und Workshops, individuelle Projektberatung, Supervision und Teamentwicklung für alle pädagogischen Handlungsfelder und für Teile des Gesundheitswesens.

Der Begriff „Sexualpädagoge“ ist nicht geschützt. Die Gesellschaft für Sexualpädagogik (unter Sielert)[46] vergibt seit dem 1. Januar 2008 ein Qualitätssiegel für in der Sexualpädagogik Tätige.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Berger: Sexualerziehung im Kindergarten. Brandes und Apsel, Frankfurt am Main 1988, 1994, ISBN 3-925798-37-4.
  • Lutz van Dijk: Die Geschichte von Liebe und Sex. Campus, Frankfurt am Main / New York, NY 2007, ISBN 978-3-593-37913-5.
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Forum Sexualaufklärung. Vierteljährliche Zeitschrift, online verfügbar
  • Petra Milhoffer, Andreas Gluszczynski, Ulrike Krettmann; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Sexualerziehung, die ankommt. Ein Leitfaden für Schule und außerschulische Jugendarbeit zur Sexualerziehung von Mädchen und Jungen in 3.–6. Klassen. (= Forschung und Praxis der Sexualaufklärung und Familienplanung. Band 15). Köln 1999, ISBN 3-933191-25-4 (Download; PDF, 7,4 MB).
  • Senta Fricke, Michael Klotz, Peter Paulich: Sexualerziehung in der Praxis. Ein Handbuch für Pädagogen, Berater, Eltern und andere. Bund, 1986, ISBN 3-7663-0435-6.
  • Norbert Kellermann: Metamorphose – Sexuelle Sozialisation in der weiblichen Pubertät. Budrich UniPress, Opladen 2012, ISBN 978-3-86388-003-3.
  • Friedrich Koch: Negative und positive Sexualerziehung. Eine Analyse katholischer, evangelischer und überkonfessioneller Aufklärungsschriften. Heidelberg 1971.
  • Friedrich Koch: Sexualität, Erziehung und Gesellschaft. Von der geschlechtlichen Unterweisung zur emanzipatorischen Sexualpädagogik. Frankfurt am Main 2000.
  • Friedrich Koch: Sexueller Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen. Die Bedeutung der Sexualerziehung im Rahmen der Prävention. In: Büscher, Ulrich u.a. (Hrsg.): Sexueller Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen. Essen 1991, Seite 71 ff., sowie in Bach Kurt R., u a.(Hrsg.): Kindheit und Sexualität. Braunschweig 1993, Seite 101 ff.
  • Petra Milhoffer: Wie sie sich fühlen, was sie sich wünschen. Eine empirische Studie über Mädchen und Jungen auf dem Weg in die Pubertät. Weinheim 2000. (Studie mit der Absicht, psychologische und sozial-kulturelle Grundlagen für eine kind-/jugendgerechte Sexualerziehung in der Schule und der außerschulischen Jugendarbeit zu erfassen und zu berücksichtigen)
  • Uwe Sielert, Karlheinz Valtl (Hg.): Sexualpädagogik lehren - Didaktische Grundlagen und Materialien für die Aus- und Fortbildung, Beltz Handbuch, Weinheim und Basel 2000; ISBN 3-407-55835-X
  • Uwe Sielert: Einführung in die Sexualpädagogik. Weinheim/ Basel 2005, ISBN 3-407-25372-9.
  • Renate-Berenike Schmidt, Uwe Sielert (Hrsg.): Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung. 2. Auflage. Beltz Juventa, Weinheim/ Basel 2013, ISBN 978-3-7799-0798-5.
  • Christin Sager: Das aufgeklärte Kind: zur Geschichte der bundesrepublikanischen Sexualaufklärung (1950–2010) Transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-2950-7 (Dissertation Universität Hildesheim 2014).
  • Harald Stumpe, Konrad Weller: Familienplanung und Sexualpädagogik in den neuen Bundesländern. BzgA, Köln 1995, ISBN 3-9804580-1-6.
  • Karlheinz Valtl: Theorie der Sexualpädagogik. In: U. Sielert, K. Valtl: Sexualpädagogik lehren: Didaktische Grundlagen und Materialien für die Aus- und Fortbildung. Beltz, Weinheim/ Basel 2000, S. 53–109.
  • Stefan Timmermanns, Elisabeth Tuider, Uwe Sielert: Sexualpädagogik weiter denken. Postmoderne Entgrenzungen und pädagogische Orientierungsversuche. Weinheim 2004, ISBN 3-7799-1711-4.
  • Stefan Timmermanns, Elisabeth Tuider: Sexualpädagogik der Vielfalt. Praxismethoden zu Identitäten, Beziehungen, Körper und Prävention für Schule und Jugendarbeit. Weinheim 2008, ISBN 978-3-7799-2075-5.
  • Susanne Zimmermann: Sexualpädagogik in der BRD und in der DDR im Vergleich. Psychosozial-Verlag, 1999, ISBN 3-932133-61-7.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Uwe Sielert: Sexualaufklärung in Deutschland
  2. WHO/Europe und BZgA, 2011: Standards für die Sexualaufklärung in Europa. Rahmenkonzept für politische Entscheidungsträger, Bildungseinrichtungen, Gesundheitsbehörden, Expertinnen und Experten (PDF; 3,64 MB).
  3. Nachvollziehbare Motivation innerhalb deutscher Sexualpädagogen formuliert etwa Torsten Schrodt (2015) wie folgt: „‚Jugendliche mit gleichgeschlechtlichen sexuellen Neigungen wachsen in einer ausschließlich auf Heterosexualität festgelegten Sozialisations- und Erziehungsräumen und mehr oder minder ausgeprägtem homophoben Umwelt auf‘ (Hörz, 1999: 46). Das heißt, dass homosexuelle Jugendliche heterosexuell sozialisiert werden [vgl. Zwangsheterosexualität]. Von Kindheit an erleben sie Heterosexualität als unhinterfragte Norm [vgl. Heteronormativität]. Diese Norm wird zunächst selbstverständlich von den Kindern und Jugendlichen übernommen. So sind die ersten Ahnungen selbst schwul bzw. lesbisch zu sein für die Jugendlichen dramatisch. ‚Dem Verlangen nach emotionaler und körperlicher Nähe zu Angehörigen des gleichen Geschlechts stehen somit internalisierte Muster der Gesellschaft entgegen‘ (Hörz, 1999: 47). Sie nehmen sich selbst als anders, als Abweichler, als unnormal wahr. Dies bringt für die Jugendlichen massive Irritationen mit sich und schädigt zunächst das Selbstwertgefühl.“ (Diplomarbeit: Junge Lesben und Schwule. Eine Herausforderung für die Jugendhilfe. Hamburg 2015, S. 15 f). Vgl. Sielert/Timmermanns (2011): Expertise zur Lebenssituation schwuler und lesbischer Jugendlicher in Deutschland (PDF).
  4. Gesellschaft für Sexualpädagogik (2014): Statement zur sexuellen Vielfalt und sexualpädagogischen Professionalität (PDF), S. 2.
  5. Uwe Sielert (2010): Impulsvortrag: Der sozialpädagogische Blick auf Schule sowie die Aus- und Weiterbildung von Lehrer/innen und andere pädagogische Fachkräfte (Memento vom 7. Februar 2014 im Internet Archive) (PDF), S 1.
  6. Uwe Sielert (2010): Impulsvortrag: Der sozialpädagogische Blick auf Schule sowie die Aus- und Weiterbildung von Lehrer/innen und andere pädagogische Fachkräfte (Memento vom 7. Februar 2014 im Internet Archive) (PDF), S. 2.
  7. Uwe Sielert: Sexuelle Verwahrlosung – Interventionsnotwendigkeiten und -möglichkeiten aus pädagogischer Perspektive. In: Sexuelle Verwahrlosung. Empirische Befunde – Gesellschaftliche Diskurse – Sozialethische Reflexionen (Hg. Schetsche, Schmidt). VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, S. 243.
  8. Firestone setzt polymorph-pervers mit pansexuell gleich und es gehe Firestone darum, dass Sexualität nicht weiter an Genitalität gebunden ist, die Unterscheidung männlich/weiblich aber auch die Unterscheidung Erwachsene/Kinder wird damit überflüssig, eine nicht-unterscheidende Polysexualität sei anzustreben. Vgl. Cornelia Ott: Die Spur der Lüste. Sexualität, Geschlecht und Macht. Opladen 1998, S. 72.
  9. Uwe Sielert (2005): Sexuelle Bildung von Anfang an! Sexualität und Sexualerziehung im Bildungsauftrag von Kindertagesstätten (PDF), S. 3: „Sexualität (als Lebensenergie, die sich des Körpers bedient, aus unterschiedlichen Quellen gespeist wird, sich vielfältig ausdrückt und wichtige Sinnfunktionen hat) gehört zum Menschen von Anfang an schon zum Säugling, zum Kind [...]“.
  10. Ebd. S. 246.
  11. Vgl. Fluter, Antonia Herrscher (2012) zu Marcuses Triebstruktur und Gesellschaft: „Die Unterdrückung der Triebe, fand der deutsche Philosoph und Soziologe Herbert Marcuse (1898-1979), schwäche den ‚Eros‘, den Lebenstrieb, zugunsten destruktiver Kräfte wie Krieg und Mord. Durch das ‚Leistungsprinzip‘ der Gesellschaft steigert sich der Konflikt zunehmend.“
  12. Spektrum Akademischer Verlag: Lexikon der Psychologie: Kinderladenbewegung
  13. „Zur Thematik Sexualaufklärung/Sexualität von Kindern in den Kinderläden führt Baader, M. S. (2010) an: ‚Kinder wurden grundsätzlich als sexuelle Wesen gesehen, wie es bereits Freud zu Beginn des 20. Jahrhunderts erklärt hatte. Deshalb wurde dem Umgang mit Äußerungen kindlicher Sexualität in den Kinderläden auch eine pädagogische Bedeutung beigemessen.‘“ (Günther Deegener zitiert Meike Sophia Baader. In: Bewertung pädophiler Forderungen im Deutschen Kinderschutzbund [PDF], S. 111 f).
  14. Karla Verlinden: Sexualität und Beziehungen bei den »68ern«. Bielefeld 2015, S. 384 (vgl. Fußnote bezugnehmend auf Herzog 2000).
  15. Frankfurter Rundschau, Meike Sophia Baader, 20. März 2010: Kinderläden der 70er Jahre. Nenn mich nicht mehr "Mama": „Ziel der Erziehung in den Kinderläden war - vor dem Hintergrund der historischen Erfahrung des Nationalsozialismus - , Kinder zu kritikfähigen, selbstbestimmten und mündigen Menschen zu erziehen, die zum Widerstand fähig wären. Wohlanständigkeit, Gehorsamkeitsorientierung und Angepasstheit als Erziehungsprinzipien sollten der Vergangenheit angehören. Kinder sollten Nein sagen können, wie es das ‚NEIN-Buch für Kinder‘ von 1972 programmatisch zum Ausdruck brachte. Für diese Überzeugungen wurde die Chiffre ‚Antiautoritäre Erziehung‘ gefunden.“
  16. Tilmann Walter: Unkeuschheit und Werk der Liebe. Diskurse über Sexualität am Beginn der Neuzeit in Deutschland. Berlin und New York 1998, S. 18: „Autoren wie Wilhelm Reich, Herbert Marcuse, Erich Fromm, Theodor Adorno oder Ernst Bornemann haben die Repression [Unterdrückung] der genitalen Sexualität als Voraussetzung für die prinzipielle Unterdrückung des Menschen im Kapitalismus betrachtet und waren von der Möglichkeit einer grundsätzlichen Transformation der Gesellschaft durch die sexuelle Befreiung der Individuen überzeugt. [...] Reich selbst war [...] überzeugt davon, daß ‚volle wiederholte sexuelle Befriedigung‘ am Ende jeden Neurotiker heilen würde.“
  17. Barbara Kavemann, Annemarie Graf-van Kesteren, Sibylle Rothkegel, Bianca Nagel: Erinnern, Schweigen und Sprechen nach sexueller Gewalt in der Kindheit. Ergebnisse einer Interviewstudie mit Frauen und Männern, die als Kind sexuelle Gewalt erlebt haben. Wiesbaden 2016, S. 19 f.
  18. Alice Schwarzer (2013): Die Grünen und die Pädophilie: „Den Marsch durch die Institutionen hatten die Pädophilen Anfang der 70er Jahre angetreten – und zwar da, wo die Kinder sind, unter Pädagogen. [...] In diesem Diskurs waren die homosexuellen Pädophilen federführend, obwohl die heterosexuellen Pädophilen in der Mehrheit sind. Sie vermischten ihre Forderung geschickt mit dem Kampf gegen die Diskriminierung Homosexueller. Und sie setzten Pädophilie (Sex mit nicht geschlechtsreifen Kindern) gleich mit Päderastie (Sex mit minderjährigen Jugendlichen).“
  19. Friedrich Koch: Sexueller Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen. Die Bedeutung der Sexualerziehung im Rahmen der Prävention. In: Ulrich Büscher (Hrsg.): Sexueller Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen. Essen 1991, Seite 71 ff., hier Seite 83.
  20. Günther Deegener (2016): Bewertung pädophiler Forderungen im Deutschen Kinderschutzbund (PDF), S. 2.
  21. Die WHO kennzeichnet einerseits Teil des Population Control Establishments, andererseits erfolgt in Deutschland pronatalistische Bevölkerungspolitik nur sozial differenziert (vgl. „nachhaltige Familienpolitik“) – vgl. Kahlert 2007: S. 63 (PDF).
  22. Vgl. Christin Sager: Zeig Mal! – aber wie viel?! Sexualaufklärungsbücher und ihre Fotografien um 1968. In: Sexuelle Revolution? Zur Geschichte der Sexualität im deutschsprachigen Raum seit den 1960er Jahren (Hg. Bänziger, Beljan, Eder, Eitler). Bielefeld 2015, S. 78: „Die ‚Befreiung der kindlichen Sexualität‘ wurde zum Erziehungsziel erkoren [...] schließlich musste im Anschluss an Wilhelm Reich der gesellschaftlichen Revolution eine Veränderung des Individuums vorausgehen. Die Sexualität – auch die des Kindes – wurde nun zu einem wesentlichen Identitätsmerkmal und damit auch das Kind als sexuelles Subjekt wahrgenommen. Für die Sexualerziehung bedeutete dies, dass Kinder nun um jeden Preis zur Lustfähigkeit erzogen werden sollten. Wiederum beriefen sich die Akteurinnen und Akteure auf Wilhelm Reich, der auf den Unterschied zwischen der Duldung und Bejahung kindlicher Sexualität aufmerksam machte [vgl. Reich 1932: Der Einbruch des sexuellen Zwangsmoral, S. 27] ... Die Erwachsenen sollten kindliche Sexualspiele nicht nur akzeptieren, sondern positiv verstärkend darauf reagieren bzw. initiierend auf die Kinder einwirken. Die Kinder sollten ‚genießen‘ lernen.“
  23. Vgl. Wilhelm Reich (1933): Massenpsychologie des Faschismus. Zur Sexualökonomie der politischen Reaktion und zur proletarischen Sexualpolitik, S. 49 f.
  24. Vgl. BZgA: WHO-Regionalbüro für Europa und BZgA - Standards für die Sexualaufklärung in Europa (PDF), S. 39.
  25. BZgA: WHO-Regionalbüro für Europa und BZgA - Standards für die Sexualaufklärung in Europa (PDF), S. 40 ff.
  26. Hessische/Niedersächsische Allgemeine
  27. pro-medienmagazin.de
  28. Christian Weber: Was sie noch nie über Sex wissen wollten. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 94, 24. April 2014, S. 9.
  29. pro-medienmagazin.de
  30. pro-medienmagazin.de
  31. Kinderfreunde – es geht weiter. In: Emma. 1/2015, S. 37ff. (ohne Autorenangabe)
  32. SZ-Magazin 49/2014: Hautaufgaben. - Orgasmus in der Grundschule, Analsex in der Mittelstufe - worüber müssen Schüler Bescheid wissen?
  33. spiegel.de 13. November 2014: Interview mit Elisabeth Tuider
  34. spiegel.de: Sexuelle Vielfalt im Lehrplan: Grün-Rot schmettert Homo-Gegner ab
  35. a b Jutta Hartmann: Doing Heteronormativity? Funktionsweisen von Heteronormativität im Feld der Pädagogik. In: Karim Fereidooni, Antonietta P. Zeoli (Hrsg.): Managing Diversity. Die diversitätsbewusste Ausrichtung des Bildungs- und Kulturwesens, der Wirtschaft und Verwaltung. Wiesbaden 2016, S. 124.
  36. Jürgen Kocka: Das europäische Muster und der deutsche Fall. In: Jürgen Kocka (Hrsg.): Bürgertum im 19. Jahrhundert. Deutschland im europäischen Vergleich. Einheit und Vielfalt Europas. Göttingen 1995, S. 9–75, hier 29 f.
  37. Jasmin Siri: Paradoxien konservativen Protests. Das Beispiel der Bewegungen gegen Gleichstellung in der BRD. In: Sabine Hark, Paula-Irene Villa (Hrsg.): Anti-Genderismus. Sexualität und Geschlecht als Schauplätze aktueller politischer Auseinandersetzungen. Bielefeld 2016, ISBN 978-3-8376-3144-9, S. 251.
  38. Heinz-Jürgen Voß: Wenn rechtpopulistische Kreise gewinnen: Zu den Debatten um Sexualpädagogik und Antidiskriminierung. (dasendedessex.de [PDF]).
  39. Ina-Maria Philipps, Ulrike Schmauch, Uwe Sielert, Karlheinz Valtl, Joachim Walter: Kampagnen gegen emanzipatorische sexuelle Bildung. Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Sexualpädagogik Dortmund (isp). In: Zeitschrift für Sexualforschung. Band 29, Nr. 01, 2016, S. 73–89.
  40. Imke Schmincke: Das Kind als Chiffre politischer Auseinandersetzung am Beispiel neuer konservativer Protestbewegungen in Frankreich und Deutschland. In: Sabine Hark, Paula-Irene Villa (Hrsg.): Anti-Genderismus. Sexualität und Geschlecht als Schauplätze aktueller politischer Auseinandersetzungen. Bielefeld 2016, S. 96 ff.
  41. Oliver Demont: «Röstigraben bei der Sexualkunde». Beobachter 23/2008 (Online)
  42. Spiegel Online, 31. Juli 2007: "Körper, Liebe, Doktorspiele": Von der Leyen stoppt umstrittene Aufklärungsbroschüre
  43. Presseportal, 11. Februar 2008: Kinderschutz Schweiz: Elternratgeber "Körper, Liebe, Doktorspiele": Haltlose Vorwürfe
  44. Vgl. Michael Handel (2008): Schweizer Bündnis zur Prävention von sexueller Gewalt rät zu sexuellen Aktivitäten an Kindern (Memento vom 22. Oktober 2013 im Internet Archive).
  45. Tagblatt Online, 15. Februar 2008: Kinderschutz gesteht Fehler ein
  46. Vgl. BZgA: Gesellschaft für Sexualpädagogik (GSP). Zur Vielfalt von Sexualitäten und Lebensweisen (Selbstdarstellung der GSP)